Armutsbekämpfung in Äthiopien. Entwicklung und Probleme


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
23 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Naturräumliche Potentiale Äthiopiens

3 Armut in Äthiopien
3.1 Gesellschaftliche Indikatoren
3.2 Ökonomische Indikatoren
3.3 Politische Indikatoren
3.4 Physische Indikatoren

4 Armutsbekämpfung in Äthiopien
4.1 Akteure der Armutsbekämpfung
4.2 Maßnahmen der äthiopischen Regierung
4.3 Maßnahmen deutscher Kooperationen

5 Entwicklungspotentiale Äthiopiens

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Äthiopien ist eine der ältesten und ärmsten Nationen der Welt und ein Land voller Gegensät- ze, Potentiale und Herausforderungen. Die ethnische Vielfalt sowie die geographische Lage, in der durch Instabilität gekennzeichneten Region am Horn von Afrika prägen die Nation. Spannungen und Konfliktpotentiale spiegeln sich auch innerpolitisch wider und äußern sich in Waffengewalt und Autonomiebewegungen (Scurell 2013:Landesübersicht und Naturraum). Die wirtschaftliche Entwicklung unterliegt zusätzlichen Hemmnissen. Die veralteten und kor- rumpierten staatlichen Strukturen erschweren ebenso den Fortschritt, wie die wirtschaftliche Abhängigkeit gegenüber des Auslands (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenar- beit und Entwicklung 2013:Äthiopien). Des Weiteren beeinflussen ökologische Herausforde- rungen Gesellschaft und Staat. Klimatische und ökologische Veränderungen führen zu kata- strophalen Dürren, Überschwemmungen und dem Verlust von fruchtbaren Böden (Scurell 2013:Landesübersicht und Naturraum). Hungersnöte und mangelnde Ernährungssicherheit in Teilen der rasant wachsenden Bevölkerung sind die Folgen.

Jedoch ist Äthiopien auch ein Land voller Potentiale. Die Hauptstadt Addis Abeba ist Haupt- sitz der Afrikanischen Union, zahlreicher Institutionen der Vereinten Nationen und wird oft- mals als „Hauptstadt Afrikas“ betitelt (Scurell 2013:Landesübersicht und Naturraum). Die geostrategische Lage, die relative Stabilität sowie die wachsende Bedeutung auf internationa- ler Ebene machen Äthiopien attraktiv für internationale Investoren und ausländische Regie- rungen. Des Weiteren besitzt das Land umfangreiche natürliche Ressourcen. Zahlreiche Was- servorkommen bieten Potentiale für großangelegte Landwirtschaftsprojekte und die Erzeu- gung ökologischen Stroms. Das tropisch - humide Klima des Hochlandes unterstützt die Ent- wicklung des Agrarsektors und der Abbau unerschlossener Bodenschätzen bietet Äthiopien weitere Entwicklungsmöglichkeiten (Scurell 2013:Wirtschaft und Entwicklung).

Im Folgenden wird in dieser Arbeit die Armut in Äthiopien hinsichtlich deren Entwicklung und Bekämpfung thematisiert. Vorab werden aber noch die naturräumlichen Potentiale, welche wesentliche Rahmenbedingungen für Äthiopiens Entwicklung bilden, vorgestellt. Die Frage nach Ursachen für die Armut wird anschließend tiefer beleuchtet. Darauf hin werden Akteure und deren Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut vorgestellt. Abschließend werden zukünftige Entwicklungspotentiale des Landes aufgeführt.

2 Naturräumliche Potentiale Äthiopiens

Äthiopien liegt am Horn von Afrika. Diese ostafrikanische Region wird aufgrund ihres Arten- reichtums oft als Wiege der Menschheit bezeichnet. Flora sowie Fauna sind außerordentlich stark ausgeprägt und bieten eine Vielzahl endemischer Arten, wovon die hohe Biodiversität zeugt. Äthiopien besitzt eine Fläche von etwa 1.104.400 km2. Die Topographie des Landes ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Die tiefste Senke liegt mit 116 Metern unter NHN und die höchste Steigung bildet der Berg Ras Dashen mit über 4.620 Meter über NHN (Scurell 2013:Landesübersicht und Naturraum). Das Hochplateau ist ein bestimmender Faktor der ge- omorphologischen Erscheinung Äthiopiens. Es erstreckt sich von Nord nach Süd und nimmt mehr als die Hälfte der Landesfläche ein. Etwa ein Viertel der Landesfläche liegt über 1.800 NHN und mehr als fünf Prozent liegt über 3.500 NHN. Der Hauptteil des Hochplateaus hat jedoch Mittelgebirgscharakter. Die darunter liegende Geologie ist von Schichtwechseln be- stimmt. Durch seine geographische Lage auf einem Grabenbruch ist Äthiopien als geologisch äußerst aktive Region zu bezeichnen, in der es immer wieder zu Erbeben kommt (Lukoschat 2010:Naturraum).

In Äthiopien herrscht äquatoriales Tropenklima. Trotzdem variieren die Klimaverhältnisse innerhalb des Landes sehr stark. Die Höhenunterschiede relativieren das äquatoriale Klima. Folglich wird Äthiopien in vier Klimazonen unterteilt. Die Tiefebene unterhalb von 1.600 NHN wird durch klassisches, äquatoriales Klima bestimmt. Die Durchschnittstemperatur be- trägt 27 und der gemittelte jährliche Niederschlagswert liegt bei 500 mm. Dominiert wird die Tiefebene durch Wüsten oder Halbwüsten und Savannen. Die zweite Höhenstufe von 1.600 - 2.400 NHN ist durch eine jährliche Durchschnittstemperatur von 22 gekennzeich- net. Der gemittelte Jahresniederschlag liegt bei 1.000 mm. Innerhalb dieser Klimazone findet sich das Gros des anthropogenen Lebens wieder. Oberhalb von 2.400 - 3.900 NHN ist bereits äquatoriales Höhenklima vorzufinden. Die jährliche Durchschnittstemperatur fällt auf 16 , der jährliche Niederschlag steigt aber auf 1.800 mm. Die vierte Klimazone befindet sich oberhalb von 3.900 NHN. Charakteristisch sind Nachtfröste und möglicher Schneefall während der Regenzeiten (Lukoschat 2010:Klima).

Äthiopien besitzt die größten Wasservorkommen der Region. Die drei wasserreichsten Strö- me des Landes, der Omo, der blaue Nil und der Takeze schneiden sich allesamt ihren Weg durch das Hochplateau. Daneben verfügt Äthiopien über zahlreiche Seen. Gespeist werden die natürlichen Wasservorkommen während der Regenzeiten. Neben der Hauptregenzeit, die von Juni - September stattfindet, gibt es in Äthiopien noch eine kürzere Regenzeit, von Februar - März. Die Temperaturamplitude zwischen Trocken- und Regenzeiten fällt gering aus, was eine fast ganzjährige landwirtschaftliche Nutzung in entsprechenden Gebieten ermöglicht (Lukoschat 2010:Klima, Scurell 2013:Landesübersicht und Naturraum).

3 Armut in Äthiopien

Armut wird in unterschiedlichster Weise sichtbar. Ihr Auftreten ist abhängig von einer Viel- zahl sich ergänzender Faktoren. Ebenso unterliegt diesen Abhängigkeiten das Ausmaß ihrer Ausprägung. Aufgrund dessen wird der Begriff Armut in drei Ausführungen graduell unter- schieden.

Die extreme Armut ist definiert als Zustand, bei dem einem Individuum weniger als 1 - 1,25 US $ pro Tag, zur Deckung seines täglichen Bedarfs zur Verfügung stehen. Die extreme Ar- mut kennzeichnet die gravierendste Form der Armut. Einen weiteren Ansatz bildet die absolu- te Armut. Sie bezieht sich auf die Menge an Zahlungsmitteln, die notwendig ist, um den Grundbedarf eines Individuums zu decken. Im Unterschied zur extremen Armut wird hier ab- sichtlich keine definierte Zahlungsmenge angegeben, da die Preise für Grundbedürfnisse wie Lebensmittel, Kleidung und Schutz global variieren. Folglich verändert sich global die Schwelle der absoluten Armut von Land zu Land. Soziale Ungleichheiten oder Aspekte der Lebensqualität finden keine Beachtung. Im Gegensatz zum Ansatz der absoluten Armut ver- gleicht die relative Armut die Ausstattung der Individuen in einer Gesellschaft. Relative Ar- mut ist vorhanden, wenn Individuen aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten unter eine Schwelle fallen, die durch den wirtschaftlichen Standard der Gesellschaft definiert ist. Dieses Armutskonzept hat vorzugsweise Bedeutung bei der Abbildung der Armutsverhältnisse in reicheren Industriestaaten (Unesco o. J.:Poverty).

Im Falle Äthiopiens werden die Ansätze der extremen Armut sowie der absoluten Armut zu- treffend sein. Das Konzept der relativen Armut ist hingegen zu vernachlässigen, da sich dieses an der gesamtgesellschaftlichen Wirtschaftssituation orientiert und die Armutssituation verzerrend darstellen kann.

In den folgenden Unterpunkten dieses Kapitels werden Armutsindikatoren in Äthiopien dargestellt. Abbildung 1 verschafft einen ersten Überblick. Es wird zwischen gesellschaftlichen, ökonomischen, politischen und physisch - geographischen Indikatoren unterschieden. In der Realität überlappen und verschmelzen die einzelnen Perspektiven zur ganzheitlichen Armutssituation. Keineswegs sind die Indikatoren also voneinander Unabhängig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Indikatoren der Armut in Äthiopien (Eigene Darstellung)

3.1 Gesellschaftliche Indikatoren

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat der 80 bis 120 verschiedene Ethnien beheimatet. Zu den be- deutendsten, weil größten und einflussreichsten Ethnien, gehören die Oromos mit 34,5 %, die Amharas mit 29,6 %, die Somalis mit 6,2 % und die Tigrays mit einem Bevölkerungsanteil von 6,1 %. Die verbleibenden 23,6 % gehören unterschiedlichsten ethnischen Gruppierungen an, die in Ihrer jeweiligen Größe stark variieren. Ähnliche Komplexität ist bei der Verteilung der Religionszugehörigkeiten in der Bevölkerung zu beobachten. Die beiden größten Konfes- sionen bilden das orthodoxe Christentum mit etwa 43 % und der Islam mit etwa 34 % der Be- völkerung (Scurell 2013: Gesellschaft, Kultur und Religion). Bei dieser Vielzahl an Akteuren sind ethnische oder religiöse Konflikte nahezu vorprogrammiert. Dennoch hat das Konflikt- potential in den letzten Jahren zugenommen.

Zum Einen hängt dies mit dem Bedeutungsverlust traditioneller Konfliktlösungsmethoden, wie dem Einbezug eines Ältestenrates zusammen. Der Bedeutungsverlust dieser traditionellen Strukturen fußt größtenteils auf dem Einfluss ausländischer Akteure. Christliche und musli- mische Extremisten radikalisieren Ihresgleichen. Ergebnis sind häufigere Auseinandersetzun- gen, da die historisch gewachsene Balance zwischen den Konfessionen zu kippen beginnt (Scurell 2013:Gesellschaft, Kultur und Religion/Geschichte, Staat und Politik). Zum Anderen wird die Konfliktlage durch die große Anzahl an Waffen und die zunehmende Bereitschaft Diese einzusetzen verschärft. Der Umlauf von Waffen untergräbt nicht nur die hoheitliche Aufgabe des Staates seine Bürgerinnen und Bürger vor Gewalteinwirkungen Dritter zu schüt- zen, sondern verleitet die Bevölkerung zur Anwendung vergeltender Selbstjustiz Vor allem die ländliche Bevölkerung ist hiervon betroffen. Sie macht mit etwa 85 % das Gros der Ge- samtbevölkerung aus (Budke 2005:42, Scurell 2013:Gesellschaft, Kultur und Religion).

Zwangsenteignungen der Landbevölkerung durch den Staat sind keine Seltenheit, wenn ge- winnbringende Profite ausländische Investoren anlocken. Die Agrarkolonisation und der fort- schreitende Klimawandel grenzen insbesondere nomadische Bevölkerungsgruppen ein. Folge dieser Entwicklungen sind Verdrängungsprozesse der Nomaden. Die auf Subsistenzwirtschaft ausgerichteten Nomadenstämme werden von ansässigen Stämmen als zusätzliche Existenz- bedrohung wahrgenommen. Resultierende Konflikte um Besitzansprüche werden oftmals mit Waffengewalt ausgetragen. Bisweilen kommt es in Regionen mit langanhaltenden Konflikten durch den Einsatz von Waffen, zu rechtsfreien Räumen, in denen das Recht des Stärkeren re- giert (Müller - Mahn/Rettberg 2007:42 - 43, Scurell 2013:Landesübersicht und Naturraum).

Darüber hinaus führen Enteignungen und Vertreibungen zum Verlust der „Kultur des Teilens“ (Müller - Mahn/Rettberg 2007:46). Der Verlust dieser, traditionell weit verbreiteten, Kultur übt sich auf benachteiligte oder enteignete Stämme als negativer Multiplikator aus. Soziale Disparitäten, Neid und verstärkte Existenzbedrohungsängste sind die Resultate, welche wiederum wie in einer Spirale die Gewaltbereitschaft steigern.

3.2 Ökonomische Indikatoren

Äthiopien belegt Rang 173 von 187 Nationen im Human Development Index (HDI). Der HDI gibt Auskunft über Bildung, Gesundheit und Einkommen einer Gesellschaft und ergänzt so- mit das Bruttoinlandsprodukt, als Messinstrument zur Bestimmung der Wohlfahrt einer Nati- on. Abbildung 2 verdeutlicht die Entwicklung Äthiopiens anhand des HDI seit dem Jahr 2000. Auffallend ist, dass Äthiopien seit 2005 stetige Fortschritte in der Entwicklung vorzu- weisen hat und die Steigung der Entwicklungskurve zeitweise steiler verläuft als jene der um- liegenden Großregion. Jedoch hat seit 2010 die Steigung abgenommen, was auf eine verlang- samte wirtschaftliche Entwicklung schließen lässt. Nach wie vor ist nach den Kriterien des Indexes die Bildungs-, Gesundheits- und Einkommenssituation in Äthiopien als unterentwi- ckelt zu bewerten (United Nations Development Programme o. J.:Ethiopia)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Human Development Index 2000 - 2013

(United Nations Development Programme o. J.:Ethiopia)

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Details

Titel
Armutsbekämpfung in Äthiopien. Entwicklung und Probleme
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V230028
ISBN (eBook)
9783656458647
ISBN (Buch)
9783656458203
Dateigröße
1433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, probleme, armutsbekämpfung, äthiopien
Arbeit zitieren
Michael Koch (Autor), 2013, Armutsbekämpfung in Äthiopien. Entwicklung und Probleme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230028

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