Neozoa. Eine Bedrohung für mitteleuropäische Fließgewässer


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Material und Methoden

3. Stand der Ergebnisse

4. Diskussion

5. Ausblick

6. Literatur

1. Einleitung

Die Artenzusammensetzung von Ökosystemen unterliegt auf natürlicher Weise einem ständigen Wandel. So treten Arten häufig aufgrund natürlicher Arealfluktation mit Erweiterung der Grenzen ihres Kernareals unerwartet in neuen Gebieten auf. Die Zuwanderung von gebietsfremden Arten in neue Lebensräume war schon immer ein Teil der natürlichen Evolutionsprozesse.

Besondere Beachtung finden aber nun zunehmend Funde von Arten, die unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein ihnen zuvor nicht zugängliches Gebiet gelangt sind (NEHRING 2003a, S.41). Durch den offenen und dynamischen Charakter von Fließgewässern sind diese besonders aufnahmebereit für die Einwanderung gebietsfremder Tier- und Pflanzenarten. Zudem besitzen Invasionen in Gewässern eine wesentliche Besonderheit: Sie erfolgen im Gegensatz zum Land größtenteils im Verborgenen (NEHRING 2008, S.435).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich somit mit Neozoa: Allen Tierarten, die nachweislich nach dem Jahre 1492 unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein bestimmtes Gebiet gelangt sind und dort wild leben (TITTIZER et.al 2000, S.1), wobei in dieser Arbeit eine Beschränkung auf die wirbellosen Tiere vorliegt (TITTIZER 2001, S.60).

Neozoen tauchen auf allen Kontinenten auf, da der Mensch fast überall bewusst ortsfremde Tierarten zu Zuchtzwecken, zur Regulierung anderer Arten oder zum Ersatz für verschwundene Arten eingeführt hat (REY et.al 2005a, S.10). Neue Tierarten werden aber auch unbeabsichtigt oder fahrlässig per Schiff, durch Aquarienabwasser oder Tiertransporte über ihre natürlichen geographischen Grenzen hinaus verschleppt (REY et.al 2005a, S.10). Der Hauptfaktor der Einführungen ist aber die Schifffahrt, mit der bisher gut die Hälfte aller gebietsfremden Arten in die Gewässer gelangte (NEHRING 2008, S.435), sowie der Bau von Kanälen (weltweiter Ausbau der Wasserwege).

Aber auch die Versalzung und Erwärmung der Gewässer durch die Industrie und/oder Landwirtschaft sowie die Klimaveränderungen verstärken die Arealdynamik vieler Arten und führen damit zu ganz neuen Besiedlungsmustern (NEHRING 2008, S.435).

Wenn sich immer mehr Arten in fremden Arealen etablieren können, führt dies zu einer schleichenden Homogenisierung früher getrennter Biozönosen und damit auch auf globaler Ebene zu einem Biodiversitätsverlust (NEHRING 2008, S.436). Da die daraus resultierenden Folgen nicht bekannt sind und Wasser bekanntermaßen mitunter die wichtigste Ressource der Erde ist, wirkt dies alles auf die Menschen oft beängstigend (TITTIZER 2007, S.59).

Ob diese Angst begründet ist, da es z.B. zu ökologischen sowie ökonomischen Schäden durch Invasion von Neozoa kommen kann, soll nun durch die Bearbeitung verschiedener einschlägiger Literatur ausgewertet werten (GHERARDI 2007, S.3).

Zunächst werden kurz Methoden und Materialien erläutert, mit der die Faunenbestände analysiert werden. Anschließend wird der Stand der Ergebnisse, wie er in aktueller Literatur bezüglich des vorliegenden Themas vorzufinden ist, wiedergegeben um dann folglich in der Diskussion die Frage der Arbeit abzuwägen: Sind Neozoa eine Bedrohung für die mitteleuropäischen Fließgewässer?

2. Material und Methoden

Nur durch die genaue Untersuchung bzw. Betrachtung der Fauna eines Fließgewässers können Rückschlüsse auf die Gefährlichkeit von Neozoa in Flüssen gezogen werden. Und obwohl in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Geräte und Methoden zur quantitativen Entnahme von z.B. benthischen Lebensgemeinschaften entwickelt wurden, scheiterte die Probennahme, im Gegensatz zu stehenden Gewässern, aus Flüssen und Strömen oftmals an deren morphologischen und hydrologischen Besonderheiten und stellt somit oftmals noch Problempotential dar (TITTITZER 1986, S.147).

Dennoch gibt es einige erwähnenswerte, primär genutzte Methoden und Materialien. Diese sind meist an den spezifischen Besonderheiten der Neozoenausbreitung sowie den aktuellen Entwicklungsprozessen orientiert, und werden kontinuierlich und stichprobenartig (REY et.al 2005b,S.16) durchgeführt. Oftmals wird in orientierende, halbquantitative (ufernahe) und quantitative (Transekte) Beprobung unterschieden, diese aber genauer zu erläutern würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

Neben den einfachen Methoden, wie der Verwendung von Netzkeschern im ufernahen Bereich (REY et.al 2005a, S.15), dem Besammeln bevorzugter Habitate bzw. Sammeln von Leerschalen (REY et.al 2005b, S.28), Untersuchungen des Spülschaums (REY et.al 2005b, S.27) und die Mitnahme lebender Tiere für Aquarienversuche sowie Videobeobachtungen im Labor (REY et.al 2005a, S.15), werden auch einige komplexere Geräte bzw. Verfahren genutzt, die hier nun kurz erläutert werden sollen. Um z.B. die Organismendrift und damit das Besiedlungspotential abschätzen zu können, werden im Wasser driftende Benthosorganismen mit frei aufgehängten oder am Grund fixierten Netzen gefangen und anschließend analysiert (REY et.al 2005a, S.17).

Der Polygreifer wird routinemäßig meist zur Beprobung der grobkörnigen Substratbereiche genutzt, kann aber auch Proben aus feinkörnigeren Sedimentbereichen entnehmen. Der Polygreifer entnimmt eine Greifprobe, deren Peripherie zwar leicht zusammengedrückt wird, aber durch das große Ausmaß der Probe ist sichergestellt, dass ungestörte Teilproben aus der mittleren Greiferzone zu entnehmen sind (TITTIZER 1986, S.147).

Zur Makrozoobenthosuntersuchung wird meist der Super-Sampler genutzt, bei dem die Organismen von der im Gewässer vorherrschenden Strömung erfasst und in das Fangnetz gespült werden. Somit werden verlässliche flächenbezogene Proben geliefert (REY et.al 2005b, S.27). Eine weitere Technik ist das Freeze-Coring. Bei diesem Verfahren wird an mehreren Stellen des Flusses in ein Rohr, das in die Stromsohle gebohrt wurde, flüssiger Stickstoff gefüllt und so die direkte Umgebung des Rohrs eisgekühlt. So können ungestörte, geschichtete Bodenproben entnommen werden, aber auch die Bodenorganismen der Gewässersohle werden so in ihrer natürlichen Umgebung nachgewiesen (TÜMPLING et.al 1999, S.254). Eine häufig genutzte Methode ist zudem der Taucheinsatz: Benthos-Probenahmen z.B. durch eine Taucherglocke oder auch Intensiv-Probenahmen mit Tauchereinsatz (REY et.al 2005b, S.18). Nach erfolgreicher Probeentnahme kommt es zur Trennung der Organismen von dem Substrat, indem die Steine in ein wassergefülltes Gefäß mit einer weichen Bürste ausgebürstet werden und das suspendierte Material zusammen mit dem feinkörnigen Substrat in Sieben ausgesiebt wird. Noch anhaftende Organismen werden mit einer Pinzette oder einem Skalpell abgetrennt. Schließlich werden noch die Siebrückstände mittels Druckluft in weiße Schalen überführt und nach Arten durchmustert (TITTIZER et.al 1986, S.147).

Durch diese hier erläuterten Untersuchungsmethoden lassen sich nicht nur Erkenntnisse über die Markozoobenthos-Lebensgemeinschaft herausfinden, sondern es können durch zahlreiche zusätzliche Untersuchungsschritte Neozoen erkannt werden, aktuelle Verbreitungsgrenzen gefunden sowie Besiedlungsdichten etc. analysiert werden (REY et.al 2005b, S.6).

3. Stand der Ergebnisse

Im Gegensatz zu terrestrischen Ökosystemen, für die es erste vielversprechende differenzierte Analysen, Bewertungen und Handlungsvorschläge hinsichtlich gebietsfremder Arten gibt (z.B. KOWARIK, 2003), fehlt Entsprechendes für den aquatischen Bereich fast vollständig. Das steigende Bewusstsein für die ökonomischen und ökologischen Kosten durch Invasionen in Süßgewässern hat aber seit geraumer Zeit die aktive Forschung in diesem Bereich gefördert (GHERARDI 2007,S.17). Erste zielgerichtete Datenanalysen zeigen, dass sich Neozoen in fast allen Lebensräumen, in besonderem Maße in Gewässern teilweise schon in einem erheblichen Umfang befinden (REY et.al 2005a, S.10) und die biologischen Invasionen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen haben (NEHRING 2003a, S.48). Die Anzahl der Studien über die sogenannten „non-indigenous-spezies“ (NIS) (GHERARDI 2007, S.3) haben seit den 1990ern expotentiell zugenommen, was zu einer Flut von Populationen in den letzten zehn Jahren führte (GHERARDI 2007, S.6), wobei die Mehrzahl der Studien über Süßwassereindringlinge in Nordamerika durchgeführt worden sind (GHERARDI 2007, S.7). Zu beachten ist auch, dass die Forschung mit ihren Untersuchungen/Erfassungen nun auch mehr Taxa gründlicher erfasst, wie z.B. Crustacea und Mollusca (GHERARDI 2007, S.7). Ein hoher Prozentsatz, nämlich 10-15% der in den mitteleuropäischen Gewässern vorkommenden Makroinvertebraten gehört der Gruppe der Neozoen an, und in den norddeutschen Kanälen liegt der Anteil sogar über 20% (TITTIZER 2001,S. 61).

Natürlich stellt sich die Forschung folgende Fragen: Wie kommt es zu einer Einwanderung gebietsfremder Arten? Wieso können sich diese teilweise etablieren? Wie ist ihr Einfluss auf die heimische Umwelt?

Bezogen auf den europäischen Raum gibt es verschiedene Wege der Wanderungen von Neozoen: Es werden sowohl Wanderungen aus Nordamerika, Australien und Asien genannt, sowie aus dem Ponto-kaspischen Raum, die den größten Anteil der eingewanderten Arten ausmachen. Viele Arten wandern aber auch innerhalb Europas.HOLDICH und PÖCKL haben dazu drei „Routen“ zumindest für die Crustacea ausmachen können, die aber vermutlich auch auf die weiteren Neozoen übertragen werden können: Den Nördlichen Invasionskorridor (Wolga-Ostsee-Kanal), den Zentralen Korridor (Dnjepr, Weichsel, Oder, Elbe und Rhein), und den Südlichen Korridor (Verbindung zwischen dem rheinischen Becken und der Donau) (Abb.1) (HOLDICH et.al 2007,S.35).

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Neozoa. Eine Bedrohung für mitteleuropäische Fließgewässer
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,7
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V229978
ISBN (eBook)
9783656457886
ISBN (Buch)
9783656458265
Dateigröße
731 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
neozoa, eine, bedrohung, fließgewässer
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Neozoa. Eine Bedrohung für mitteleuropäische Fließgewässer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/229978

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