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Der impressionistische Stil in der Literatur der Jahrhundertwende

Am Beispiel von Dauthendeys "Regenduft" und Keyserlings "Schwüle Tage"

Title: Der impressionistische Stil in der Literatur der Jahrhundertwende

Seminar Paper , 2012 , 22 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dipl.-Hdl., Dipl.-Kff. Tanja Röhrig (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Zeit um 1900 wird von der damaligen Bevölkerung als einschneidende Zeitenwende erfahren. Die reichlich überlieferte Kultur vergangener Tage scheint keine Orientierungspunkte mehr für die Gegenwart zu liefern. Stattdessen wird die Gegenwart gänzlich auf die große, unbekannte Zukunft ausgerichtet. Jeder kann die Jetztzeit als offen und gestaltbar miterleben. Ist die Gesellschaft im Fortschritt oder im Verfall? Einen gemeinschaftlichen Konsens darüber, wie die Zukunft auszusehen hat, gibt es nicht. Es herrscht erstmalig Meinungspluralismus. Einigkeit besteht nur in ihrer Entschlossenheit und ihrem Selbstverständnis, sich als modern zu empfinden. In der Entschlossenheit ganz im Heute zu leben, spiegelt sich die Grundhaltung der Epoche. Einflussreiche Vertreter der jungen Generation um 1880 haben sich emphatisch zu der Moderne bekannt. Sie ist einmalig in der Literaturausrichtung und Weltanschauung, die durch nichts anderes definiert ist als gerade ihre Neuheit respektive ihre Zuwendung auf das Neue. Jegliches Handeln wird getragen von einem Weltgefühl, das seine entscheidende Legitimation nicht aus der verstaubten Vergangenheit und ihren ehrfürchtigen Autoritäten, sondern aus der Zuversicht auf kommende Entwicklungen bezieht.

In ihrer fortschrittlichen Denkhaltung bringen Intellektuelle unterschiedlichste Stile und Strömungen hervor, die in ihrer modernen Bestimmung gleichzeitig existieren, die -ismen wie Naturalismus, Impressionismus, Ästhetizismus, Symbolismus sowie Décadence und Fin de siècle.

Neben Literatur, Philosophie, Psychologie und Naturwissenschaft leitet die Malerei einen Stilwandel von europäischem Ausmaß ein und bringt die Entdeckung einer neuen Wirklichkeit und eine ungemeine Erregung der menschlichen Seele mit sich im Impressionismus.

In der vorliegenden Arbeit soll genauer untersucht werden, welche charakteristischen Merkmale der impressionistischen Malerei sich in der deutschen Literatur des Impressionismus wiederfinden lassen und wie sie dort umgesetzt werden. Der Begriff Impressionismus wird als literarische Strömung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, als ein Teil der antinaturalistischen Literatur, verstanden. Einführend soll auf die Entstehung des Impressionismus in der französischen Malerei eingegangen werden. Es schließt die Übertragung in die deutschsprachige Literatur an. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die kunsthistorische Verortung des Impressionismus

3. Die Umsetzung in die Literatur

3.1 Begriff, Voraussetzung, Zielsetzung, stilistische Merkmale, Vertreter

3.2 Lyrik am Beispiel Dauthendeys Regenduft

3.3 Prosa am Beispiel Keyserlings Schwüle Tage

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie charakteristische Merkmale der impressionistischen Malerei in die deutsche Literatur der Jahrhundertwende übertragen und dort umgesetzt wurden. Das primäre Ziel ist die Analyse des literarischen Impressionismus als Strömung, wobei anhand von Max Dauthendeys Gedicht "Regenduft" und Eduard von Keyserlings Novelle "Schwüle Tage" aufgezeigt wird, wie atmosphärische Stimmungen und augenblickliche Sinneseindrücke sprachlich gestaltet werden.

  • Historische Herleitung des Impressionismus aus der französischen Malerei.
  • Theoretische Grundlagen und stilistische Merkmale des literarischen Impressionismus.
  • Analyse der lyrischen Umsetzung impressionistischer Prinzipien bei Dauthendey.
  • Untersuchung der prosetextuellen Gestaltung von Stimmung und Landschaft bei Keyserling.
  • Reflexion über die literaturwissenschaftliche Einordnung und Begriffsbestimmung.

Auszug aus dem Buch

Die Umsetzung in die Literatur

Anders als in der Kunstgeschichte markiert die Bezeichnung Impressionismus keine Epoche in der Literaturgeschichte, sondern eine literarische Strömung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Genauer ist der Impressionismus ein Teil der gegennaturalistischen Literatur innerhalb der Jahrhundertwende respektive des Fin-de-Siècles zwischen 1890 und 1910.

Zu Beginn der 1890-er Jahre fordert Hermann Bahr, als erster bedeutender Literatur- und Kulturtheoretiker der Moderne im deutschsprachigen Raum, wesentliche Aspekte impressionistischer Malerei auf die Literatur zu übertragen. Spricht er zunächst von Nervenkunst und Décadence, gebraucht er wenig später den Titel Impressionismus. Bahr sieht im literarischen Impressionismus einen Weg zur Überwindung des Naturalismus und des platten wissenschaftlichen Positivismus seiner Zeit. Die stilistische Strömung geht aus dem Naturalismus hervor und ist zugleich eine Gegenbewegung gegen den sich als objektivierend verstehenden Naturalismus, gegen die politische Literatur und gegen die idyllisierenden und nationalistischen Konzepte der Heimatkunst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kulturelle Aufbruchstimmung um 1900, das neue moderne Lebensgefühl und die Zielsetzung der Arbeit, impressionistische Gestaltungsmittel in der Literatur zu untersuchen.

2. Die kunsthistorische Verortung des Impressionismus: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Impressionismus in der französischen Malerei, insbesondere das Streben nach der Fixierung des flüchtigen Augenblicks und die Abkehr von akademischen Konventionen.

3. Die Umsetzung in die Literatur: Hier werden theoretische Grundlagen des literarischen Impressionismus definiert und die praktische Anwendung an Dauthendeys Lyrik sowie Keyserlings Prosa analysiert.

4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung diskutiert die Problematik des Impressionismus als umstrittene Stilkategorie und resümiert dessen Stellung in der Literaturwissenschaft.

Schlüsselwörter

Impressionismus, Jahrhundertwende, Dauthendey, Keyserling, literarische Strömung, Sinneseindrücke, Atmosphäre, Stimmung, Freilichtmalerei, Moderne, Naturalismus, Lyrik, Prosa, Subjektivität, ästhetische Wahrnehmung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den literarischen Impressionismus der Jahrhundertwende und dessen ästhetische Verbindung zur französischen Malerei.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die theoretische Einordnung des Impressionismus sowie die Analyse von Textbeispielen im Hinblick auf sprachliche Gestaltungsmittel.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll aufgezeigt werden, wie impressionistische Merkmale – etwa die Fixierung flüchtiger Augenblicke – in der deutschen Literatur umgesetzt werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten im Kontext kunsthistorischer und literaturtheoretischer Grundlagen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung sowie die detaillierte Untersuchung von Dauthendeys Lyrik und Keyserlings Novellistik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Impressionismus, Jahrhundertwende, Sinneseindrücke, Atmosphäre und die spezifische Sprachgestaltung der Moderne.

Wie nähert sich Dauthendey dem Impressionismus an?

Dauthendey nutzt in seinem Gedicht "Regenduft" Synästhesien und eine intensive Farbsymbolik, um Gegenstände von ihrer Bindung an feste Eigenschaften zu lösen.

Welche Rolle spielt die Landschaft bei Keyserling?

Bei Keyserling dient die Landschaft nicht als bloßer Hintergrund, sondern als Projektionsfläche für Stimmungen, die in die inneren Seelenzustände der Figuren übergehen.

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Details

Title
Der impressionistische Stil in der Literatur der Jahrhundertwende
Subtitle
Am Beispiel von Dauthendeys "Regenduft" und Keyserlings "Schwüle Tage"
College
Saarland University
Grade
1,3
Author
Dipl.-Hdl., Dipl.-Kff. Tanja Röhrig (Author)
Publication Year
2012
Pages
22
Catalog Number
V230087
ISBN (eBook)
9783656461166
ISBN (Book)
9783656461388
Language
German
Tags
Impressionismus Jahrhundertwende impressionistisch Dauthendey Keyserling Prosa Lyrik Regenduft Schwüle Tage
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Hdl., Dipl.-Kff. Tanja Röhrig (Author), 2012, Der impressionistische Stil in der Literatur der Jahrhundertwende, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230087
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