Gesinnungstest. Rechtsextreme Tendenzen bei Studierenden

Eine Befragung


Forschungsarbeit, 2013

32 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung: Rechtsextremismus in Deutschland – Merkmale und aktuelle Situation

2. Fragestellung

3. Methodisches Vorgehen

4. Rechtsextremismusindex

5. Erwartete Ergebnisse

6. Auswertung
6.1 Nutzungsverhalten im Internet
6.2 Rechte Tendenzen und Einstellungen

7. Tatsächliche Ergebnisse

8. Vergleich der Ergebnisse mit der „Die Mitte im Umbruch“-Studie

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

11. Anhang
11.2 Auswertung
11.3 Fragebogen

1. Einführung: Rechtsextremismus in Deutschland – Merkmale und aktuelle Situation

Rechtsextremismus gehört im 21. Jahrhundert "zur Normalität fast aller westlichen Demokratien“ (Glaser/Pfeiffer 2009, S. 19). Gerade das historisch schwer vorbelastete Deutschland würde sicherlich gerne eine Ausnahme zu dieser Regel bilden und präsentiert das heikle Thema in den Medien meist lediglich als Randphänomen extremer Kleingruppen. "Zu wenig Beachtung findet allerdings häufig, dass es menschenfeindliches Denken und Rassismus in ihrer alltäglichen Ausprägung sind, die den Resonanzboden bilden für das Entstehen von organisiertem, gewalttätigem Rechtsextremismus" (Decker/Kiess/Brähler 2012, S. 7). Es sind Aussagen wie diese, die maßgeblich zur Durchführung des universitären Forschungsprojekts "Gesinnungstest – Rechtsextreme Tendenzen bei Studierenden – eine Befragung." anregten. Ausführliches zum Hintergrund und der Forschungsfrage der Umfrage wird in einem separaten Kapitel behandelt. Zunächst soll an dieser Stelle eine kurze Einführung zum Thema Rechtsextremismus und dessen Merkmale, sowie eine Skizzierung der aktuellen Situation in Deutschland folgen. Die Friedrich Ebert Studie "Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012", die als Vorbild für das Projekt diente, wird im Anschluss vorgestellt. Daran knüpft die Beschreibung der Forschungsfrage und der methodischen Vorgehensweise an und leitet über zur Ergebnispräsentation und den daraus gezogenen Schlussfolgerungen des Fazits.

Um sich in die Materie des Rechtsextremismus zu vertiefen, sollte einleitend eine Definition des Begriffs für Aufschluss sorgen, allerdings existiert eine solche allgemein anerkannte Bezeichnung nicht. Rechtsextremismus wird vielmehr als Sammelbecken "unterschiedlicher Strömungen, ideologischer Ausrichtungen und Organisationsformen" aufgefasst (vgl. Stöss 2010, S. 12-13). Aus Sicht des Verfassungsschutzes gelten Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind, als extremistisch, doch liefert diese Beschreibung noch keine charakteristischen Merkmale der Ideologie (vgl. ebd.). Der politikwissenschaftliche Rechtsextremismusbegriff beschreibt das Phänomen genauer, in dem er es in zwei Dimensionen gliedert. Auf der Verhaltensebene werden Aspekte, wie "Wahlverhalten, Mitgliedschaft in rechtsextremistischen Vereinigungen, das Verüben von Gewalt oder öffentlicher Protest und Provokation" genannt (Glaser/Pfeiffer 2009, S. 22). Dem gegenüber steht die Einstellungsebene, die der Verhaltensebene meist vorgelagert ist und ein bestimmtes rechtsextrem geprägtes Weltbild beinhaltet. Zu dessen Bestandteilen gehören z.B. Autoritarismus, eine diktatorische Form der Herrschaft, Nationalismus sowie Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Pro-Nazismus, Rassismus und das Leitbild der Volksgemeinschaft, welches mit einer bestimmten Form von Kollektivismus verbunden ist, sind weitere zentrale Faktoren. Daneben stehen u.a. die Verharmlosung des Nationalsozialismus sowie die Ablehnung von Wertepluralismus, Menschenrechten, Multikulturalismus und Globalisierung (vgl. Glaser/Pfeiffer 2009, S. 23-24). Die kollektive Identität als Gegenbewegung zur Demokratie steht im Zentrum und wird verstärkt durch gemeinsame Szenetreffpunkte und -medien, kulturelle Praktiken und den hohen Organisationsgrad, sei es durch Parteien, Vereine, Pro-Bewegungen oder Kameradschaften. Als mögliche Ursachen für die Hinwendung zum Rechtsextremismus gelten u.a. der autoritäre Charakter der Ideologie, die Unzufriedenheit mit dem eigenen sozialen Status, verbunden mit relativer Deprivation, also dem subjektiven Gefühl von Benachteiligung und Angst vor drohendem Privilegienverlust, sowie Individualisierung, politische Unzufriedenheit und antidemokratische Diskurse in Politik und Medien (vgl. Stöss 2010, S. 47 ff).

Zur Veranschaulichung der aktuellen Situation des rechtsextremistischen Potenzials in Deutschland seien an dieser Stelle einige Zahlen des Verfassungsschutzberichtes des Bundesinnenministeriums aus dem Jahr 2011 genannt. Ende des Jahres 2011 existierten 225 rechtsextreme Organisationen und Personenzusammenschlüsse, deren Mitgliederzahlen nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften bei ca. 22400 Personen lagen (vgl. Bundesinnenministerium 2011, S. 56-57). Darunter fielen ca. 7600 „subkulturell geprägte Rechtsextremisten“[1], 6000 Neonazis, 7300 Parteimitglieder der NPD und DVU sowie 2500 Mitglieder sonstiger rechter Organisationen – 9800 dieser Personen wurden als gewaltbereit eingestuft (vgl. Bundesinnenministerium 2011, S. 56-57). Besondere mediale Aufmerksamkeit erfuhr das Thema rechte Gewalt Ende 2011 durch die Aufdeckung der terroristischen Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU), der während eines ca. zehnjährigen Zeitraums systematisch Morde an Migranten begangen hatte (vgl. Decker/Kiess/Brähler 2012, S. 10). Darüber hinaus spielte auf politischer Ebene das erneut angestoßene NPD-Verbotsverfahren eine mediale Rolle. Weitaus weniger Beachtung wurde dagegen dem eingangs erwähnten Phänomen der Durchdringung rechtsextremer Einstellungen in die Mitte der Gesellschaft geschenkt. Rechtsextremismusforschung existiert in Deutschland seit fast 70 Jahren und wird mit konstant hohem Interesse in der Politologie, Soziologie, Psychologie und Pädagogik untersucht (vgl. Brähler/Decker 2006, S. 11). Vor allem in den letzten Jahren bildete sich ein Forschungsschwerpunkt in der Untersuchung von rechtsextremen Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft heraus. Niedermayer und Stöss ermittelten in ihrer Studie zu diesem Thema beispielsweise ca. 10 % rechtsextreme Tendenzen in der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2008.

Eine besondere Rolle spielt in dieser Forschungstradition die für die Friedrich Ebert Stiftung herausgegebene Studie "Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Tendenzen in Deutschland", die seit 2006 im Zweijahresrhythmus veröffentlicht wird und als "Barometer aktueller antidemokratischer Einstellungen in Deutschland" gelten möchte (vgl. Friedrich Ebert Stiftung 2012 (a)). Auch im Jahr 2012 wurde in diesem Rahmen wieder eine repräsentative Erhebung vom Berliner Meinungsforschungsinstitut USUMA durchgeführt, die eine Stichprobe von 2.415 deutschen Staatsangehörigen (ohne und mit Migrationshintergrund) sowie 95 Personen mit Migrationshintergrund ohne deutsche Staatsbürgerschaft per Fragebogen (face-to-face) untersuchte (vgl. Friedrich Ebert Stiftung 2012 (b)). Rechtsextreme Einstellungen wurden dabei durch verschiedene Aussagen geprüft, zu denen die Befragten ihre Zustimmung oder Ablehnung auf einer fünfstufigen Skala von "stimme nicht zu" bis "stimme voll und ganz zu" notieren sollten (vgl. Decker/Kiess/Brähler 2012, S. 31). Die Aussagen wurden dabei zu vorher festgelegten Themenbereichen zugeordnet, die zu einem rechtsextremen Weltbild beitragen. So wurden jeweils drei Fragen zu den Dimensionen "Befürwortung einer rechtsgerichteten Diktatur, Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus sowie Verharmlosung des Nationalsozialismus" gestellt (ebd.). Als Ergebnis zeigte die Studie bezogen auf ganz Deutschland unter anderem einen Anstieg rechtsextremen Denkens (geschlossenes rechtsextremes Weltbild) von 8,2 % im Jahr 2010 auf 9,0 % im Jahr 2012 (vgl. Friedrich Ebert Stiftung 2012 (a)). Die höchsten Werte erzielte dabei die Kategorie Ausländerfeindlichkeit mit 21,5 %, dicht gefolgt von Chauvinismus mit knapp 20 % (vgl. Friedrich Ebert Stiftung 2012 (b), S. 1). Antisemitismus fand sich bei rund jedem elften Deutschen, viel verbreiteter war dagegen der Faktor Islamfeindlichkeit (vgl. Friedrich Ebert Stiftung 2012 (b), S. 2-3). Sehr hoch war die Zufriedenheit mit der Demokratie im Vergleich zu anderen Staatsformen mit 94,9 % (vgl. Friedrich Ebert Stiftung 2012 (b), S. 2). Bei der Untersuchung fanden sich signifikante Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen differenziert nach demographischen Merkmalen wie Alter, Bildungsgrad oder Migrationshintergrund. Bildung kann beispielsweise als ein „Schutzfaktor“ gegen rechtsextreme Einstellungen gelten, da Personen mit Abitur deutlich geringere rechte Tendenzen in der Befragung aufwiesen (vgl. Friedrich Ebert Stiftung 2012 (b), S. 1).

2. Fragestellung

Die "Die Mitte im Umbruch"-Studie diente als Hauptinspirationsquelle für die Entwicklung der Forschungsfrage, die im universitären Rahmen während des Seminars "Rechtspopulismus im Internet", geleitet von Herrn Prof. Dr. Klaus Arnold, im Wintersemester 2012/13 entstand. Besagtes Medienwissenschaftsseminar beschäftigte sich hauptsächlich mit den Onlineaktivitäten der rechten Szene, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben und mittlerweile einen wichtigen Part der Propaganda ausmachen; allein das jugendschutz.net, das regelmäßig die Aktivitäten von Rechtsextremen im Internet dokumentiert, geht von mehr als 1.600 rechtsextremen Websites aus (vgl. Friedrich Ebert Stiftung 2012 (b), S. 1). Durch diese moderne Strategie zum Erreichen von jüngeren Rezipienten, nicht zuletzt auch durch Inhalte auf Social-Web Plattformen wie Facebook oder YouTube, können auch Personen mit der Materie in konfrontiert werden, die nicht der rechten Szene angehören. All diese Faktoren führten zur Überlegung, ob rechtsextreme Einstellungen nicht nur in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, sondern auch bei Studierenden der Universität Trier zu finden sein könnten und der oben genannte "Schutzfaktor Bildung" tatsächlich als ein solcher gelten kann. Daraus entwickelte sich die Frage "Ist (und wenn ja, wie stark ist) ein rechts geprägtes Weltbild bei Studierenden der Universität Trier vorhanden?".

3. Methodisches Vorgehen

Die vorangestellten Überlegungen sollten nun im Rahmen eines deskriptiven bzw. hypothesentestenden Forschungsdesigns untersucht werden, wobei die Entscheidung auf die Methode der schriftlichen Befragung fiel. Wie in der Theorie angeregt, stand hier zu Beginn die Bildung der Stichprobe, auf die die Ausarbeitung des Messmodells und die Operationalisierung der Variablen folgte (vgl. Mayer 2006, S. 57). Die Entwicklung des Fragebogens, der Pretest und die Feldphase, in der die Datenerhebung erfolgte, gliederten sich daran an und lieferten das Ausgangsmaterial für die anschließenden Auswertungen.

Um die Grundgesamtheit der Studierenden an der Universität möglichst repräsentativ abzubilden, entschieden wir uns für eine Zufallsauswahl der Befragungskandidaten. Bei diesen Personen sollte durch die schriftliche Beantwortung von Fragen ein etwaiges, rechts geprägtes Weltbild abgefragt werden. Dieses Weltbild setzte sich ähnlich der "Mitte im Umbruch-Studie" aus verschiedenen, zuvor festgelegten Kategorien zusammen. Es handelte sich dabei um die Dimensionen "Demokratieverständnis", "Nationalismus", "Politisches Engagement", "Ausländerfeindlichkeit", "Antisemitismus", "Islamfeindlichkeit", "Homophobie" sowie "Rechtsextremes Verhalten im Internet". Diese theoretischen Begriffe, die nicht direkt messbar sind, wurden operationalisiert und durch mehrere Einstellungsfragen pro Themenbereich abgefragt. Dies sollte die Messung rechter Tendenzen ermöglichen, Korrelationen zwischen den Merkmalsausprägungen aufzeigen und zuvor bereits hypothetisch getroffene Annahmen bestätigen oder widerlegen. So fanden sich vor Forschungsbeginn beispielsweise Hypothesen zu möglichen Korrelationen zwischen Bildung, Geschlecht, Studienfach oder Konfessionszugehörigkeit und der jeweiligen Ausprägung von rechten Tendenzen. Auf Grundlage der "Die Mitte im Umbruch-Studie" wurde z.B. davon ausgegeangen, dass Studierende geringere rechte Tendenzen als die Gesamtbevölkerung aufweisen oder aber Männer ein leicht stärker rechts geprägtes Weltbild als Frauen aufweisen könnten.

Auf Grundlage dieser Vorüberlegungen und Operationalisierungen wurde im Anschluss der Fragebogen entwickelt (siehe 11.3). Dieser bestand aus drei Seiten mit Einleitungstext, mehreren Fragenblöcken, Bemerkungsfeld und Schlussformel. Der einleitende Text beinhaltete eine kurze Vorstellung der Autoren der Studie, mit Angabe des Studienfachs und Semesters sowie dem Hinweis, das die Studie im Rahmen eines universitären Forschungsprojekts entstand. Dabei wurde vermieden, das Thema "Rechtsextremismus" zu erwähnen, um eine mit Vorbehalten behaftete Herangehensweise an das Ausfüllen des Bogens zu vermeiden. Vielmehr lief die Befragung lediglich unter dem Titel "Fragebogen zum Thema politische Einstellung und Internetnutzung". Zudem enthielt der Einleitungstext einen Hinweis auf die fünf- bis zehnminütige Dauer des Ausfüllens sowie die Bitte um eine sorgfältigen und vollständige Bearbeitung des Bogens. Die Wahrung des Datenschutzes, der Hinweis auf die Verlosung eines Gutscheins unter den Teilnehmern und eine Dankesformel rundeten den Einleitungstext ab.

Daraufhin folgte die Eisbrecherfrage "Ich interessiere mich für Politik", da zu Beginn einer Befragung stets "allgemeine, leicht zu beantwortende und emotional wenig belastende Themen" angesprochen werden sollten, um die Motivation zur weiteren Teilnahme an der Befragung zu erhöhen (Jacob/Heinz/Décieux/Eirmbter 2011, S. 187).

Es gliederte sich der erste Fragenblock an, der – entgegen der Regel der meisten Befragungen – thematisch durchmischt war, um den kategorialen Charakter der Umfrage zu verschleiern. Dieser Block enthielt Einstellungsfragen, die mit Hilfe von ordinalen Skalen zu beantworten waren. Dabei wurde stets eine Aussage getroffen, zu der die Befragten ihre Zustimmung oder Ablehnung auf einer fünfstufigen Skala von "lehne völlig ab" bis "stimme voll und ganz zu" ausdrücken sollten. Zudem wurden zwischendurch leicht beantwortbare Pufferfragen gestellt, um von den heikleren Fragen abzulenken. Ein Beispiel hierfür wäre die Aussage "Im realen Leben würde ich mich genauso verhalten, wie im Internet". Die thematische Mischung und Einstreuung von Ablenkungsfragen wurde strategisch auch bei allen weiteren Fragenblöcken angewendet.

Im Anschluss folgten zwei Selbstausfüller, bei denen Fragen zur Internetnutzung gestellt wurden, die ausschließlich als Puffer dienten.

Ein weiterer Fragenblock mit Ordinalfragen schloss sich daran an, der ähnlich dem ersten Block aufgebaut war, mit dem einzigen Unterschied, dass hier lediglich Antworten auf einer Dreierskala von "Stimme zu", "Unentschieden", "Stimme nicht zu" angeboten wurden.

Ein Block mit der dichotomen Antwortvorgabe "Ja" oder "Nein" gliederte sich an und wurde von einem letzten Fünferskalenblock gefolgt.

Zum Schluss wurden die demographischen Merkmale "Geburtsjahr", "Geschlecht", "Studienfach", "Politische Einstellung", "Religionszugehörigkeit" und die Mitgliedschaft in verschiedenen Hochschulgruppen erhoben. Letztere Frage diente jedoch nur zur Feststellung, ob der Teilnehmer Mitglied in einer Burschenschaft ist.

Zum formalen Abschluss wurde Platz für Anmerkungen durch die Befragten angeboten und es folgte die Schlussformel mit nochmaligem Dank für die Teilnahme.

Insgesamt enthielt der Fragebogen 33 relevante Einstellungsfragen, elf Ablenkungs- bzw. Pufferfragen und sechs demographische Fragen. Bei der Dramaturgie des Fragebogens wurde nicht nur auf den Aufbau, die thematische Durchmischung und die Einstreuung kleinerer Erholungsphasen durch die Stellung von Pufferfragen geachtet, sondern auch die Fragen selbst folgten gewissen Gütekriterien (vgl. Mayer 2006, S. 89). So wurde bei der Konzeption darauf geachtet, dass die Fragen einfach, möglichst kurz und konkret formuliert waren. Suggestivfragen, hypothetische Formulierungen, doppelte Verneinungen oder überfordernde Fragen wurden weitestgehend vermieden, lediglich bestimmte Reizwörter, wie "Juden", "Ausländer" oder "Nazi", konnten aufgrund der Forschungsthematik nicht umgangen werden. Bei den Antwortkategorien wurden zudem mittels der jeweiligen Skalen stets ausbalancierte und gleichwertige Antwortmöglichkeiten angeboten (Jacob/Heinz/Décieux/Eirmbter 2011, S. 127). Um einen anschließenden Vergleich zur "Die Mitte im Umbruch"-Studie zu ermöglichen, wurden manche Fragen exakt oder nur leicht abgeändert aus deren Fragebogen übernommen.[2]

Nach Fertigstellung des Fragebogens wurde ein kurzer Pretest durchgeführt, in dem einige Testpersonen den Fragebogen versuchsweise ausfüllten, woraufhin die Umfrage mit Hilfe von Verbesserungsvorschlägen überarbeitet wurde. Neben dem Papierfragebogen wurde gleichzeitig eine Online-Umfrage mit Hilfe der Webseite "Q-Set" erstellt, die die selben Fragen in gleicher Reihenfolge enthielt und zum Erreichen einer größeren Teilnehmermenge eingesetzt wurde. In der anschließenden Feldphase wurden 50 Studierende am 09. Januar 2013 zufällig in den Fluren und Eingangsbereichen der Universität Trier ausgewählt und per Fragebogen befragt. 83 weitere Personen beteiligten sich an der gleichzeitig vom 07. bis zum 17. Januar laufenden Online-Umfrage, auf die mittels E-mail-Verteiler, Facebook-Fachschaftsseiten und mündliche Werbung aufmerksam gemacht wurde.

Nach Abschluss der Feldphase konnte nun die Dateneingabe und -aufbereitung erfolgen, die mit Hilfe des Statistikprogramms "SPSS" durchgeführt wurde. Um die Merkmalsausprägungen der Teilnehmer systematisch zu erfassen, erfolgte zunächst die Codierung, in der den einzelnen Variablen Namen und den Antwortmöglichkeiten Zahlen zugeordnet wurden. Eine Datenmatrix, in die die Werte der Fragebögen per Hand eingegeben und die Daten der Online-Umfrage automatisch importiert wurden, stellte die Ausgangsposition für die Auswertung der Merkmalsausprägungen und Korrelationen dar.

Um festzustellen, in wie weit ein rechts geprägtes Weltbild vorhanden war, wurden die Zustimmungswerte der zuvor erwähnten Kategorien überprüft. Dabei wurden jeweils die Angaben "Stimme voll und ganz zu" und "Stimme überwiegend zu" als Zustimmung und die Werte "Lehne völlig ab" und "Lehne überwiegend ab" als Ablehnung gewertet. "Stimme teils zu, teils nicht zu" galt als unentschieden. Jeder Kategorie waren mindestens drei Fragen zugeordnet, deren jeweilige Zustimmungswerte die durchschnittliche Prozentzahl rechter Tendenzen im entsprechenden Themenbereich ergaben. Da die einzelnen Fragen nicht alle gleich stark rechtsextremistisch geprägt waren, wurden sie von uns zuvor mit Punkten belegt, die mehr oder weniger stark zu einem rechten Weltbild beitrugen. Die Punkte reichten dabei von 1=schwach bis 3=stark. Um diese Vorgehensweise zu veranschaulichen, folgt als Beispiel die Auswertung des Themenbereichs "Demokratieverhältnis". Zu diesem Themenbereich wurden folgende Fragen gestellt:

Abbildung 2: Kategorie Demokratie, eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die obigen Punktzahlen in Klammern geben also die jeweils vergebenen Punkte an.

Die passende Beispielrechnung dazu lautet:

1. Frage: 3,1 % (Zustimmung) x 3 (Punkte) = 9,3 %
2. Frage: 14,3 % (Zustimmung) x 2 (Punkte) = 28,6 %
3. Frage: 8,9 % (Zustimmung) x 1 (Punkt) = 8,9 %

(9,3 % + 28,6 % + 8,9 %) : (3 + 2 + 1) = 46,8 % : 6 = 7,9 %

Die Zustimmungswerte der einzelnen Fragen wurden also zunächst mit ihrer zugehörigen Punktzahl multipliziert. Im Anschluss wurden die daraus resultierenden Werte aller dem Themenbereich zugehörigen Fragen addiert und durch die Summe der vergebenen Punkte dividiert. Als Ergebnis zeigte sich die durchschnittliche Zustimmung zu den Aussagen der einzelnen Kategorien und die daraus resultierende rechtsextreme Tendenz. So konnte für jede Kategorie die durchschnittliche rechte Einstellung ermittelt werden, die in ihrer Gesamtheit miteinander verrechnet letztendlich die Ausprägung des rechtsextremen Weltbildes ergab. Natürlich interessierten in der Studie nicht nur die Durchschnittswerte bezogen auf die gesamte Stichprobe, sondern auch der genauere Blick auf einzelne Merkmalsträger, wie z.B. Männer oder Frauen, einzelne Studienfächer oder Anhänger verschiedener Religionen. Die Zusammenhänge zwischen solchen Variablen und ihrer jeweiligen rechten Ausprägung wurde vor allem mit Hilfe von Kreuztabellen veranschaulicht. All diese Auswertungen werden im sechsten Kapitel genauer vorgestellt.

[...]


[1] Die gewaltbereiten subkulturell geprägten Rechtsextremisten definieren sich hauptsächlich über szenetypische Musik und den damit – zumindest über einen längeren Zeitraum – verbundenen Lebensstil (vgl. Bundesinnenministerium 2011, S. 66).

[2] Weitestgehend übereinstimmende Fragen: Frage 3, 4, 5, 6, 7, 10, 11, 13, 31, 32, 37, 39, 40, 41, 42, 43.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Gesinnungstest. Rechtsextreme Tendenzen bei Studierenden
Untertitel
Eine Befragung
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Rechtspopulismus im Internet
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
32
Katalognummer
V229860
ISBN (eBook)
9783656460442
ISBN (Buch)
9783656460756
Dateigröße
952 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesinnungstest, rechtsextreme, tendenzen, studierenden, eine, befragung
Arbeit zitieren
Daniel Heißenstein (Autor), 2013, Gesinnungstest. Rechtsextreme Tendenzen bei Studierenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229860

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