Politische Berichterstattung über Karl-Theodor zu Guttenberg. Issues oder Boulevard, was bleibt?

Eine Befragung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

35 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Definitionen
2.1 Entscheidungspolitik
2.2 Darstellungspolitik
2.3 Verhältnis zwischen Entscheidungs- und Darstellungspolitik
2.4 Kampagnenjournalismus

3. Berichterstattung der Zeitschrift Spiegel
3.1 Überblick über die Berichterstattung
3.2 Überprüfung auf Kampagnenjournalismus

4. Berichterstattung der Zeitung Bild
4.1 Überblick über die Berichterstattung
4.2 Überprüfung auf Kampagnenjournalismus

5. Methodik der Befragung

6. Vorstellen der Ergebnisse der Befragung

7. Analyse der Ergebnisse

8. Schlussgedanke

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang
10.1 Abbildungsverzeichnis
10.2 Auswertung
10.3 Fragebogen

1. Einführung

Ex Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Superheld à la Batman (vgl. Tuma 2009), "Retter vom Dienst" (Hämäläinen 2009), "Darling des Volkes" (Fischer 2009) oder schlicht der "Bürgerkönig" (Demmer et al. 2010a), wenn man den Medien Glauben schenken mag. Das klingt nach Boulevardisierung[1] und BILD[2] -Zeitung, doch alle vier Beinamen sind aus der Zeitschrift Spiegel. Heute würde kein seriöses Printmedium noch so über Guttenberg schreiben. Im Verlauf der Plagiatsaffäre musste Guttenberg seinen Doktortitel ablegen und als Verteidigungsminister zurücktreten (vgl. Beck 2011, S15ff). Er hat seine Glaubwürdigkeit verloren und musste alle seine Ämter ablegen. Obwohl Guttenberg nicht mal zwei Jahre Minister war (vgl. Welty 2011), hatte er mehr mediale Aufmerksamkeit bekommen, als andere Politiker in ihrem ganzen Leben. Im Gegensatz zu den meisten Politikern ist Guttenberg nicht langweilig und grau, sondern ein Medienprofi, der sich in Szene zu setzen weiß. Das macht den Umgang mit ihm für die Printmedien schwierig. Sogar Berichte des selbsternannten "Sturmgeschütz[es] der Demokratie"[3] lesen sich wie CSU-Werbetexte (vgl. Engelbrecht 2011b). Daher setzt sich diese Arbeit mit der Berichterstattung des Spiegels und der BILD-Zeitung, den zwei einflussreichsten Printmedien Deutschlands, auseinander (vgl. Schröder 2011). Zunächst werden einige wichtige Begriffe definiert und in den Forschungsstand eingeordnet. Danach wird die politische Berichterstattung beider Medien über Guttenberg auf Darstellungs-, Entscheidungspolitik und Kampagnenjournalismus hin untersucht und hinsichtlich ihrer Relevanz für die Medienwissenschaft geprüft. Weiterhin wurde eine Befragung, mithilfe des sozialen Netzwerkes[4] Facebook, durchgeführt, um herauszufinden, was von Guttenberg in Erinnerung geblieben ist.

2. Definitionen

2.1 Entscheidungspolitik

Bevor Guttenbergs Politik untersucht wird, muss zuerst der Terminus geklärt werden. Es gibt zwei verschiedene Arten von Politik: Darstellungs- und Entscheidungspolitik (vgl. Sarcinelli 2010, S. 133). Zuerst wird der Begriff Entscheidungspolitik definiert. Oft werden in der Literatur die Begriffe Handlungspolitik oder Herstellungspolitik verwendet. Nach Pontzen sind sie jedoch synonym zu verwenden (vgl. Pontzen 2006, S.33). Der Einfachheit halber wird der Terminus Entscheidungspolitik verwendet. Diese Art von Politik ist kaum beobachtbar, da sie meist unter Ausschluss von Journalisten stattfindet (vgl. Schischa 2003, S.1). Der Prozess der Problemlösung findet in nichtöffentlichen Foren statt, weshalb dieser Bereich "weitestgehend unbeeinflusst von den Aufmerksamkeitsregeln des Mediensystems."(Freitag 2001, S.14) bleibt. Zweck ist die Lösung konkreter Probleme, was in Regelungen zur Verabschiedung von Gesetzen mündet (vgl. Freitag 2001, S.14). Dabei wird die Öffentlichkeit erst informiert, wenn Mehrheiten bereits organisiert sind und die Durchsetzung sicher ist (vgl. Delhoes 2002). Entscheidungspolitik beinhaltet viele Prozesse, daher ist sie schwer medial aufzubereiten (vgl. Freitag 2001, S.15). Diese Art von Politik wird im Hinterzimmer[5] verrichtet. Wichtig ist der "Nennwert politischen Handelns" (Freitag 2001, S. 14), was die materielle Dimension der Politik darstellt.

2.2 Darstellungspolitik

Darstellungspolitik hingegen ist auf mediale Resonanz ausgerichtet. Sie ist die Bühne für Selbstdarstellung, man will öffentliche Aufmerksamkeit erregen (vgl. Sarcinelli 1994a, S.633). Das ist die Möglichkeit für Politiker ihre Kompetenz zu demonstrieren und ihre Arbeit zu veranschaulichen (vgl. Freitag 2001, S.15). Ziel hierbei ist es, Zustimmung zu bekommen und Informationen an die Medien und somit die Öffentlichkeit zu bringen (vgl. Freitag 2001, S. 14). Hofmann geht hierbei noch weiter: Politiker richten ihr Handeln zur "Legitimationsbeschaffung an den Nachrichtenfaktoren der Medien" (Hofmann 1998, S. 431) aus. Demnach bestimmen die Medien die Agenda der Politiker mit. Darstellungspolitik ist ein Alltagsphänomen, welches jedoch besonders in Krisen zum Tragen kommt (vgl. Korte 2000, S.79). Je besser ein Politiker sich selbst darstellen kann, desto mehr profitiert er von dieser Politik, unabhängig von deren Inhalt (vgl. Pontzen 2006, S.34). Im Zuge der Medialisierung[6] wird die Darstellungspolitik wichtiger, da die Politiker ihr mehr Bedeutung zumessen (vgl. Pontzen 2006, S33). Jedoch ist der Begriff der Darstellung zunehmend negativ konnotiert, was eine der Ursachen für Politikverdrossenheit ist (vgl. Kepplinger 1998, S. 204).

2.3 Verhältnis zwischen Entscheidungs- und Darstellungspolitik

Allerdings sind Entscheidungs- und Darstellungspolitik in Reinform kaum vorzufinden. Das liegt daran, dass beide in intensiver Wechselwirkung zueinander stehen. Beide Politikarten sind untrennbar miteinander verbunden, daher ist eine Gegenüberstellung problematisch (vgl. Korte 2000, S. 64). Ziel ist es, dem Bürger eine Konformität beider zu suggerieren (vgl. Korte 2000, S. 12). In der Realität hingegen wird die Kluft zwischen politischem Handeln und der Politikvermittlung in den Medien größer, was Sarcinelli als "Scheren-Theorem" (Sarcinelli 1994b, S. 40ff) bezeichnet. Nach seiner Analyse unterscheiden sich die beiden Politikarten hinsichtlich ihrer Struktur, ihren Akteuren und deren Kompetenz, dem zeitlichen Rahmen und der Relevanz der Themen (vgl. Sarcinelli 1994a, S. 133). Weiterhin hat Sarcinelli die These formuliert, dass die Darstellung die Entscheidung überzeichnen wird, was im Laufe dieser Arbeit am Beispiel Karl-Theodor zu Guttenbergs untersucht wird (vgl. Sarcinelli 1994a, S.132).

2.4 Kampagnenjournalismus

Bevor auf die Guttenberg Berichterstattung eingegangen werden kann, muss zunächst noch der Begriff des Kampagnenjournalismus geklärt werden. Oft wird der Terminus als Vorwurf an die Medien formuliert, demnach ist er stark negativ konnotiert. Liegt Kampagnenjournalismus vor, verstößt dieser unter anderem gegen die Unparteilichkeit, die Quellentransparenz und die Vorurteilsfreiheit (vgl Boenisch 2007, S.123). Nach Boenisch ist diese Art von Journalismus dramaturgisch angelegt und geplant (vgl. Boenisch 2007, S. 102f). Die Inhalte werden ausgewählt, aufeinander abgestimmt und mit einer Grundbotschaft vermittelt, wobei der Zeitpunkt der Veröffentlichungen zentral gesteuert wird (vgl. Boenisch 2007, S. 104f). "Kampagnen [...] kommen einer öffentlichen medialen Hinrichtung nah." (Konken 2004, S. 7). Demnach kann Kampagnenjournalismus mehrere Ziele haben: Die Provokation von Reaktionen, die Beeinflussung politischer Entscheidungen oder ein Bündnis mit einem Entscheidungsträger (vgl. Boenisch 2007, S. 105). Dabei kommen oft manipulative Methoden zum Einsatz, die unterschwellig den Rezipienten beeinflussen sollen (vgl. Schneider 1984, S. 50). Der Journalist ändert hierbei seine Rolle vom Vermittler zum Akteur (vgl. Boenisch 2007, S. 114). Nach Boenisch liegt Kampagnenjournalismus vor, wenn die folgenden acht Merkmale erfüllt sind (vgl. Boenisch 2007, S. 113-115).

Tabelle 1: Merkmalskatalog für Kampagnenjournalismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung nach Boenisch 2007, S.113-115

Die Berichterstattung von Spiegel und BILD wird anhand dieses Merkmalkatalogs auf Kampagnenjournalismus zum Thema Karl-Theodor zu Guttenberg untersucht.

3. Berichterstattung der Zeitschrift Spiegel

3.1 Überblick über die Berichterstattung

Der Spiegel ist mit einer Auflage von über 900.000 das auflagenstärkste Nachrichtenmagazin Deutschlands (vgl. Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern 4/2011 - IVW) und hat eine Reichweite von fast sechs Millionen Lesern (Medienanalyse 2011 I - MA). Seit Februar 2011 ist Georg Mascolo der alleinverantwortliche Chefredakteur (vgl. zum Hingst 2011). Der Spiegel steht traditionell für eher rationale und ausgewogene Berichterstattung (vgl. Boenisch 2007, S.11). Im Verlauf der fast zweijährigen Amtszeit Karl-Theodor zu Guttenbergs hat der Spiegel seine Haltung zu ihm mehrfach geändert. Die ersten Monate als Wirtschaftsminister begleitet der Spiegel recht neutral. Fast immer ist vom Wirtschaftsminister oder einfach von Guttenberg die Rede. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Beiname „Frankenblitz" (Fischer 2009a), der einerseits positiv ist (Blitz für Geschwindigkeit), andererseits auch die Möglichkeit eines schnellen Scheiterns impliziert. Im Zuge der Opel-Rettung[8] ist erstmals vom "Star-Minister" (Fischer 2009b) die Rede. Weiterhin wird Guttenberg mit Batman verglichen (vgl. Tuma 2009) und als "Darling des Volkes"(Fischer 2009b) betitelt. In kritischen Blogs werden die Spiegel Berichte mit CSU Werbetexten verglichen und für Spiegelniveau als unwürdig empfunden (vgl. Engelbrecht 2009). Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) betitelt den Spiegel als „unterwürfiges Sturmgeschütz" (Reents 2009) in Anspielung auf das Etikett des Spiegels als "Sturmgeschütz der Demokratie". Die ersten negativen Berichte sind zur Kunduz-Affäre[9] zu lesen. Im Spiegel 51/2009 ist von Schwächen im „Blendwerk" (Demmer et al. 2009) die Rede und dass Guttenberg "aus krummen Holz geschnitzt“ (ebd.) ist. Die negativen Stimmen verebben im Jahr 2010. Guttenberg wird unter anderem in einer Titelgeschichte im Spiegel 42/2010 hochgejubelt. Der Titel des Covers gibt den Ton 2010 vor: "Die fabelhaften Guttenbergs – Paarlauf ins Kanzleramt". Unter anderem wird Guttenberg hier als "Bürgerkönig" (Demmer et al. 2010a) und als "große Hoffnung"(ebd.) bezeichnet. Der Spiegel wird für diese Geschichte mit Yellow-Press-Niveau[10] verglichen (vgl. Engelbrecht 2010) und vielfach taucht der Vorwurf der "Hofberichterstattung"(vgl. Engelbrecht 2011a u. Reents 2009) auf. Die Haltung der Spiegel Redaktion ändert sich im Verlauf der Plagiatsaffäre 2011. Mit der Titelgeschichte 8/2011 "Das Märchen vom ehrlichen Karl" empört sich der Spiegel über Guttenberg. Es ist vom "Freibeuter des Wissens"(Darnstädt et al. 2011) und "Blender"(ebd.) die Rede, der ein "dreist[es] Plagiat"(ebd.) verfasst hat. Die positive Grundhaltung zu Guttenberg ist seitdem verschwunden und wurde durch eine kritische und eher rationale Berichterstattung ersetzt.

3.2 Überprüfung auf Kampagnenjournalismus

Von Anfang 2009 bis zum Ende von Guttenbergs Amtszeit hat sich die Haltung der Spiegel Redaktion mehrfach gewandelt. Um in diesem Zusammenhang von Kampagnenjournalismus sprechen zu können, müssten alle acht Merkmale der Tabelle 1 erfüllt sein. Das Merkmal persuasiver und manipulativer Methoden kann anhand der Spiegelberichte nicht nachgewiesen werden. Zwar wird der Spiegel für seine Haltung öfter kritisiert, doch setzt er dabei nicht auf Manipulation (vgl. Engelbrecht 2011b). Auch das Kriterium eines übergeordneten Zieles ist nicht zu erkennen. Zu oft ändert der Spiegel seine Strategie bezüglich Guttenberg, sodass keine klare Linie erkennbar ist. Da nicht alle Merkmale erfüllt sind, kann im Fall des Spiegels nicht von Kampagnenjournalismus die Rede sein.

4. Berichterstattung der Zeitung BILD

4.1 Überblick über die Berichterstattung

Wenn das Wort Kampagne im Zusammenhang mit Printmedien fällt, assoziiert man das fast automatisch mit der BILD-Zeitung, welche sich häufiger mit dem Vorwurf konfrontiert sieht. Die BILD-Zeitung ist die auflagenstärkste Tageszeitung Deutschlands mit über 2.700.000 verkauften Exemplaren (vgl. IVW 4/2011) und einer Reichweite von mehr als 12,5 Millionen Lesern (vgl. MA 2011 I). Der Chefredakteur ist seit Januar 2001 Kai Diekmann (vgl. Wikipedia 2012). Die BILD-Zeitung steht für Emotionen, Polarisierung, Provokation und Tabubruch (vgl. Boenisch 2007, S.11). Das entspricht auch dem Selbstverständnis des Blattes: "Emotionalisierung, Personalisierung [...], das funktioniert."(Zitat von Kai Diekmann, Fichtner 2011). Nach Reinecke sind BILD und Guttenberg eine bis dato beispiellose Symbiose eingegangen (vgl. Reinecke 2011). Auf persönlicher Ebene sind die Voraussetzungen nicht dieselben wie beim Spiegel. Guttenberg ist mit Diekmann und der BILD-Redakteurin Anna von Bayern, die gleichzeitig seine Biografin ist, befreundet (vgl. Pohlmann 2011 und Simon 2011). Weiterhin ist der stellvertretende Chef vom Dienst der BILD-Bundesausgabe, Karl Ludwig zu Guttenberg, ein Verwandter Guttenbergs (vgl. Simon 2011). Auch inhaltlich hatte die BILD-Zeitung schnell eine Haltung. Kurz nach der Ernennung zum Wirtschaftsminister konnte man "BILD meint: GUTenberg" (BILD vom 10.02.2009) in der Rubrik Gewinner des Tages lesen. Schlagzeilen wie "Wir finden die GUTT"(BILD 2010) oder "Kanzler der Reserve" (Blome/Thewalt 2010) waren an der Tagesordnung. Auch Guttenbergs Frau Stephanie zu Guttenberg war Teil der Verbindung. Zwischen Mai 2009 und Dezember 2010 waren in der Print-Ausgabe der BILD mehr als 50 Artikel über Stephanie zu Guttenberg, alle mit positiver Haltung (vgl. Niggemeier 2010). In der BILD-3D Ausgabe vom 28. August 2010 ist Guttenberg auf der Titelseite als Model in "Top-Gun"(Reichelt 2010) Pose abgebildet. Es mag Zufall sein, dass Guttenberg, in seiner Position als Verteidigungsminister, Anzeigen für die Bundeswehr ausschließlich über Springer-Medien schalten lässt (vgl. Berger 2011). Es kann aber auch als Dankeschön gewertet werden (ebd.). Die Unterstützung Guttenbergs erreicht in der Plagiatsaffäre ihren Höhepunkt. BILD bringt innerhalb einer Woche vier Titelseiten mit Guttenberg (vgl. BILD 2011a, BILD 2011b, BILD 2011c, BILD 2011d). Unter anderem "Minister kämpft an allen Fronten"(BILD 2011a) und "Gut! Guttenberg bleibt" (BILD 2011b). Auch verteidigen BILD-Redakteure Guttenberg in Polit-Talkshows (vgl. Fürstenau 2011) und manipulieren ihre eigene Umfrage zugunsten Guttenbergs (vgl. Jakat 2011). Als Guttenberg schließlich zurücktritt, berichtet BILD darüber exklusiv vor allen anderen Medien, was wiederum die Bande der beiden Parteien veranschaulicht (vgl. Pohlmann 2011). BILD hat ihre positive Grundhaltung zu Guttenberg bis zu seinem Rücktritt bewahrt, da es für beide eine "Win-win-Situation"(Spreng 2011) darstellte.

4.2 Überprüfung auf Kampagnenjournalismus

Die beschriebene Berichterstattung der BILD Zeitung lässt möglichen Kampagnenjournalismus erahnen. Um das zu bestätigen, müssten alle Punkte des Merkmalkatalogs nach Boenisch (Tabelle 1) auftreten. Positive Guttenberg Darstellung als zentrales Thema erfüllt das erste Merkmal. Nächster Punkt ist ein Zeitraum, der durch einen Anfang und einen Endpunkt festgelegt ist. Als Beginn kann die Ernennung Guttenbergs zum Wirtschaftsminister gesehen werden und als Endpunkt der Rücktritt vom Posten des Verteidigungsministers (vgl. Simon 2011). Die Intensität kann auch als gewährleistet angesehen werden, da viele Titelseiten mit Guttenberg aufgemacht haben und in mindestens jeder vierten Ausgabe der BILD, innerhalb des oben definierten Zeitraums, ein Bericht mit der Thematik Guttenberg vorhanden ist (vgl. Hemmelmann 2010). Das Merkmal der dramaturgischen und strategisch geplanten Berichterstattung könnte nur durch eine Befragung eines Verantwortlichen oder einer Studie mit externen Informanten mit Sicherheit beantwortet werden (vgl. Boenisch, S. 117f). Die Beinamen und Zuschreibungen der BILD haben Guttenberg immer mehr in die Nähe eines Kanzlerkandidaten gerückt. Jedoch kann dieser Punkt nicht ohne genauere Analyse bestätigt werden. Die aktive Aufrechterhaltung der Berichterstattung kann hingegen leicht bewiesen werden. Gab es nichts Neues über Guttenberg selbst, wurde oft über seine Frau berichtet (vgl. Niggemeier 2010). Auch über Nichtigkeiten wurde dann geschrieben: "Stephanie zu Guttenberg lässt Maria Riesch [...] einen Blick auf ihr iPhone werfen." (BILD vom 22.02.2010). Das zeigt den Willen der BILD, auch etwas über Guttenberg zu publizieren, wenn der Nachrichtenwert eher gering ist. Die nächsten beiden Merkmale, der Einsatz persuasiver Mittel und der Wille zur Beeinflussung können zusammen geprüft werden. Aufgrund der Manipulation der BILD-Umfrage zum Thema Guttenberg (vgl. Jakat 2011) und des Titels vom 15. Dezember 2010[11] kann man bewusste Manipulation vermuten. Sicher kann dieses Merkmal nur in einer größeren Studie nachgewiesen werden. Der letzte Punkt, das übergeordnete Ziel, lässt sich anhand von Indizien erahnen. Guttenberg wird öfter als "Kanzler der Reserve " (Blome/Thewalt 2010) und seine Frau als "heimliche First Lady" (Gottschild 2010) bezeichnet. BILD will Guttenberg kanzlerreif machen, um später von der Verbindung zu profitieren. Die Prüfung der acht Merkmale führt zu der These, dass BILD in der Causa Guttenberg Kampagnenjournalismus betrieben hat. Einige Punkte sind nicht zweifelsfrei zu identifizieren, dies müsste im Rahmen einer größeren Studie geschehen.

5. Methodik der Befragung

Diese Arbeit versucht den Fragen auf den Grund zu gehen, ob eher darstellungs- oder entscheidungspolitiklastige Themen Guttenbergs im Gedächtnis verblieben sind und welche Art der Berichterstattung (BILD oder Spiegel) in Erinnerung geblieben ist. Dazu wurde über das soziale Netzwerk Facebook eine quantitative, standardisierte Befragung durchgeführt (vgl. Scholl 2003, S.7). Die Plagiatsaffäre, die Guttenberg letztendlich gestürzt hat, wurde online durch das "GuttenPlag Wiki“ (Wikia 2011) ausgelöst. Daher wurde eine Online-Befragung präferiert. Durch die Verbreitung via Facebook wurde versucht, ein möglichst junges Publikum anzusprechen, um deren Interesse an Politik und politischer Berichterstattung zu untersuchen. Durch die Einschränkung der potentiellen Probanden kann die Umfrage nicht als repräsentativ gelten, da man die Aussagen nicht auf eine Grundgesamtheit beziehen kann (vgl. Kutsch 2007, S. 21). Die Befragung wurde anonym durchgeführt, um den Effekt der sozialen Erwünschtheit zu minimieren (vgl. Scholl 2003, S. 207). Dies könnte vor allem bei der Beantwortung der Fragen bezüglich der BILD-Zeitung auftreten. Auch wurde durch die Anonymisierung der Konsistenz-Effekt weitestgehend begrenzt. Der Effekt beschreibt, dass Befragte möglichst kompetent erscheinen wollen und daher Pseudo-Meinungen angeben (vgl. Brosius 2008, S.100). Am Anfang des Fragebogens ist eine Interessensfrage in Bezug auf politisches Interesse formuliert. Danach werden sechs Wissensfragen bezüglich Spiegel- und BILD-Titeln gestellt. Im Anschluss daran folgt eine Matrixfrage hinsichtlich darstellungs- und entscheidungspolitiklastigen Themen. Den Abschluss bildet eine Bewertungsfrage im Hinblick auf die Möglichkeit einer Rückkehr Guttenbergs in die Politik.

[...]


[1] Definition siehe Jungmann 2008, S.4f

[2] Schreibweise des Axel-Springer-Verlags

[3] Benennung von Rudolf Augstein, Gründer des Spiegels

[4] Definition siehe Kapitza 2009, S. 14

[5] "ein[en] Bereich politischer Diskretion mit exklusiven Zugängen" (vgl. Sarcinelli 2010, S.76)

[6] Definition siehe Meyen 2009, S. 3f

[7] Bedeutung: überredend, zum Überzeugen geeignet

[8] Verhinderung der Insolvenz bei Opel (vgl. Germis et al. 2009)

[9] Bombardement zweier Tanklastwagen nahe Kunduz und die Aufklärung der Aktion in Deutschland (vgl. Demmer et al. 2010b)

[10] Niveau der täglichen Sensationspresse

[11] "Wir finden die GUTT! Nörgler, Neider, Niederschreiber: Einfach mal die Klappe halten!" (BILD 2010)

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Politische Berichterstattung über Karl-Theodor zu Guttenberg. Issues oder Boulevard, was bleibt?
Untertitel
Eine Befragung
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Politischer Journalismus
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
35
Katalognummer
V229857
ISBN (eBook)
9783656460091
ISBN (Buch)
9783656460206
Dateigröße
2240 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politische, berichterstattung, karl-theodor, guttenberg, issues, boulevard, eine, befragung
Arbeit zitieren
Daniel Heißenstein (Autor), 2011, Politische Berichterstattung über Karl-Theodor zu Guttenberg. Issues oder Boulevard, was bleibt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229857

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