Diese Ausarbeitung ist ein theoretisch orientierter Überblick, der anhand der vorhandenen Literatur und Medien über Inhalte und Möglichkeiten für die pädagogische Anwendung der Trendsportart „Le Parkour“ im mehrperspektivischen Schulsport informiert. Was ist Parkour, was sind Inhalte und was macht seine Faszination aus? Zunächst soll geklärt werden, welche Art von Sport Parkour darstellt. Es wird auf Inhalte, Historie und „Philosophie“ von Parkour eingegangen, sowie auf Ableger und Variationen. Da Parkour besonders unter jungen Menschen bekannt ist, ließ die mediale Inszenierung und Kommerzialisierung von Parkour nicht auf sich warten. Diese sollen hier dargestellt werden und wie der eigentliche Sinn von Parkour falsch dargestellt wird.
Gerade durch das große Interesse an Parkour und die Faszination, die von dieser Bewegungsform ausgeht, bietet Parkour Sportlehrerinnen und Sportlehrern eine ausgezeichnete Möglichkeit, interessanten Sportunterricht anzubieten. Im Zusammenhang von Parkour und Schulsport fallen oft die Schlagworte „Wagnis“, „Risiko“ und „Abenteuer“, für die hier Definitionen erfolgen.
Welche Gründe lassen sich dafür finden, dass sich besonders Jugendliche in gefährliche Situationen begeben? Diese Frage soll aus dem Blickwinkel der Soziologie beantwortet werden. Nach der Nennung der Forderungen an den Schulsport wird der Frage nachgegangen, wie im hessischen Lehrplan für das Fach Sport die mehrperspektivische Auslegung nach Kurz beschrieben wird, und ob sich Parkour in die einzelnen Perspektiven, sowie Bewegungsfelder integrieren lässt. Im Anschluss werden mögliche Unterrichtsinhalte und Differenzierungsmöglichkeiten dargestellt, die in der Praxis angewendet werden können.
Der Sicherheitsaspekt hält viele Sportlehrerinnen und Sportlehrer davon ab, Parkour im Sportunterricht anzubieten. Doch ist Parkour gefährlicher als andere Schulsportarten? Da hierzu noch keine Studien vorliegen, sollen Untersuchungen bemüht werden, die die Verletzungsraten beim Gerätturnen und anderen Schulsportarten vergleichen. Es wird ein Ausblick über die weitere Entwicklung des Trends „Parkour“ gewagt, der mit Zusammenfassung und Fazit endet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Le Parkour
2.1 Bewegungsziel
2.2 Grundlegende Bewegungsformen
2.3 David Belle und die Entstehung von „Le Parkour“
2.3.1 Méthode Naturelle
2.3.2 Raymond Belle
2.4 Philosophie
2.5 Entwicklung, Ableger und ähnliche Bewegungsformen
2.5.1 Freerunning
2.5.2 Parcouring
2.5.3 Trakour
2.5.4 Tricking
2.6 Die Aneignung urbaner Räume
2.7 Le Parkour als jugendkulturelles Trendphänomen
2.8 Mediale Inszenierung und Kommerzialisierung
2.8.1 Mediale Inszenierung
2.8.2 Kommerzialisierung
3 Abenteuer – Risiko – Wagnis
3.1 Definitionen
3.1.1 Abenteuer
3.1.2 Risiko
3.1.3 Wagnis
3.2 Soziologische Betrachtung des sportlichen Wagnisses
4 Trend- und Wagnissport
4.1 Trends und Trendsportarten
4.2 Vom Risiko- zum Wagnissport
5 Schulsport
5.1 Forderungen an den Schulsport
5.2 Konzept der Handlungsfähigkeit nach Kurz
5.3 Wagnis- und Trendsport im Schulsport
5.4 Das pädagogische Potenzial der Wagniserziehung
5.5 Pädagogische Ziele der Wagniserziehung
6 Le Parkour im Schulsport
6.1 Parkour im mehrperspektivischen Sportunterricht
6.1.1 „Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen“
6.1.2 Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln
6.1.3 Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen
6.1.4 Sinneswahrnehmung verbessern, Bewegungserlebnis und Körpererfahrung erweitern
6.1.5 Sich körperlich ausdrücken, Bewegung gestalten
6.1.6 Etwas wagen und verantworten
6.2 Parkour und Bewegungsfelder
6.3 Parkour im Berufsschulsport
6.4 Unterrichtsinhalte
6.4.1 Didaktisch-methodischer Aufbau
6.5 Differenzierung
6.6 Sicherheitsaspekt
6.6.1 Parkour in der Halle
6.6.2 Parkour Draußen
6.7 Rolle der Lehrperson
6.8 Unterrichtsinhalte
6.9 Mediale Inszenierung von Parkour durch Schulklassen
6.10 Wettbewerbsgedanke und Bewertung
7 Erfahrungen aus der Praxis mit Parkour im Sportunterricht
8 Ausblick
8.1 Parkour im Allgemeinen
8.2 Ausblick Parkour im Schulsport
9 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern die Trendsportart „Le Parkour“ im mehrperspektivischen Schulsport pädagogisch sinnvoll eingesetzt werden kann, um Lerninhalte zu vermitteln und Schülerinnen und Schüler zu motivieren.
- Integration von Parkour in den mehrperspektivischen Sportunterricht
- Pädagogische Potentiale und Ziele der Wagniserziehung im Kontext von Parkour
- Analyse der Trendsportart hinsichtlich Historie, Philosophie und mediale Inszenierung
- Methodisch-didaktische Gestaltungsmöglichkeiten für den Hallen- und Außensportunterricht
- Sicherheitsaspekte und die Rolle der Lehrperson im Wagnissport
Auszug aus dem Buch
2.1 Bewegungsziel
Parkour hat in den letzten Jahren eine extreme Bekanntheitssteigerung erfahren und schon viele Fernsehsender zeigten Berichte über diese spektakuläre Art der Fortbewegung. Um jedoch genauer informiert zu sein über Inhalte und Techniken, werden hier grundlegende Parkour-Techniken aufgeführt, die mit Hilfe von Differenzierungen, für die sich Parkour in der Halle besonders eignet, für jeden SuS erlernbar sein sollten. Jemand, der Parkour ausübt, wird als „Traceur“ bezeichnet (franz. „der den Weg ebnet“). Die weibliche Bezeichnung lautet „Traceuse“. Die inszenierte Laufstrecke über Mauern, Zäune, Geländer und andere Hindernisse, die ein Traceur zurücklegt, wird als „Run“ bezeichnet. Ziel dieses „Runs“ ist es, „den Zusammenhang zwischen dem Ziel der Gesamtbewegung eines ganzen Run und deren einzelner Elemente in Erfahrung zu bringen und für den einzelnen Traceur als gelingende Bewegungshandlung bzw. -erlebnis spürbar werden zu lassen“ (Heinlin & Lange, 2010, S. 530f). Erfahrene Traceure berichten bei gelungenen Runs in Anlehnung an Csíkszentmihályi (2010) von einem „Flow“-Erlebnis, das sich einstellen kann, wenn Handlungen, Tätigkeiten oder Bewegungen intuitiv in Schnelligkeit oder Perfektion ablaufen und das Subjekt in seinem Handeln aufgeht. Es kommt zu einer empfundenen Verschmelzung von Subjekt und Handlung (vgl. Heinlin & Lange, 2010, S. 531).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation und das Ziel der Masterthesis vor, Parkour als pädagogisch wertvolle Trendsportart im Schulsport zu evaluieren.
2 Le Parkour: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge, die Philosophie sowie verschiedene Ausprägungen von Parkour und geht auf dessen mediale sowie kommerzielle Aspekte ein.
3 Abenteuer – Risiko – Wagnis: Hier werden zentrale theoretische Begriffe der Wagniserziehung definiert und soziologisch in Bezug auf das menschliche Handeln in Gefahrensituationen kontextualisiert.
4 Trend- und Wagnissport: Dieses Kapitel definiert Trendsportarten und bettet Parkour in den wissenschaftlichen Diskurs des Wagnissports ein.
5 Schulsport: Hier werden die Forderungen an den Schulsport sowie das Konzept der Handlungsfähigkeit nach Kurz dargelegt, um das pädagogische Potenzial der Wagniserziehung zu begründen.
6 Le Parkour im Schulsport: Dieser Hauptteil zeigt konkret auf, wie Parkour in den mehrperspektivischen Sportunterricht integriert werden kann, inklusive methodischer Hinweise, Sicherheitsaspekten und Differenzierungsmöglichkeiten.
7 Erfahrungen aus der Praxis mit Parkour im Sportunterricht: Dieses Kapitel präsentiert Ergebnisse und Rückmeldungen aus Schulpraktischen Evaluationen zum Einsatz von Parkour.
8 Ausblick: Der Ausblick diskutiert die zukünftige Relevanz von Parkour in der Gesellschaft und im Sportunterricht angesichts der Sättigung von Trendsportarten.
9 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die wesentlichen Argumente und Ergebnisse der Arbeit kompakt zusammen.
Schlüsselwörter
Parkour, Schulsport, Wagniserziehung, Trendsport, mehrperspektivischer Sportunterricht, Traceur, Wagniskompetenz, Selbstkonzept, Bewegungsformen, Sicherheitsaspekt, pädagogisches Potenzial, Bewegungsfelder, Sportdidaktik, Jugendkultur, Bewegungsabenteuer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potential von Parkour, um als pädagogisch wertvolle Bewegungsform im Sportunterricht eingesetzt zu werden.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Die Arbeit verknüpft die Geschichte und Philosophie von Parkour mit der pädagogischen Wagniserziehung und der soziologischen Betrachtung von Abenteuer- und Risikosport im Schulsport.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll geklärt werden, ob und wie Sportlehrerinnen und Sportlehrer Parkour sinnvoll nutzen können, um Schülerinnen und Schüler zu motivieren und gleichzeitig zentrale Lernziele zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um einen theoretisch orientierten Überblick, der auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung von Medien sowie Praxisbeispielen basiert.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil widmet sich der Umsetzung von Parkour im Sportunterricht, inklusive der Integration in den mehrperspektivischen Sportunterricht, konkreten Unterrichtsinhalten und Sicherheitsvorkehrungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Parkour, Wagniserziehung, Handlungsfähigkeit, Schulsport und Bewegungslandschaft.
Inwiefern unterscheidet sich Parkour von anderen Trendsportarten wie Skateboarden?
Im Gegensatz zum Skateboarden benötigt Parkour keine spezielle Ausrüstung und die Philosophie betont weniger einen bestimmten Lifestyle als vielmehr die individuelle Selbstüberwindung und Körperbeherrschung.
Welche Rolle spielen Sicherheitsaspekte bei Parkour im Schulsport?
Da Parkour mit einem gewissen Verletzungsrisiko verbunden ist, wird der Sicherheit, etwa durch Matten, permanentes Sichern und die Schulung der Risikokompetenz, eine zentrale Bedeutung beigemessen.
- Quote paper
- Master of Education Arno Petri (Author), 2011, Abenteuer, Risiko oder Wagnis? "Le Parkour" im Schulsport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229775