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„Smartphone, also bin ich?“ Versuch einer Kritik anhand Paul Virilios Dromologie

Title: „Smartphone, also bin ich?“ Versuch einer Kritik anhand Paul Virilios Dromologie

Term Paper , 2013 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Alrun Berger (Author)

Sociology - Media, Art, Music
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Tatsächlich scheint die Zeit im öffentlichen Bewusstsein zu einer kostbaren Ressource geworden zu sein, mit der effizient gewirtschaftet werden muss. So sind in den letzten 25 Jahren eine Vielzahl an populären und wissenschaftlichen Publikationen zum Thema „Zeit“ und „Beschleunigung“ veröffentlicht worden,2 ja sogar ganze Wissenschaftskongresse befassen sich mit diesen Themen. Allerdings beschränkt sich das rege Interesse keineswegs nur auf die Wissenschaftswelt. „Beschleunigung“ ist zum Medienthema schlechthin avanciert und damit zu einem Thema der Öffentlichkeit (Kirchmann 2004: 75). Neben den zahlreichen und allgegenwärtigen Spots und Slogans, die sich des Themenkomplexes zu Werbezwecken für ihr jeweiliges Produkt bedienen,3 reicht das Spektrum von Museumsinstallationen, Seminaren zum Zeitsparen, über eine Flut an sogenannten Zeitspar-Ratgebern4 bis hin zu Fernsehsendungen und kompletten Filmen zum Thema.5
[...]
2 Zu den zwei bekanntesten Publikation der letzten zehn Jahre zählen unter anderem: ROSA, Hartmut (2005): Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne, Frankfurt a. M und BORSCHEID, Peter (2004): Tempo-Virus. Eine Kulturgeschichte der Beschleunigung, Frankfurt.
3 Man denke dabei beispielsweise allein schon an die verschiedenen Slogans wie „Ihre Stadt im Geschwindigkeitsrausch“ oder „surfen Sie am Tempolimit“ u.dgl.m.
4 Hier sei exemplarisch auf die zahlreichen Veröffentlichungen und Seminare von Herrn Lothar Seiwert alias dem „Zeitmanagement-Papst“ verwiesen (vgl. bspw. SEIWERT, Lothar J. (2001): Mehr Zeit für das Wesentliche. Besseres Zeitmanagement mit der SEIWERT-Methode, Landsberg. Noch passender zum Thema der vorliegenden Arbeit scheint allerdings DERS. (2009): 30 Minuten Zeitmanagement mit Blackberry, Offenbach).
5 Erst jüngst lief der Dokumentarfilm „SPEED. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Florian Opitz in den deutschen Programmkinos.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Paul Virilios Lehre von der Geschwindigkeit

II. A. Methodische Orientierung der Dromologie: Das Beispiel der Transportmittel

II. B. Die Automatisierung von Wahrnehmung

III. Das Beispiel Smartphone

III. A. Das Gerät

III. B. Die „virtuelle Nabelschnur“

IV. Schlussfolgerung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Vereinbarkeit der dromologischen Geschwindigkeitstheorie von Paul Virilio mit der heutigen Nutzung von Smartphones, um die Auswirkungen dieser Technologie auf die menschliche Wahrnehmung, Kommunikation und Zeitstruktur zu analysieren.

  • Grundlagen der Dromologie nach Paul Virilio
  • Die historische Entwicklung der Geschwindigkeit und ihre Folgen
  • Das Smartphone als „Prothese des Reisens“ und Instrument der Echtzeit
  • Veränderungen der menschlichen Wahrnehmung und sozialen Interaktion

Auszug aus dem Buch

II. A. Methodische Orientierung der Dromologie: Das Beispiel der Transportmittel

Paul Virilio, geboren 1932 in Paris, war nach einer Ausbildung zum Kunstglasermeister sowie verschiedenen Einsätzen in Deutschland und im Algerienkrieg als Kartograph im Zuge seines Militärdienstes, zunächst als Ausstellungsmacher, Stadtplaner und Architekt tätig (Tholen 1999: 140). Diese Tatsache hat Virilios Herangehensweise an die Themen „Geschwindigkeit und Medien“ laut Grau (2012) maßgeblich geprägt.

Denn ist nicht die Geschwindigkeit der „natürliche Feind“ eines jeden Architekten? Braucht sie nicht leeren Raum und geht mit ihr nicht immer Wandel einher? Und welcher Architekt würde nicht gern für die Ewigkeit bauen? Muss Geschwindigkeit aus der Sicht eines Architekten somit nicht etwas enorm Zerstörerisches an sich haben? So ist es denn auch wenig erstaunlich, dass Virilios Dromologie allem anderen als einem Lobgesang auf die Bewegung, den Fortschritt und eben auf die Geschwindigkeit gleicht - Beschleunigung sei vielmehr „buchstäblich das Ende der Welt“, die westliche Geschwindigkeitsideologie somit nichts anderes als „praktizierter Nihilismus“. Ein hartes Urteil.

Um es zu belegen, geht Virilio historisch vor. Allerdings gesteht auch er zunächst zu, dass Geschwindigkeit ein elementarer Bestandteil der belebten Natur sei. Denn ohne Geschwindigkeit hätten selbst die Pflanzen keine Möglichkeit, sich mithilfe von Wind oder Wasserströmungen auszubreiten und neue Regionen zu besiedeln. Für die meisten Säugetiere dient Bewegung und damit eben auch Geschwindigkeit als Grundlage ihrer Existenz. Auch der Homo sapiens musste sich, um jagen und sammeln zu können zunächst einmal bewegen (Grau 2012: 60f.). So ist die Geschwindigkeit schon immer die ausschlaggebendste Determinante gewesen, die eine Gesellschaft zu allen Zeiten bestimmt hat und ist damit quasi „Analysefaktor Nummer eins“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Beschleunigung der Lebenswelt durch digitale Technologien und führt in das von Paul Virilio geprägte Konzept der Dromologie ein.

II. Paul Virilios Lehre von der Geschwindigkeit: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen der Dromologie sowie die Bedeutung von Geschwindigkeit und Medientechnik für die menschliche Wahrnehmung erläutert.

II. A. Methodische Orientierung der Dromologie: Das Beispiel der Transportmittel: Dieses Unterkapitel analysiert historisch, wie die Entwicklung der Transportmittel zur Dromologie beitrug und warum Geschwindigkeit für Virilio eine zerstörerische Kraft darstellt.

II. B. Die Automatisierung von Wahrnehmung: Hier wird untersucht, wie technische Bildmedien das Sehen und die menschliche Wahrnehmung beeinflussen und zur Massenkonformismus führen.

III. Das Beispiel Smartphone: Dieses Kapitel transferiert Virilios abstrakte Theorie auf das konkrete Phänomen der Verbreitung und Nutzung von Smartphones im Alltag.

III. A. Das Gerät: Hier wird das Smartphone als technisches Allroundgerät betrachtet, das viele Lebensbereiche bündelt und als Prestigeobjekt fungiert.

III. B. Die „virtuelle Nabelschnur“: Dieses Kapitel widmet sich der sozialen Veränderung durch permanente Konnektivität und der Entstehung des sogenannten „Es-Selbst“.

IV. Schlussfolgerung und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Virilios Theorien trotz ihres Alters eine hohe Relevanz für das Verständnis der durch Smartphones geprägten modernen Welt besitzen.

Schlüsselwörter

Paul Virilio, Dromologie, Geschwindigkeit, Smartphone, Beschleunigung, Medientheorie, Wahrnehmung, Telecittà, Echtzeit, Kommunikation, Technologie, Massenkonformismus, Zeitstruktur, Automatisierung, Digitale Revolution.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der rasanten technologischen Entwicklung auf unsere Lebenswelt und untersucht, inwieweit die dromologische Theorie von Paul Virilio auf das Phänomen Smartphone anwendbar ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Philosophie der Geschwindigkeit, die Entwicklung der Medientechnik, die Veränderung der menschlichen Wahrnehmung und der Einfluss ständiger digitaler Erreichbarkeit auf unser Sozialverhalten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob moderne mobile Endgeräte wie das Smartphone unsere Lebenswelt tatsächlich bereichern oder ob sie uns in einer "Zeit der Sendung" gefangen halten, wie es Paul Virilio prophezeite.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse auf Basis medienwissenschaftlicher und soziologischer Ansätze, insbesondere die Dromologie nach Paul Virilio, und verknüpft diese mit aktuellen soziologischen Erkenntnissen zur Smartphone-Nutzung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Virilios Lehre von der Geschwindigkeit und eine praktische Anwendung dieser Theorie auf das Gerät "Smartphone" inklusive seiner Auswirkungen auf Kommunikation und Selbstbild.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dromologie, Beschleunigung, Echtzeit, Wahrnehmungsautomatisierung, technologische Prothesen und der gesellschaftliche Wandel durch Digitalisierung charakterisiert.

Inwiefern beeinflusst das Smartphone unsere zwischenmenschlichen Beziehungen?

Die Arbeit legt dar, dass durch das Smartphone zwar eine permanente Erreichbarkeit besteht, diese jedoch oft zu einer "schwachen Verbundenheit" führt, bei der reale, direkte Aufmerksamkeit durch digitale Interaktion gestört oder ersetzt wird.

Was meint der Autor mit dem "rasenden Stillstand"?

Dieser Begriff stammt von Virilio und beschreibt einen Zustand, in dem die technologische Beschleunigung dazu führt, dass sich Menschen in einer fiktiven, automatisierten Welt bewegen, während ihre tatsächliche Fähigkeit zur bewussten Wahrnehmung und Reflexion stagniert.

Warum wird das Smartphone als "Prothese des Reisens" bezeichnet?

Weil es uns erlaubt, in Echtzeit an anderen Orten präsent zu sein oder Informationen abzurufen, ohne uns physisch bewegen zu müssen, wodurch Zeit und Raum im traditionellen Sinne ihre Bedeutung verlieren.

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Details

Title
„Smartphone, also bin ich?“ Versuch einer Kritik anhand Paul Virilios Dromologie
College
Ruhr-University of Bochum  (Fakultät für Sozialwissenschaften, Sektion Soziologie)
Course
„Ist Bart Simpson revolutionär? Zur Rolle der Massenmedien heute“
Grade
1,0
Author
Alrun Berger (Author)
Publication Year
2013
Pages
28
Catalog Number
V229544
ISBN (eBook)
9783656454588
ISBN (Book)
9783656455622
Language
German
Tags
smartphone versuch kritik paul virilios dromologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Alrun Berger (Author), 2013, „Smartphone, also bin ich?“ Versuch einer Kritik anhand Paul Virilios Dromologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229544
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