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Der Umgang von Lehren mit sozial benachteiligten Schülern in sächsischen Mittelschulen

Title: Der Umgang von Lehren mit sozial benachteiligten Schülern in sächsischen Mittelschulen

Diploma Thesis , 2003 , 71 Pages , Grade: 2,5

Autor:in: Claudia Mehner (Author)

Social Work
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„Die Schule war, ist und wird nie ein konfliktfreier Lebensraum sein. Und dies ist auch gut so. Konflikte sind ja nicht nur negativ. Ganz im Gegenteil: Sie können das Tor zur Erneuerung und Verbesserung aufstoßen. Wo jedermann zufrieden ist bzw. aus Überangepasstheit, Ängstlichkeit oder Bequemlichkeit Zusammenstößen ausweicht, kommen wenig Lebensfreude und Selbstvertrauen auf. Konflikte sind wie Salz in der Suppe; allerdings schmeckt diese nicht, sobald sie versalzen ist. Konflikte werden immer dann als unerträglich empfunden, wenn sie in Mobbing ausarten, eskalieren, den Gegenspieler demütigen und zum alleinigen Verlierer machen. Heutzutage zählt Konfliktfähigkeit als eine Art Schlüsselfunktion. Wie aber sollen unsere Schüler dazu befähigt werden, wenn Zusammenstöße verdrängt bzw. schon im Ansatz abgewürgt werden? Und wo sonst bietet sich ein so geeignetes Übungsfeld zum Erwerb dieser Schlüsselqualifikation an wie im Haus des Lernens, der Schule?“ (Sander, Winklers Flügelstift 3/98)

Doch dies setzt das Bemühen des Lehrers voraus, den Schüler besser kennen und verstehen zu lernen. Besonders sozial benachteiligte Schüler aus arbeitslosen und ausländischen Familien, die teilweise in Auftreten, Aussehen und Verhalten anders erscheinen benötigen Beachtung und Zuwendung.

Deshalb ist es Ziel meiner Arbeit, die sozialräumlichen, strukturlichen und psychischen Bedingungen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien aufzuzeigen, um danach auf die Vor- und Nachteile während des Aufwachsens eingehen zu können. Ich bin absichtlich in meiner Arbeit nur auf arbeitlose und ausländische Familien eingegangen, da ich der Meinung bin, dass sich mit diesen Kindern viel zu wenig beschäftigt wird, denn in vielen Büchern wird nur über die betroffenen Eltern geschrieben und die Kinder werden außer Betracht gelassen. Deshalb wollte ich speziell auch auf die betroffenen Kinder aus sozial schwachen Familien eingehen.

Das die gesellschaftlichen Veränderungen an den Kindern nicht spurlos vorüber gehen, macht sich spätestens in der Schule bemerkbar, wo Kinder mit Gleichaltrigen aller Sozialschichten zusammentreffen. Dort lernen sie sich mit anderen zu vergleichen und sehen, wie andere Kinder in ihren Familien aufwachsen. Sie werden soziale Verhaltensweisen, wie Rücksichtnahme, Kooperation und Kommunikation lernen und sich in einer Gruppe durchsetzen müssen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Sozialisation

1.1 Sozialisationsinstanzen

1.2 Sozialisation durch die Schule

2 Soziale Benachteiligung und Armut in einer reichen Gesellschaft

2.1 Kinder aus Familien mit arbeitslosen Eltern

2.1.1 Subjektive Wahrnehmung / Bewältigungsmuster

2.1.2 Veränderung im Wohnen

2.1.3 Gesundheit

2.1.4 Sozialer Rückzug

2.2 Ausländische Kinder und deren Familien

2.2.1 Sozialräumliche Bedingungen

2.2.2 Das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft

2.2.3 Haushaltsstruktur / Haushaltseinkommen

2.3 Folgen der sozialen Benachteiligung bei Kindern und Jugendlichen

2.4 Vergleich von ausländischen Familien mit deutschen Arbeitslosenfamilien

3 Institution Schule und ihre Funktionen

3.1 Bedeutung der Schulzeit

3.2 Gesellschaftliche Bedingungen

3.3 Institutionelle Bedingungen

3.4 Spezifische Problemfelder von sozial benachteiligten Kindern im Schulalltag

3.4.1 Problemfeld soziale Situation

3.4.2 Problemfeld Sprache

4 Der Umgang von Lehrern mit sozial benachteiligten Schülern

4.1 Schichtenspezifische Chancen in der Erfüllung schulischer Normen

4.2 Typisierung der Schüler durch den Lehrer

4.3 Die Behandlung negativ typisierter Schüler durch den Lehrer

4.3.1 Benachteiligung in der Notengebung

4.3.2 Benachteiligung im Interaktionsprozess

4.4 Verhältnis von deutschen Lehrern mit ausländischen Schülern

5 Die Bewältigung von Schülerproblemen

5.1 Beispiel aus dem Schulalltag

5.2 Reaktionen von Lehrern auf problembelastete Schüler

6 Umfrage

7 Zusammenfassung und Schlussfolgerung für die Praxis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die gesellschaftlichen Veränderungen innerhalb und außerhalb der Familie sowie deren Auswirkungen auf die soziale Benachteiligung von Kindern. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer mit Kindern aus sozial benachteiligten Familien – insbesondere aus arbeitslosen und ausländischen Familien – im Schulalltag umgehen und wie diese Prozesse, etwa durch Stigmatisierung und Notengebung, die Entwicklung der Schüler beeinflussen.

  • Analyse sozialräumlicher, struktureller und psychischer Bedingungen von benachteiligten Familien.
  • Untersuchung der Rolle der Schule bei der Reproduktion sozialer Ungleichheit.
  • Analyse des Lehrerverhaltens und der Stigmatisierungsprozesse gegenüber benachteiligten Schülern.
  • Erörterung der Bedeutung von Sprachbarrieren und kulturellen Differenzen im Unterricht.
  • Empirische Reflexion der theoretischen Erkenntnisse durch eine Lehrerbefragung.

Auszug aus dem Buch

5.1 Beispiel aus dem Schulalltag

„Dipak, ein 14jähriger indischer Schüler, wurde wegen seiner „kriecherischen“ Art, mit der er die Lehrer mit „weinerlichen“ Beschwerden und Bitten belästigt, als problematisch empfunden. Er bat sie zum Beispiel um besondere Erlaubnis, später zum Unterricht kommen oder eher gehen zu dürfen oder beim Sport nicht mitmachen zu müssen. Dadurch wollte er den anderen Jungen aus dem Weg gehen, die ihn schikanierten. Er hatte keine Freunde und so suchte er dauernd Hilfe, hauptsächlich von Lehrerinnen. Vor männlichen Lehrern habe er, wie er sagte, Angst. Die Kolleginnen fühlten sich durch sein ständiges „auf der Lauer liegen“ ausgelaugt und versuchten, sich nur kurz mit ihm abzugeben oder ihn ganz zu meiden. Sie „hielten seine irritierende Art einfach nicht aus“.

Der Junge war jedoch fleißig, besonders in der Mathematik und zeigte in Fächern wie Sozialkunde ein gutes Vorstellungsvermögen. Seine Hausaufgaben sahen „richtig malerisch“ aus, waren aber inhaltlich von geringer Qualität, was vollkommen unvereinbar war mit seinen Zukunftsplänen. Er war wie besessen von Flugzeugen und wollte Pilot werden. Seine Lehrer versuchten, ihn wegen seiner schwachen Leistung von dieser Idee abzubringen. Man wusste wenig über sein Zuhause, da sein Vater kein Englisch sprach, nicht in der Schule erschien und die Mutter in Indien lebte.

Zuerst hatte man versucht, Sympathie für den Jungen aufzubringen, lehnte ihn mittlerweile jedoch kategorisch ab. Die Schikaniererei suchte die Schulleitung als Nationalitätenproblem zu behandeln, die Lehrer glaubten jedoch, dass Dipak selbst der Auslöser sei. Der Grund für ihre nunmehr völlige Ablehnung des Jungen läge darin, dass er angefangen habe, sie zu belügen, ihnen zum Beispiel vorgemacht habe, dass er wegen eines Aufenthaltes in Indien demnächst nicht in die Schule kommen würde, was aber nicht stimmte und er einfach geschwänzt habe.

Die zum Teil nervöse, zum Teil feindselige Ablehnung des Jungen in der Gruppe schien total. Niemand hatte die geringst Neigung, auf Positives einzugehen, auf dem man die Diskussion hätte aufbauen können.“ (Hanko, 1999, S.51f)

Zusammenfassung der Kapitel

0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Konflikten in der Schule und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Lebensbedingungen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien sowie den Umgang von Lehrern mit diesen zu untersuchen.

1 Sozialisation: Dieses Kapitel definiert den Sozialisationsbegriff und analysiert zentrale Sozialisationsinstanzen wie Familie, Peer-Groups und insbesondere die Institution Schule.

2 Soziale Benachteiligung und Armut in einer reichen Gesellschaft: Es wird die Situation von Kindern in arbeitslosen und ausländischen Familien betrachtet, wobei insbesondere Wohnumfeld, Gesundheit und soziale Isolation thematisiert werden.

3 Institution Schule und ihre Funktionen: Hier werden die Funktionen der Schule wie Qualifikation, Selektion und Allokation sowie spezifische Problemfelder wie soziale Situation und Sprache im Schulalltag analysiert.

4 Der Umgang von Lehrern mit sozial benachteiligten Schülern: Das Kapitel untersucht, wie Lehrer schulische Normen anwenden, Schüler typisieren und wie dies zu Stigmatisierung, Benachteiligung bei der Notengebung und im Interaktionsprozess führt.

5 Die Bewältigung von Schülerproblemen: Anhand von Fallbeispielen wird der Umgang von Lehrern mit problembelasteten Schülern erörtert und die häufige Überforderung des pädagogischen Personals aufgezeigt.

6 Umfrage: Die Ergebnisse einer Lehrerbefragung zur Situation von sozial benachteiligten Schülern im Landkreis Döbeln werden präsentiert und ausgewertet.

7 Zusammenfassung und Schlussfolgerung für die Praxis: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine verstärkte Einbindung von Schulsozialarbeit, um den komplexen Anforderungen an modernen Schulen gerecht zu werden.

Schlüsselwörter

Soziale Benachteiligung, Armut, Arbeitslosigkeit, Migration, Sozialisation, Schule, Stigmatisierung, Lehrer-Schüler-Interaktion, Notengebung, Schülerprobleme, Schulsozialarbeit, Schulerfolg, Bildungschancen, Integration, Leistungsgesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Diplomarbeit untersucht die Lebenswelten von sozial benachteiligten Kindern und analysiert, wie das Schulsystem und das Verhalten der Lehrkräfte diese soziale Benachteiligung durch Stigmatisierungsprozesse und selektive Maßnahmen beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstellen zwischen familiärer Armut bzw. Migration und dem schulischen Alltag, beleuchtet Sozialisationstheorien und diskutiert Funktionen der Schule sowie die pädagogische Professionalität im Umgang mit „schwierigen“ Schülern.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die strukturellen und psychischen Belastungen sozial benachteiligter Kinder aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass deren schulischer Erfolg maßgeblich vom pädagogischen Umgang der Lehrkräfte abhängt.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Neben einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur wurde eine empirische Untersuchung in Form einer schriftlichen Lehrerbefragung im Kreis Döbeln durchgeführt, um praktische Einblicke in die Schulsituation zu gewinnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der schulischen Funktionen, den spezifischen Umgang von Lehrern mit benachteiligten Schülern (u.a. Typisierung, Notengebung, Interaktionsprozesse) sowie die Bewältigung von Schülerproblemen im Unterricht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Soziale Benachteiligung, Stigmatisierung, Sozialisation, Lehrer-Schüler-Beziehung, Integration und Schulerfolg.

Wie beeinflusst die soziale Herkunft die Notengebung laut der Autorin?

Die Autorin stellt dar, dass Lehrer durch die Typisierung von Schülern dazu neigen, Leistungen von Kindern aus niedrigeren sozialen Schichten negativer zu bewerten und ihnen bei gleichem Leistungsstand schlechtere Zensuren als Kindern aus der Mittelschicht zu geben.

Warum plädiert die Autorin für den verstärkten Einsatz von Schulsozialarbeitern?

Da Lehrer oft überlastet sind und pädagogisch nicht ausreichend ausgebildet sind, um komplexe soziale Probleme von Schülern zu lösen, sieht die Autorin die Schulsozialarbeit als notwendiges Bindeglied zur Entlastung der Lehrkräfte und zur Förderung der betroffenen Schüler.

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Details

Title
Der Umgang von Lehren mit sozial benachteiligten Schülern in sächsischen Mittelschulen
College
University of Applied Sciences Mittweida
Grade
2,5
Author
Claudia Mehner (Author)
Publication Year
2003
Pages
71
Catalog Number
V22988
ISBN (eBook)
9783638261982
Language
German
Tags
Umgang Lehren Schülern Mittelschulen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Mehner (Author), 2003, Der Umgang von Lehren mit sozial benachteiligten Schülern in sächsischen Mittelschulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22988
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