Lexikographie: Erstellen von Wörterbuchartikeln


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nationale Varianten und Nationale Varietäten
2.1 Nationale Varianten
2.2 Nationale Varietäten

3. Lexikographie
3.1 Makrostruktur
3.2 Mikrostruktur

4. Die Mikrostruktur des Seminars
4.1 Mängel in der Mikrostruktur und Verbesserungsvorschläge

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

Diese Hausarbeit ist der Abschluss einer im Seminar vorangegangen Erkundung der Verschiedenheiten unterschiedlicher Wörterbücher und des letztendlich eigenen Versuchs Artikel für ein Wörterbuch zu erstellen.

Im Seminar lernten wir einige Arten von Wörterbüchern kennen, die sich durch Aufbau und Inhalt oft sehr unterschieden. Wir beschäftigten uns mit Wörterbüchern, die man als Laie sonst nicht oft in der Hand hält, wie z.B. das „Schweizer Wörterbuch“, das nur Helvetismen, also Wörter der Schweizerdeutschen Standardsprache, enthält, oder verschiedene Wörterbücher von Duden, wie z.B. das Duden „Synonymwörterbuch“, das anstatt einer Begriffserklärung Synonyme des jeweiligen Wortes angibt, oder das Duden „Bildwörterbuch“, das das gesuchte Wort als Bild anzeigt.

Mit dieser Hausarbeit möchte ich nun die Arbeit des Seminars vollenden, indem ich zuerst in einem allgemeineren Teil erläuterte, worin der Unterschied zwischen nationalen Varianten und nationalen Varietäten liegt.

Danach werde ich erklären wie man vorgeht, wenn man einen Wörterbuchartikel schreiben möchte. Hierzu werde ich auf den Aufbau und die sogenannte Makro- und Mikrostruktur eines Artikels eingehen.

Zuletzt werde ich die Mikrostruktur vorstellen, die die Studenten des Seminars in gemeinschaftlicher Arbeit erstellt haben. Da diese sich leider als nicht vollkommen heraus stellte, werde ich erläutern, worin die Mängel der Struktur liegen und wie man sie verbessern könnte. Dies werde ich anhand mehrerer Beispielartikeln aufzeigen, die die Studenten in Eigenarbeit erstellen mussten.

2. Nationale Varianten und Nationale Varietäten

Viele Sprecher aus Deutschland nehmen an, dass nur das Deutsch, das in Deutschland gesprochen wird, „korrektes“ Deutsch ist. Sie „sind sich der Existenz mehrerer Standardvarietäten oft gar nicht bewusst“[1]. Mit dieser Annahme liegen sie jedoch falsch, denn in der Linguistik der deutschen Sprache gibt es drei verschiedene Standardvarietäten des Deutschen. Diese sind deutsches Standarddeutsch, österreichisches Standarddeutsch und schweizerisches Standarddeutsch, von den Schweizern selber auch Schweizerhochdeutsch genannt[2]. Jede dieser Standardvarietäten erfolgt nach eigener Grammatik und eigenem Vokabular. Die Unterschiede zwischen diesen drei Standardsprachen kann man auch mit dem Begriff Varietät verbinden. Eine Varietät ist laut Kellermeier-Rehbein ein „komplettes sprachliches Subsystem zu einem übergeordneten System“[3]. Das übergeordnete System ist in unserem Fall die Sprache Deutsch, die unterschiedlichen Arten von Deutsch ihre Varietäten.

Um diese Varietäten nun noch weiter differenzieren zu können, möchte ich mich den nationalen Varietäten und einem weiteren Terminus, den nationale Varianten, zuwenden.

2.1 Nationale Varianten

Varianten sind laut Ammon zu differenzieren in „onomasiologische“ und „semasiologische“[4] Varianten. Erstere haben eine sprachliche Variable als Oberbegriff, wobei diese mit Großbuchstaben und die Varianten kursiv gedruckt[5] dargestellt werden. Ein Anwendungsbeispiel lautet folgendermaßen:

,GESCHLOSSENE FEUERSTELLE IM HAUS‘

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Cheminée Kamin

Dies bedeutet, dass die selbe Bedeutung (,GESCHLOSSENE FEUERSTELLE IM HAUS‘) einmal mit dem Helvetismus Cheminée bezeichnet wird und einmal mit dem Teutonismus Kamin.

Sesmasiologische Varianten dagegen haben „eine gemeinsame Wortform, aber variierende Bedeutungen“[6]. Dies sieht dann konkret so aus:

SESSEL

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

,Möbelstück, ,Möbelstück, dass im Büro benutzt wird

oftmals im Wohnzimmer stehend‘ um am Schreibtisch zu sitzen‘

Die Bedeutung des Wortes SESSEL ist in Deutschland eine andere als in Österreich.

Nun kann man Varianten aber noch mehr spezifizieren. Die nationalen Varianten sind ein Beispiel dafür. Nationale Varianten sind, wie das Adjektiv national schon vermuten lässt, auf bestimmte Nationen reduziert, das heißt, dass sie nur in bestimmten Sprachzentren vorherrschen[7].

Ein Sprachzentrum ist hierbei „ein Staat bzw. eine Nation, in der sich eine eigene Standardvarietät einer Sprache entwickelt hat“[8].

Die nationalen Varianten müssen mindestens zu einer Standardvarietät gehören, dürfen aber nicht gleichzeitig zu allen Standardvarietäten gehören. Hat man im deutschsprachigen Raum zum Beispiel die drei Standardvarietäten österreichisches Standarddeutsch, Schweizerhochdeutsch und deutsches Standarddeutsch, so muss eine nationale Variante mindestens in Schweizerhochdeutsch gesprochen werden, darf aber nicht gleichzeitig auch in österreichischem und deutschem Standarddeutsch gesprochen werden. Dann wäre sie keine nationale Variante mehr, sondern gemeindeutsch.

Weiterhin gehört zu einer nationalen Variante, dass sie eine Entsprechung[9] in einer anderen nationalen Variante hat und dass man Sprecher der jeweiligen nationalen Variante am Gebrauch derjenigen erkennen kann.

Hier muss man kurz einfügen, dass er für die drei nationalen Varianten des Deutschen dabei jeweils eine eigene Bezeichnung gibt. Eine Variante des österreichischen Standarddeutschs wird Austriazismus genannt, ein Teutonismus gehört zum deutschen Standarddeutsch und eine Variante des Schweizerhochdeutschs wird als Helvetismus bezeichnet[10].Spricht zum Beispiel jemand vom Landeshauptmann, so ist dieses Wort ein Austriazismus und der Sprecher wird somit als Österreicher eingeordnet. Die Entsprechungen dazu sind der Helvetismus Landammann, der den Sprecher als Schweizer identifiziert und der Teutonismus Ministerpräsident, der einen deutschen Sprecher verrät.

Allerdings gibt es auch Mischformen, welche „unspezifische Varianten“[11] genannt werden. Dazu gehören Wörter wie Quirl, das ein Helvetoteutonismus ist, da man es in Deutschland und in der Schweiz benutzt und es dem österreichischen Wort Sprudler entspricht, oder Wörter wie Matura, welches ein Austrohelvetismus ist, da es in Österreich und in der Schweiz gesprochen wird und Synonym für das deutsche Wort Abitur ist.

2.2 Nationale Varietäten

Eine nationale Varietät muss laut Ammon[12] eine Standardvarietät sein und mindestens eine von zwei Bedingungen erfüllen um als eine solche identifiziert zu werden. Die erste Bedingung besagt, dass eine Varietät mindestens eine spezifische Variante enthalten muss. Mit „spezifisch“ ist hierbei gemeint, dass die gegebene Variante für nur ein Sprachzentrum gilt. Hat man also zum Beispiel die Wörter Powidl und Ribisel, sind dies spezifische nationale Varianten der österreichischen Standardsprache, da sie allein in Österreich benutzt werden.

Die zweite Bedingung einer nationalen Varietät lautet, dass es zumindest eine spezifische Kombination von nationalen Varianten geben muss, wenn die erste Bedingung nicht erfüllt ist. Nimmt man also an, dass es kein Beispiel wie jenes mit den Wörtern Powidl und Ribisel in einer Standardvarietät gibt, so sucht man nach Wörtern wie Blumenkohl (gilt in Deutschland und in der Schweiz) oder Reisebus (gilt in Deutschland und in Österreich). Diese zwei Wörter gelten beide für die deutsche Standardvarietät, doch nur jeweils eins der beiden ist auch in einer anderen Standardvarietät zu finden. Anhand dieser Kombination, die nur für ein Sprachzentrum gilt, kann man erkennen, dass das deutsche Standarddeutsch eine nationale Varietät ist.

[...]


[1] Birte Kellermeier-Rehbein (in Vorbereitung): Nationale Varietäten. Ein Lehrbuch. S. 12.

[2] Vgl. Birte Kellermeier-Rehbein (in Vorbereitung): Nationale Varietäten. Ein Lehrbuch. S. 11.

[3] Birte Kellermeier-Rehbein (in Vorbereitung): Nationale Varietäten. Ein Lehrbuch. S. 2.

[4] Ulrich Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten. Berlin/New York 1995. S. 14

[5] Vgl. Birte Kellermeier-Rehbein (in Vorbereitung): Nationale Varietäten. Ein Lehrbuch. S. 14.

[6] Birte Kellermeier-Rehbein (in Vorbereitung): Nationale Varietäten. Ein Lehrbuch. S. 15.

[7] Vgl. Birte Kellermeier-Rehbein (in Vorbereitung): Nationale Varietäten. Ein Lehrbuch. S. 15.

[8] Birte Kellermeier-Rehbein (in Vorbereitung): Nationale Varietäten. Ein Lehrbuch. S. 12.

[9] Vgl. Ulrich Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten. Berlin/New York 1995. S. 70

[10] Vgl. Birte Kellermeier-Rehbein (in Vorbereitung): Nationale Varietäten. Ein Lehrbuch. S. 16.

[11] Birte Kellermeier-Rehbein (in Vorbereitung): Nationale Varietäten. Ein Lehrbuch. S. 16.

[12] Ammon, Ulrich: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Problem der nationalen Varietäten. Berlin/New York 1995. S. 71 f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Lexikographie: Erstellen von Wörterbuchartikeln
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Lexikographie
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V230110
ISBN (eBook)
9783656461272
ISBN (Buch)
9783656461821
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lexikon, Lexikographie, Wörterbuch, Nationale Varietäten, Makrostruktur, Mikrostruktur
Arbeit zitieren
Carolin Kotthaus (Autor), 2010, Lexikographie: Erstellen von Wörterbuchartikeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230110

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