Das sozialistische Wirtschaftssystem in Ungarn. Eine Analyse anhand von F. Hayeks Thesen


Hausarbeit, 2012
6 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Einleitung

Friedrich August von Hayek (1899-1992) der österreichische Ökonom und Sozialphilosoph setzte sich in seinem Buch „The Road to Serfdom” mit dem Sozialismus und dessen negativen Folgen auseinander. Das Werk entstand während dem Zweiten Weltkrieg (1944) und sollte eigentlich als Warnung vor der schleichenden Gefährdung der Freiheit dienen (Vgl. Hayek 2011: 5. Zitiert nach: Dr. Otto Graf Lambsdorff 2011).

Der Schwerpunkt des Essays liegt auf Hayeks Behauptung, dass Planwirtschaft- als Wirtschaftsform des sozialistischen Systems- zwangsläufig zur Entfaltung eines totalitären Regimes und dadurch zur Unfreiheit der Bevölkerung des gegebenen Landes führt. Um diese These eingehend zu analysieren, beziehungsweise kritisch zu erörtern, wird in dem folgenden Text auf bestimmte Ereignisse in Ungarn während der sowjetischen Periode zurückgegriffen. Daher lautet meine Fragestellung folgenderweise: Inwiefern spiegelt sich die Kritik von Hayek an Planwirtschaft in Ungarn zwischen 1945-1989 wider?

Hauptteil

Ausgangslage

Um die Geschehnisse in Ungarn als Beispiel, bzw. Gegenbeispiel zu der hayekischen These präsentieren zu können, möchte ich erst die Grundsituation des Landes kurz darlegen.

Im Jahre 1944 führte von den Deutschen auf die Macht gesetzte Szálasi -wegen dem ungarischen Ausreißversuch aus dem Zweiten Weltkrieg- eine Schreckensherrschaft durch. Diese nationalistische Diktatur kam mit dem Einmarsch der Roten Armee zu Ende, aber bedeutete gleichzeitig auch eine sowjetische Besatzung. So geriet Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg in die sowjetische Einflusssphäre. Die Etablierung einer sowjetischen Einflusssphäre in Ostmitteleuropa und auf dem Balkan hat eine kommunistische Machtübernahme zugrunde gelegt (Vgl. Hoensch 1977: 11). Das tatsächliche totalitäre Regime begann in Ungarn 1948 mit dem kommunistischen Einparteiensystem unter der Führung von Mátyás Rákosi.

*

„Die Ära des Sozialismus sollte den Sprung aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit bedeuten” (Hayek 2011: 45) – macht uns Hayek klar. Genau das hätte auch in

Ungarn der Fall sein sollen, da das „Reich der Notwendigkeit” nach dem Zweiten Weltkrieg von den etwa 22 Mrd. Wert direkten Sachschäden, durch den Rohstoffmangel, wodurch die Produktion nur 30% des Vorkriegsniveaus erreichte (Vgl. Hoensch 1984: 157), ganz bis zu einem hohen Anteil an Arbeitslosigkeit gegeben war. Was die Neuorganisation der Wirtschaft betrifft, hat Mátyás Rákosi, als „the best Hunagrian pupil of Stalin” (Global Museum on Communism 2009) (Stalins bester Schüler) zu der Methode der Planwirtschaft gegriffen. Laut Hayek hoffen die meisten Sozialisten durch diese Methode die Ziele, wie soziale Gerechtigkeit, größere Gleichheit und Sicherheit zu erreichen (Vgl. Hayek 2011: 54). Die Frage ist also, ob es auch während der Rákos-Ära nur eine Hoffnung blieb.

Im Jahre 1950 wurde der erste Fünfjahresplan ausgearbeitet, in dessen Rahmen in sehr kurzer Zeit der Neuaufbau des Landes, der Ausbau einer neuen Infrastruktur und die intensive Förderung des Bildungwesens erfolgte. Trozt des Mangels an notwendigen Ressourcen dazu, wurde Ungarn von einem rückständigen Agrarstaat, zwangsmäßig zu einem modernen Eisen- und Stahlland. Alle diese Maßnahmen brachten gleichzeitig eine weitere Folge mit, und zwar die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Dank dieses rasanten Aufschwungs ist das Lebensniveau der Bevölkerung abrupt gestiegen. Diese Tatsache lässt sich auch in dem hochgradigen Ausmaß des Bevölkerungswachstums zeigen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Dr. Merényi Péter 2012: dunaujvaros.com)

Bevölkerungsentwicklung (1869-1970)

[Demographische Explosion ab 1950]

Gemäß Hayek wird aber im Sozialismus Wohlstand mit Freiheit verwechselt, denn hier unter einer „neuen Freiheit” wirtschaftliche Freiheit gemeint wird, was in der Wirklichkeit die Befreiung aus der Not bedeuten soll (Vgl. Hayek 2011: 46). Entsprechend dieser Behauptung können wir nach dem oben genannten Maßnahmen feststellen, dass in der Rákosi-Ära die sozialistische „neue Freiheit” erfüllt wurde. Was betrifft aber die ursprüngliche Frage, die auf die Freiheit des Individuums hinweist? Unter welchen Umständen also diese Maßnahmen durchgeführt wurden, bzw. wozu sie noch geführt haben, lässt uns schon selbst der Ausdruck

Schreckensherrschaft des Mátyás Rákosi -wie diese Periode verbreitet wurde- vermuten. Unter der Kollektivierung der Grundbesitze der Bauern um landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPGs) zu errichten, wurden auch staatliche Zwangsmittel eingesetzt (vgl. Hoensch 1984: 197, 198). Die Staatsschutzbehörde (Államvédelmi Hatóság, kurz ÁVH) als politische Polizei hat das System und dessen Führer von Regimegegnern durch Verfolgung geschützt. Unter den vielen anderen, sollten diese zwei Beispielen die tatsächliche Unfreiheit der Menschen demonstrieren. Außerdem machte auch József Révai der Kulturpapst der Rákosi- Ära deutlich: „Das Endziel unserer Volkserziehung ist, die Menschen ganz mit der Wahrheit der Doktrin von Marx, Engels, Lenin und Stalin zu erfüllen” (Hoensch 1984: 192. Zitiert nach: József Révai 1951).

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Details

Titel
Das sozialistische Wirtschaftssystem in Ungarn. Eine Analyse anhand von F. Hayeks Thesen
Hochschule
Universität Wien
Note
3
Autor
Jahr
2012
Seiten
6
Katalognummer
V229891
ISBN (eBook)
9783656454854
ISBN (Buch)
9783668271166
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirtschaftssystems, ungarn, eine, analyse, hayeks, thesen
Arbeit zitieren
Erzsébet Schneider (Autor), 2012, Das sozialistische Wirtschaftssystem in Ungarn. Eine Analyse anhand von F. Hayeks Thesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229891

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