Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Theorien einer „Buddhistische[n] Wirtschaftslehre“1, die unter diesem Namen erstmals von E.F. Schumacher in seinem Werk »Small is beautiful« als mögliche Alternative zur vorherrschenden liberal geprägten Ökonomie in Betracht gezogen wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Philosophische Grundlagen einer Buddhistischen Ökonomie
2.1 Ontologie
2.2 Anthropologie: zum Begriff des Ego
2.3 Ethik
2.4 Methode
3 Prämissen der modernen (liberalen) Ökonomie
4 Kritische Anwendung der buddhistischen Ethik auf die moderne Ökonomie
4.1 Buddhistische und moderne ökonomische Grundannahmen im kritischen Vergleich
4.2 Die Rolle des Geldes in der buddhistischen Ökonomie
4.3 Zins
4.4 Lösungsansätze der buddhistischen Ökonomie
5 Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen einer "buddhistischen Wirtschaftslehre" und stellt diese als kritische Alternative zur vorherrschenden liberal geprägten Ökonomie dar, wobei insbesondere die Rolle von Denkmustern und Handlungsweisen hinterfragt wird.
- Grundlagen buddhistischer Philosophie (Ontologie, Anthropologie, Ethik)
- Kritische Analyse der Postulate der modernen liberalen Ökonomie
- Untersuchung der Rolle des Geldes und des Zinssystems
- Konzeptualisierung einer Wirtschaftsethik auf Basis von Weisheit, Mäßigung und Mitgefühl
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Rolle des Geldes in der buddhistischen Ökonomie
Nach der buddhistischen Auffassung, dass nichts in der Welt als unabhängige Entität gelten kann, kann auch Geld kein intrinsischer Wert zugeschrieben werden. Das „Wesen des Geldes“ liegt vielmehr in seiner Funktion. Diese „beruht auf der täglichen Handlung des Tauschens, worin die Menschen ihre wirtschaftliche Abhängigkeit praktisch und rechnend als Marktprozess vollziehen“. Weil diese Abhängigkeit jedoch nicht konkret wahrgenommen wird, erscheinen „[a]lle Dinge […] im Horizont der Geldrechnung“. So wird alles wirtschaftlich verwertbar gemacht: Luft kann man sich durch Emissionsrechte „zu eigen machen“, Gedanken werden durch das Urheberrecht zu geschütztem Eigentum, auf Erbgut gibt es Genpatente und der Mensch selbst wird zu „Humankapital“. Das Geld wird zum „universelle[n] Wertmaß“ erhoben. Wo Geld eigentlich keine eigene Substanz besitzt, sondern lediglich als Medium fungiert, das die wirtschaftliche Abhängigkeit der Menschen untereinander repräsentiert, wird durch Rationalisierung eine fiktive Entität mit intrinsischem Wert vermittelt. Wie es zu der Zuschreibung dieses Wertes kommt, soll eine zirkuläre Erklärung zeigen. Demnach erhält Geld seinen Wert, weil im Kollektiv an ihn geglaubt bzw. auf ihn vertraut wird. So wird er zur sozialen Wirklichkeit, die wiederum den Glauben an ihn konstituiert.
Dass der Mensch in seinem Zustand der Unwissenheit von einem distinkten Ego als unabhängigem Wesenskern ausgeht, das nach buddhistischer Auffassung nicht existiert, führt zu dem Bedürfnis, es durch Äußeres greifbar zu machen. Dies ist nach buddhistischem Verständnis der wesentliche Faktor für die Rationalisierung im menschlichen Denken. Das „Ego identifiziert sich als Inhalt mit dem, womit es rechnet“. So werden Dingen Werte zugeschrieben, um das Ego mit diesen Dingen zu verknüpfen bzw. „anzufüllen“. Eben dieser Vorgang erscheint aus buddhistischer Perspektive als die Manifestation der Verblendung in der sozialen Wirklichkeit. Brodbeck sieht die „Geldillusion“ als „dominierende Täuschung“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konzept einer buddhistischen Wirtschaftslehre als Alternative zum bestehenden liberalen Wirtschaftssystem ein.
2 Philosophische Grundlagen einer Buddhistischen Ökonomie: Hier werden zentrale Konzepte wie die universelle Interdependenz, die Illusion des Ego und die buddhistische Ethik erläutert.
3 Prämissen der modernen (liberalen) Ökonomie: Dieses Kapitel kritisiert das Postulat der Rationalität des "homo oeconomicus" und den Glauben an die Berechenbarkeit von Märkten am Beispiel von Adam Smith.
4 Kritische Anwendung der buddhistischen Ethik auf die moderne Ökonomie: Dieser Hauptteil vergleicht buddhistische Grundannahmen mit modernen ökonomischen Theorien und beleuchtet kritisch die Rolle des Geldes, den Zins sowie Lösungsansätze.
5 Schlussbetrachtungen: Das Fazit stellt fest, dass während das existierende System massiv kritisiert wird, eine praktische Umsetzung einer buddhistischen Ökonomie als utopisch, aber erstrebenswert erscheint.
Schlüsselwörter
Buddhistische Ökonomie, Wirtschaftsethik, Interdependenz, homo oeconomicus, Geldillusion, Zins, Drei Gifte, Handlungsweise, Erkenntnis, Mitgefühl, Mäßigung, soziale Wirklichkeit, Denkmuster, Entmachtung, Wertmaß.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Untersuchung einer buddhistischen Wirtschaftsethik als theoretische Alternative zur liberalen ökonomischen Lehre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die buddhistische Philosophie (Ontologie/Anthropologie), die Kritik an modernen ökonomischen Grundannahmen sowie die Analyse der Rolle von Geld und Zins.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für eine ökonomische Praxis zu schaffen, die nicht auf dem egoistischen Nutzenstreben basiert, sondern auf Achtsamkeit und der Erkenntnis gegenseitiger Abhängigkeit.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-kritische Methode, um ökonomische Denkmuster zu hinterfragen und sie mit buddhistischen Prinzipien zu kontrastieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die philosophischen Grundlagen (wie das Konzept der Leere des Ego) auf moderne Konzepte wie den Marktmechanismus, Geldwert und das Zinssystem angewendet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind insbesondere Interdependenz, Geldillusion, die "Drei Gifte" (Gier, Hass, Verblendung) und der "rechte Lebensunterhalt".
Warum wird das Zinssystem aus buddhistischer Sicht kritisiert?
Das Zinssystem wird als Pervertierung betrachtet, da es die Gier und den Wachstumszwang institutionalisiert und zur Entkoppelung von Finanz- und Realwirtschaft beiträgt.
Wie definiert die Arbeit das "Ego" im ökonomischen Kontext?
Das Ego wird als illusionär betrachtet; der moderne Mensch versucht, dieses nicht existierende "Ego" durch den Erwerb von Geld und materiellen Gütern künstlich zu füllen, was zur Geldgier führt.
- Arbeit zitieren
- Kim Lang (Autor:in), 2013, Geld als "Manifestation der Verblendung", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230209