Naturwissenschaftliches Arbeiten in einer 8. Klasse Realschule. Ein exemplarisches Beispiel von Anpassungen an einen Lebensraum


Unterrichtsentwurf, 2009

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse: Situation der Klasse/ Rahmenbedingungen
1.1. Die Situation der Klasse
1.2 Die Lernumgebung und Rahmenbedingungen

2. Sachanalyse

3. Einbettung/ Themenbegründung
3.1 Einbettung in den Unterrichtsverlauf
3.2 Themenbegründung

4. Thematische Struktur/ Einstieg/ Zugänge/ Passung

5. Ziele und Kompetenzen

6. Verlaufsskizze

7. Anhang

8. Literaturangaben

9. Stoffverteilungsplan für den Prüfungszeitraum der Klasse 6c

1. Bedingungsanalyse: Situation der Klasse/ Rahmenbedingungen

1.1. Die Situation der Klasse

Die Klasse 6c besteht aus 32 Schülerinnen und Schülern. Die Klasse hat drei Stunden NWA in der Woche, die in eine Einzelstunde und eine Doppelstunde aufgegliedert sind. Die NWA- Lehraufträge in Klasse 6 an unserer Schule sind mit zwei Lehrkräften für die Doppelstunde besetzt, um die Klassen zum Experimentieren halbieren zu können. Die Klasse wird hauptverantwortlich von mir und zusätzlich im Team- Teaching von der Klassenlehrerin Frau Böhm in den Doppelstunden unterrichtet. In der heutigen Stunde werden die Versuche jedoch bedingt durch die Lehrprobe mit allen 32 Schülerinnen und Schülern durchgeführt, was ein großes Organisationsgeschick abverlangt. Im Fach NWA erweist sich die Klasse als sehr leistungsbereit und leistungsstark. Durch ihre lebendigen Beiträge und ihrer großen Beteiligung am Unterricht herrscht meist eine gute Lernatmosphäre.

Die Klasse arbeitet sehr gerne praktisch. Gerade das Experimentieren und Untersuchen bereitet ihnen große Freude. Ihre Genauigkeit beim Beobachten führt jedoch häufig dazu, dass sie die Zeit vergessen und mit dem Protokollieren in Zeitnöte geraten. Deshalb ist es notwendig, die Lernenden immer darauf hinzuweisen, die Uhr im Blick zuhaben. Eine große Stärke der Klasse ist das Präsentieren von Ergebnissen und Themen, die sie zuvor selbstständig bearbeiten. Einige Schülerinnen und Schüler müssen vor allem in freien Phasen, aber auch während des gesamten Unterrichts, besonders im Auge behalten werden. Vor allem die Schüler xy, aber auch die Schüler vz stören häufig den Unterricht und müssen häufig zum Arbeiten angehalten werden. Im Gegensatz dazu stehen Schüler abc, die den Unterricht stets mit eigenen interessanten Beiträgen bereichern. Manchmal muss man diese vier auch bremsen, damit sie den anderen Schülerinnen und Schülern nicht zuviel vorwegnehmen und die Motivation der anderen erhalten bleibt. Da die Klasse sehr lebendig ist, sind gerade Phasen zum selbst Ausprobieren, Experimentieren und Untersuchen von Vorteil und kommt dem Interesse der Schülerinnen und Schüler für naturwissenschaftliche Arbeitsweisen entgegen.

1.2 Die Lernumgebung und Rahmenbedingungen

Der NWA Unterricht findet in den Einzelstunden immer im Klassenzimmer und während den Doppelstunden im Biologiesaal statt. Da die heutige Stunde normalerweise eine Einzelstunde wäre und nicht im 60 Minuten Rhythmus ablaufen würde, findet die Lehrprobenstunde ebenfalls im Biosaal statt. Der NWA- Raum für Biologie besteht aus einem Hauptraum mit neuen Experimentiertischen, an denen jedoch die Anschlusspulte noch nicht in Betrieb genommen werden können und einem Sammlungsraum mit Arbeitsplätzen. In beiden Räumlichkeiten befinden sich eine Tafel und ein Tageslichtprojektor, so dass in beiden Räumen Unterricht stattfinden kann. Da der Sammlungsraum sehr in die Länge gezogen ist, eignet er sich nicht besonders für Einstiegsphasen im Plenum. Besonders eine positive Gesprächsführung wird durch die beschriebene Räumlichkeit stark eingeschränkt. Auch ist die Tafel an der Wand schlecht positioniert, sodass viele Kinder, vor allem bei dieser Gruppengröße, nicht zur Tafel sehen können. Aus diesem Grund wird die Einstiegsphase im Hauptraum stattfinden. Um mehr Zeit für das Beobachten und Experimentieren zu schaffen, werden im Sammlungsraum schon vor Beginn der Stunde die Arbeitsplätze für die Forscheraufträge gekennzeichnet. Im Hauptraum wird die „Forscherthek“ auf dem Fensterbrett bereitgelegt, um einen separierten Raum zum Nachdenken zu schaffen. Dies ist aus aufsichtsrechtlichen Gründen nur möglich da beide Räume offen miteinander verbunden sind und dadurch die Schülerinnen und Schüler von mir beaufsichtigt. Im Sammlungsraum befinden sich auch alle Arbeitsmaterialien in Schränken, aus denen die Lernenden nach Absprache mit mir alles für ihre Versuche oder die zur Beobachtung benötigten Materialien selbstständig holen können. Aus diesem Grund findet die Experimentierphase hier statt.

Um den Schülerinnen und Schülern zu signalisieren, wann die Arbeitsphase beginnt und zu Ende sind, wird von mir eine Klingel eingesetzt. Dies ist vor allem bei einer etwas lauteren Arbeitsatmosphäre sehr von Vorteil. Dieses Ritual, bei dem die Schülerinnen und Schüler ihre Materialien aufräumen und ihre Stifte weglegen ist ihnen bereits bekannt. Es ist das Zeichen für das Ende der Experimentierphase und gleichzeitig das Signal, ihre Arbeitsplätze aufzuräumen und sich bereit für die Besprechung zu halten.

2. Sachanalyse

Die Bewegung ist ein deutliches Kennzeichen des Lebendigen. Als Lokomotion bezeichnet man die Fähigkeit von Lebewesen, sich aktiv von einem Ort zum andern zu bewegen. Die Artenvielfalt der Lebewesen und ihre Lebensräume verlangt eine Variation der Bewegung. Im Laufe der Evolution mussten die Lebewesen Anpassungsmechanismen im Körperbau, aber auch in ihrer Fortbewegungsart entwickeln, um an Land, im Wasser oder an der Luft überleben, an Nahrung kommen zu können oder vor Feinden zu fliehen (Vgl. Campbell, S. 1136 sowie Biedermann 1905). Aus diesem Grund zählt die Lokomotion zu den wichtigsten Formen der Aktivitäten. Unabhängig von der Art der Fortbewegung müssen alle Lebewesen Kraft ausüben, um die Reibungskräfte und Schwerkräfte überwinden zu können. Um möglicht wenig Energie zu benötigen, gibt es Anpassungsmechanismen, die es den Körpern leichter machen, sich fortzubewegen. Somit sind Anpassungen an den Lebensraum erst durch das perfekt abgestimmte Zusammenspiel von Körperbau, also Form und Funktion möglich. Im Tierreich unterscheidet man zwischen amöboiden, Cilienbewegungen sowie Muskelkontraktionen (Vgl. Roger Eckert, 2002).

Schnecken stellen im Bezug auf die Fortbewegung durch Muskelkontraktionen eine Besonderheit dar. Da sie systematisch zu den Weichtieren gezählt werden, läuft die Muskelbewegung nicht m Zusammenspiel mit Knochen oder einem Skelett ab, da diese Lebwesen, im Gegensatz zu anderen Landlebewesen, ein Hydroskelett aufweisen. Genau wie Würmer oder Anneliden haben Schnecken ein abgeschlossenes „[…] Kompartiment des Körpers, in dem eine Flüssigkeit unter erhöhtem Druck gehalten wird.“ (Vgl. Campbell, S. 1137) Ein solcher Hautschlauch ermöglicht einen hydraulischen Mechanismus, der durch flüssigkeitsgefüllte Körperteile die Form des Körpers so verändert, dass sich das Tier fortbewegen kann. Die Schnecke kommt durch eine von hinten nach vorne laufende Kontraktionswelle, die auf einen solchen Flüssigkeitsdruck zurück zuführen ist, und eine Folge von Kontraktions- und Erschlaffungsphasen der Fußmuskulatur bewirkt, vorwärts. Diese Peristaltik lässt sich auch bei anderen Weichtieren beobachten, ist jedoch nicht so deutlich erkennbar wie bei Schnecken. Eine Kontraktion durch Druckränderung im Weichkörper lässt den Fuß durch die Dehnung der Fußsohle vom Boden abheben.

Bei einer Erschlaffung der quer gestreiften Muskulatur wird die Körperflüssigkeit in andere Teile des Körpers transportiert und dehnt den Körper der Schnecke.

Dadurch wandert der Fuß ein Stück nach vorne (Vgl. Biedermann, 1905). Bei diesem Vorgang bleibt jedoch der äußere Saum des Fußes stets am Boden haften, um ein Abrutschen der Schnecke zu verhindern.

Diese Muskelkraft erzeugt auf der Bodenfläche einen Unterdruck, der mit einem Saugnapf verglichen werden kann und der Schnecke somit die Möglichkeit gibt, an Bäumen, Ästen oder Pflanzen nach oben zu kriechen, um ihren Lebensraum Wald oder Weinberg voll ausnutzen zu können. Allerdings ist es nicht nur der große Muskeldruck gegen den Untergrund der die Schnecke sich optimal fortbewegen lässt. Auch der Schleim, der abgesondert wird verringert die Reibung zwischen Boden und Fuß und schützt sie vor Verletzungen. Nicht wie man annehmen könnte durch die Klebwirkung des Schleims, sondern durch die Saugwirkung kann die Schnecke Hindernisse in der Natur überwinden. Da sie bedingt durch die Kontraktionswellen nicht rückwärts laufen kann, ist diese Anpassung notwendig, um an Nahrung zu kommen oder um nicht Hindernisse herum laufen zu müssen, was einen zu großen Energieaufwand bedeuten würde. Anders verhält sich die Schnecke im Wasser.

Weinbergschnecken stehen unter Artenschutz. gibt Bestimmungen und Gesetzestexte für bestimmte Regionen hier in der Umgebung, die ein Sammeln und in Gefangenschaft halten der Helix pomatia verbieten, beziehungsweise regeln. Für das unterrichtliche Vorhaben wurde mir eine Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums Stuttgart Abteilung Umwelt erteilt.

3. Einbettung/ Themenbegründung

3.1 Einbettung in den Unterrichtsverlauf

Die Unterrichtseinheit „Anpassung an den Lebensraum“ schließt an die Einheit „Bewegung in der Natur und Technik“ an. Da Anpassungen vor allem mit der Art der Fortbewegung zusammenhängen, bot es sich an diese Themen zu koppeln. In den Vorstunden wurde eine Übersicht über die Anpassung an verschiedene Lebensräume wie Luft, Wasser, sowie in und am Boden zusammen mit den Kindern ausgearbeitet. Somit werden den Kindern Zusammenhänge klar und sie wissen, dass Themenbereiche in der Natur nicht isoliert betrachtet werden können. Sie erkennen dadurch Gesamtzusammenhänge und im Idealfall entsteht ein aufbauendes, vernetztes und anknüpffähiges Wissen. Die Schülerinnen und Schüler sind für diese Unterrichtseinheit zu „Naturdetektivlehrlingen“ mit Ausweisen ernannt worden und haben den Auftrag „Der Anpassung auf der Spur“. Dieser Auftrag und das Forschersein motivieren die Kinder auf Entdeckungsreise zu gehen. Durch eine Eingangsprüfung und die Ausweise sind die Kinder auf den sorgsamen Umgang mit Lebwesen hingewiesen worden. Um am Ende eine Naturdetektivlehre zu bestehen, müssen sie stets genau arbeiten und die Lebewesen vorsichtig behandeln. Die letzen Wochen haben wir den Themenbereich Boden näher betrachtet. Als Bindeglied zur heutigen Stunde diente die Bodenwerkstatt in den vergangenen Stunden, um nun den Lebensraum und deren notwendigen Anpassungsmechanismen verstehen und übertragen zu können. Auch wurden Bodentiere systematisch eingeteilt, um ein fundiertes Wissen für die Versuche mit den Tieren voraussetzen zu können. In der letzten Stunde haben die Schülerinnen und Schüler die Schnecke kennen gelernt und ihren Körperbau betrachtet. Ausgehend davon haben die Kinder aufgeschrieben, was ihnen noch aufgefallen ist und was sie über die Schnecke sonst noch wissen wollen. Diese Fragen an die Schnecke wurden an der Tafel gesammelt sowie sortiert und bilden somit einen schülerorientierten Ausgangspunkt für die folgenden Stunden. Im Anschluss an das Beobachten der Schnecke werden als weitere wichtige Vertreter für die Humusbildung der Regenwurm und die Assel auf ihre Anpassungen hin untersucht und beobachtet. Die Anpassung von Fröschen an ihren Lebensraum wurde bedingt durch die Amphibienwanderung saisonal eingebaut, um den Kindern anhand einer „Krötenpatenschaft“ und Langzeitbeobachtungen die Metamorphose begreifbar zu machen.

3.2 Themenbegründung

Der Bildungsplan 2004 sieht im Kompetenzerwerb für die Klassenstufen 5-7 im themenorientierten Unterricht das Thema „Anpassungen an den Lebensraum“ (vgl. Bildungsplan 2004, S.99) vor.

Exemplarisch wird die Anpassung an den Lebensraum Boden an der Schnecke behandelt, um die Funktionsweise des Kriechens zu erforschen. Besser als beim Regenwurm lassen sich hier die kontrahierenden Wellenbewegungen der Muskeln erkennen und deutlich machen. Aus diesem Grund wird die Stunde auch mit Primärerfahrungen am lebenden Tier stattfinden. Die Kinder sollen den Umgang mit Tieren lernen aber auch über die biologische Vielfalt staunen. Dadurch soll sich das Interesse an Tieren und der Natur entwickeln.

Der naturwissenschaftliche Unterricht soll den Schülerinnen und Schülern die Natur näher bringen. Erst dann kann durch eine emotionale Bindung ein Bewusstsein der Erhaltung und des Schutzes der Natur erfolgen. Genau aus diesem Grund sollte man die Natur im Unterricht greifbar machen. Vor allem im heutigen Medienzeitalter sind Originalbegegnungen mit der Natur sehr wichtig (vgl. Bildungsplan 2004, S.96). Da ein solcher Kontakt mit Tieren meist mit einer emotionalen Reaktion mit einer kognitiven verknüpft, ist es möglich eine Grundlage zur Achtung von Lebewesen aufzubauen. Zudem bietet kein anderes Medium eine so große Fülle an Eindrücken, um ein ganzheitliches Lernen mit allen Sinnen zu ermöglichen und dadurch ein nachhaltiges Lernen zu fördern. Die Weinbergschnecke wurde deshalb für diese Unterrichtseinheit ausgewählt, da die Größe das betrachten und beobachten einfach macht.

Das Beobachten und Experimentieren mit den Schnecken bietet auch die Möglichkeit, die biologischen und naturwissenschaftlichen Arbeitsweisen zu schulen, auszuprägen und zu trainieren. Je früher die Schülerinnen und Schüler an diese Arbeitsweisen gewöhnt werden, desto schneller werden sie zum selbstständigen Erkunden und Lernen geführt (vgl. Spörhase-Eichmann/Ruppert 2006, S.147).

Auf die Arbeitsweisen werde ich im Kapitel „Kompetenzen und Ziele“ näher eingehen.

Durch das Entwickeln der Vorgehensweise, wie man herausfinden kann in wie weit Schnecken an ihren Lebensraum durch ihre Fortbewegung angepasst sind, lernen die Schülerinnen und Schüler die „ […] Bedeutung der jeweiligen Methoden für den Erkenntnisgewinn…“ (vgl. Spörhase-Eichmann/Ruppert 2006, S.147).

In diesem Themenkomplex wäre es auch möglich gewesen, zuerst die Anpassung von Pflanzen an den Lebensraum zu behandeln. Empirische Untersuchungen zum Interesse von Schülerinnen und Schülern an Biologie zeigen jedoch, dass sich das motivierende tierkundliche Interesse gerade Mitte der sechsten Klasse auf dem Höhepunkt befindet. Dies sollte für eine intrinsische Motivation ausgenutzt werden (Vgl. Killermann/ Hiering /Starosa, 2005).

4. Thematische Struktur/ Einstieg/ Zugänge/ Passung

Das Thema der heutigen Stunde ist nicht eine Fragestellung, die den Lernenden von mir als Problem gestellt werden musste, sondern wurden als Impulse der Schülerinnen und Schüler aufgenommen. In der vorherigen Stunde haben die Kinder Fragen an die Schnecke aufgeschrieben, die sie besonders interessieren. Dies fördert die Subjektentwicklung nach Klafki, da die Schülerinnen und Schüler den Lerngegenstand selbst- bzw. mitbestimmt haben. Durch die schülerorientierten Fragen lässt sich die Motivation der Lernenden für die heutige Stunde als sehr hoch einschätzen. Im Themenbereich „Bewegung“ haben die Schülerinnen und Schüler folgende Fragen im Original formuliert: „Kann die Schnecke über etwas Scharfes laufen ohne sich zu verletzten?“, Wie hält die Schnecke sich an der steilen Wand fest?“, „Warum lässt du einen solchen Schleim hinter dir her?“. Diesen Fragen und deren Anpassung und Übertrag auf den Lebensraum soll nun in dieser 60 Minuten Stunde nachgegangen werden.

Einstieg

Für den Einstieg boten sich mehrere Alternativen, die jedoch alle ihre Stärken und Schwächen haben und deshalb abgewogen werden müssen. Eine Filmsequenz, die zeigt, wie sich eine Schnecke fortbewegt, würde die Schülerinnen und Schüler sicherlich faszinieren, jedoch den Forscherdrang hemmen und vieles vorwegnehmen. Durch das Auflegen eines Bildes, das eine Schnecke mit Beinen zeigt, wird ein kognitiver Konflikt bei den Lernenden ausgelöst. Dieser Einstieg hat den Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler ihr bisher gelerntes Wissen aktiv abrufen und auf das Bild übertragen können. Zudem motiviert eine Fehlersuche die Lernenden, holt sie auf ihrem Wissensstand ab und gibt ihnen von Beginn an das Gefühl sich in den Unterricht einbringen zu können. Eine einfache Frage zu stellen, die ein Schüler am Ende der letzten Stunde gestellt hat, würde das Vorwissen nicht abprüfen. Die Problemstellung - „Laufen“ mit einem Bein, wie geht das? – würde nicht so deutlich werden, wie das gezeigte Bild. Aus diesem Grund habe ich mich dafür entschieden, mit einem kognitiven Konflikt einzusteigen. Das Bild wird als stummer Impuls aufgelegt. Die Schülerinnen und Schüler äußern sich, korrigieren die fehlerhafte Zeichnung und ordnen die Schnecke zu den Weichtieren, die einen Fuß besitzen. Diese Feststellung bildet das Bindeglied zur Problemstellung.

Problemstellung I

„Wie schafft es die Schnecke, mit nur einem Fuß fortzubewegen?“ Diese Frage regt die Schülerinnen und Schüler an, problemorientiert zu denken und nach möglichen Lösungen zu suchen. Da sich die Lernenden in einer „Naturforscher – Lehre“ befinden und durch ihren Forscherausweis den Auftrag „der Anpassung auf der Spur“ haben, werden sie durch diese Frage wieder in ihre Rolle versetzt, was zusätzlich motiviert. Zudem wird hierbei das Entwickeln von naturwissenschaftlichem und problemorientiertem Denken gefördert, was lernpsychologisch den besten Weg des Lernens für ein nachhaltiges Wissen darstellt.

Hypothesenbildung I

Um die Frage der Fortbewegung der Schnecke beantworten zu können, müssen die Schülerinnen und Schüler Hypothesen bzw. Vermutungen anstellen. Diese Form der Erkenntnisgewinnung ist den Kindern bereits bekannt. Verschiedene Meinungen motivieren zusätzlich den Forscherdrang, eine Vermutung beweisen oder widerlegen zu wollen. Die kleinen Forscher werden wahrscheinlich Vermutungen wie „Sie kriecht“, oder „Die Schnecke rutscht auf ihrem Schleim“ äußern. Da einige Schülerinnen und Schüler ein immenses Vorwissen mitbringen, wäre es auch denkbar, dass jemand auch schon auf die Wellenbewegung an der Unterseite des Fußes kommen könnte. Durch ein Gespräch mit den Lernenden werden Möglichkeiten gesucht, ihre Hypothesen zu prüfen. Diese werden mündlich gesammelt. Bevor die kleinen Forscher aber nun beginnen können, müssen noch mal kurz die Sicherheitsbestimmungen wiederholt und die Arbeitsanweisung erklärt werden. In dieser Stunde sind klare Arbeitsanweisungen sehr wichtig, da die Klasse mit 32 Schülerinnen und Schülern für das Experimentieren und Beobachten von Tieren eine sehr große Gruppe ist. Es muss daher also gewährleistet sein, dass möglichst alle Kinder genau wissen, was zu tun ist, um den größtmöglichsten Erkenntnisgewinn und ein genaues Beobachten des Phänomens zu gewährleisten. Gerade in einer Großgruppe müssen daher Regeln und Rituale herrschen, vor allem im Umgang mit den Tieren.

Die Sicherheitseinweisung und Gruppeneinteilung

Da es sich um Lebewesen handelt, wiederholen die Kinder noch einmal die Regeln im Umgang mit Schnecken. Durch die Naturdetektiv –Lehre kennen die Lernenden die Konsequenz eines Nichtbeachtens dieser Regel. Derjenige, der gegen diese Regeln verstößt, muss seinen Lehrlingsausweis abgeben und ist weiterhin nicht mehr befähigt, an Versuchen oder Beobachtungen an Lebwesen teil zunehmen.

In der heutigen Stunde, ist es für das Arbeiten mit den Schnecken wichtig, dass die Tiere zum einen für ihre eigenen Erholungsphasen und zum anderen für das Protokollieren der Beobachtungen, einen festen Platz auf den Tischen haben. Aus diesem Grund werden vor Beginn der Stunde kleine Gefäße für jede Schnecke vorbereitet, die einen Erholungsraum mit Fressangebot darstellen. Somit können die Forscher in Ruhe protokollieren, ohne gleichzeitig auf die Schnecke aufpassen zu müssen, was eine Entlastung für das Arbeiten bedeutet. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Sicherheitseinweisung ist die Hygiene. Nach dem Arbeiten mit den Schnecken sollten gründlich die Hände gewaschen werden. Hierfür steht eine Flüssigseife bereit. Einige Kinder haben in der Vorstunde geäußert, dass sie gegen Schneckenschleim allergisch sind. Dies wurde von mir bei der Gruppeneinteilung berücksichtigt. Zudem lässt sich in einer Gruppe der Ekelfaktor besser ertragen. Dies war in der Vorstunde deutlich feststellbar, dass sich die Mädchen nach dem Beobachten der Schnecke weniger ekelten als zuvor. Die heutigen Versuche sollen daher noch einen weiteren Schritt zum Ekelabbau gegenüber Weichtieren darstellen.

Nach den Hygieneanweisungen folgt nun der Forscherauftrag. Die Forscher arbeiten in ihren gewohnten Zweierteams zusammen. Sie sind hier noch mal in einen Zeitwächter und einen Materialwächter eingeteilt. Das hat den Vorteil, dass bei der Ausgabe der Schnecken, der Forscheraufträge und der Protokolle nur die Hälfte der großen Gruppe nach vorne kommt, und ein großes Durcheinander verhindert wird. Bevor die Lernenden jedoch ihre Materialien holen, wird genau erklärt, was sie in ihre Forscherphase mitnehmen müssen. Diese Materialien werden von den Schülerinnen und Schülern nochmals wiederholt, um sicher zu gehen, dass bei der Gruppengröße jeder alle nötigen Gegenstände und Objekte am Tisch hat. Die erste Forscherphase wird im Hauptraum stattfinden.

Hypothesenprüfen I Forscherauftrag I

Das Startsignal zum Forschen gibt eine Glocke vor. In dieser Phase sind die Lernenden in der Art der Hypothesenprüfung nicht an Vorgaben gebunden. Sie können aus den Schränken die für sie notwendigen Materialien holen und ausprobieren mit welchen Utensilien sie am besten die Fußsohle der Schnecke betrachten können. Um die Fortbewegungswellen beobachten zu können ist ein genaues betrachten der Unterseite des Fußes notwendig. Die Kinder müssen somit durch Betrachten der Sohle den Bau und die Funktion in einen Zusammenhang bringen (Vgl. Eschenhagen/ Kattmann/ Rodi, 2006). Mit Hilfen wie Glas- oder Plexiglasplatten, Bechergläser, Objektträgern oder Petrischalen kommen die Forscher der Bewegung „auf die Spur“. Sie entdecken, dass die Sohle eine wellenartige Bewegung macht und versuchen diese Bewegung zu skizzieren, verbal zu beschreiben und eine Erklärung zu finden.

In dieser Phase wäre es auch möglich gewesen, den Lernenden eine Glasplatte vorzugeben. Von dieser geschlossenen Variante bin ich jedoch abgekommen, um die Schülerinnen und Schüler nicht vom entdeckenden und selbstständigen Erforschen abzuhalten. Zudem ist die Hypothesenprüfung an dieser Stelle relativ einfach, sodass man die Kinder hier recht offen mit den Materialien arbeiten lassen kann. Da die Schnecken auf die Schülerinnen und Schüler eine faszinierende Wirkung haben werden und sie in ihrem Forscherdrang häufig aufgehen, müssen sie immer wieder an das Protokollieren erinnert werden. Die vorgefertigten Protokolle dienen vor allem der Zeitersparnis, um mehr Zeit zum Beobachten zu haben.

Ergebnissicherung I

Zur Ergebnissicherung wird, wie gewohnt, die Glocke geläutet. Die Kinder machen sich bereit zur Besprechung. Hier muss eventuell noch mal darauf hingewiesen werden, dass die Schnecken vorsichtig in ihr „Erhohlungsgefäß“ gesetzt werden. Die Forscherergebnisse werden auf einer Transparentfolie von einigen Schülerinnen und Schülern festgehalten. Bei der Besprechung ist es wichtig, genau auf die Wellenbewegung einzugehen, um sicher zu stellen, dass die Kinder verstehen, wie man nun mit einer solchen Welle vorankommt. Hierzu werden die Fragen gestellt, was nun eine Welle ist und wie man damit wohl vorwärts kommen könnte. Eventuelle Erklärungsversuche der Lerngruppe werden aufgenommen und gegebenenfalls verbessert, bzw. Hilfen wie ein Modell mit einem Blatt Papier gegeben um den Sachverhalt didaktisch reduziert zu erklären.

Hierbei wird auf das Füllen von Körpersegmenten aus Gründen der Abstraktion verzichtet, da sich die Schülerinnen und Schüler noch in der operanten Phase befinden. Die Ergebnisse werden gegebenenfalls verbessert oder ergänzt. Im Anschuss stellt sich nun die Frage was den Kindern zusätzlich zu den Wellenbewegungen noch aufgefallen ist, bzw. einige Kinder werden schon die Vermutung äußern, dass die Bewegung auch noch etwas mit dem Schleim der Schnecke zu tun haben muss.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Naturwissenschaftliches Arbeiten in einer 8. Klasse Realschule. Ein exemplarisches Beispiel von Anpassungen an einen Lebensraum
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V230040
ISBN (eBook)
9783668710894
ISBN (Buch)
9783668710900
Dateigröße
653 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
naturwissenschaftliches, arbeiten, klasse, realschule, beispiel, anpassungen, lebensraum
Arbeit zitieren
Sabine Scheyhing (Autor), 2009, Naturwissenschaftliches Arbeiten in einer 8. Klasse Realschule. Ein exemplarisches Beispiel von Anpassungen an einen Lebensraum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230040

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