Filmverständnis und Filmwahrnehmung bei Kindern


Hausarbeit, 2010
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Filmverständnis und Filmerleben von Kindern

2 Entwicklungspsychologische Grundlagen

3 Sozial-kognitive Voraussetzungen der Rezeption

4 Jean Piagets Theorie der formalen Intelligenzentwicklung

5 Die kognitive und emotionale Filmwahrnehmung von Kindern und ihre Anforderungen bzgl. Film und Filmrezeption

6 Filmsprache für Kinder und kindgerechte Gestaltungsmittel

7 Projektbeispiel „Filmgespräche mit Kindern“ 2005

8 Schlussbemerkung

9 Quellennachweise

1.Einleitung: Filmverständnis und Filmerleben von Kindern

Filme sind ein wichtiger Bestandteil des Alltags von Kindern. Bereits jüngste Kinder können sie sehr facettenreich wahrnehmen und eigene Vorstellungen über die Filmwirkung und angemessene Altersfreigaben formulieren.

Die Sorge der Eltern bezüglich der Filminhalte, Lautstärke und der Dunkelheit beim Anschauen, drängt die konstruktiven Funktionen von Filmen für Kinder oft in den Hintergrund: Filme ermöglichen den Kindern, unterschiedliche Sicht- und Handlungsweisen in Bezug auf Fragen und Probleme aus dem Alltag zu entwickeln und können zur Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Blickwinkel anregen.

Allerdings ist die Forschungslage der Bedeutung von Filmen im Alltag jüngerer Kinder nur unbefriedigend, meistens wird dort auf die Wirkung des Mediums für die älteren Kinder eingegangen.

Die Filmwahrnehmung und das Filmerleben sind häufig aus kognitions- und entwicklungspsychologischen Theorien abgeleitet, aber nur selten empirisch geprüft.

Im Folgenden möchte ich mich deswegen hauptsächlich mit dem Filmverständnis und der Filmwahrnehmung bei vier- bis elf- Jährigen auseinandersetzen, auf das Filmerleben der Kinder ab 11 Jahren soll eher knapp eingegangen werden.

Zu Beginn dieser Arbeit werde ich die entwicklungs- psychologischen Grundlagen erläutern, die bedeutsam für die Filmrezeption sind und ohne die eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Filmwahrnehmung nicht möglich wäre. Danach soll es um die sozial-kognitiven Voraussetzungen der Filmrezeption gehen, bevor ich Jean Piagets Theorie der formalen Intelligenzentwicklung erläutere.

Die kognitive und emotionale Filmwahrnehmung, welche ich anschließend behandle, stellt bestimmte Anforderungen an Film und Filmrezeption, die ich ebenfalls näher beleuchten will.

Im Anschluss werde ich mich dann mit der Filmsprache und den filmischen Gestaltungsmitteln beschäftigen, die speziell auf Kinder abgestimmt sein müssen, um ihrem Entwicklungsstand gerecht zu werden.

Zum Schluss möchte ich ein Projektbeispiel aufzeigen, das dem Filmverständnis und der Filmwahrnehmung von Kindern auf den Grund gegangen ist und zu dem jetzigen Wissensstand beigetragen hat.

Diese Hausarbeit soll also verdeutlichen, wie Kinder Filme verstehen als auch rezipieren und welche entwicklungs- psychologischen Grundlagen und Anforderungen bei der Erzeugung von kindgerechten Filmen beachtet werden müssen.

2. Entwicklungspsychologische Grundlagen

Kinder besitzen andere Wahrnehmungsfähigkeiten als Erwachsene, die bei der Auswahl der Filme, sowie der Unterstützung und Förderung bei der Verarbeitung des Filmerlebens berücksichtigt werden müssen.

Die Fähigkeit, Medien als Medien gebrauchen zu können, setzt voraus, dass der Medienreiz vom Empfänger als Kommunikationsangebot verstanden wird. Medien wollen dem Rezipienten etwas mitteilen, zeigen und veranlassen, sich selbst ein bestimmtes Bild von der Welt zu machen,

Man nutzt sie, indem man sich von jemandem etwas zeigen lässt. Die Medienrezeption ist also Teil einer sozialen Handlung und nicht bloß eine Reaktion auf eine physische Reizkonstellation. Der Erwerb der Voraussetzung, sich etwas zeigen lassen zu können geschieht beim Säugling in Interaktion mit der Bezugsperson. Die Fähigkeit zur „gemeinsamen Aufmerksamkeit“ zwischen Kind und Bezugsperson entwickelt sich in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres. Das Kind kann dem Blick des Erwachsenen folgen und einen Gegenstand ins Auge fassen, der Erwachsene kann dem Kind also etwas zeigen.

Es gibt zwei Wege, um als Kind Medienumgang zu erwerben und Medienangebote verstehen zu können. Zum einen kann dies durch die Unterstützung seiner Bezugsperson, also beispielsweise durch gemeinsames Fernsehen oder Anschauen von Bildern, zum anderen durch entdeckendes, selbstgesteuertes Lernen geschehen. So kann etwa der Umgang mit Computerspielen oder Hard- und Software durch diese Art des Lernens angeeignet werden.1

3. Sozial-kognitive Voraussetzungen der Rezeption

Kinder jeden Alters rezipieren vor allem Unterhaltungsmedien, wie Fernsehfilme oder Shows, später kommen auch Lernmedien hinzu. Unterhaltungsmedien präsentieren in erster Linie fiktionale oder realistische Darstellungen von menschlichen Erlebnissen. Um diese Darstellungen verstehen zu können, ist es notwendig, dass der Rezipient sich in die präsentierte fremdpsychische Realität einfühlt oder Absichten und Gefühle des Handelnden rekonstruieren kann. Das Medienverständnis ist also an sozial-kognitive Voraussetzungen gebunden, die sich im Laufe der Kindheit weiterentwickeln.

Zu solchen sozial-kognitiven Voraussetzungen zählen die Möglichkeit der Gefühlsansteckung, der Empathie und der Perspektivenübernahme.2

Unter Gefühlsansteckung soll die Fähigkeit verstanden werden, sich mit dem Gegenüber gleichzusetzen oder sogar zu verwechseln, also keine Unterscheidung zwischen dem eigenen und dem fremden Empfinden wahrzunehmen. Diese Fähigkeit ist auch noch beim älteren Kind und beim Erwachsenen vorhanden.

Ab ca. zwei Jahren können Kinder sich in die Situation anderer einfühlen und sie nötigenfalls trösten, ohne sich deren Kummer selbst zuzuschreiben.

Diese Voraussetzung bildet sich zeitgleich zu der Fähigkeit aus, „sich selbst“ im Spiegel erkennen zu können. Die empathische Reaktion auf das Fernsehgeschehen erfordert neben Mitgefühl auch die Fähigkeit zur Distanzierung und Bewertung. Mit Perspektivenübernahme ist gemeint, dass Kinder lernen, die unterschiedlichen Perspektiven von Medienfiguren zu koordinieren und zu bewerten. Im Alter von vier bis fünf Jahren nehmen Kinder eine egozentrische Perspektive ein, sie können noch nicht zwischen eigenen und fremden Wahrnehmungen und Bewertungen unterscheiden.

[...]


1 nach Charlton, 2004, S.129-150

2 nach Charlton, 2004, S.129-150

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Filmverständnis und Filmwahrnehmung bei Kindern
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Mittelseminar "Filmbildung"
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V230201
ISBN (eBook)
9783656462651
ISBN (Buch)
9783656466055
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
filmverständnis, filmwahrnehmung, kindern
Arbeit zitieren
Diplom-Pädagogin Christine Seiler (Autor), 2010, Filmverständnis und Filmwahrnehmung bei Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230201

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