Hygiene in Rom

Was verstanden die Römer unter Hygiene und stand sie allen Gesellschaftsschichten gleich zur Verfügung?


Referat (Ausarbeitung), 2011
11 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Wohnverhältnisse

III. Öffentliche Hygieneeinrichtungen
A. Latrinen
B. Bäder und Thermen

IV. Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Literatur

Quellen

I. Einleitung

Das antike Rom war eine Millionenstadt. Für unsereins scheint es nahezu unbegreiflich, wie die Menschen mit den damaligen Mitteln auf so engen Raum leben konnten. In vie- lerlei Hinsicht hatte das antike Rom mit denselben Problemen zu kämpfen wie heutige Metropolen: Smog, Lärmbelästigung, Umweltverschmutzung.1 Doch wie sahen die hy- gienischen Verhältnisse zu dieser Zeit aus? Was verstanden die Römer überhaupt unter Hygiene? Und stand sie allen Gesellschaftsschichten gleich zur Verfügung?

Der Beantwortung dieser Fragen widmen sich nur wenige Übersichtswerke.2 Hygiene wird vielmehr am Rande übergeordneter Themenkomplexe behandelt. Zudem ist die Quellenlage problematisch. Die Text- und Bildzeugnisse, die überliefert sind, stammen meist von der intellektuellen Elite, schildern also die Lebensumstände aus deren Pers- pektive und eher selten aus der des gemeinen Populus. Selbst die wenigen Quellen, die aus deren Sicht vorliegen, schildern zunächst Einzelschicksale, von denen sich nicht auf die gesamte römische Bevölkerung schließen lässt. Daher beruhen viele Darstellungen auf Vermutungen aufgrund der Lebenssituation und der Wohnverhältnisse im antiken Rom.3

Deshalb werde ich im Folgenden auch zunächst auf diesen Komplex eingehen, um die Bedeutung der öffentlichen Hygieneeinrichtungen wie den Latrinen sowie Bädern und Thermen zu unterstreichen.

II. Wohnverhältnisse

Die Lebensverhältnisse galten selbst für die damaligen Maßstäbe als miserabel. Im anti- ken Rom lebten rund eine Millionen Einwohner, die größtenteils konzentriert im Stadt- kern wohnten.4 Die meisten lebten in einem der 46 000 insulae, Mietkasernen, die bis in den 6 Stock reichten.5 Das höchste von ihnen war sogar über die Stadtgrenzen hinaus als erstes Hochhaus bekannt.6 Trotz diverser Baubestimmungen wurden Häuser so hoch und verwinkelt gebaut, dass teilweise benachbarte Wohnungen niemals das Sonnenlicht sahen. Die Kellerwohnungen hatten nicht einmal Fenster.7

Aufgrund der hohen Nachfrage und des geringen Angebots waren die Mieten dennoch hoch und die Wohnungen mehrfach untervermietet.8 „Dabei gab es auch Wohnquartie- re, wo weniger als ein halber Quadratmeter pro Bewohner zur Verfügung stand“9.

Hinzu kam die mangelnde Müllentsorgung. „Beim Essen wurden Speisereste häufig einfach auf den Boden geworfen. Der Unrat trat sich fest und wurde irgendwann mit einer Schicht neuen Lehms überdeckt oder auf der Straßen mit Schotter überzogen“10. Der restliche Müll landete entgegen Verboten auf der Straße. Passanten liefen nachts nicht selten Gefahr davon sowie von dem Inhalt der Nachttöpfe und Waschschüsseln getroffen zu werden, den die Bewohner der insulae aus dem Fenster kippten.11 12 Denn in den meisten Wohnungen gab es weder Latrinen noch fließendes Wasser.13 14 Wenn Wasser gebraucht wurde, konnte dieses aus einem nahegelegenen Brunnen, im güns- tigsten Fall lag dieser im Hof, geholt und in die oberen Etagen getragen werden.15

Die Wohnverhältnisse waren somit ideal für die Ausbreitung von Krankheiten, Epide- mien und Seuchen. Am häufigsten waren Fieber und Durchfallerkrankungen, die nicht wenig zur hohen Kindersterblichkeit beitrugen. Aber auch Erwachsene blieben davon nicht verschont.16

Nicht nur die soziale Unterschicht lebte in den Mietskasernen, sondern auch einfache Senatoren, die sich besseres nicht leisten konnten.17 Die Elite hob sich von der Masse nicht nur durch geräumige Einfamilienhäuser, den sogenannten domus, ab, sondern auch durch „ökonomische Unabhängigkeit“18. „Wenn ein Vornehmer ein Bad oder eine Latrine (…) in seinem eigenen Hause unterhielt, dann konnte er kaum besser seine ei- gene Freiheit und Erhabenheit ins Bild setzen“19. Der Kaiser entschied darüber, ob je- mandem ein privater Wasseranschluss gewährt wurde. Meistens war dies ein Zeichen für einen aufsteigenden Stern innerhalb der Politik.20 Die Gebühren und Baukosten mussten die Günstlinge jedoch selbst tragen.21 „Amtspersonen, Senatoren und Stadträte in den kleineren Städten hingegen besaßen das Privileg der unentgeltlichen Wassernut- zung“22.

III. Öffentliche Hygieneeinrichtun- gen

Um die Missstände bei den Wohnverhältnissen auszugleichen, gab es die öffentlichen Einrichtungen. Dies ist keine Bewertung aus heutiger Zeit in der Rückblende, vielmehr gelebte Politik, denn bei den Kaisern galt nicht nur „Brot und Spiele“, um den Populus wohlzustimmen, sondern auch Hygiene. So waren nicht wenige Einrichtungen kaiserli- che Stiftungen.23

[...]


1 Vgl. Karl-Wilhelm Weeber: Alltag im alten Rom. Das Landleben ; ein Lexikon, Düsseldorf [u.a.] 2000, S. 315-316.

2 Vgl. Erika Brödner: Die römischen Thermen und das antike Badewesen. Eine kulturhistorische Betrachtung, Darmstadt 1983, S. 9-10.

3 Vgl. Karl-Wilhelm Weeber: Alltag im alten Rom. Das Landleben ; ein Lexikon, Düsseldorf [u.a.] 2000, S. 8.

4 Vgl. Christiane Kunst: Leben und Wohnen in der römischen Stadt, Darmstadt 2006, S. 99.

5 Vgl. Hartmut Galsterer: „Mens sana in copore sano“. Der Mensch und sein Körper in römischer Zeit, in: Arthur E. Imhof (Hrsg.): Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute, München 1983, S. 31-45, hier S. 37.

6 Vgl. Christiane Kunst: Leben und Wohnen in der römischen Stadt, Darmstadt 2006, S. 102.

7 Vgl. Stefan Winkle: Die sanitären und ökologischen Zustände im alten Rom und die sich daraus erge- benden städte- und seuchenhygienischen Maßnahmen, in: Hamburger Ärzteblatt, (1984) 6 u. 8, S. 1-20, hier S. 5.

8 Vgl. Christiane Kunst: Leben und Wohnen in der römischen Stadt, Darmstadt 2006, S. 114.

9 Ebd., S. 110.

10 Ebd., S. 47.

11 Vgl. ebd., S. 112.

12 Vgl. Hartmut Galsterer: „Mens sana in copore sano“. Der Mensch und sein Körper in römischer Zeit, in: Arthur E. Imhof (Hrsg.): Der Mensch und sein Körper. Von der Antike bis heute, München 1983, S. 31- 45, hier S. 37.

13 Vgl. ebd., hier S. 37.

14 Vgl. Christiane Kunst: Leben und Wohnen in der römischen Stadt, Darmstadt 2006, S. 46.

15 Vgl. ebd., S. 40.

16 Vgl. Christiane Kunst: Leben und Wohnen in der römischen Stadt, Darmstadt 2006, S. 44.

17 Vgl. ebd., S. 114.

18 Ebd., S. 63-64.

19 Ebd., S. 63-64.

20 Vgl. ebd., S. 39-40.

21 Vgl. ebd., S. 38.

22 Ingemar König: Vita Romana. Vom täglichen Leben im alten Rom, Darmstadt 2004, S. 74.

23 Vgl. ebd., S. 202.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Hygiene in Rom
Untertitel
Was verstanden die Römer unter Hygiene und stand sie allen Gesellschaftsschichten gleich zur Verfügung?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Geschichtswissenschaft - Historisches Institut)
Veranstaltung
040031 - IPS Minderheiten, Gruppe 2
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V229660
ISBN (eBook)
9783656449348
ISBN (Buch)
9783656449485
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hygiene, römer, gesellschaftsschichten, verfügung
Arbeit zitieren
Stefan Fuchs (Autor), 2011, Hygiene in Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229660

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