Schon in den 1920-er Jahren – nach Ende des ersten Weltkriegs – wurden Rufe nach einer wirtschaftlichen und politischen Einigung Europas laut. Angst vor einem erneuten Krieg, dem wirtschaftlichen Verfall und der zunehmenden Bedeutungslosigkeit der europäischen Staaten im weltweiten Machtgefüge unterstützten diese Einigungspläne, die auch den Wunsch nach einer gemeinsamen Währung enthielten. Von denselben Motiven geleitet verfolgen die europäischen Regierungen seit dem Ende des zweiten Weltkriegs die europäische Einigung, die sich bisher vor allem auf eine wirtschaftliche und monetäre Integration beschränkt. Nach einigen gescheiterten Versuchen gibt es nun seit 1999 zumindest in einem wachsenden Teil Europas eine einheitliche Währung – den Euro (vgl. Clemens et al. 2008).
Da in erster Linie politische Interessen bei der Gründung der Währungsunion ausschlaggebend waren, soll in der folgenden Arbeit nachträglich untersucht werden, ob die Einigung auch aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht Erfolg versprechend ist. Die Analyse für die ersten zwölf Mitgliedsländer der Eurozone basiert auf der Theorie optimaler Währungsräume und soll letzten Endes die Frage, ob die EUR-12 ein optimaler Währungsraum ist, beantworten. Aufgrund der statischen Betrachtung durch die OCA-Theorie soll weiterhin untersucht werden, ob sich das Ergebnis der Analyse durch die Finanzkrise seit 2007 verändert hat.
In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die theoretischen Grundlagen dargestellt, wobei einerseits die Vor- und Nachteile einer gemeinsamen Währung gegenübergestellt und andererseits die Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume erläutert werden. Im zweiten Teil wird die Eurozone auf Grundlage der vorgestellten Kriterien der OCA-Theorie evaluiert. Es folgt eine kritische Auseinandersetzung mit der Theorie optimaler Währungsräume und ein Blick auf die Zukunft der Eurozone.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Währungsräume
2.1.1 Vorteile einer Währungsunion
2.1.2 Nachteile einer Währungsunion
2.2 Theorie optimaler Währungsräume
2.2.1 Robert A. Mundell: Arbeitsmobilität
2.2.2 Ronald McKinnon: Offenheit
2.2.3 Peter Kenen: Diversifikation von Handel und Produktion
2.2.4 Neuere Kriterien
2.2.5 Zusammenfassung
3 Ist die Eurozone ein optimaler Währungsraum?
3.1 Asymmetrische Schocks und Inflation
3.2 Faktormobilität
3.3 Offenheit
3.4 Diversifikation von Handel und Produktion
3.5 Fiskaltransfers
3.6 Ergebnis
4 Kritische Würdigung
5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die ersten zwölf Mitgliedsländer der Eurozone (EUR-12) aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht einen optimalen Währungsraum bilden. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die Eurozone die Kriterien der Theorie optimaler Währungsräume erfüllt und ob sich diese Beurteilung durch die Auswirkungen der Finanzkrise seit 2007 verändert hat.
- Grundlagen der Theorie optimaler Währungsräume
- Analyse asymmetrischer Schocks und Inflationsraten in der EUR-12
- Evaluierung von Faktormobilität und Handelsverflechtungen
- Untersuchung von Diversifikationsgraden und Fiskaltransfers
- Kritische Würdigung der Integrationsprozesse und Zukunftsaussichten
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Robert A. Mundell: Arbeitsmobilität
Robert A. Mundell untersucht in „A Theory of Optimum Currency Areas” (1961) die Auswirkungen eines asymmetrischen Nachfrageschocks auf das herrschende Gleichgewicht zwischen zwei Regionen. Regionen werden dafür definiert als „[…] areas within which there is factor mobility, but between which there is factor immobility.” (Mundell 1961, S. 658). Eine Region entspricht also nicht zwangsläufig dem Staatsgebiet. Des Weiteren ist seine Definition einer Region nicht ausschließlich geografischer Natur. Herrscht zwischen zwei unterschiedlichen Branchen, beispielsweise der Auto- und der Kleidungsindustrie, keine Faktormobilität, so sind diese ebenfalls als zwei Regionen zu betrachten. Mit Faktormobilität meint Mundell lediglich Arbeitsmobilität, da Kapital seinerzeit aufgrund der technischen Möglichkeiten und gesetzlichen Regelungen kaum über Landesgrenzen hinweg mobil war.
In seiner Analyse kommt er zu dem Schluss, dass flexible Wechselkurse zwischen unterschiedlichen Regionen gegenüber einem festen oder flexiblen Wechselkurssystem auf Grundlage von Nationalstaaten vorzuziehen sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der europäischen Einigungspläne ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Eurozone anhand der Theorie optimaler Währungsräume zu evaluieren.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert Währungsräume sowie die Vor- und Nachteile von Währungsunionen und stellt die zentralen Kriterien der OCA-Theorie (Arbeitsmobilität, Offenheit, Diversifikation) vor.
3 Ist die Eurozone ein optimaler Währungsraum?: Der Hauptteil analysiert die Eurozone (EUR-12) anhand der zuvor definierten Kriterien und untersucht insbesondere die Konvergenz von Inflationsraten, Faktormobilität und Handelsstrukturen.
4 Kritische Würdigung: Hier wird der theoretische Rahmen der OCA-Theorie kritisch hinterfragt, wobei insbesondere die Relevanz der Modellannahmen in der modernen europäischen Realität thematisiert wird.
5 Ausblick: Der abschließende Ausblick diskutiert die Zukunftsfähigkeit der Eurozone und die notwendigen Voraussetzungen für eine mögliche Vertiefung der Integration, etwa durch Fiskaltransfers.
Schlüsselwörter
Eurozone, EUR-12, Theorie optimaler Währungsräume, Währungsunion, asymmetrische Schocks, Arbeitsmobilität, Kapitalmobilität, Inflation, Konvergenz, Fiskaltransfers, Handelserflechtung, Diversifikation, Finanzkrise, EZB, Preisstabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wirtschaftswissenschaftlichen Beurteilung, ob die ersten zwölf Euro-Länder einen optimalen Währungsraum bilden.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themenfelder umfassen die Theorie optimaler Währungsräume (OCA-Theorie), die Analyse von Schocks, Arbeits- und Kapitalmobilität sowie die Handelsverflechtung und Fiskaltransfers innerhalb der Eurozone.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die EUR-12 ein optimaler Währungsraum ist und ob die Finanzkrise seit 2007 eine Neubewertung der Eurozone erforderlich macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf die theoretischen Kriterien der OCA-Theorie und evaluiert diese anhand von Wirtschaftsdaten der zwölf Mitgliedsländer, inklusive vergleichender Analysen zu den USA.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil evaluiert die Konvergenz von Inflationsraten, die Faktormobilität (Arbeit und Kapital), die Offenheit der Volkswirtschaften, die Diversifikation der Handelsstrukturen sowie die Rolle von Fiskaltransfers in der EU.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Eurozone, OCA-Theorie, asymmetrische Schocks, Faktormobilität, Konvergenz und Fiskaltransfers.
Warum spielt die Arbeitsmobilität in Mundells Analyse eine zentrale Rolle?
Mundell sieht Arbeitsmobilität als den entscheidenden Mechanismus an, um Ungleichgewichte zwischen Regionen auszugleichen, wenn eine autonome Geldpolitik durch den Beitritt zur Währungsunion aufgegeben wurde.
Inwieweit beeinflusst die Finanzkrise die Schlussfolgerung der Arbeit?
Die Arbeit stellt fest, dass die Krise zwar die Divergenz der Renditen bei Staatsanleihen erhöht hat, eine grundlegende Neubewertung der Eurozone als optimaler Währungsraum jedoch derzeit nicht zwingend notwendig ist.
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- Kristina Riedel (Autor), 2012, Ist die Eurozone ein optimaler Währungsraum?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229776