Die Theorie der Sozialen Marktwirtschaft nach Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard


Essay, 2013
9 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Theoretische Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft

3. Die Theoretische Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft nach Erhard und Müller-Armack

4. Literatur

1. Einleitung

Die Soziale Marktwirtschaft war das neue ordnungspolitische Programm, welches die Wirtschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder stabilisieren sollte, um die Basis für einen starken und stabilen Staat zu bilden. Die ideologischen Wurzeln der S ozialen Marktwirtschaft lassen sich bereits während der Weimarer Republik ausmachen, wo sich im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929 die demokratische Grundordnung des Staates auflöste und führende Wirtschaftsexperten begannen, eine neue Wirtschaftsordnung zu erstellen, die wirtschaftliche Krisen abzuwenden und den Staat dauerhaft zu stärken vermochte. In der Ausarbeitung jenes Programms waren auch die Weggefährten Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard schon in der Zeit des Nationalsozialismus eingebunden und gelten als die wichtigsten Vertreter der Sozialen Marktwirtschaft und sorgten für ihre inhaltliche Konzeption und politische Umsetzung. Daher werde ich im folgenden Essay ihre theoretischen Grundgedanken bzüglich ihres Programms darstellen.

2. Theoretische Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft

Die Weltwirtschaftskrise von 1929, in deren Fahrwasser die Nationalsozialisten nach der Macht griffen und die erste Demokratie auf deutschem Boden beendeten, wurde von führenden Ökonomen mit dem Wirtschaftsliberalismus in Verbindung gebracht, da dieser "[...] selten imstande [war] das reine Staatsinteresse zur Geltung zu bringen."[1]

Weiter wurde die Vorstellung negiert, dass der Staat nicht gezwungen ist, in die wirtschaftlichen Prozesse einzugreifen, da sich der Markt nach der These Adam Smith' selbst reguliert und der einzelne Akteur durch seine wirtschaftliche Tätigkeit dem Wohle aller dient.[2] Durch die enormen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme, die die Weltwirtschaftskrise mit sich brachte, wurde deutlich, dass das aktuelle Wirtschaftssystem diverse Strukturprobleme in sich barg, sodass sich Ökonomen aufmachten ein stabileres Konzept zu entwickeln, welches weitere Ereignisse wie jene von 1929 unmöglich machte. So entwickelte Alexander Rüstow 1932 die Idee des "liberalen Interventionismus", mit dem ein starker, über der Wirtschaft stehender Staat, zyklisch in die Schwankungen der Wirtschaft eingreift um Entwicklungen am Markt zu beschleunigen und der Wirtschaft ordnungspolitische Grenzen aufzeigen zu können, sodass diese zum Wohle des Volkes

agiert und nicht mehr eigene Interessen vor dem Gemeinwohl stellt.[3] Auch Müller-Armack vertrat zur gleichen Zeit die Position, dass ein Staat " […] seine Hegemonie gegenüber der Wirtschaft so gefestigt weiß, daß er sich auf eine spezifisch staatliche Beeinflussung der Wirtschaft beschränken kann." [4] Diese Gedanken wurden auch von den Nationalsozialisten aufgenommen, die Prinzipien von einem starken Staat ohne Weiteres in ihre totalitäre Politik einbinden konnten und so ihre Lenkungswirtschaft begründeten.

Im Verlauf der NS-Herrschaft nahm die konzeptionelle Ausarbeitung der Marktwirtschaft einen immer größeren Platz in Forschung, Lehre oder Publizistik ein, wodurch diese theoretisch weiter ausgearbeitet werden konnte. Schon 1937 veröffentlichten die Ordoliberalen der Freiburger Schule in der Schriftreihe "Ordnung der Wirtschaft" erstmalig ihre Vorstellung von einem freien Wettbewerb, der zur gesellschaftlichen Ordnung dienen soll.[5] So wurden die theoretischen Grundpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft bereits während des NS-Regimes ausgearbeitet, sodass nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die Umsetzung erfolgen konnte.

3. Die Theoretische Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft nach Erhard und Müller-Armack

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stand die politische Elite vor der schwierigen Aufgabe, die brach liegende Wirtschaft neu aufzubauen, um den Wiederaufstieg des Landes organisieren zu können. Im Zuge dessen wurde diskutiert, welche Wirtschaftspolitik dieses Ziel erreichen konnte, sodass sich eine ausgiebige Kontroverse anschloss, die die Vor- und Nachteile von einer liberalen und einer staatlich gelenkten Wirtschaftsordnung erörterte.

Während der Wirtschaftsliberalismus schon während der Weltwirtschaftskrise seinen inhärenten Krisencharakter offenbart hatte und zeigte, dass eine freie Wirtschaft ganze Staaten dem Abgrund entgegenbringen konnte, unterstützten immer mehr Politiker Wirtschaftsprogramme sozialistischer Prägung.[6] Erhard und Müller-Armack waren sich einig, dass die Lenkungswirtschaft, wie sie von sozialistischen Ländern jeglicher Art gehandhabt wurde, die Aufgabe des Wiederaufbaus nicht ermöglichen konnte. Laut Müller-Armack dienten die sozialistischen Wirtschaftstheorien dazu, Machtkonzentrationen kleiner Gruppen zu fördern und gesellschaftliche Spannung zu verstärken, die zur Schwächung des Staates führten.[7]

[...]


[1] Werner Abelshauser, Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945, München, 2004, S.94.

[2] Vgl. Adam Smith, Der Wohlstand der Nationen, München, 1983, S. 423.

[3] Vgl. Abelshauser, Wirtschaftsgeschichte, S.95.

[4] Abelshauser, Wirtschaftsgeschichte, S.96.

[5] Vgl. Abelshauser, Wirtschaftsgeschichte, S.97f.

[6] Vgl. Birgit Geissler, Sozial- und Ideengeschichtlicher Überblick, Vorlesung an der Universität Bielefeld, WS 2010/2011, Folie 4.

[7] Vgl. Joachim Startbatty, Alfred Müller-Armacks Beitrag zur Theorie und Politik der Sozialen Marktwirtschaft, in: Symposium 8 der Ludwig-Erhard-Stiftung, Bonn, 1982, S.14.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Theorie der Sozialen Marktwirtschaft nach Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie)
Veranstaltung
Der "Rheinische Kapitalismus" – Theoretische Vorstellungen und Konzepte
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
9
Katalognummer
V229803
ISBN (eBook)
9783656450672
ISBN (Buch)
9783656451334
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieses Essay stellt die historischen Wurzeln jenes Konzeptes dar, welches als Soziale Marktwirtschaft bekannt ist. Überdies wird anhand der beiden Vordenker - Müller-Armack und Erhard - das Konzept inhaltlich aufgearbeitet und vorgestellt,sodass es möglich wird, dieses Konzept als bewussten Mittelweg zwischen Liberalismus und Planwirtschaft wahrnehmen zu können.
Schlagworte
Soziale Marktwirtschaft, Konzept, Ludwig Erhard, Müller-Armack
Arbeit zitieren
Sascha Pliske (Autor), 2013, Die Theorie der Sozialen Marktwirtschaft nach Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229803

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