Sprache im Beruf. Klartext statt Geschwurbel

Knapp und verständlich schreiben kann man lernen


Fachbuch, 2013

45 Seiten


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Die Sprache
Sprache ist nicht logisch
Sprachgefühl
Übung 1: Gefühle und Sprache: Synonyme finden
Bullshit
Die lapidare Sprache
Knappheit
Wir sind alle nicht perfekt
Moden
Die Sprache der Macher
Die Angst vor der einfachen Sprache

2. Wörter
Mehr Verben, weniger Substantive
Modalverben
Adjektive – echte, falsche
Indikativ und Konjunktiv
Direkte und indirekte Rede
Konjunktiv 1 und 2
Würde-Form
Modewörter
Das richtige Wort
Genetiv, Dativ, Akkusativ
Übung 2: Gegensatzbegriffe finden
Trend
Schönreden
Mehrzweck-Text
Korrektes Deutsch alleine reicht nicht
Wörter, die nicht treffen
Wir haben die Wahl

3. Der Satz
Haupt- und Nebensätze
Schachtelsatz
Eingeschobener Satz
Überflüssige Sätze

4. Texte aus der Berufspraxis
Stellenanzeigen
Was man in Stellenanzeigen so liest
Arbeitzeugnisse
Zeugniscode
Was es zu vermeiden gilt
Missglückte Formulierungen
Die holprigen Substantive
Übung 3: Die richtigen Verben verwenden

5. Juristen sind Fachleute – aber die Sprache ist nicht ihr Fach
Jargon der Juristen
Die Sprache der Juristen ist ungenau
Klarheit und Verständlichkeit
Richter-Deutsch
Die Sprache des Gesetzgebers
Bundeserziehungsgesetz
Betriebsverfassungsgesetz
Kündigungsschutzgesetz
Beschwerde, Klage
Abschlussübung

6. Antworten /Lösungen zu den Übungen
Übung 1: Synonyme
Übung 2: Gegensatzbegriffe
Mehrzwecktext: Todesanzeige oder Arbeitszeugnis?
Übung 3: Arbeitszeugnis: Die richtigen Verben
Abschlussübung

Literatur

Einleitung

Absolut objektive Maßstäbe für die Richtigkeit eines Sprachgebrauchs gibt es nicht, schreibt Dieter Zimmer (DIE ZEIT 26.7.2007).

Über Fernsehen und Internet lässt sich das Sprachgefühl nicht entwickeln. In den Nachrichten ist die Rede von „Kampfhandlungen“, obwohl „Krieg“ gemeint ist, der in diesem oder jenem Land tobt. Im Wetterbericht begnügt man sich nicht mit dem einfachen Ausdruck „Wetter“ oder „Nebel“. Es muss schon ein Wettergeschehen oder Nebelfelder sein. Oder der Pressesprecher des Landesarbeitsgerichts Chemnitz: „Streikmaßnahmen sind uneingeschränkt möglich.“

Fußballspieler glänzen selten mit geschliffenen Sätzen, eher schon damit, dass sie den „Ball flach halten“ und Tore schießen. Polizeibeamte formulieren im Fernsehen so lebendig wie sie es im Vernehmungsprotokoll tun. Ein Polizeioffizier auf die Frage, warum die scharfen Sicherheitsmaßnahmen beim EU-Gipfel in Heiligendamm notwendig gewesen wären: „... um den Gipfel in seiner Durchführung zu gewährleisten.“

Wikipedia, die Online-Enzyklopädie

Hier werden Ausdrücke verwendet, die sprachlich völlig daneben sind: Zwei Beispiele:

Löschkandidat

Ein Kandidat ist jemand, der sich um ein Amt oder einen Job bewirbt oder sich einem Examen unterzieht. Bei Wikipedia wird man zum Kandidaten, wenn ein Text von einem Administrator zur Löschung vorgeschlagen wird. Der Kandidat selbst ist also noch einmal davon gekommen.

Vandalismus

Wer als Nutzer gegen grundsätzliche Regeln verstößt, wie etwa gegen das Prinzip der Neutralität oder gegen die Relevanzkriterien (z.B. nicht enzyklopadiefähiger Text) wird damit bestraft, dass sein Text gelöscht und das so herzlich willkommen geheißene neue Mitglied der Community gesperrt wird. Das heißt, das neue Mitglied darf keine Texte mehr schreiben oder verändern. Es ist jetzt zum Vandalen mutiert und ein zerstöreriches Subjekt. Vandalismus bedeutet Zerstörungswut, Der Autor mutiert zum zerstörungswütenden Menschen. (Plünderung Roms durch die Vandalen 454 nach Chr.)

1. Die Sprache

Sprache ist nicht logisch

Ein Buchmacher macht bekanntlich keine Bücher, sondern nimmt Wetten an; ein Walfisch ist kein Fisch, sondern ein Säugetier, was auch Laien wissen. Das Gegenteil von Ruhe ist die Unruhe; aber das Gegenteil von „Mengen“ ist nicht Unmengen, das ist die Steigerung. Der Arzt verschreibt ein Rezept, aber verschreibt sich meistens nicht dabei.

Das Gegenteil von Vorteil ist Nachteil, aber das Gegenteil von Vorschlag ist nicht Rückschlag oder Nachschlag, sondern „kein“ Vorschlag. Wir sprechen von Spannung und Entspannung, was aber ist das Gegenstück zu „Frühstück“? Spätstück? Nein, Abendbrot. Einen Kopf hat jeder, aber Köpfchen?

Sprache ist nicht logisch. Sie ist Konvention, Übereinkunft. Alle Kultursprachen haben eine lange Entwicklung hinter sich. Sie sind kein ausgeklügeltes System, sondern eine gewachsene Form der Verständigung. Und Sprache hat etwas mit Gefühlen zu tun.

Sprachgefühl

Wir wissen alle, was Gefühle sind. Freude, Trauer, Wut, Begeisterung. Aber was ist gemeint mit dem Wort „Sprachgefühl“? Ein Gefühl dafür haben, was in einer Sprache richtig oder falsch ist? Ja. Aber braucht man dazu überhaupt „Gefühl“ oder kann man das lernen wie Mathematik oder Geografie?

Die Neurowissenschaftlerin Angela Frederice vom Max-Planck-Institut in Leipzig vertritt in Anlehnung an Noam Chomsky die Auffassung, dass im menschlichen Gehirn eine angeborene Universalgrammatik festgeschrieben sei, genauer gesagt die Fähigkeit, ein solches Regelsystem zu lernen. Diese bislang unbewiesene These sei durch etliche Indizien gestützt. Die Leipziger Forscher haben ihre Studien auf Kinder ausgeweitet und konnten dabei beobachten, wie sich die richtige grammatische Struktur nach und nach entwickelt. Erste Untersuchungen brachten erstaunliche Ergebnisse. Die Gehirne von Fünfjährigen konnten bereits die korrekte grammatische Struktur eines Satzes bestimmen. Das junge Gehirn vollendet offenbar im achten Lebensjahr seine grammatische Entwicklung. Offenbar lernen wir Sprechen wie Schwimmen oder Fahrrad fahren. Das Erlernte läuft dann unbewusst ab.

Richtiges, grammatikalisch einwandfreies Deutsch zu schreiben, lernt man schon in der Schule. Doch korrekt zu schreiben ist noch kein guter Stil. Beispiel:

Will ein Unternehmen etwas erreichen, muss das, was erreicht

werden soll, also die Unternehmensziele, denjenigen, die an ihrer Erreichung arbeiten, bekannt sein.

Dieser Satz eines Arbeitsdirektors ist von der Grammatik her korrekt: Was der Schreiber ausdrücken wollte, ist sehr umständlich formuliert, mit zu vielen Worten. Das hätte man kürzer und zeitsparender schreiben können: „Die Mitarbeiter müssen die Unternehmensziele kennen.“

Es muss um mehr gehen als um korrektes Deutsch, wenn wir von Sprachgefühl reden. Das hat etwas mit Intuition zu tun, mit einem Gespür für das richtige Wort und dem Satzbau, wie man etwas verständlich, präzise, knapp und anschaulich ausdrückt. Wir können unser Sprachgefühl entwickeln, schärfen und verfeinern.

Sprache hat nicht nur den Zweck, auszudrücken, was ist, sondern auch, was sein soll. Mit dem, was ich sage, möchte ich etwas erreichen, bewirken, zum Beispiel den anderen trösten, aufmuntern, begeistern, ihn dazu bewegen, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen. Wir wollen mit dem Appell Einfluss nehmen, überzeugen, beruhigen oder als Führungskraft Ängste gegenüber Veränderungen abbauen. Ob ein schriftlicher Appell das richtige Mittel zur Lösung von Problemen ist, darf man bezweifeln. Wer Begeisterung bei Mitarbeitern auslösen oder eine Verhaltensänderung erreichen will, wird die Grenzen der schriftlichen Kommunikation schnell erreichen. Wie bei der mündlichen Rede muss der Sender bei der schriftlichen Kommunikation die Gefühle ansprechen: Wir können positive und negative Gefühle auslösen. Wir können durch Sprache Geringschätzung oder Wertschätzung ausdrücken, Lob und Tadel.

Stil ist kein Selbstzweck, sondern stets ein Mittel zum Zweck. Mit dem, was wir schreiben verbinden wir eine bestimmte Absicht. Man spricht auch von der kommunikativen Kraft des Textes.

Der große Alexander soll Diogenes, den Mann in der Tonne, gefragt haben: „Sag´, was du begehrst, und der Wunsch sei dir erfüllt.“ Und Diogenes antwortete: „Geh´ mir aus der Sonne!“

Das ist klar, eindeutig und souverän formuliert. Diogenes redet Tacheles. Das Gegenteil, das Schönreden, der Gefühlsjargon und die Erfolgsrhetorik sind heute sehr verbreitet. Wie schön manche reden: Wie brave Schüler sagen sie, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hätten, dass sie „gut aufgestellt“ wären, dass sie den „Personalabbau sozialverträglich“ gestaltet und in „persönlichen Gesprächen kommuniziert“ hätten. Durch die „Optimierung der Vertriebskonzepte und Verbesserung der internen Strukturen“ sei eine „Steigerung der Effizienz in der Prozesskette“ eingetreten und durch die „Entwicklung neuer Visionen für die Zukunft“ ein „profitables Wachstum“ garantiert. Ein Pharma-Konzern schreibt in seinem Nachhaltigkeitsbericht:

„XYZ will innovative, ethische, wachstumsorientierte und herausfordernde Arbeitsplätze anbieten und verbindet damit die Erwartung, dass alle Mitarbeitenden zum Geschäftsergebnis beitragen und sich am Erfolg beteiligen.“

Aus Mitarbeitern werden „Mitarbeitende“, aus stinknormalen Stellen „ethische, wachstumsorientierte Arbeitsplätze“. Das nenne ich innovativ. Das hat es bisher nicht gegeben: Arbeitsplätze mit Gewissen.

Übung 1: Gefühle und Sprache – Synonyme finden

Gefühle wahrzunehmen und zu benennen hat etwas mit Sprache zu tun. Deshalb die folgende Übung. Suchen Sie für den genannten Gefühlsausdruck (links) einen oder mehrere andere Wörter, Synonyme.

Beispiel: Zornig sein = wütend, verletzt, aufgebracht, aggressiv.

Gefühle benennen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Lösungen siehe 6. Antworten)

Bullshit

Hochtrabend und aufgeblasen kommt vieles daher, was man als Bullshit bezeichnet. Gemeint ist Gewäsch, Schönreden, Gefasel, Humbug, Bockmist, Quatsch mit Soße. Bullshitten, so der amerikanische Soziologe Harry Frankfurter, komme dem Bluff näher als der Lüge. Er hat zur „vollen Zufriedenheit gearbeitet“, im Arbeitszeugnis. Das klingt doch viel besser als „Seine Leistungen waren durchschnittlich“, oder?

Den Rausschmiss, die Entlassung wird umschrieben: umstrukturieren, freisetzen, rationalisieren, Personalabbau, Sanierung, Freisetzung, sozialverträgliche Maßnahme oder Personalanpassung.

In einem Nachruf einer großen Versicherungsgesellschaft für einen leitenden Angestellten heißt es:

„Sein hohes persönliches Engagement und sein leidenschaftlicher Einsatz für die Entwicklung der Lebensversicherung hat ihm große Anerkennung bei den Kunden gebracht. Er hat entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens in seinem Verantwortungsgebiet beigetragen und war gleichzeitig ein Vorbild für eine Generation von Mitarbeitern, die er mit seiner engagierten Kundenorientierung und produktiven Unruhe mit geprägt hat.

Das klingt doch alles sehr gut. Wer weiß schon, dass dieser Text aus dem Arbeitszeugnis stammt, das der Mitarbeiter bei seiner Pensionierung bekommen hat.

Der Mensch steht im Fokus. Es ist nicht der Profit, das Wachstum, die Größe, die tollen Produkte, die Aktionäre, denen die Firma gehört, oder? Doch im Internet lesen wir etwas von der Philosophie und diesen Satz: „

In unserem Unternehmen steht der Mensch im Focus.

Wer hätte das gedacht! Der Mensch steht nicht abseits, im Regen schon gar nicht, er steht im Mittelpunkt. Und wenn alle Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen, dann ist das schon ein riesiger Klumpen, dieser Mittelpunkt. Der Klumpen ist das Wichtigste, sagen die Unternehmen, jedenfalls das wichtigste Kapital, human capital.

Die lapidare Sprache

In Unternehmen geben Mitarbeiter Informationen an Führungskräfte, die auf dieser Grundlage Entscheidungen vorbereiten oder treffen müssen.

Leser lieben die knappe und präzise Darstellung, weil sich ein solcher Text angenehm liest. Es werden Irrtümer und lästige Nachfragen vermieden. Der Schreiber nimmt Rücksicht auf die kostbare Zeit seiner Leser, seiner Kunden, der Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeiter.

Knappheit

Eine knappe Ausdrucksweise steht im Gegensatz zur Weitschweifigkeit. Wir unterscheiden die sprachliche und sachliche Knappheit. Die sprachliche verkürzt den Ausdruck, die sachliche das, was ausgedrückt wird. Kurze Wörter und kurze Sätze erhöhen den Lesefluss. Bandwurmsätze machen einen Text holprig und schwer lesbar. Sätze mit vielen Verben dagegen machen den Ausdruck lebendiger und anschaulicher. Das gilt jedenfalls für Texte in Beruf und Alltag. In der Literatur (Thomas Mann, Thomas Bernhard) ist das etwas anderes.

Wir sind alle nicht perfekt

Wer ist schon perfekt im Umgang mit der Sprache? Wir sprechen und schreiben von Zielsetzungen, Wertschöpfungsketten, Innovationspotenzialen, Produktportfolio, Fokussierungen, Kommunikationsproblematik, vom Zeitkorridor und von Personalanpassungsmaßnahmen, obwohl Kündigungen gemeint sind.

„Das ist ein weites Feld, Luise“, lesen wir in Fontanes Roman „Effi Briest“ und reden auch im Beruf von Geschäftsfeldern, Themenfeldern und Aufgabenfeldern. Auch im Wetterbericht begnügt man sich nicht mit „Nebel“; es müssen schon Nebelfelder sein.

In vielen Arbeitsverträgen steht dieser Satz:

Im Falle der Erkrankung muss vor Ablauf des dritten Tages eine Bescheinigung über die Dauer der Erkrankung vorgelegt werden.

Ich glaube schon, dass man dies kürzer sagen kann ohne den Sinn zu verändern:

Wenn jemand länger als drei Tage krank ist, muss er spätestens am dritten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen.

Wenn Juristen Mustertexte verfassen, dann klingt das im Kündigungsschreiben so:

Wir kündigen den mit Ihnen abgeschlossenen Arbeitsvertrag fristgerecht zum xxx.

Den meisten wäre es schon lieber, wenn die Firma einen Arbeitsvertrag gekündigt hätte, der mit jemand anderem abgeschlossen worden ist. Manchmal muss man es überhaupt nicht kürzer sagen, weil man es einfach weglassen kann. Wie diese zwei Sätze aus einem Absagebrief:

Wir bitten um Verständnis für unsere Entscheidung, die aus rein sachlichen Erwägungen erfolgt ist und in keinem Zusammenhang mit Ihrer persönlichen Qualifikation steht. Die uns überlassenen Unterlagen erhalten Sie zu unserer Entlastung zurück.

Beides stimmt ganz einfach nicht. Wenn eine Absage nichts mit der Qualifikation zu tun hat, womit sonst? Und wovon soll ein Unternehmen entlastet sein, wenn es Bewerbungsunterlagen zurückschickt?

Auf der Internetseite eines Zeitarbeitsunternehmens habe ich diesen Satz gefunden:

Nach Abschluss dieses Bewerbungsprozesses teilen wir Ihnen zeitnah das Ergebnis mit.

Das klingt nach Einmaligkeit, nach Exklusivität. Dem hat sich auch die Sprache angepasst. Wie gewöhnlich hätte es sich wohl angehört, wenn man formuliert hätte:

>>Wenn die Bewerberauswahl beendet ist, werden wir Ihnen unsere Entscheidung mitteilen.<<

Moden

Auch bei der Sprache gibt es Moden. Heute ist in der Politik, aber auch in Unternehmen häufig die Rede davon, dass dies oder jenes im Vorfeld (und eben nicht im Hauptfeld) geklärt worden sei, jedenfalls ein Stück weit.

Unternehmen eröffnen Bewerber Karriere-Optionen, weil glückliche und kompetente Mitarbeiter der Eckpfeiler sei, auf dem der Erfolg beruhe. Außerdem bauen sie ihr Portfolio zu Gunsten ihrer Kunden aus. Klar ist am Ende des Tages: Alle Geschäfte müssen dem Unternehmen eine vernünftige Kapitalverzinsung bringen. Geplant ist eine zeitnahe Expansion.

Ich hoffe, die Leser werden nachhaltig von diesen Einsichten profitieren, spätestens „am Ende des Tages“.

Die Sprache der Macher

Die Sprache der Macher (Politiker, Unternehmer, Manager) besteht aus Versatzstücken, die sich bei Reden, Geschäftsberichten und Internetauftritten verwenden lassen. Sie weisen darauf hin, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht und zukunftsfähige Strukturen geschaffen hätten und ihr Focus auf Performance- und Talentmanagement gerichtet sei, um Potentialträger frühzeitig zu identifizieren. Sie betonen bei jeder Gelegenheit, dass sie gut aufgestellt seien, bei den Human Resources, ihrem Humankapital, Teamkultur pflegten und als Global Player mit ihrer Doppelstrategie und ihrem Geschäftsportfolio ( = Gesamtheit der Geschäftsfelder) und Relaunch ( = Umgestaltung) und Downsizing (= Stellenabbau) nachhaltig profitabel wachsen und das alles in ihrem neuen Geschäftsbericht auch kommuniziert hätten.

Die Angst vor der einfachen Sprache

Der Schriftverkehr in Großunternehmen gehöre zum scheußlichsten, was durch den deutschen Sprachraum geistere, schreibt Wolf Schneider in seinem Buch „Deutsch“ und fragt: Warum schreiben Angestellte so? Er vermutet, „dass sie Angst haben – Angst, von den Vorgesetzten nicht für wichtig genommen zu werden, wenn sie den Jargon nicht beherrschen, und Angst vor allem, schlichte Wörter würden die Dürftigkeit der Aussage offenkundig machen.“ Es lässt sich wohl kaum überprüfen, ob dies zutrifft und nur auf große Firmen beschränkt ist.

In der Sendung mit der Maus erklärt man Kindern und Erwachsenen anschaulich und verständlich was Solarenergie ist oder wie Kartoffelchips hergestellt werden. Die Macher der Sendung erklären komplizierte Dinge in einer einfachen Sprache. Einer der Macher, Christoph Biemann, sagt in einem Interview mit der Zeitschrift >personal-magazin<, warum viele Experten sich unverständlich ausdrücken und viele Fachausdrücke, Fremdwörter und Bandwurmsätze verwenden: „Sie haben Angst, dass ihr Profil bei den Kollegen darunter leiden könnte, wenn sie unwissenschaftlich sprechen.“

Auch Fach- und Führungskräfte in Unternehmen haben Angst, der Sache nicht gerecht zu werden, wenn sie sich einfach ausdrücken. Viele Mitarbeiter achten darauf, wie sich ihr Chef ausdrückt, dieser wiederum hat sich seine Ausdrucksweise von seinen Chefs abgeschaut. Und irgendwann denken alle, dass sie es sich nicht mehr leisten könnten, in einer einfachen Sprache zu sprechen und zu schreiben.

Die Sprache in Unternehmen ist ausladend, mit vielen Substantiven und wenigen Verben und nicht immer verständlich und leicht zu lesen:

2. Wörter

Mehr Verben, weniger Substantive

Handlungen werden durch Verben wiedergegeben. Verben sind frisch, farbig, lebendig und anschaulich. Sätze mit vielen Hauptwörtern sind ermüdend. Aber es gibt auch Verben, auf die man besser verzichten sollte, weil sie keine richtigen Tatwörter sind: erfolgen, gelangen, vorliegen, sich befinden, sich belaufen, aufweisen, obliegen, beinhalten, bewerkstelligen, gehören, vergegenwärtigen. Man nennt sie auch tote Verben, Luftwörter, Spreiz- oder Blähverben.

Diese Verben nennt man Streckverben:

in Erwägung ziehen erwägen

Verzicht leisten verzichten

zum Thema machen aufgreifen

Stimmenthaltung üben enthalten

in Vorschlag bringen vorschlagen

in Augenschein nehmen beachten

den Nachweis erbringen nachweisen

Bei diesen Verben können wir Zeit sparen, wenn wir die Vorsilbe weglassen, denn sie ist überflüssig:

- abändern
- aufzeigen
- anmieten
- abändern
- aufoktroyieren
- absenken.

So nützlich Verben auch sind, auf Hauptwörter können wir selbstverständlich nicht verzichten, es sei denn, sie sind abstrakt und aufgebläht. Beispiel „Problem:

Problembereich, Problematik, Problemfeld, Problemkreis, Problematisierung, Problemlösungspotenziale.

Manche Sätze in Geschäftsberichten müsste man eigentlich rückwärts lesen, um sie schneller zu verstehen:

In dem durch globale und strukturelle Umwälzungen sowie überdurchschnittliches Wachstum gekennzeichneten Markt für Finanzdienstleistungen wollen wir unsere

Markposition speziell durch den Ausbau des Investment Banking weiter festigen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Sprache im Beruf. Klartext statt Geschwurbel
Untertitel
Knapp und verständlich schreiben kann man lernen
Autor
Jahr
2013
Seiten
45
Katalognummer
V230015
ISBN (eBook)
9783656454816
ISBN (Buch)
9783656455578
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Klartext, Stil, verständlich schreiben, kurze Sätze, sprachlicher Bauhaus-Stil
Arbeit zitieren
Karl-Heinz List (Autor), 2013, Sprache im Beruf. Klartext statt Geschwurbel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230015

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Sprache im Beruf. Klartext statt Geschwurbel



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden