Warheads. Söldner in der Antike


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Die Entstehung von Söldnern im klassischen Griechenland
2.1. Terminologie
2.2. Definition
2.3. Entwicklung
2.4. Folgen

3. Die Söldnerheere in Griechenland und Vorderasien
3.1 Motivationen
3.2 Anwerbung
3.3 Sold und Beute
3.4 Struktur
3.5. Ausrüstung

4. Der wachsende Bedarf an Söldnern im 4. Jh. v. Chr

5. Die „Zehntausend“ des Kyros als Beispiel einer Söldnerarmee

6. Schluss

Literaturverzeichnis und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Mit dem Ende des Peloponnesischen Krieges, der den größten Teil der griechischen Poleis in Mitleidenschaft zog, setzte im vierten und fünften Jahrhundert v. Chr. ein neues Kapitel der Kriegsführung im östlichen Mittelmeerraum ein. Wo sich einst Hopliten rivalisierender Poleis in ihrer Phalanx gegenübergestanden waren, trugen nun angeheuerte Privatarmeen mit einer Vielzahl von neuen Truppengattungen den Krieg für ihre Oberherren aus. Die Hopliten, die prunkvoll und schwer gepanzerten Bürgersoldaten der griechischen Städte, hatten ihre herausragende Rolle in der antiken Kriegsführung einbüßen müssen. Dennoch war ihre Kampfkraft und ihr Einsatz weiterhin auf der Peloponnes und in Vorderasien gefragt. Durch die neue Dimension des Krieges gewannen Männer an Bedeutung, die Krieg zu ihrem Handwerk machten und ein Leben als Soldat dem eines Bürgers oder Bauern vorzogen. Es handelt sich um Männer, die ihre Heimat verlassen, um sich als Berufssoldaten verdient zu machen. Ob Abenteurer oder Vertriebener, sie riskieren ihr Leben für einen fremden Herrn und nehmen die allgegenwärtige Todesgefahr des Krieges in Kauf.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte der Söldner im antiken Griechenland. Es soll der Frage nachgegangen werden, in welcher Form und aus welchen Gründen sich das Söldnertum im griechischen und vorderasiatischen Raum festigen konnte und was eine Söldnerarmee ausmachte. Aufgrund der günstigen Quellenlage kann anhand des Beispiels der berühmten „Zehntausend“ die Geschichte eines Söldnerheeres kurz dargestellt werden. Diese Arbeit wird sich lediglich auf Griechenland und Vorderasien beschränken, da Söldner in dieser Form im Römischen Reich nicht auftauchten und wenn überhaupt in die Kategorie der römischen auxiliares fallen würden, deren Behandlung den gesetzten Rahmen sprengen würde.

In der Forschung wurde das Thema bereits gut beleuchtet und bearbeitet. Herbert Parke und Guy Thompson Griffith haben in den Dreißigern des vergangenen Jahrhunderts fundamentale und essentielle Arbeiten zu diesem Themenbereich publiziert. Matthew Trundle1 verwertete das vorhandene Wissen neu und liefert mit seiner Publikation ein aktuelles und umfassendes Werk zum griechischen Söldnertum in der Antike. Er stellt somit den Großteil der Informationen für die Arbeit bereit. Zeitgenössische Berichte und hervorragende Quellen, gerade für die Analyse der „Zehntausend“, liefert uns Xenophon, der selbst in die Rolle eines Söldners in Asien schlüpfte. Einen ebenfalls sehr informativen Beitrag zum Söldnereinsatz stellt Leonhard Burckhardt2 mit seinen Untersuchungen zu der Rolle von Bürger und Soldaten in Athen bereit.

Anhand dieser Vorlagen soll nun gezeigt werden, was einen antiken Söldner ausmachte und welche Gründe es für einen Einwohner Thrakiens, Kretas oder der Peloponnes gab, für eine fremde Macht in den Krieg zu ziehen.

2. Die Entstehung von Söldnern im klassischen Griechenland

Die ersten griechischen Söldner in der Ägäis lassen sich nicht genau datieren, sondern nur im achten bis siebten Jahrhundert v. Chr. erstmals vermuten.3 Bei Homers Ilias tauchen zwar zunächst fremde Verbündete einer Macht auf, in diesem Fall an der Seite Trojas, allerdings lassen diese sich noch nicht eindeutig als Söldner charakterisieren.4 Fest steht jedoch, dass die ersten griechischen Söldner im 6. Jh. v. Chr. sich in den Dienst von Herrschern außerhalb Griechenlands stellten, vorrangig in Ägypten und in den östlichen Reichen.5 Den frühesten Beweis von einem groß angelegten Söldnereinsatz erhalten wir von Ägyptens Pharao Psammetichus, der um 664 v. Chr. etwa 30.000 Griechen als Söldner anheuerte, die sich in seinem Reich aufhielten.6 Quellen lassen vermuten, dass vor dem Aufstieg des Perserreiches im 7. Jh. v. Chr. griechische Söldner ebenfalls im Dienste babylonischer oder assyrischer Könige gestanden sein könnten.7

Auf dem griechischen Territorium selbst stellten in erster Linie Tyrannen einen lukrativen Geschäftspartner für Söldner dar, sowohl auf der Peloponnes als auch auf den griechischen Kolonialinseln wie Sizilien. Primär konnte der Tyrann durch Anwerben von Söldnern seine usurpierte Macht stabilisieren und sich durch seine bezahlten Bodyguards entsprechend schützen. Desweiteren konnte er aber ebenso seine Privatarmee zu einer expansiven oder defensiven Territorialpolitik rekrutieren.8 So berichtet uns Xenophon beispielsweise von Tyrannen, die unliebsame Bürger ins Exil schickten und danach ihren Besitz enteigneten, um Mittel für das Anheuern von Söldnern bereitstellen zu können.9

Zwei Gründe erklären das neue Phänomen des Söldnertums im östlichen Mittelmeerraum: Zum einen die erwähnte Etablierung von Tyrannen auf dem griechischen Festland und auf den Inseln sowie der Bedarf an Söldnern durch die östlichen Königreiche. Zum anderen macht Burckhardt die archaische Krise dafür verantwortlich. Aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums und des noch labilen Polis-Systems wurde das Tagewerk des Söldners als selbstverständlich erachtet.10

2.1. Terminologie

Ein geeignetes altgriechisches Wort mit der Semantik eines Söldners zu finden, gestaltet sich als relativ schwer. Ein eindeutiges Wort für Söldner existierte nicht. Von der Bezeichnung her schien der gewöhnliche Soldat sich nicht vom Söldner zu unterscheiden, da man wohl in ihrer gemeinsamen Funktion des Kämpfens nicht differenzieren musste. Viel wichtiger war es, verschiedene Bezeichnungen für die jeweiligen Truppentypen zu verwenden, zB. hoplitai für Hopliten oder toxotai für Bogenschützen.11

Das älteste griechische Wort für Söldner dürfte epikouros gewesen sein. Es ist allerdings relativ neutral konnotiert und bedeutet so viel wie Helfer. Es wird in vielen Situationen gebraucht, so dass es stark vom Kontext abhängig ist, ob es sich um einen Alliierten oder einen Söldner handelt. Als weitere Möglichkeit erwähnt Trundle das Wort xenos, was am besten mit Fremder oder Gast zu übersetzen ist. Hier beinhaltet das Wort jedoch noch lange nicht die Semantik, in welcher Beziehung die Person zur fremden Körperschaft steht. Letztendlich trifft das Wort misthophoros am ehesten zu, da es wörtlich übersetzt Lohnempfänger heißt und das markanteste Merkmal des Söldners, die Dienstentrichtung für Lohn, betont.12 Allerdings ist hier wieder zu bemängeln, dass misthophoros genauso gut ein einfacher Lohnarbeiter oder Tagelöhner sein kann.13

Im Bereich der Marine besteht eine ähnliche Problematik: Zwar gibt es präzise Unterscheidungen zwischen den Tätigkeitsfeldern wie etwa Matrose oder Ruderer, allerdings ist es schwierig zu erahnen, ob es sich hierbei um einen Theten im Dienst der Flotte oder um einen angeheuerten Fremdruderer handelt.14

Trotz der terminologischen Schwierigkeiten legt sich Trundle auf die Termini epikouri, xenoi und misthophoroi fest und macht an dieser Stelle darauf aufmerksam, dass die begriffliche Vielfalt ein Zeichen für die ambivalente Erscheinungsform der Söldner in der griechischen Gesellschaft ist.15

2.2. Definition

„[A]n epikouros is a friend for as long as he fights[.]“16 Solange der Söldner angemessen entlohnt wurde, blieb er ein treuer Freund und Kämpfer. Allein das Wort Sold im Terminus Söldner beinhaltet im Deutschen das wesentliche Charakteristikum der Männer, die Krieg zu ihrem Geschäft machten. Burckhardt formuliert in seinem Beitrag folgende stimmige Erklärung:

„Als Söldner soll in unserem Zusammenhang bezeichnet werden, wer für eine Polis oder einen Kriegsherrn außerhalb seiner Heimatpolis freiwillig ohne deren Anordnung bezahlten Kriegsdienst leistete.“17 Zwischen dem Dienst auf dem Land oder zur See wird hier nicht differenziert, denn in erster Linie zählt der Soldatendienst allgemein und nicht die Truppenspezifikation.

[...]


1 Matthew Trundle: Greek Mercenaries. From the late Archaic Period to Alexander. New York 2004.

2 Leonhard Burckhardt: Bürger und Soldaten. Aspekte der politischen und militärischen Rolle athenischer Bürger im Kriegswesen des 4. Jahrhunderts v. Chr. Stuttgart 1996.

3 Trundle: Mercenary, S. 4.

4 Vgl. Ebd. und Hans van Wees: Greek Warfare. Myths and Realities. London 2004, S. 73.

5 Vgl. Burckhardt: Soldaten, S. 80 und Ders. in: DNP 11, 2001, s. v. Söldner, Sp. 668.

6 Michael Sage: Warfare in Ancient Greece. A source book. London 1996, S. 150.

7 Trundle: Mercenary, S. 4f.

8 Burckhardt: Soldaten, S. 81.

9 Xen. hell. 7.1.46.

10 Vgl. Sage: Ancient Greece, S.148 und Burckhardt: Soldaten, S. 80f.

11 Trundle: Mercenary, S.10.

12 Ebd.

13 Ebd., S. 16.

14 Ebd., S. 12.

15 Vgl. Ebd. S. 165 und Burckhardt: Soldaten, S. 79, der die Termini xenoi und misthophoroi zusammenfügt und somit die Motive der Fremdherkunft und des Entlohnens besonders betont.

16 Van Wees: Warfare, S. 73.

17 Burckhardt: Soldaten, S. 79.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Warheads. Söldner in der Antike
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar: Krieg in der Antike
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V229717
ISBN (eBook)
9783656453758
ISBN (Buch)
9783656453703
Dateigröße
945 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Söldner, Militärgeschichte, Krieg, Antike, Hellenismus, Peleponnesischer Krieg
Arbeit zitieren
Maximilian Monsees (Autor), 2009, Warheads. Söldner in der Antike, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229717

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