Adenauers Amtszeit als Oberbürgermeister von Köln 1945


Seminararbeit, 2013
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Situation Kölns im Jahr 1945

3. Adenauer und der Posten des Oberbürgermeisters von Köln
3.1 Die Berufung Adenauers zum Oberbürgermeister von Köln
3.2 Die Amtszeit unter der amerikanischen Besatzungsmacht
3.3 Die Amtszeit unter der britischen Besatzungsmacht

4. Resümee

5. Abkürzungsverzeichnis

6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Forschungsliteratur

1. Einleitung

Konrad Adenauer ist vielen als der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ein Begriff. Über sein vorheriges politisches Leben wissen die Meisten allerdings wenig. So ist zum Beispiel eine seiner politischen Stationen die des Oberbürgermeisters von Köln. Diesen Posten hatte er im Zeitraum von 1917 bis 1933 inne. Nachdem er 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt entlassen wurde, kehrte er 1945 für fünf Monate in dieses Amt zurück.

Die Tatsache, dass Deutschland nach dem Krieg in Besatzungszonen aufgeteilt wurde, lässt es interessant erscheinen, diese fünfmonatige Amtszeit innerhalb dieser Seminararbeit zu thematisieren. Dabei sollen verschiedene Aspekte beleuchtet werden. Zunächst soll einmal die Situation in Köln aufgezeigt werden, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg vorherrschte. Im Anschluss daran wird der Frage nachzugehen sein, wieso gerade Konrad Adenauer durch die amerikanische Besatzungsmacht erneut die Chance auf den Posten des Oberbürgermeisters erhielt. Natürlich ist dabei auch auf die Beziehung zwischen Adenauer und der amerikanischen Militärregierung einzugehen. Innerhalb dieser fünf Monate kam es zum Wechsel der Besatzungsmächte, was dazu veranlasst, auch die Beziehung zur britischen Militärregierung zu beleuchten. Die Leistungen Adenauers für den Wiederaufbau der Stadt Köln sollen dabei aber nicht vergessen werden. Innerhalb des Resümees werden die wichtigsten Aspekte noch einmal zusammengefasst. Wenn möglich, soll hierbei auch ein kleiner Einblick in die durch die Forschung aufgeworfene Debatte gegeben werden, ob Adenauer bereits größere politische Pläne hatte, als nur Kommunalpolitik zu betreiben.

Da es innerhalb der Forschungsliteratur wenig Literatur über dessen Amtszeit in Köln gibt, zumindest im Verhältnis zu der Zeit, ab der er das Amt des Bundeskanzlers bekleidete, stützt sich diese Hausarbeit im Wesentlichen auf die Biografien von Hennig Köhler und Hans-Peter Schwarz sowie auf das zusammengestellte Werk von Hugo Stehkämper „Konrad Adenauer. Oberbürgermeister von Köln. Natürlich werden auch diverse Quellen wie zum Beispiel Briefe oder auch Adenauers „Erinnerungen“ aus der Zeit herangezogen, da diese am ehesten die Kontroversen beseitigen können, die die Forschung mitunter aufwirft.

2. Die Situation Kölns im Jahr 1945

Köln war im März 1945 eine Stadt mit zwei verschiedenen Stadien des Krieges. Auf der linken Rheinseite marschierten die amerikanischen Truppen bereits am 6. März 1945 ein. Dies gelang, ohne dass ihnen starker Widerstand begegnete. Der Einmarsch auf der rechten Rheinseite Kölns geschah ca. einen Monat später, am 12. April 1945. Allerdings blieben die alliierten Luftangriffe bereits über dem gesamten Stadtgebiet Kölns seit dem Einmarsch im März aus. Zu diesem Zeitpunkt bot Köln ein erschreckendes Bild, welches aufgrund dreijährigen Bombenterrors nur allzu verständlich ist. Vor allem die Innenstadt war ein einziger Trümmerhaufen. Lediglich der Dom ragte standfest aus den Trümmern empor, als hätte es nie Bombenangriffe auf die Stadt gegeben, weswegen er in der Folgezeit zu einem Hoffnungsträger der Kölner in Bezug auf einen Neubeginn wurde.[1] Nicht nur ein Neubeginn für die Menschen selbst, sondern auch für die Stadt. Allerdings glaubte wohl direkt nach dem Einmarsch der Amerikaner aufgrund der desolaten Lage niemand wirklich daran. Die Amerikaner sprachen von Köln als „totem stumpfsinnigen Schutt“[2] oder auch von „einem der größten Trümmerhaufen der Welt“[3]. Dies ist nicht verwunderlich, da die Infrastruktur Kölns nicht mehr existent war. Ganze Straßen sind entweder verschwunden oder verbargen sich unter Schutt und Asche. Auch die Brücken waren zerstört oder zumindest unpassierbar und dies wiederum führte dazu, dass die Schifffahrt zum Erliegen kam.

Die zerstörte Infrastruktur war nicht das einzige Problem. Alle Gebäude waren größtenteils zerstört, was dazu führte, dass sämtliche Behörden nicht einfach wieder ihren Dienst aufnehmen konnten. Neben den Öffentlichen Einrichtungen waren aber auch die meisten Wohnungen durch Bombenangriffe zerstört. Allerdings waren weder auf der linken noch auf der rechten Rheinseite viele Einwohner vorhanden. Waren es mit Kriegsbeginn 1939 noch ca. 768000 Einwohner, konnten nach Kriegsende im März in Köln nur noch insgesamt 40000 Einwohner vermerkt werden. Neben der Zerstörung war dies ein weiterer Schock, da es für eine Stadt mit Großstadtcharakter unheimlich gewirkt haben muss. Diejenigen, welche in Köln geblieben und nicht durch Bombenangriffe ums Leben gekommen waren, fristeten ein höhlenähnliches Dasein in den Trümmern der Stadt. Sie hatten kein Gas, keine Elektrizität und auch kein fließend Wasser. Dieser Anblick von Köln musste auch Adenauer zu denken gegeben haben, da Hans Schmitz bei seiner Rückblende auf die Vergangenheit Kölns zur Nachkriegszeit anmerkt, dass auch Adenauer daran gezweifelt habe, dass man die Innenstadt wieder völlig aufbauen könne.[4]

Natürlich war es anfänglich nicht leicht, eine strukturierte Organisation zu etablieren, damit der Wiederaufbau in Angriff genommen werden konnte. Lag es auch zunächst in der Aufgabe der amerikanischen Besatzung, dass das öffentliche Leben wieder in Gang kam. Einige Tage nach dem Einmarsch auf linksrheinischer Seite begaben sich die Amerikaner auf die Suche nach einer fähigen Person für die Stadtverwaltung. Nach einigen Besprechungen beziehungsweise Beratungen, fanden sie diese Person am 16. März 1945 in Willi Suth, einem Schwager Adenauers. War erst einmal eine Person gefunden, kamen bis Anfang April immer mehr Beigeordnete hinzu, wie zum Beispiel für die Bereiche des Finanzwesens sowie des Bau- und Wohnungswesens. Allerdings hatte die Stadt wenig bis keine finanziellen Möglichkeiten ihre Auslagen zu tilgen, „da die bisherige Verwaltung der Stadt Köln alle Barmittel in das unbesetzte Deutschland hat schaffen lassen“[5]. Den Versorgungsmaßnahmen kam zugute, dass es noch Proviant in Lagerräumen, Kühlhäusern oder auch Proviantämtern gab, welche als besitzlos eingestuft wurden. Weiterhin kam hinzu, dass sich bereits auch neue Geschäfte etabliert hatten, wie zum Beispiel „147 Bäckereien, 83 Fleischerläden und 403 Nahrungsmittelläden“[6]. Je mehr der Neubeginn Kölns in Schwung kam, desto mehr Einwohner kamen hinzu. Dies geschah offenbar so rasant, dass es zu Versorgungsengpässen kam. Diese Engpässe versuchte die amerikanische Besatzung mit Saatkartoffellieferungen zu mildern. Es wurde geschätzt, dass seit Kriegsende in Köln täglich 1000 neue Einwohner hinzukamen, weshalb am Ende des Jahres 1945 bereits wieder ca. 450000 Einwohner regestiert wurden. Neben der Grundversorgung mit Gas, Strom und Wasser wurden auch die Öffentlichen Einrichtungen wieder neu etabliert, wie zum Beispiel die Geldinstitute[7], die Polizeibehörde und auch das Schulwesen sollte wieder in Gang kommen.[8]

Alles in allem lief der Wiederaufbau in Köln gut an, auch wenn immer wieder Probleme auftauchten, wie zum Beispiel die geringe Zahl an Arbeitskräften für den Wiederaufbau. Was allerdings nur darin begründet lag, dass die Einwohner zunächst auch erst einmal ihre Wohnungen neu errichten wollten. Auch die geringe Anzahl an Baumaterialien war ein Problem, da es zu wenig Fahrzeuge gab, um diese zu transportieren. Die Fahrzeuge, die es gab, benötigte man unter anderem für Lebensmitteltransporte.[9]

3. Adenauer und der Posten des Oberbürgermeisters von Köln

3.1 Die Berufung Adenauers zum Oberbürgermeister von Köln

Nachdem die linke Seite des Rheins eingenommen war, sollte es nicht lange dauern, bis die amerikanische Besatzungsmacht Kontakt zu Konrad Adenauer aufnahm. Am 16. März 1945 bekam Adenauer Besuch von Werner Bornheim, welcher in Begleitung von Oberstleutnant Tuhus sowie Captain Emerson war. Sie baten ihn, ganz ohne die militärische Strenge, den Posten des Oberbürgermeisters wieder aufzunehmen. Die Amerikaner suchten eine Person, die der Lage in Köln gewachsen war, da der Wiederaufbau enorm viel Arbeit bedeutete. Natürlich musste diese Person auch auf politischer Ebene vertrauenswürdig sein. Adenauer war somit für den Posten als Oberbürgermeister prädestiniert. Er blickte zu diesem Zeitpunkt bereits auf eine 16-jährige Amtszeit als Oberbürgermister von Köln zurück und kannte die Stadt wohlmöglich besser als jeder andere. Weiterhin stand er auf der sogenannten „weißen Liste“[10], was ihm bei dem Besuch im März allerdings noch nicht bekannt war. Dies erfuhr er erst von Oberleutnant Patterson innerhalb eines Briefes vom 8. Mai 1945, setzte es aber in der Folgezeit mindestens zwei Mal[11] zu seinen Gunsten ein. Merkwürdig hierbei ist jedoch, dass Adenauer immer angab, dass er auf der ersten Position dieser Liste für ganz Deutschland gestanden habe. Diese Tatsache wird auch im Brief des Oberleutnants Patterson geschildert: „(H)is name is Number One oft he White Liste for Germany.“[12].Viel eher scheint es, das dies zwar zutraf, aber nur für den Bereich von Köln und das auch nur, weil sie alphabetisch geordnet war. Auf der Liste für die Region Rheinprovinz hatte er noch 144 andere Personen vor sich stehen. Wie dieses Missverständnis entstehen konnte, ist ungewiss, jedoch wird davon ausgegangen, dass man zur damaligen Zeit über den Aufbau solch einer Liste nichts wusste. Dies wiederum würde erklären, weshalb Patterson von Gesamtdeutschland ausging. Der Bitte, wieder als Oberbürgermeister zu arbeiten, konnte Adenauer im März jedoch nicht nachkommen, da er Angst hatte, seinen Söhnen an der Front könnten somit Repressalien drohen. Dies verstanden auch Tuhus und Emerson und akzeptierten diese Entscheidung in diesem Moment. Einige Tage später jedoch konnte Adenauer durch Captain Schweizer, Adjutant des Gouverneurs von Köln, dazu überredet werden, dass man ihn und seine Frau nach Köln fuhr.[13]

[...]


[1] Vgl. Hans SCHMITZ: Daten 1945-1990. In: Chronik zu Geschichte der Stadt Köln. Band 2: Von 1400 bis zur Gegenwart, ed. P. Fuchs, Köln 1991. S. 263.

[2] Carl DIETMAR / Werner JUNG: Kleine illustrierte Geschichte der Stadt Köln, Köln8 1996, S. 270.

[3] Ebd.

[4] Vgl. Ebd. sowie Hans SCHMITZ: Blick in die jüngste Vergangenheit Kölns (1945-1990). In: Chronik zur Ge-schichte der Stadt Köln. Band 2: Von 1400 bis zur Gegenwart, ed. P. Fuchs, Köln 1991, S. 258.

[5] Toni DIEDERICH: Adenauer als Kölner Oberbürgermeister von Mai bis Oktober 1945. In: Konrad Adenauer. Oberbürgermeister von Köln. Festgabe der Stadt Köln zum 100. Geburtstag ihres Ehrenbürgers am 5. Januar 1976, ed. H. Stehkämper, Köln 1976, S. 502.

[6] Ebd.

[7] Der Kölner Stadtverwaltung kamen nun auch die Aufgaben der ehemaligen Reichs- und Staatsbehörden Kölns zu. Zur Einziehung der Reichs- und Staatssteuern waren diese Geldinstitute deshalb sehr wichtig. (Vgl. Diederich: Oberbürgermeister 1945, S. 502).

[8] Vgl. Ebd., S. 500-503. sowie DIETMAR / JUNG: Kleine Geschichte, S. 271.

[9] Vgl. Ebd., S. 503.

[10] Die „Weiße Liste“ war das Gegenstück zur „Schwarzen Liste“, welche die Sonderkommandos der Nachrichtendienste OSS sowie CIC mit sich führten. Die „Weiße Liste“ führte diejenigen auf, die sich als Regimegegner hervorgetan haben und somit für eine leitende Position innerhalb der Verwaltung geeignet waren. Die „Schwarze Liste“ dagegen führte alle Funktionäre des Regimes auf, damit man diese in Gewahrsam bekam. Allerdings waren diese Listen nicht für ganz Deutschland ausgelegt, sondern eher auf regionaler Ebene angelegt. (Vgl. Hans-Peter SCHWARZ: Adenauer. Der Aufstieg 1876-1952, Stuttgart 1986, S. 429. sowie Hennig KÖHLER: Adenauer. Eine politische Biografie, Frankfurt am Main 1994, S.328).

[11] Das erste Mal ließ er es am 13. Mai 1945 per Brief die Militär-Polizei in Königswinter-Honnef wissen, als diese seine Tochter Lotte nach der Sperrstunde um 21 Uhr in Gewahrsam genommen hatte. (Vgl. Brief Nr. 5, in: Konrad Adenauer: Briefe 1945-1947. Band 1, ed. R. MORSEY / H.-P. SCHWARZ, Berlin/ Paderborn 1983, S. 37). Beim zweiten Mal war dies in einem Brief an Dr. Hans Rörig der Fall, welcher ihm einige Gefallen erweisen sollte, wie zum Beispiel sich nach seinem Sohn Konrad erkundigen, da dieser wohlmöglich in englische Kriegsgefangenschaft geraten war. (Vgl. Brief Nr. 22, ebd.).

[12] Patterson im Wortlaut wiedergegeben nach Konrad Adenauer: Erinnerungen 1945-1953 (Band 1), Stuttgart² 1973, S. 23.

[13] Vgl. Everhard KLEINERTZ: Konrad Adenauer. Seine Zeit – Sein Werk. Ausstellung aus Anlaß des 100. Geburtstages am 5. Januar 1976, Köln 1976, S. 117., Henric L. WUERMELING: Die weiße Liste. Umbruch der politischen Kultur in Deutschland 1945, Frankfurt am Main/Wien 1988, S. 23. sowie SCHWARZ: Aufstieg,
S. 429-434.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Adenauers Amtszeit als Oberbürgermeister von Köln 1945
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V229577
ISBN (eBook)
9783656451983
ISBN (Buch)
9783656452324
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konarad Adenauer, Köln 1945, Oberbürgermeister Köln
Arbeit zitieren
Nadine Trautmann (Autor), 2013, Adenauers Amtszeit als Oberbürgermeister von Köln 1945, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229577

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