Schon seit Jahrtausenden produzieren die Menschen Güter und Dienstleistungen, für deren Herstellung Arbeitskraft notwendig ist. Dabei lassen sich in den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen sehr unterschiedliche Definitionen des Begriffes Arbeit finden. In unserer heutigen Gesellschaft dient die Erwerbstätigkeit zum einen der Befriedigung unserer intrinsischen Motivation, welche unser Antrieb für das Streben nach Wissen und allgemein das Bedürfnis nach Beschäftigung sein kann.
Zum anderen möchten Menschen durch ihre Arbeit den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien erwerben. Da für den Lebensunterhalt vor allem knappe Güter notwendig sind, möchten die einzelnen Wirtschaftssubjekte eine hohe Entlohnung mit ihrer Arbeit erzielen. Dies kann entweder durch möglichst viele Arbeitsstunden oder einen hohen Stundenlohn erzielt werden. Da letztendlich auch das Zeitkontingent beschränkt ist, ist ein Arbeitnehmer also davon abhängig, einen ausreichenden Stundenlohn für die geleistete Arbeit zu bekommen um somit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Arbeitnehmerseite versucht deshalb immer wieder Mindestlöhne durchzusetzen, jedem Arbeitnehmer ist dadurch die Grundsicherung möglich, so die Begründung.
In diesem ersten Abschnitt wird zunächst der Problemhintergrund dargelegt, bevor das genaue Ziel benannt und daraufhin der Aufbau der Arbeit erläutert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Modelle über die Schaffung und Wirkung von Mindestlöhnen
2.1 Das neoklassische Modell
2.1.1 Das neoklassische Modell in Bezug auf den Arbeitsmarkt
2.1.2 Monopsonie
2.1.3 Kritik und Unvollkommenheit des Arbeitsmarktes
2.2 Die nachfrageorientierte Kaufkrafttheorie
2.3 Der ordnungspolitische Aspekt gesetzlicher Mindestlöhne
2.4 Die Zusammenfassung der theoretischen Modelle
3. Der Mindestlohn in Deutschland
3.1 Die derzeitige Situation am Arbeitsmarkt
3.2 Branchenspezifische Mindestlöhne im Rahmen der Tarifautonomie
3.3 In Deutschland diskutierte Ausgestaltungsmöglichkeiten über einen gesetzlichen Mindestlohn
3.4 Studien über mögliche Beschäftigungsauswirkungen eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland
4. Bisherige praktische Erfahrungen über die Auswirkung von Mindestlöhnen
4.1 Empirische Untersuchungen aus den USA
4.2 Erfahrungen in Europa
4.2.1 Die unproblematischen Auswirkungen in Großbritannien
4.2.2 Beschäftigungsverluste in Frankreich
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit bewertet den gesetzlichen Mindestlohn für Deutschland aus volkswirtschaftlicher Sicht, indem sie theoretische Erklärungsmodelle mit praktischen Erfahrungen aus dem In- und Ausland analysiert, um eine fundierte Empfehlung zur Ausgestaltung eines Mindestlohns zu geben.
- Theoretische Grundlagen (Neoklassik, Monopsonie, Kaufkrafttheorie)
- Aktuelle Situation am deutschen Arbeitsmarkt
- Diskussion branchenspezifischer versus flächendeckender Mindestlöhne
- Empirische Erkenntnisse aus den USA, Großbritannien und Frankreich
- Beurteilung der Beschäftigungsauswirkungen und ordnungspolitischer Rahmenbedingungen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das neoklassische Modell in Bezug auf den Arbeitsmarkt
In der Neoklassik wird wirtschaftliches Geschehen auf individuelle Optimierungsentscheidungen zurückgeführt. Hierbei spielt der Markt und dessen Mechanismus eine zentrale Rolle. Auf dem Markt können zwei Wirtschaftssubjekte ihre Güter und Dienstleistungen tauschen, die Optimierungsentscheidung findet hier statt. Damit es zu einem Tauschvorgang kommt, muss jedes der beteiligten Wirtschaftssubjekte, genannt Anbieter und Nachfrager, einen subjektiven Wertzuwachs erreichen. Die Abhängigkeit von Preis und Menge stehen im Zusammenhang mit dem Wertzuwachs. Hat der Anbieter einen möglichst hohen Wertzuwachs, sprich einen hohen Erlös für ein Gut, so wird er eine große Menge dieses Gutes verkaufen wollen. Umgekehrt hat er bei einem geringeren Preis kein Interesse daran, viel des angebotenen Gutes zu verkaufen. Der Nutzen des Nachfragers am Tauschvorgang steigert sich mit fallendem Preis. Bei einem geringen Preis möchte er auch viel des angebotenen Gutes kaufen. Ganz allgemein lässt sich dieses Verhalten in einem Preis-Mengen Diagramm für jedes der beiden Wirtschaftssubjekte beschreiben.
Überträgt man dieses Prinzip nun auf den Arbeitsmarkt, so erscheint in der Volkswirtschaftslehre der Arbeitnehmer als Anbieter seiner Arbeit und das Unternehmen als Nachfrager dieser. Möchte man verstehen, warum sich ein Arbeitslohn in der Neoklassik von selbst bildet, müssen die beiden Seiten zunächst separat betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieser Abschnitt erläutert den Problemhintergrund des Mindestlohns, benennt das Ziel der Arbeit und gibt einen Überblick über den strukturellen Aufbau.
2. Theoretische Modelle über die Schaffung und Wirkung von Mindestlöhnen: Hier werden das neoklassische Modell, die Monopsonie sowie die nachfrageorientierte Kaufkrafttheorie als theoretische Erklärungsansätze für Mindestlöhne und deren Wirkungsweisen detailliert untersucht.
3. Der Mindestlohn in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die aktuelle deutsche Arbeitsmarktsituation, bereits existierende branchenspezifische Regelungen, politische Diskussionen und vorliegende Studien zu Beschäftigungseffekten.
4. Bisherige praktische Erfahrungen über die Auswirkung von Mindestlöhnen: Hier werden empirische Studien und Erfahrungen mit Mindestlöhnen aus den USA, Großbritannien und Frankreich ausgewertet, um sie als Entscheidungshilfe für Deutschland zu nutzen.
5. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die theoretischen und praktischen Erkenntnisse zusammen und gibt eine abschließende Empfehlung für eine moderate Ausgestaltung eines Mindestlohns in Deutschland.
Schlüsselwörter
Mindestlohn, Arbeitsmarkt, Neoklassik, Monopsonie, Kaufkrafttheorie, Beschäftigungseffekte, Tarifautonomie, Lohnuntergrenze, Niedriglohnsektor, Tarifvertrag, Arbeitsnachfrage, Arbeitsangebot, Ordnungspolitik, Sozialpolitik, Wirtschaftsleistung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ein gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland aus volkswirtschaftlicher Sicht zu bewerten ist und welche Auswirkungen er auf den Arbeitsmarkt haben könnte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt theoretische Arbeitsmarktmodelle, die deutsche Arbeitsmarktsituation, branchenspezifische Regelungen sowie praktische Erfahrungen aus internationalen Fallbeispielen ab.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis theoretischer Erkenntnisse und internationaler Praxisbeispiele eine Beurteilung über den gesamtwirtschaftlichen Nutzen eines Mindestlohns für Deutschland abzugeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse ökonomischer Modelle (Neoklassik, Kaufkrafttheorie) in Kombination mit einer Auswertung existierender Studien und empirischer Erfahrungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Modelle, die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt inklusive branchenspezifischer Mindestlöhne sowie die Auswirkungen von Mindestlöhnen in den USA, Großbritannien und Frankreich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mindestlohn, Arbeitsmarkt, Beschäftigungseffekte, Neoklassik, Monopsonie und Tarifautonomie charakterisiert.
Warum wird das neoklassische Modell im Zusammenhang mit Mindestlöhnen kritisiert?
Das neoklassische Modell wird kritisiert, da es Mindestlöhne unter normalen Umständen als schädlich für die Beschäftigung ansieht, jedoch moderne Gegebenheiten wie den technischen Fortschritt oder komplexe Arbeitsmarktstrukturen nur unzureichend berücksichtigt.
Welche Rolle spielt der räumliche Faktor bei der Einführung eines Mindestlohns in Deutschland?
Der räumliche Faktor ist entscheidend, da das Lohnniveau in Ostdeutschland oft niedriger ist als im Westen; ein einheitlicher Mindestlohn könnte daher in strukturschwachen Regionen zu einem überproportionalen Stellenabbau führen.
Was ist das zentrale Fazit der Arbeit bezüglich der Höhe des Mindestlohns?
Der Verfasser empfiehlt einen moderaten Mindestlohn, der über dem "Hartz IV-Stundenlohn" liegt, aber vorsichtig gewählt und schrittweise angepasst werden sollte, wobei der Betroffenheitsgrad der Arbeitnehmer eine zentrale Rolle spielen muss.
- Quote paper
- Johannes Preiß (Author), 2013, Der gesetzliche Mindestlohn für Deutschland aus volkswirtschaftlicher Sicht , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229665