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Heinrich von Kleists „Die Verlobung in St. Domingo“. Kritik an Napoleon Bonaparte

Title: Heinrich von Kleists „Die Verlobung in St. Domingo“. Kritik an Napoleon Bonaparte

Term Paper , 2012 , 19 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Jesse Bochert (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die 1811 erschienene Novelle „die Verlobung in St. Domingo“, von Heinrich von Kleist, spielt vor dem Hintergrund der Revolution auf Haiti. Durch eine, seit 1790, ausführlich stattfindende Berichterstattung, über die Verhältnisse auf Haiti, sind nicht nur Kleist, sondern auch seine Leser weitestgehend informiert. Die Erzählung von Kleist ist aber keineswegs eine historische, sondern vielmehr aufgegriffenes historisches Material zur literarischen Inszenierung eines Kampfes, bei dem es um komplizierte Beziehungen zwischen Geschlechtern, Rassen und Klassen geht. So ist Kleists Novelle auch häufig das Verhältnis von Liebe und Politik:1 „Schwarze sind dabei, Weiße zu vernichten, Neger Franzosen, Sklaven ihre Herren, Kolonisierte die Kolonisten, Untere Obere, Guerilleros Angehörige einer regulären Armee, Mandate Gesetze, die Barbarei die Zivilisation, die Französische Revolution ihre Kinder und die ‚Kinder‘ die ‚Eltern‘, vor allem aber, in einem ‚Haus‘, in dem die ‚Wildnis‘ herrscht, nicht-weiße Frauen weiße Männer.“2
Die ältere Forschung setzte Kleists Position unmittelbar mit dem Erzähler gleich, heutzutage ist es jedoch unstrittig, dass in dieser Novelle vom Erzähler eine konservative und gelegentlich rassistische Perspektive eingenommen wird, die nicht ausschließlich identisch ist mit der des Autors.3
[...]
1 Vgl. Uerlings, Herbert: Poetiken der Interkulturalität. Haiti bei Kleist, Seghers, Müller, Buch und Fichte, Tübingen 1997, S. 13.
2 Ebenda.
3 Vgl. Uerlings, Herbert: Preußen in Haiti?; In: Kreutzer, Hans Joachim: Kleist Jahrbuch 1991, Stuttgart 1991, S. 187.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. DAS HISTORISCHE MATERIAL ZUR LITERARISCHEN INSZENIERUNG EINES KAMPFES

2. DIE FRANZÖSISCHE KOLONISATION IN SAINT DOMINGUE UND IHR GESCHICHTLICHER HINTERGRUND

3. ALS DIE SCHWARZEN ZUR BÜCHSE GRIFFEN

3.1. DER RASSISTISCHE ERZÄHLER BEI KLEISTS „DIE VERLOBUNG IN ST. DOMINGO“

3.2. DER WEG VON DER „SCHWARZE HURE“ ZUR „WEIßEN HEILIGEN“

4. WIE VERSTECKT KLEIST SEINE KRITIK AN NAPOLEON?

4.1 KLEIST UND DER „ALLERWELTS-KONSUL“

4.2 NAPOLEON UND SANTO DOMINGO

4.3 DIE RETROPERSPEKTIVEN ERZÄHLUNGEN VON DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION

5. EINIGE SCHLUSSBEMERKUNGEN

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ vor dem Hintergrund der haitianischen Revolution und analysiert, wie der Autor die rassistische Perspektive des Erzählers instrumentalisiert, um verdeckte Kritik an Napoleon Bonaparte und der französischen Expansionspolitik zu üben.

  • Historischer Kontext der französischen Kolonisation auf Haiti
  • Analyse der rassistischen Erzählstruktur und der Rollenbilder in der Novelle
  • Untersuchung der politischen Anspielungen auf Napoleon Bonaparte
  • Die Funktion der Binnenerzählungen zur französischen Revolution
  • Kleists Positionierung als Kritiker von Machtmissbrauch und Zensur

Auszug aus dem Buch

3.1. Der rassistische Erzähler bei Kleists „Die Verlobung in St. Domingo“

Kleist trifft gleich im ersten Satz den zeitgenössischen Diskurs, indem er schreibt: „als die Schwarzen die Weißen ermordeten“ und bringt die komplexen historischen Ereignisse auf diesen Nenner. Die Handlung der Novelle beginnt genau in dem zeitlichen Raum, als „im Jahr 1803“ der General Dessalines die endgültige Niederlage der Franzosen einleitet, nachdem Napoleon nochmal versucht hatte zu intervenieren, und sie endet mit dem Ausgang der Haitianischen Revolution, nämlich mit dem Abzug der Franzosen. Mit dieser Formulierung impliziert er sofort eine Rassisierung der Kämpfe, einen fast schon Holzschnittartigen Entwurf der Rassenverhältnisse und somit ein Verhältnis von Täter und Opfer.

Durch diese Schilderung der historischen Situation, gleich in der Einleitung, aus der dann die Handlung hervorgeht, entsteht unmittelbar eine parteiische, massiv schwarz-weiß-malende Darstellung der Sklaverei und des Befreiungskampfes. Im weiteren Verlauf entfalten sich jedoch noch einige Widerstände die dagegen argumentieren, sodass erst noch zu klären sein wird: „wie sich die Erzählung als ganze zu dieser in der Formulierung, daß ‚die Schwarzen die Weißen ermordeten‘, prägnant verdichteten Repräsentation der haitianischen Ereignisse verhält.“

Der Erzähler behält sein rassistischen Unterton und hält somit an seiner Einschätzung in der Novelle fest und auch der Protagonist, Gustav von Ried, teilt diese weitestgehend, wenn er z.B. auf die gezielte Frage Tonis, „wodurch sich die Weißen daselbst so verhaßt gemacht hätten?“ anfangs das „allgemeine Verhältnis“ zwischen den „Herren der Insel“ und den „Schwarzen“ bekundet, aber dann wenig später als „seit vielen Jahrhunderten“ bestehenden Verhältnisse rechtfertigt und das nur „einige schlechte Mitglieder“ „Mißhandlungen“ zulasten liegen, sodass die „Neger“ jetzt im „Wahnsinn der Freiheit“ „Rache“ nehmen wollen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. DAS HISTORISCHE MATERIAL ZUR LITERARISCHEN INSZENIERUNG EINES KAMPFES: Das Kapitel führt in die Novelle ein und erläutert Kleists bewusste Nutzung historischer Ereignisse auf Haiti als literarisches Material.

2. DIE FRANZÖSISCHE KOLONISATION IN SAINT DOMINGUE UND IHR GESCHICHTLICHER HINTERGRUND: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die koloniale Geschichte Haitis von der Entdeckung durch Kolumbus bis hin zum Sklavenaufstand und der Unabhängigkeitserklärung.

3. ALS DIE SCHWARZEN ZUR BÜCHSE GRIFFEN: Hier wird die rassistische Perspektive des Erzählers sowie die Identitätsentwicklung der Figur Toni zwischen den Extremen von Unterdrückung und Emanzipation analysiert.

4. WIE VERSTECKT KLEIST SEINE KRITIK AN NAPOLEON?: Das Kapitel entschlüsselt die verborgenen politischen Botschaften der Novelle, insbesondere die Kritik an Napoleon Bonaparte und dessen Expansionspolitik.

5. EINIGE SCHLUSSBEMERKUNGEN: Die Arbeit fasst Kleists kritische Haltung gegenüber Napoleon und der französischen Revolution zusammen und verortet ihn als einen radikalen Denker seiner Zeit.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Die Verlobung in St. Domingo, Haiti, Napoleon Bonaparte, Rassismus, Kolonialismus, Französische Revolution, Toussaint Louverture, Dessalines, Literaturanalyse, Widerstand, Sklaverei, Politische Literatur, Toni, Gustav von Ried

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ von Heinrich von Kleist unter dem Aspekt der politischen Kritik, insbesondere wie der Autor hinter einer rassistischen Erzählweise seine Gegnerschaft zu Napoleon Bonaparte verbirgt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen den Kolonialismus auf Haiti, die Dynamik zwischen rassistischen Vorurteilen und historischer Realität sowie Kleists politisches Engagement gegen die napoleonische Vorherrschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Kleist die rassistische Perspektive seines Erzählers gezielt einsetzt, um die preußische Zensur zu umgehen und antinapoleonische Anspielungen in sein Werk einzuweben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit zeitgenössischen Diskursen und historischem Kontext kombiniert, gestützt durch Forschungsliteratur zu Kleist.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Hintergrunds Haitis, die Analyse des Erzählers und der Identitätsentwicklung der Figur Toni sowie die Entschlüsselung der Anspielungen auf Napoleon.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kleist-Novellistik, Postkoloniale Ansätze, napoleonische Hegemonie und politische Dekonstruktion charakterisieren.

Warum spielt die Figur Toni eine zentrale Rolle in der Analyse?

Toni dient als Projektionsfläche für die Rassenkonflikte der Zeit; ihre Entwicklung von der „schwarzen Hure“ zur „weißen Heiligen“ spiegelt die politischen Seitenwechsel und Machtverhältnisse in der Novelle wider.

Welche Funktion hat die explizite Erwähnung des Jahres 1803?

Die Datierung auf 1803 dient laut der Arbeit dazu, den Kontext der napoleonischen Niederlage in der Karibik unmissverständlich zu markieren und so eine direkte Verbindung zu den historischen Machtverlusten Napoleons herzustellen.

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Details

Title
Heinrich von Kleists „Die Verlobung in St. Domingo“. Kritik an Napoleon Bonaparte
College
University of Rostock
Grade
2,0
Author
Jesse Bochert (Author)
Publication Year
2012
Pages
19
Catalog Number
V229604
ISBN (eBook)
9783656454694
ISBN (Book)
9783656457114
Language
German
Tags
Heinrich von Kleist Napoleon Banaparte Die Verlobung in St. Domingo
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jesse Bochert (Author), 2012, Heinrich von Kleists „Die Verlobung in St. Domingo“. Kritik an Napoleon Bonaparte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229604
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