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Die Augen größer als der Magen. Die Beschreibung der Lebensmittel in Zolas "Le ventre de Paris"

Title: Die Augen größer als der Magen. Die Beschreibung der Lebensmittel in Zolas "Le ventre de Paris"

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

Didactics for the subject French - Literature, Works
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Ein scheinbar von Geisterhand vorbeiziehender Gemüsezug, der sich in Richtung der Markthallen von Paris bewegt, Berge von Kohl, Rüben und Erbsen; bereits das Incipit des Romans Le Ventre de Paris von Émile Zola, dem dritten Roman im Zyklus der Rougon-Macquart, konfrontiert den Leser mit dessen Besonderheit: seitenlange Beschreibungen von Lebensmitteln in für damalige Verhältnisse unbekanntem Ausmaß.
Besonders auffällig ist hier, dass der Fokus dieser Deskription von den menschlichen Aktanten auf die an sich leblosen Details des Hintergrundes verschoben ist. Die verschiedenen Gemüsesorten, die „tombereau de choux“, „tombereau de pois“ und die Wagen voll „navets et carottes“, diese fast schon verselbstständigte „nourriture qui passait“, lässt die Menschen in den Hintergrund treten, sodass deren Aktantenstatus auf die Lebensmittel überzugehen scheint. Nun sind es gerade solche Beschreibungen des Umfeldes, die in der Literatur des Realismus und Naturalismus, in einer als „écriture à la poursuite du réel“ charakterisierten Schreibweise, verstärkt an Bedeutung gewinnen und bei der Analyse der Romane Émile Zolas, einem der größten französischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, besondere Beachtung verdienen. Wie Hamon, einer der wichtigsten Theoretiker auf dem Gebiet der Ästhetik des realistischen Romans und besonders der Deskription, passend anmerkt, sind es aber die oft seitenlangen und als überladen oder schwerfällig empfundenen beschreibenden Passagen „qui se saute[nt]“ . In der vorliegenden Arbeit nun sollen eben diese Beschreibungen nicht übersprungen, sondern genauer unter die Lupe genommen werden. Dabei sollen basierend auf einer kurzen Ausführung zur Theorie der Deskription und zur Ästhetik Zolas die Systematik der Beschreibung der Lebensmittel im Ventre de Paris herausgearbeitet sowie anhand ausgewählter Textstellen vor allem ihre Funktion für die Charakterisierung der Figuren und das narrative Handlungsgeschehen untersucht werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Die Deskription

3) Zola und die Deskription

4) Die Beschreibung der Lebensmittel im Ventre de Paris

4.1) „Die Augen größer als der Magen“: die Ästhetik Zolas

4.2) Lebensmittel und Milieu: „Du bist, was du verkaufst“

4.2.1) Lisa, die fleischgewordene Metzgersfrau

4.2.2) Louise, weder Fleisch noch Fisch

4.2.3) La Sarriette, das Mädchen mit den Kirschohrringen

4.3) Metaphorisierung der Lebensmittel: Die Poesie des Essens

5) Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion und Ästhetik der ausufernden Lebensmittelbeschreibungen in Émile Zolas Roman Le Ventre de Paris. Ziel ist es aufzuzeigen, dass diese Deskriptionen weit über eine bloße realistische Hintergrundschablone hinausgehen, indem sie durch komplexe Metaphern und Symbolik zur Charakterisierung der Figuren sowie zur narrativen Strukturierung des Romans beitragen.

  • Theorie der Deskription im realistischen und naturalistischen Roman
  • Die ästhetische und symbolische Bedeutung von Lebensmitteln bei Zola
  • Die metonymische Wechselwirkung zwischen Händlerinnen und ihrer Ware
  • Die Funktion der „Käsesymphonie“ als narratives Instrument
  • Die Determinierung des Menschen durch Milieu und Vererbung

Auszug aus dem Buch

4.2.1) Lisa, die fleischgewordene Metzgersfrau

La belle Lisa resta debout dans son comptoir, la tête un peu tournée du côté des Halles ; et Florent la contemplait, muet, étonné de la trouver si belle. Il l’avait mal vue jusque-là, il ne savait pas regarder les femmes. Elle lui apparaissait au-dessus des viandes du comptoir. Devant elle, s’étalaient, dans des plats de porcelaine blanche, les saucissons d’Arles et de Lyon entamés, les langues et les morceaux de petit salé cuits à l’eau, la tête de cochon noyée de gelée, un pot de rillettes ouvert et une boîte de sardines dont le métal crevé montrait un lac d’huile ; puis, à droite et à gauche, sur des planches, des pains de fromage d’Italie et de fromage de cochon, un jambon ordinaire de rose pâle, un jambon d’York à la chair saignante, sous une large bande de graisse. Et il y avait encore des plats ronds et ovales, les plats de la langue fourrée, de la galantine truffée, de la hure aux pistaches ; tandis que, tout près d’elle, sous sa main, étaient le veau piqué, le pâté de foie, le pâté de lièvre, dans des terrines jaunes. [...] Le fumet de viandes montait, elle était comme prise, dans sa paix lourde, par l’odeur des truffes. Ce jour-là, elle avait une fraîcheur superbe ; la blancheur de son tablier et de ses manches continuait la blancheur des plats, jusqu’à son cou gras, à ses joues rosées, où revivaient les tons tendres des jambons et les pâleurs des graisses transparentes. Intimidé à mesure qu’il la regardait, inquiété par cette carrure correcte, Florent finit par l’examiner à la dérobée dans les glaces, autour de la boutique. Elle s’y reflétait de dos, de face, de côté ; même au plafond, il la retrouvait, la tête en bas, avec son chignon serré, ses minces bandeaux, collés sur les tempes. C’était toute une foule de Lisa, montrant la largeur des épaules, l’emmanchement puissant des bras, la poitrine arrondie, si muette et si tendue qu’elle n’éveillait aucune pensée charnelle et qu’elle ressemblait à un ventre.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Beobachtung der seitenlangen Lebensmittelbeschreibungen im Roman ein und formuliert die Forschungsfrage zur Funktion dieser Deskriptionen.

2) Die Deskription: Hier werden theoretische Grundlagen der Deskription im realistischen Roman sowie die rhetorischen Mittel zur Unterbrechung der Narration erläutert.

3) Zola und die Deskription: Dieses Kapitel behandelt Zolas Auffassung vom Roman als naturwissenschaftliches Experiment, bei dem das Milieu den Menschen maßgeblich bestimmt.

4) Die Beschreibung der Lebensmittel im Ventre de Paris: Dieses Hauptkapitel analysiert die Lebensmittel als Metaphern und Symbole innerhalb der naturalistischen Milieutheorie.

4.1) „Die Augen größer als der Magen“: die Ästhetik Zolas: Hier wird die akribische Vorarbeit Zolas sowie die Parallele zur Malerei des Stilllebens untersucht.

4.2) Lebensmittel und Milieu: „Du bist, was du verkaufst“: Dieser Abschnitt thematisiert die metonymische Verschmelzung von Händlern und ihren Waren.

4.2.1) Lisa, die fleischgewordene Metzgersfrau: Analyse der Identitätsverbindung zwischen der Metzgerin Lisa und ihrer fleischigen Auslage.

4.2.2) Louise, weder Fleisch noch Fisch: Untersuchung der olfaktorischen Assoziationen zwischen der Fischverkäuferin Louise und ihrem Milieu.

4.2.3) La Sarriette, das Mädchen mit den Kirschohrringen: Analyse der erotischen Metaphorik von Früchten und deren Spiegelung im Charakter der Obstverkäuferin.

4.3) Metaphorisierung der Lebensmittel: Die Poesie des Essens: Dieses Kapitel widmet sich der „Käsesymphonie“ als Instrument zur narrativen Vorantreibung der Intrige.

5) Fazit: Das Fazit fasst die drei Hauptfunktionen der Lebensmitteldeskription (Hintergrundschablone, Milieurepräsentant, narrativer Bildspender) zusammen.

Schlüsselwörter

Émile Zola, Le Ventre de Paris, Deskription, Naturalismus, Milieutheorie, Lebensmittel, Metaphorik, Symbolik, Stillleben, Fleisch, Fisch, Früchte, Käse, Figurencharakterisierung, Narrativik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die ausufernden Beschreibungen von Lebensmitteln in Émile Zolas Roman "Le Ventre de Paris" und weist nach, dass diese nicht funktionslos sind, sondern essenzielle literarische Mittel darstellen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Deskription und Narration, die naturalistische Milieutheorie, die Symbolik der Lebensmittel sowie die metonymische Verbindung zwischen Figuren und ihrer Ware.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die spezifischen Funktionen dieser deskriptiven Passagen zu ergründen – konkret, wie sie zur Charakterisierung der Figuren beitragen und als Metaphern für abstrakte Handlungsabläufe fungieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf die Deskriptionstheorie (insbesondere von Philippe Hamon) und die Anwendung der Milieutheorie im naturalistischen Kontext.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden verschiedene Fallbeispiele wie die Fischverkäuferin, die Metzgerin Lisa und die Obstverkäuferin Sarriette analysiert, sowie die berühmte "Käsesymphonie" als narratives Element untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Naturalismus, Deskription, Metaphorik, Milieutheorie, Identitätsverbindung zwischen Mensch und Ware sowie die narrative Strukturierung.

Warum spielt das Stillleben eine wichtige Rolle in der Analyse?

Das Stillleben dient als Vergleichsobjekt, um zu verdeutlichen, dass Zola Lebensmittel nicht nur als Nahrungsmittel, sondern als visuelle und symbolische Motive für seine Romanpoetik nutzt.

Welche Rolle spielt die sogenannte „Käsesymphonie“?

Sie wird als Höhepunkt der Lebensmittelbeschreibung identifiziert, in der die Gerüche und Verwesungsprozesse metaphorisch die Intrigen und den Untergang des Protagonisten Florent begleiten.

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Details

Title
Die Augen größer als der Magen. Die Beschreibung der Lebensmittel in Zolas "Le ventre de Paris"
College
Johannes Gutenberg University Mainz
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2012
Pages
29
Catalog Number
V229848
ISBN (eBook)
9783656456568
ISBN (Book)
9783656457022
Language
German
Tags
augen magen beschreibung lebensmittel zolas paris
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2012, Die Augen größer als der Magen. Die Beschreibung der Lebensmittel in Zolas "Le ventre de Paris", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229848
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