Die Welt- und Zeittheorien in der US-Serie LOST

Gegenwart, Zukunft oder doch in der Vergangenheit?


Hausarbeit, 2013

20 Seiten, Note: 1,7

Caroline Lange (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Im Labyrinth von LOST
a. Informationsvermittlung
b. Definition von Rätsel und Mythos

2. Durch den LOST-Irrgarten
a. Insel
b. Visionen
c. Zahlen

3. Verloren in den Parallel-Welten?
a. Weltenmodell
b. Parallel-Welten
c. Flashsideway-Welt

4. Den Ausgang gefunden? - ein Fazit

Literaturverzeichnis

1. Im Labyrinth von LOST

Die US-Fernsehserie LOST zählt zu einer der erfolgreichsten Serien in den letzten Jahren, doch was war bzw. ist noch immer so faszinierend an dieser Serie, die weltweit große Erfolge feierte und über 60 Auszeichnungen erhielt?1

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich vor allem mit den Zeittheorien der Serie und geht dabei auch auf verschiedene Mysterien von LOST ein, die einen großen Teil der Faszination ausmachen. Häufig stehen diese im direkten Zusammenhang mit der zeitlichen Ebene, denn die Ursachen für einige Rätsel liegen weit in der Vergangenheit und können durchaus durch Zeitreisen behoben werden (z. B. das Fertilitätsproblem).

Zunächst einmal wird die Serie kurz vorgestellt, um ein besseres Verständnis zu gewährleisten, außerdem wird auf einige Besonderheiten wie charakteristische Cliffhanger und die InformationsVermittlung in der Serie eingegangen. Um die beschriebenen Mysterien und Rätsel besser nachvollziehen zu können, wird eine Definition gegeben und schließlich wird auf die verschiedenen Zeittheorien und Parallel-Welten von LOST eingegangen. Als Anmerkung will gesagt sein, dass es sich bei einigen Quellen (z. B. Lostpedia) um fanbasierte Meinungen handelt, diese sind kritisch zu betrachten, dennoch dienen sie als Denkanstöße und bieten Anregungen.

LOST lässt sich nicht so leicht in eine Schublade schieben, denn sie ist eine Mischung aus einer Mystery, Drama, Action bzw. Abenteuer Serie und wurde zwischen 2004 bis 2010 gedreht. Ausgestrahlt wurde sie in insgesamt 121 Episoden in 6 Staffeln von den ABC-Studios. Die Idee und Umsetzung lag in den Händen von J.J. Abrams, Damon Lindelof und Jeffrey Lieber und basiert u. a. auf den Konzepten des Buches Herr der Fliegen, dem Film Cast Away und der Reality-Show Survivor. Kurz gesagt geht es um eine Gruppe Überlebenden eines Passagierflugzeugabsturzes auf eine Insel und dessen Folgen. Das ist an sich nicht neues oder weltbewegendes, doch LOST hat es geschafft es zu etwas besonderem zu machen. Hurley fasste es in Staffel 5 in der 2. Episode folgendermaßen zusammen:

„Okay. See, we did crash, but it was on this crazy island. And we waited for rescue, and there wasn’t any rescue. And there was a smoke monster, and then there were other people on the island. We called them the Others, and they started attacking us. And we found some hatches, and there was a button you had to push every 108 minutes or… well, I was never really clear on that.” (S05E02: 30:00)

Es wurden übernatürliche, mystische und auch religiöse Themen eingebaut, man versuchte jedoch immer plausible oder wenigstens mögliche Erklärungen zu finden. Dies gelang nicht immer, denn LOST ist wie ein Labyrinth konzipiert: Als Zuschauer verirrt man sich in Sackgassen, guckt immer wieder hinter Ecken, aber kann diese aber nicht bis zum Ende verfolgen (sei es auch mangelndem Verständnis für beispielsweise physikalische Themen oder schlicht, weil ein Handlungsstrang nicht weiter verfolgt wird), doch letztendlich findet man den Ausgang. Wie einem dieser Ausgang gefällt und wie oft man sich verirrt ist natürlich eine ganz andere Frage, doch möglicherweise hilft die vorliegende Arbeit ein wenig dabei, sich besser zurechtzufinden.

a. Informationsvermittlung

Für den LOST-Zuschauer kann es manchmal, aufgrund der Komplexität der Serie, schwer werden, den inhaltlichen Überblick über das Geschehen zu bewahren. So bekommt gerade der Gestaltung des Anfangs der LOST-Folgen eine besondere Bedeutung zu.

LOST beginnt nicht wie viele ‚neuere‘ Fernsehserien mit einem Vorspann, in dem die Credits eingeblendet werden, sondern es gibt zwei verschiedene Formen. Zum einen wird der Zuschauer direkt in das Geschehen hineingeworfen. Beispielsweise in der ersten Staffel werden zu Anfang die sich öffnenden Augen eines Passagiers gezeigt. Die gezeigten Geschehnisse, in die direkt gesprungen werden, können ganz unterschiedliche Handlungsstränge verfolgen. Diese Art der Eröffnung wird auch als Teaser bezeichnet:

„A scene which precedes the opening credits of a motion picture and which is designed to develop audience interest in the story that will follow the credits” (Kühn, 2011, S. 46, zit. nach Beaver, 2007, S. 23f.).

Um die Spannung aufzubauen und den Zuschauer davon abzuhalten um- oder wegzuschalten, endet der Teaser mit einem Cliffhanger. In Lost ist der Cliffhanger allerdings nicht immer in Reinform zu sehen: Die Handlung muss dabei nicht unbedingt am Höhepunkt der Spannung unterbrochen werden, sondern kann auch die Spannung lösen, aber nur um gleichzeitig auf den explosiven oder dramatischen Inhalt der Folge hinzuweisen (vgl. Kühn, 2011).

Die meisten LOST-Folgen werden jedoch mit einer Sequenz eröffnet „[…] die nach der Ankündigung <Previously on Lost> aus dem Off einsetzt“ (Kühn, 2011, S. 47, Hervorhebung im Original). In den ‚Previously on Lost’-Folgen wird das vorangegangene Geschehen kurz rekapituliert und dann folgt nach einem Schnitt der Teaser, der wiederum durch das Einfliegen des Serientitels beendet wird (z. B.: S01E03). Nur 26 der 121 Folgen werden ohne Rückschau gezeigt, denn aufgrund der hohen Komplexität der Serie, wäre es dem Zuschauer sonst sehr schwer gefallen, das Gezeigte zu verfolgen und verstehen zu können.

Ein weiteres auffälliges Merkmal bei LOST ist der Cliffhanger, der vermehrt auch während einer Folge zu sehen ist. Dies hat den Grund, dass LOST von ABC produziert wurde, einem privaten kommerziellen Fernsehsender mit Werbung. So baut sich kurz vor der Werbepause die Spannung auf, und kurz bevor es zur ‚Explosion’ kommt, wird Werbung ausgestrahlt. Der Zuschauer soll animiert werden nicht umzuschalten und nach der Werbepause weiterzuschauen (vgl. Schmöller V., 2011a).

Insgesamt ist allerdings zu bemerken, dass gerade in Hinsicht auf den Einstieg, nicht von Vorhersehbarkeit gesprochen werden kann. Da unterschiedliche Einstiegsstrategien miteinander kombiniert und abgewandelt werden, bleibt es immer spannend. Es wurde versucht, den schmalen Grad zwischen der Weckung des Interesses und der Überforderung des Zuschauers nicht zu überschreiten. LOST will schon mit dem Einstieg in eine Folge die Unvorhersehbarkeit, die auch aufgrund der komplexen Geschichte vorhanden ist, unterstreichen.

b. Definition von Rätsel und Mythos

Ein Rätsel ist eine Denkaufgabe, in der ein Objekt oder Begriff umschrieben bzw. verschlüsselt wird, das dann erraten werden soll (Duden, 2013). In Bezug auf LOST kann man ein Rätsel auch als teils ungelöste Frage nach dem warum?, wer? oder was? sehen. Beispiele für Rätsel in Lost können sein: Wer sind Jacob und sein Zwillingsbruder? (LOST 6.15) Was ist die Insel und warum können auf ihr keine Kinder geboren werden (Sedlmayr, 2011, S. 204)? Doch dies sind nur einige Fragen, die sich dem Zuschauer stellen und sie werden (leider) auch nicht immer vollständig beantwortet.

Den vielschichtigen Begriff Mythos zu definieren, stellt einen zunächst vor eine schwierige Aufgabe, denn je nach Ausgangspunkt existieren unterschiedliche Interpretationen des Begriffes. So gibt es beispielsweise linguistische, sozialphysiologische, religiöse und philosophische Ansätze -um nur einige zu nennen-, sich dem Begriff zu nähren.

Als ersten Ansatzpunkt kann man nach der eigentlichen Wortbedeutung suchen: Der Begriff Mythos geht auf den spätlateinischen Begriff „mythos“ bzw. den griechischen „mýthos“ zurück und bedeutet so viel wie Fabel, Sage, Rede, Erzählung (Duden, 2013). Um den Begriff griffiger zu machen und besser einzugrenzen, soll als Basis eine Definition bzw. eine Beschreibung des Theologen und Philosophen Don Cupitt aus dem Jahr 1982 dienen:

„So we may say that a myth is typically a traditional sacred story of anonymous authorship and archetypal or universal significance which is recounted in a certain community and is often linked with a ritual; that tells of the deeds of superhuman beings such as gods, demigods, heroes, sprits or ghosts; that it is set outside historical time in primal or eschatological time or in the supernatural world, or may deal with comings and goings between the supernatural beings are imagines in anthropomorphic ways, although their powers are more than human and often the story is not naturalistic but has the fractured, disorderly logic of dreams; that the whole body of a people’s mythology is often prolix, extravagant and full of seeing inconsistence; and finally that the work of myth is to explain, to reconcile, to guide action or to legitimate.”

Diese doch recht lange Definition deutet schon auf den Umfang eines Mythos hin. Allerdings zeigt sie auch, dass LOST nicht im engeren Sinne als Mythos gewertet werden kann. Die Geschichte von LOST ist nicht von unbekannten Autoren, auch ist sie nicht ‚heilig‘ oder althergebracht. Dennoch deuten viele der Elemente in LOST auf einen Mythos hin, was gerade in der 6. Staffel recht deutlich wird. Einige Menschen auf der Insel besitzen übernatürliche Fähigkeiten (Jacob) oder altern nicht (Richard Alpert), sie können deshalb als gottähnliche Figuren oder zumindest als „superhuman beings“ bezeichnet werden (vgl. Sedlmayr, 2011). Dass die Insel kein normaler Ort ist, wird allen Gestrandeten ziemlich schnell klar. Es wird dennoch (teilweise) versucht für alle Vorkommnisse eine natürliche Erklärung zu finden oder jedenfalls eine physikalisch oder technisch mögliche.

LOST ist somit im traditionellen Sinne nicht mythisch, aber enthält dennoch viele mythische Elemente. Gerold Seldmayr (2011) bezeichnet sie Serie deshalb als mythopoetisch und meint damit „[…] das Erschaffen einer fiktionalen Erzählung auf Basis traditioneller mythischer Strukturen beziehungsweise Archetypen, wobei der Anspruch besteht, das <Verstehen der Welt> zu befördern. Mit diesem Wissen als Hintergrund werden im Folgenden beispielhafte einige Mythen und Rätsel rund um LOST angeführt“ (Hervorhebung im Original).

2. Durch den LOST-Irrgarten

Die dargestellten Rätsel und Mysterien in LOST schienen nahezu unendlich, richtet man sich nach den Angaben von Lostpedia gibt es insgesamt 94 mysteriöse Ereignisse um, auf und über die Insel. Davon wurden innerhalb der sechs ausgestrahlten Staffeln 55 gelöst, 23 teilweise und 16 Mysterien wurden nicht aufgeklärt.2 Schaut man sich hingegen die englische Version von Lostpedia an, fällt auf, dass es insgesamt 115 Mysterien gibt,3 hier werden auch die meisten als aufgeklärt betrachtet und nur einige wenige als nur teilweise oder gar nicht. Es werden auch Rätsel angeführt, die in der deutschen Version nicht mit genannt werden (Ajira-Massacre) oder Mysterien werden als gelöst betrachtet, die die deutschen Fans als ungelöst sehen (Walts Kräfte bzw. Walt’s powers). Es scheint im Auge des Betrachters zu liegen, ob ein Rätsel als gelöst gilt oder nicht, außerdem finden sich zu (fast) jedem Ereignis, jeder Person und allem, was die Insel betrifft, offene Fragen.

Es scheint also schlichtweg unmöglich eine genaue Antwort auf die Frage nach der Anzahl der Mysterien in LOST zu geben, vieles liegt im Auge des Betrachters und einige Fragen, besonders im Hinblick auf die Zeittheorien- erfordern fundiertes Wissen von der Materie. Außerdem ist und bleibt LOST eine Fernsehserie, in der Fehler passieren können und es anscheinend dazugehört und einen Teil der Spannungserzeugung ausmacht, eben nicht alles zu wissen.

Im Folgenden wird auf einige Mysterien und Rätsel genauer eingegangen -unterteilt in die Geheimnisse um und auf der Insel, die Charaktere und deren Visionen, sowie die DHARMA-Initiative- um beispielhaft die Faszination von LOST zu skizieren.

a. Insel

1. Fertilität

Schon kurz in der Definition von Rätsel und Mythos angesprochen, kam die Frage auf, warum auf der Insel keine Kinder geboren werden können und die Frauen im 2. Trimester streben. Erste Hinweise auf dieses Problem tauchen schon in der ersten Staffel auf, als die schwangere Claire nachts angegriffen und entführt wird (LOST 1.10 und 1.11). Die Hintergründe der Entführung werden erst Mitte der zweiten Staffel enthüllt, als gezeigt wird, dass Claire von ‚den Anderen‘ entführt wurde und ihr eine Substanz gespritzt wurde, doch wofür bzw. wogegen blieb weiterhin fraglich (LOST 2.15). Erst in der vierten Staffel wird schließlich das Fertilitätsproblem erneut aufgegriffen, als Juliet der schwangeren Sun von den Komplikationen während einer Schwangerschaft auf der Insel erzählt.

[...]


1 Siehe dazu http://www.imdb.com/title/tt0411008/

2 Deutsche Version: http://de.lostpedia.wikia.com/wiki/Portal:Mysteri%C3%B6s

3 Englische Version: http://lostpedia.wikia.com/wiki/Portal:Mysteries_At_a_Glance

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Welt- und Zeittheorien in der US-Serie LOST
Untertitel
Gegenwart, Zukunft oder doch in der Vergangenheit?
Hochschule
Universität Rostock
Veranstaltung
Fernsehen als innovatives Erzählmedium: US-amerikanische Drama Serien von Die Sopranos bis Mad Men
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V229785
ISBN (eBook)
9783656453710
ISBN (Buch)
9783656456971
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gegenwart, zukunft, vergangenheit, lost, welt-, zeittheorien, us-serie
Arbeit zitieren
Caroline Lange (Autor), 2013, Die Welt- und Zeittheorien in der US-Serie LOST, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229785

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