Analyse und Vergleich der Schlachten in Wirnt von Grafenbergs "Wigalois" und "Daniel von dem blühenden Tal" vom Stricker.

Der späte Artusroman


Hausarbeit, 2013
15 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung Haus
1.1 Zur vorliegenden Hausarbeit
1.2 Kurzer Forschungsbericht zum Artusroman im 13. Jahrhundert
1.3 Zeitliche Verortung der beiden Texte

2 Hauptteil
2.1 Kurze Verortung im Text und inhaltliche Beschreibung der Schlachten.
2.1.1 Die vier Schlachten im Daniel
2.1.2 Die Schlacht im Wigalois
2.2 Aspekte im Daniel
2.2.1 Die besondere Rolle von König Artus
2.2.2 Das Motiv des zorn und des nit
2.3 Aspekte im Wigalois
2.4 Vergleich
2.4.1 Ähnlichkeiten und Gegensätze im Wigalois und Daniel
2.4.2 Die Gegenspieler Matur und Lion

3 Fazit

4 Literaturverzeichnis

5.1 Quellen
5.2 Darstellungen

1 Einleitung

1.1 Zur vorliegenden Hausarbeit

Schlachten sind im Artusroman rar gesät, sie entsprechen nicht dem typischen Gat- tungsbild, sondern sind eher der Chanson de geste zuzuordnen. Die Tatsache, dass die beiden besprochenen Texte große Massenschlachten darstellen, zeigt eine gewisse Öff- nung der Gattung Artusroman, hebt die Romane aber trotzdem von den zeitgenössi- schen Artgenossen ab.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Schlachten, die in den beiden Romanen

Daniel vom dem blühenden Tal und „ Wigalois beschrieben werden. Von Bedeu-“12 tung wird sein, welche Beobachtungen eine Schlacht in einem Artusroman zu kenn- zeichnen scheinen, weil sie in beiden Texten auftreten, und welche für den jeweiligen Text allein stehen. Letztere Aspekte sollen dann, soweit es der Umfang einer Seminar- arbeit zulässt, daraufhin analysiert werden, inwieweit sie dem Text einen Mehrwert ge- ben und ob sie eine Interpretation zulassen.

1.2 Kurzer Forschungsbericht zum Artusroman im 13. Jahrhundert

Die Artusromane entstehen in Deutschland etwa in der Zeit zwischen 1180 und 1400 und sind inhaltlich gekennzeichnet durch eine dichte Stoffmasse und einen hohen Grad an Intertextualität und die immer wiederkehrenden Figuren, die Ritter der Tafelrunde des König Artus. Meist geht es um einen Protagonisten, der in die Tafelrunde und den Stand des Ritters aufgenommen werden möchte und dafür zahlreiche Proben bestehen muss, in den Quellen sowie der Forschungsliteratur aventiuren genannt. Ausgehend vom französischen Dichter Chrétiens de Troyes spinnen die meist in Versform verfass- ten Werke einen Sagenkreis, der sich ständig zitiert und auf Vorgänger verweist.

Nachdem zuvor die Qualität der späteren Artusromane in Frage gestellt und sie in der Forschungsliteratur wenig beachtet worden sind, erachtet man seit etwa den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gerade die unglaublich hohe Anleihe bei den Vorgänger- texten als großen Reiz. Das Spiel mit der Intertextualität wird nicht als Makel, sondern als „gattungskonstituierendes Merkmal“3, flankiert von immer neuen Romankonzeptio- nen, gesehen, die nicht zuletzt für die Forschung großen Spielraum geben.4

Fragt Haug in seinem frühen Aufsatz zur Verteidigung der späteren Romane noch provokant: „Kann man hier von ' Rang und Namen' sprechen?“5, so wiederlegt er in der Folge die Annahme, die Texte des 13. Jahrhunderts wären weniger gehaltvoll.

Auch spricht er dem Wigalois insofern eine Sonderposition zu, wenn er ihn nicht direkt zu den späten Artusromanen zählt, doch aber in gewisser Weise als wegweisend erach- tet:

„[…]doch er stellt einen Gegentyp zum klassischen arthurischen Roman Chrétien-Hartmannscher Prägung dar, der in vielem schon die spätere Entwicklung vorwegnimmt[…]“.

Da wäre zunächst die Krise des Helden, die man hier vergeblich sucht, was den Charak- ter zunächst seltsam eindimensional erscheinen lässt. Allerdings beschreibt Haug, wie sich die aventiure verändert, wie die Abkehr von der Entwicklung des Helden eine Hinwendung zu einer mehrdimensionalen Welt ist, in der besonders die Gegenspieler Wigalois‘ nicht einfach nur böse sind, sondern „schimmern“.6 Die Ambivalenz ist spür- bar und jeder, der sich über platte, einseitige Figuren in der Literatur ärgert, wird ein- verstanden sein, dass dies allein eine große Qualität ist, zumal sie Raum für diverse In- terpretationen bietet.

1.3 Zeitliche Verortung der beiden Texte

Da der Roman des Strickers in der zeitlich recht sicher datierten Crône erwähnt wird, ist er in der Forschungsliteratur grob um 1230 angesiedelt.7

Beim Wigalois gestaltet sich die Datierung etwas schwieriger, aber Wennerhold und Mertens fassen den Stand der Forschung so zusammen, dass man ihn etwa 10 bis 20 Jahre vor dem Daniel ansiedeln könnte8. Für die vorliegende Hausarbeit genügt die Erkenntnis, dass sie zeitlich nah beieinander liegen und somit ein Vergleich auch vor diesem Hintergrund sinnvoll ist.

2 Hauptteil

2.1 Kurze Verortung im Text und inhaltliche Beschreibung der Schlachten

2.1.1 Die vier Schlachten im Daniel

Wichtig ist zunächst das Motiv, den Herrscher Matur von Cluse überhaupt zu bekämp- fen: zu Beginn des Romans kommt ein von ihm gesandter Botenriese, der Artus auffor- dert, sich ihm zu unterwerfen. Der Konflikt besteht also zwischen Matur und Artus, wobei Daniel zu diesem Zeitpunkt schon ein Artusritter ist. Daniel reitet voraus, besteht diverse aventiuren, wobei der Sieg über den Riesen, welcher den Zugang zum Land Cluse bewacht, direkt zur Schlacht gehört. Die anderen aventiuren haben jedoch fast alle einen Sinn, der mit dem erfolgreichen Bestehen der Rahmenaufgabe im Zusam- menhang steht. Da geht es um das Erlangen des Zauberschwertes und vor allem um die Demonstration der l iste, die Daniel eigen ist und die er in wichtigen Momenten des Romans anwendet.9

Es folgen nun vier Schlachten, wobei Artus direkt in der ersten und längsten Schlacht Matur erschlägt (V. 2890 ff.) Die Schlacht wird siegreich gewonnen, und nachdem Da- niel seine Mitstreiter zu einer Verschnaufpause überredet hat, reitet er erneut fort, um weitere avent i uren zu bestehen, die nur in sehr losem Zusammenhang mit den Schlach- ten stehen.

Die zweite Schlacht beschreibt sehr viel ausführlicher und zahlreicher die Heldentaten der größten Ritter: Gawein, Iwein, Parzival und auch erneut König Artus verteilen slege alsôstarc pfluoc (V. 5079), pflügen durch die Gegner wie ein (V. 5054) oder laden, wie Parzival, die sw æ riu bürde des Todes auf zahlreiche Gegner (V. 5114). Mertens spricht hier von „ Solo -Aristien “10, die natürlich auch der Figur des Daniel mehrfach gewidmet sind - denn obwohl Artus den Anführer Matur erschlägt, ist doch auch in den Schlachten ganz deutlich Daniel der Protagonist.

In der dritten und vierten Schlacht, die deutlich kürzer gehalten sind, siegt das Artus- Heer durch eine List. Das Moment der liste, die Moelleken und Henderson11 ausführlich beschreiben und das ganz sicher im Daniel ein zentrales Motiv ist, wird hier kriegsent- scheidend: König Matur besitzt ein goldenes Tier, dass, wenn man eine Lanze aus sei- nem Maul zieht, so ohrenbetäubend schreit, dass alle Reiter von ihren Pferden fallen. Daniel hat natürlich zuvor davor gesorgt, dass das arturische Heer die Ohren verstopft hat, so dass sie zu Kampfbeginn einen Vorteil haben, dank dem sie dann auch die Schlacht zu ihren Gunsten entscheiden.

Im Anschluss gibt es die bekannte Massenhochzeit, Daniel heiratet die W itwe von Matur. Um noch einmal ganz sicher zu gehen, dass die Stellung Daniels als entscheidende Figur nicht vergessen wird, lässt dann der Stricker noch König Artus vom Riesenvater entführen, eine Schluss- aventiu re, die auch von Daniel gelöst wird.

[...]


1 In der Folge zitiert nach: Der Stricker: Daniel von dem blühenden Tal, hg. von Michael Resler, Tübin- gen 1983 (ATB 92).

2 Dieser in der Folge zitiert nach: Wirnt von Grafenberg: Wigalois, hg. von Sabine Seelbach und Ulrich Seelbach, Berlin, New York.

3 Achnitz, S. 10.

4 Vgl. hierzu auch Cormeau 1982.

5 Haug, S. 205.

6 Haug, S. 112.

7 Für ausführlichere Informationen vgl. Mertens S. 205 und Wennerhold S. 133.

8 Vgl. Wennerhold S. 78 ff. und Mertens.

9 Siehe dazu auch: Mertens, S. 210.

10 Mertens, S. 212.

11 Moelleken / Henderson S. 195 ff. ; die List wird von Daniel wiederholt angewandt und dem Leser / Hörer besonders in der eingeschobenen Siechen-aventuire nochmals ins Gedächtnis gerufen, was nicht nur Mertens (S. 211) an Odysseus erinnert, der sicher einer der listenreichsten Figuren der Literaturgeschichte ist.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Analyse und Vergleich der Schlachten in Wirnt von Grafenbergs "Wigalois" und "Daniel von dem blühenden Tal" vom Stricker.
Untertitel
Der späte Artusroman
Hochschule
Universität zu Köln  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Der späte Artusroman
Note
1,6
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V229782
ISBN (eBook)
9783656456674
ISBN (Buch)
9783656456933
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, vergleich, schlachten, wirnt, grafenbergs, wigalois, daniel, stricker, artusroman
Arbeit zitieren
Philipp Kracht (Autor), 2013, Analyse und Vergleich der Schlachten in Wirnt von Grafenbergs "Wigalois" und "Daniel von dem blühenden Tal" vom Stricker., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229782

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