Architektur und Macht. Die Baupolitik von Augustus und Mussolini im Vergleich


Facharbeit (Schule), 2013

35 Seiten, Note: 13


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Verbindung zwischen Architektur und Macht

3. Baupolitik von Octavian
3.1 Stil
3.2 Funktion
3.2.1 Augustus’ Baupolitik während der Triumviratszeit
3.2.2 Augustus‘ Baupolitik nach dem Sieg über Antonius
3.2.3 Augustus‘ Baupolitik nach dem Tod Agrippas
3.3 Zusammenfassung

4. Baupolitik von Mussolini
4.1 Stil
4.2 Funktion
4.3 E42
4.3.1 Verlauf der Planung und des Baus
4.3.2 Struktur und der EUR
4.3.3 Widersprüche
4.3.4 Bezüge zur Antike
4.3.5 Palazzo della Civiltà Italiana
4.3.6 Forma ultima Fori
4.4 Bedeutung für den Faschismus & Zusammenfassung

5. Vergleich der Baupolitik von Augustus und Mussolini
5.1 Intention
5.2 Stil
5.3 Qualität
5.4 Zusammenfassung des Vergleichs

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Verbindung von Architektur und Macht wird seit mehreren tausend Jahren als Mittel zur Machtsicherung, Machtergreifung usw. genutzt. Besonders auffällig ist hier das Architektur- programm des Augustus, der die Architektur extrem für seine Macht nutzte und damit auch recht erfolgreich war. Da Mussolini ebenfalls durch umfangreiche Bauprogramme versuchte seine Macht zu halten bzw. auszubauen und sich dabei auch häufig auf die Kaiserzeit bezog, bietet sich hier ein Vergleich von beiden Bauprogrammen an, um die Verbindung von Macht und Architektur zu analysieren. Es soll auch die Frage geklärt werden, ob es einen Zusam- menhang zwischen der Baupolitik und der Tatsache gab, dass Augustus sich bis zu seinem Tod im Amt halten konnte und nicht wie Mussolini dem Amt enthoben wurde und danach sogar erschossen wurde.

Als Primärquellen sind viele der Gebäude erhalten geblieben, die zusammen mit Bildern und Inschriften die damalige Welt widerspiegeln können. Des Weiteren kann die Schrift „Res ge- stae divi Augusti“ von Augustus als wichtige Quelle gesehen werden. Auch aus Mussolinis architektonischen Maßnahmen sind die meisten Gebäude noch erhalten. Zusätzlich sind hier auch die Baupläne und Entwürfe der Architekten vorhanden.

Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, durch einen Vergleich der Baupolitik Augustus’ mit der Mussolinis die Verbindung zwischen Macht und Architektur zu analysie- ren. Im ersten Teil soll die Baupolitik von Augustus, im zweiten Teil die von Mussolini be- schrieben werden. Im letzten Teil soll beides miteinander verglichen werden. Im Detail wird, nach einer kurzen Einleitung, der Zusammenhang zwischen Macht und Architektur allgemein dargestellt. Die Beschreibung der Baupolitik von Octavian wird in zwei Hauptthemen geteilt: Stil und Funktion, wobei die Funktion in drei verschiedene temporale Phase unterteilt ist. Ab Kapitel vier wird das Bauprogramm Mussolinis beschrieben, auch hierbei die Unterteilung in Stil und Funktion Allerdings wird hier keine Einteilung in Phasen vorgenommen, sondern ein Baukomplex (die EUR) näher untersucht. Nach den Beschreibungen werden beide unter fol- genden Gesichtspunkten verglichen: Intention, Stil, Qualität. Nach einer Zusammenfassung des Vergleichs werden die Ergebnisse auf die Anfangsfrage hin untersucht.

2. Allgemeine Verbindung zwischen Architektur und Macht

Um eine allgemeine Verbindung zwischen Macht und Architektur herstellen zu können, muss als erstes die grobe Bedeutung von Macht untersucht werden. Auf sozialwissenschaftlicher Ebene kann Macht zwei Bedeutungen haben. Zum einen bedeutet sie, dass eine Gruppe oder

eine Person Ziele gegen äußere Widerstände durchsetzen kann, zum anderen die Möglichkeit, das Verhalten sowie Denken Anderer zu beeinflussen.[1] Will man nun Macht und Architektur zusammenbringen, muss Macht dabei primär als die Möglichkeit, das Verhalten sowie Den- ken anderer zu beeinflussen, aufgefasst werden, da Bauwerke selten direkt gegen äußere Wi- derstände vorgehen.

Die primäre Funktion von Bauwerken besteht im Schutz vor Wetter und anderen Naturkräften oder dient als Mittel des Menschen, um sich gegen andere Lebewesen zu behaupten. Als se- kundäre Funktion gelten die öffentlichen Bedürfnisse der arbeitsteiligen Gesellschaft, also die repräsentative Selbstdarstellung.[2] Bei Prunkbauten ist eher die sekundäre Funktion von Be- deutung, da die Erbauer dieser Gebäude meist sehr vermögend sind und daher auch keinen Kampf ums Überleben bestreiten müssen.

Bauwerke können recht viel aussagen. Sie können als erstes die wirtschaftliche Aufstellung von Personen, Gruppen oder sogar einer ganzen Gesellschaft widerspiegeln. Sie zeigen aber auch den Zustand einer Gesellschaft. Wenn es z. B. eine längere Krise gibt, spiegelt sich dies direkt in der Art der Bauwerke wider.[3] Deshalb kann man diese auch dazu nutzen, um z. B. den Zustand der Gesellschaft bzw. den äußeren Schein bewusst zu verschönern. So können Bauwerke in extremen Fällen auch als Mittel der Propaganda verstanden werden.

Besonders in einem totalitären System besitzt die Architektur eine größere Öffentlichkeitwir- kung als andere bildende Kunst. Deshalb versuchen auch alle totalitären Systeme im 20. Jahr- hundert (z. B. Nationalsozialismus, Stalinismus oder Faschismus), die Architektur für ihre

Machtdarstellung zu nutzen. Dadurch wird der Architektur eine bedeutende symbolische und propagandistische Bedeutung zuteil.[4]

3. Baupolitik von Octavian

Octavian behauptete, dass er Rom in Backstein vorgefunden und es in Marmor verlassen ha- be.[5] Dies ist zwar etwas übertrieben, da die normalen Wohnhäuser der Römer aus Backstein blieben und nicht in Marmor verwandelt wurden, aber auf viele öffentliche Gebäude, wie z.

B. Tempel oder Säulenhallen, trifft dieser Satz durchaus zu.[6]

Bevor Octavian an die Macht kam, befand sich Rom baulich in einem sehr schlechten Zu- stand. Schon um 182 v. Chr. machte man sich über die ärmlich aussehende Hauptstadt lustig. Das große Problem war, dass keiner sich verantwortlich für das Stadtbild Roms fühlte und sich z. B. nicht, wie in anderen, älteren Städten üblich, die einheimische Aristokratie darum kümmerte. Nach den ersten Krisen in Rom (unter den Gracchen 133-121 v. Chr.) wurde noch nicht einmal die Infrastruktur wie Wasserleitungen, Straßen und Brücken erneuert und repa- riert. Auch der Zustand der Tempel verschlechterte sich zunehmend. Als dann Caesar das Problem erkannte, wollte er größere Teile Roms komplett erneuern und hatte auch andere uneffektive und wirklichkeitsferne Vorstellungen. Er wollte z.B. den Tiber umleiten um Platz für eine neue hellenistische sowie rationalistische Rasterstadt im rechtwinkligen Stil (mit rechtwinkligen Straßen, Bürgersteigen, Plätzen und gleichgroßen Insulae) zu schaffen. (Eine ähnliche Vision hatte später nur noch einmal Nero.) Deshalb konnte Caesar nur wenige Bau-

werke fertig stellen und hinterließ Octavian nach seinem Tod viele unvollendete oder nur ge- plante Bauten.[7]

Durch Octavian Schrift „Res gestae divi Augusti“, in dem fast seine gesamten politischen Tätigkeiten vermerkt sind, lässt sich anhand seiner Aufzählung in Kapitel 19 gut nachvollzie- hen welche Gebäude er neu erbaut hat. In Kapitel 20 werden alle Gebäude aufgezählt, die er erneuert hat und im Kapitel 21 wird nochmal besonders herausgestellt, dass alles von ihm privat bezahlt wurde, wobei später noch auf die Herkunft seines Vermögens eingegangen wird.

19. Curiam et continens ei Chalcidicum templumque Apollinis in Palatio cum portici- bus, aedem divi luli, Lupercal, porticum ad circum Flaminium, quam sum appellari

passus ex nomine eius qui priorem eodem in solo fecerat Octaviam, pulvinar ad cir- cum Maximum, aedes in Capitolio lovis Feretri et lovis Tonantis, aedem Quirini, ae- des Minervae et lunonis Reginae et lovis Libertatis in Aventino, aedem Larum in sum- ma sacra via, aedem deum Penatium in Velia, aedem Iuventatis, aedem Matris Mag- nae in Palatio feci.

20. Capitolium et Pompeium tlieatrum utrumque opus impensa grandi refeci sine ulla inscriptione nominis mei. Rivos aquarum compluribus locis vetustate labentes refeci et aquam quae Marcia appellatur duplicavi fonte novo in rivum eius inmisso. Forum Iu- lium et basilicam, quae fuit inter aedem Castoris et aedem Saturni, coepta profliga- taque opera a patre meo, perfeci et eandem basilicam consumptam incendio, ampliato eius solo, sub titulo nominis filiorum meorum incohavi et, si vivus non perfecissem, perfici ab heredibus meis iussi. Duo et octoginta templa deum in urbe consul sextum ex auctoritate senatus refeci, nullo praetermisso quod eo tempore refici debebat. Con- sul septimum viam Flaminiam ab urbe Ariminum refeci pontesque omnes praeter Mulvium et Minucium.

21. In privato solo Martis Ultoris templum forumque Augustum ex manibus feci. The- atrum ad aedem Apollinis in solo magna ex parte a privatis empto feci, quod sub nom- ine M. Marcelli generi mei esset. Dona ex manibus in Capitolio et in aede divi Iuli et in aede Apollinis et in aede Vestae et in templo Martis Ultoris consacravi, quae mihi constiterunt HS cireiter milliens. Auri coronari pondo triginta et quinque millia muni- cipiis et colonis Italiae conferentibus ad triumphos meos quintum eonsul remisi, et postea, quotienscumque imperator appellatus sum, aurum coronarium non accepi, de-

cernentibus municipiis et colonis aeque benigne adque antea decreverant. [8]

Diese Kapitel gehören zum zweiten Teil seines Berichtes, in dem er alle Gelder auflistet, die er aus eigener Tasche über öffentliche Bauten, Spiele, und Spenden an die Bevölkerung be- zahlte. Natürlich ist der Bericht darauf ausgelegt, seine Großzügigkeit (liberalitas) in den Vordergrund zu stellen. Trotzdem ist auffällig, dass er keine konkreten persönlichen Gründe für seine extremen baulichen Aktivitäten nennt. Dennoch muss die persönliche Bedeutung der

Architektur immens groß gewesen sein, da er mit größer Kontinuität über 40 Jahre seine Bau- politik verwirklichte.[9]

3.1 Stil

Ganz im Gegenteil zu Caesars recht extremem und hellenistischem Baustil behielt Octavian auch die Traditionen im Auge und plante weniger radikal. Dies begründete er mit der Pietas[10], mit der Ehrfurcht vor den alten Kultplätzen und Respektierung des Privatbesitzes der Stadt- römer. Deshalb konnte kein komplett neues Straßensystem angelegt werden, und so blieb Rom größtenteils verwinkelt und unverändert, besonders der Teil, der hauptsächlich zum Wohnen genutzt wurde. Es gab nur kleine Verbesserungen durch eine neue Aufteilung der Verwaltung (z. B. konnten so Bauvorschriften[11] effektiver überprüft werden). Auch wenn Octavian gegen den hellenistischen Stil war, hatte er dennoch Einfluss auf die Prunkbauten. So war der edle und teure Marmor aus allen Teilen des Reiches ein sehr wichtiges Gestal- tungsmittel Octavians. In Octavians Bauprogramm fanden aber auch Elemente aus anderen Kulturen Platz, z. B. der 30 m hohe Obelisk, der als Sonnenuhr diente und aus Ägypten kam.[12] Am einflussreichsten war allerdings die griechische Kultur. So waren Säulen nach

griechischem Stil bei Prunkbauten in ganz Rom allgegenwärtig. [13] Besonders auf Athen wur-

de gerne Bezug genommen, da dessen kulturelle Führungsrolle auch in Rom unumstritten war. Neben Säulen wurden auch idealisierte Statuen aus der griechischen Kultur wiederauf- genommen und an viele Stellen Statuen von Persönlichkeiten, vorzugsweise von Augustus, integriert.[14]

3.2 Funktion

Bei Octavian stand die Kunst extrem im Dienst seiner Macht. Er baute bzw. renovierte die Prunkbauten auf dem Marsfeld aus ganz verschiedenen Gründen. Natürlich war einer der Hauptgründe die Repräsentation seiner selbst. Zu der Zeit, als Octavian an die Macht kam, wurde der private Luxus gern zur Schau gestellt. Viele reiche Bewohner bauten sich pracht- volle Villen und Grabmäler und konkurrierten mit anderen Wohlhabenden. Doch dies brachte kaum Macht für den Erbauer. Aus diesen Gründen war besonders bei ärmeren Römer privater Luxus verhasst. Der exzessiv zur Schau gestellte private Luxus wurde als Unmoral und als Symptom des gesellschaftlichen Verfalls, bei dem das individuelle Geltungsbedürfnis und die allgemeine Konkurrenz im Vordergrund standen, angesehen. Trotzdem konnte wenig gegen die große Spanne zwischen Arm und Reich getan werden, da man als Herrscher schlecht die allgemeinen Besitzverhältnisse aktiv (z.B. durch Enteignungen) ändern konnte. Allerdings konnte Octavian durch Luxus in öffentlichen Gebäuden die ärmeren Römer am Reichtum

teilhaben lassen und dabei auch noch ein Symbol gegen die Unmoral schaffen, da er teilweise auch sein Privatvermögen für diese Bauten einsetzte.[15]

Als z. B. Vedius Pollio im Jahr 15 v. Chr. Starb, vermachte er, wie es damals üblich war, ei- nen Teil seines großen Vermögens dem Staat bzw. dem Herrscher, in diesem Fall Octavian, und bat darum, dass dieser ein prächtiges Gebäude erbauen sollte. Vedius Pollio hatte einen sehr schlechten Ruf. Er soll beispielsweise Sklaven bestraft haben, indem er sie lebend an seine Muränen verfütterte.[16] Er besaß auch einen Stadtpalast, der größer als manch kleine Stadt gewesen sein soll, auch diesen vermachte er Octavian. Mit diesem Erbe versuchte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundriss Porticus Liviae [17]

Octavian, ein klares Zeichen gegen den privaten Luxus zu setzten, sich aber auch insgesamt von dem verhassten Verstorbenen zu distanzieren. Anstatt den Palast für sich selbst zu nutzen, gab er dem Volk den Palast zurück, indem er ihn komplett zerstören ließ und an derselben Stelle die luxuriöse Porticus Liviae für das Volk er- bauen ließ. Außerdem war dies einer der wenigen prachtvollen Plätze, der nicht auf dem Marsfeld war und somit auch sehr gut für das einfache Volk zugänglich war. Es gibt noch weitere sol- cher Beispiele, bei denen sich Octavian ganz klar gegen privaten Luxus positioniert. Zum Beispiel entfernte Augustus vier sehr hohe und kostbare Säulen aus dem privaten Atrium von M. Aemilius

Scaurus. Diese Säulen hatte er erst öffentlich in seinem Theater benutzt, dann aber doch in seinem Palast verbaut, anstatt sie für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Augustus gab die Säulen dann symbolisch der Öffentlichkeit zurück, indem sie im Marcellus-Theater ver- baut wurden. [18]

Die Baupolitik wird heute nicht als eine von Anfang an geplante Aktion angesehen, sondern als eine an die Situation angepasste Baupolitik, bei der auch die jeweilige Intention unter- schiedlich war. Deshalb ist meiner Meinung nach die Einteilung in Bauphasen, wie sie Hen- ner von Hesberg vorschlägt, sinnvoll. Von Hesberg ist ein deutscher klassischer Archäologe.[19] Er unterteilt die Baupolitik von Augustus in drei Phasen, die er anhand der sich veränderten politischen Bedingungen festlegt. Als erste Phase sieht er die Triumviratszeit, als zweite die

Zeit nach dem Sieg über Antonius bis zum Tod Agrippas und die dritte ab dem Tod Agrippas bis zum Tod Augustus’.

3.2.1 Augustus’ Baupolitik während der Triumviratszeit

Nach dem Tod Caesars war das primäre Ziel von Octavian, die Oberhand über seinen Rivalen Antonius zu gewinnen. Dabei lieferten sich beide einen Kampf in fast allen Bereichen, so auch in der Baupolitik. Octavian versuchte zwar, mit großen Bauprojekten aufzufallen und sich hervorzuheben, aber dennoch nicht großspurig zu werden. Zu diesen Bauprojekten zählen insbesondere der Apollotempel auf dem Palatin und die Renovierung des Geländes des ehe- maligen Forum Romanum sowie der Pompeiustempel.[20]

Es gab allerdings auch Prunkbauten, bei denen Octavian selbst den privaten Luxus verkörper- te. Besonders das Mausoleum, welches nicht für das Volk bestimmt war, ist so ein Prunkbau. Dieser monumentale Grabbau verkörperte zwar den privaten Reichtum, allerdings bewies er auch ein wichtiges Versprechen von Octavian. Dieser hatte zuvor das Testament seines politi- schen Gegners veröffentlicht. Darin bat Antonius darum, in Alexandrien neben Kleopatra bestattet zu werden. Diese Aussage schädigte das Image von Antonius nachhaltig. Als dann noch Anhänger Octavians behaupteten, dies sei ein Beweis dafür, dass Antonius die Haupt- stadt des römischen Reiches nach Alexandrien verlegen wolle, war das Ansehen von Antonius

in Rom endgültig ruiniert. Im Gegensatz dazu ließ Octavian sein prächtiges Mausoleum in die Höhe wachsen und unterstrich damit seine Zugehörigkeit zu Rom.[21]

Neben Octavian waren auch seine Anhänger sehr wichtig für die Baupolitik. Besonders Ag- rippa trug viel zu dem positiven Image der Baupolitik von Octavian bei. Er baute, ohne dafür Gelder vom Staat zu nehmen, sondern bezahlte vieles auch aus eigener Tasche. Er stellte die Wasserversorgung für Rom sicher, indem er zunächst die bestehenden Aquädukte reparierte und dann neue erbauen ließ. Außerdem reparierte er Straßen und öffentliche Gebäude. Nach- dem die wichtigste Grundinfrastruktur geschaffen worden war, verlängerte er die ludi publici, zu dessen Anlass viele Luxusgüter an das Volk verteilt wurden und auch sonst viele Dinge veranstaltet wurden, die das Volk unterhalten sollten. Damit wurde demonstriert, dass bei Octavian trotz der vielen Aufrufe zum tugendhaften Handeln auch der Spaß nicht außer Acht gelassen wurde.[22]

[...]


[1] Vgl. Brockhaus Lexikon. Band 11. Mannheim 1982, S. 177 f.

[2] Vgl. http://www.kunstgeschichte.adhocgrafx.de/index.php/kurse/121-gebauter-raum/87-funktionen-der- architektur.html, Zugriff: 03.01.2013.

[3] Vgl. Zanker, Paul: Augustus und die Macht der Bilder. München 1987, S. 5.

[4] Vgl. Novikova, Lana: Architettura Razionale – Staatsarchitektur in Italien Mussolinis. Norderstedt 2005, S. 4 f.

[5] Vgl. Fox, Robin: “Die” klassische Welt: eine Weltgeschichte von Homer bis Hadrian. London 2006, S. 516.

[6] Vgl. Hölkeskamp, Karl-Joachim (Hg.): Erinnerungsorte der Antike: Die römische Welt, Band 1. München 2006.

[7] Vgl. Zanker (1987), S. 28 ff.

[8] Auszug aus Res gestae divi Augusti übersetzt von Marion Giebel: 19. Die Kurie und das daran angrenzende Chalcidicum, den Apollotempel auf dem Palatin mit seinen Säulenhallen, den Tempel für den vergöttlichten Julius, das Lupercal, die Säulenhalle am Circus Flaminius, die mit meiner Erlaubnis die Octavische hieß nach demjenigen, der schon früher an der gleichen Stelle eine solche erbaut hatte, die Weihestätte am Circus Maxi- mus, Tempel auf dem Kapitol für Juppiter Feretrius und Juppiter Tonans, den Tempel des Quirinus, Tempel der Minerva, der Juno Regina, des Juppiter Libertas auf dem Aventin, ein Heiligtum der Laren am höchsten Punkt der Via sacra, das Heiligtum der Penaten im Bezirk der Velia, den Tempel der Juventas und den Tempel der Magna Mater auf dem Palatin; all dieses habe ich erbaut. 20. Den Tempel auf dem Kapitol und das Pompei- ustheater, diese beiden Bauten ließ ich mit gewaltigem Aufwand wiederherstellen, ohne irgendeine Inschrift mit meinem Namen. Die Wasserleitungen, die an zahlreichen Stellen bereits wegen ihres Alters schadhaft geworden waren, ließ ich wiederherstellen, und die Leitung, die die Marcia genannt wird, habe ich auf das doppelte Fas- sungsvermögen gebracht, indem ich eine neue Quelle zuleiten ließ. Das Forum Julium und die Basilica, die sich zwischen dem Castor- und dem Saturntempel befindet, Bauten, die von meinem Vater begonnen und fast zu Ende geführt worden waren, habe ich vollendet, und als diese Basilica durch einen Brand zerstört worden war, habe ich ihren Grundriss erweitert und unter dem Namen meiner Söhne erneut mit ihrem Bau begonnen. Falls ich sie zu meinen Lebzeiten nicht vollenden kann, habe ich angeordnet, daß sie von meinen Erben fertiggestellt wird. 82 Göttertempel habe ich in Rom auf Senatsbeschluß wiederherstellen lassen, als ich zum sechsten Mal Konsul war [28 v. Chr.], und keinen dabei ausgelassen, der zu diesem Zeitpunkt erneuerungsbedürftig war. In meinem siebten Konsulat [27 v.Chr.] ließ ich die Via Flaminia von Rom bis Ariminum ausbessern sowie alle Brücken, ausgenommen die Mulvische und die Minucische. 21. Auf Privatgrund und aus der Kriegsbeute erbau- te ich den Tempel des Mars Ultor und das Augustusforum. Das Theater am Apollotempel ließ ich auf einem Grund erbauen, der großenteils aus Privathand aufgekauft war. Es sollte den Namen meines Schwiegersohnes Marcus Marcellus tragen. Weihgeschenke aus der Kriegsbeute ließ ich auf dem Kapitol, im Tempel des vergött- lichten Julius, im Apollotempel im Heiligtum der Vesta sowie im Tempel des Mars Ultor darbringen, die mich etwa auf 100 Millionen Sesterzen zu stehen kamen. An Kranzgold habe ich in meinem fünften Konsulat [29 v. Chr.] 35 000 Pfund Gold, das von den Städten und Ansiedlungen Italiens zu meinen Triumphen zusammenge- bracht worden war, zurückgewiesen. Auch später nahm ich, sooft ich zum Imperator ausgerufen wurde, kein Kranzgold an, das mir von den Stadt- und Landgemeinden ebenso freigebig wie früher zugestanden wurde.

[9] Vgl. Forster, Gregor: Augustus - Die Bedeutung seines Bauprogrammes für Rom. Norderstedt 2005, S. 4 f.

[10] Die Pietas ist eine Tugend, die besonders das angemessene Verhalten gegenüber Traditionen, Eltern, Göttern usw. fordert. Diese Tugend benutzt Augustus recht oft als Legitimation für sein Verhalten besonders gegenüber dem Senat. Damit ließ er seine Herrschaft als Princeps legal und den römischen Traditionen entsprechend ausse- hen zu lassen, auch damit ihm nicht das gleiche Schicksal ereilt wie seinem Adoptivvater Caesar (100-44 v. Chr.), der einer Senatorenverschwörung zum Opfer fiel, da er offen die Alleinherrschaft anstrebe. Vgl. Gräfe, Thomas: Pietas als Herrschertugend bei Augustus (Octavian): Herrscherpropaganda zwischen Tradition und Charisma, Norderstedt 1998, S. 3 ff.

[11] Augustus hatte umfangreich Bauvorschriften erlassen. Seit dem Brand 64 vor Chr. mussten beispielsweise nach Brandschutzgesetzen gebaut werden. Es musste auch auf die Baufluchten und Gebäudehöhen geachtet werden. Vgl. Cziesielski, Erich (Hg.): Lehrbuch der Hochbaukonstruktionen. Stuttgart 1997, S. 752.

[12] Vgl. Zanker (1987), S. 149.

[13] Vgl. Wilkinson, Lancelot: Rom und die Römer. Portrait einer Kultur, Gladbach 1979, S. 135.

[14] Vgl. Stahl, Michael: Botschaften des Schönen: Kulturgeschichte der Antike. Suttgart 2008, S. 68 ff.

[15] Vgl. Zanker (1987), S. 11ff.

[16] Vgl. Vössing, Konrad: Mensa Regia: Das Bankett Beim Hellenistischen König und Beim Römischen Kaiser. München 2004, S. 322.

[17] http://www.pictokon.net/bilder/02-2009-bilder/rom-roemer-roemisches-reich-bilder-1001-porticus-liviae-aus- dem-stadtplan-von-rom-nach-lanciani.jpg, Zugriff: 26.03.2013.

[18] Vgl. Zanker (1987), S. 142.

[19] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Henner_von_Hesberg, Zugriff: 20.03.2013.

[20] Vgl. Forster (2005), S. 8.

[21] Vgl. Zanker (1987), S. 80.

[22] Vgl. ebenda S. 79.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Architektur und Macht. Die Baupolitik von Augustus und Mussolini im Vergleich
Hochschule
Gymnasium Bruchhausen-Vilsen
Note
13
Autor
Jahr
2013
Seiten
35
Katalognummer
V229721
ISBN (eBook)
9783656449607
ISBN (Buch)
9783656450450
Dateigröße
2631 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
architektur, macht, baupolitik, augustus, mussolini, vergleich
Arbeit zitieren
Ehler Benjes (Autor), 2013, Architektur und Macht. Die Baupolitik von Augustus und Mussolini im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229721

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