Beurteilung des Chartreading


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

26 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Die Methoden der Wertpapieranalyse
I. Die Fundamentalanalyse
II. Die Technische Analyse

B. Die Chartanalyse
I. Die Darstellung von Charts
a) Linien- und Balkencharts
b) Candlestick-Charts (Kerzencharts)
c) Die Chartskalierung
d) Die Umsatzskala
II. Unterstützungen und Widerstände
III. Die Trendanalyse
IV. Die Formationsananlyse
a) Trendbestätigungsformationen
b) Trendumkehrformationen
V. Gleitende Durchschnitte

C. Weitere Instrumente der Technischen Analyse (Indikatoren)

D. Kritik an der Chartanalyse
I. Die fehlende wissenschaftliche Begründbarkeit und das Self-Fulfilling- Prophecy-Phänomen
II. Die Random-Walk-Hypothese
III. Geschichte als Indikator für die Zukunft
IV. Die subjektive Deutbarkeit von Signalen und die Ex-Post-Problematik
V. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

A. Die Methoden der Wertpapieranalyse

Chartreading (bzw. -analyse) findet Anwendung bei der Prognose von zukünftigen Güterpreisen. Die Ursprünge gehen bis ins 18 Jahrhundert zurück, als japanische Kaufleute versuchten, die Preise am Reismarkt vorherzusagen1. Die häufigste Anwendung findet die- se Methode der Preisprognose heute jedoch an Wertpapierbörsen, da die wichtigste Vor- aussetzung für die Anwendbarkeit der Chartanalyse das Vorhandensein von Märkten mit freier Preisbildung durch Angebot und Nachfrage ist2. Ziel der an Börsen agierenden Ak- teure ist die Erzielung einer maximalen Rendite bei Berücksichtigung der individuellen Ri- sikobereitschaft. Die Wertpapieranalyse soll die Fragen nach dem geeigneten Anlageobjekt und dem idealen Kauf- und Verkaufszeitpunkt beantworten. Sie lässt sich in die beiden Hauptmethoden Fundamental- und Technische Analyse unterteilen und wird am häufigsten bei der Prognose von Aktienkursen angewandt.3

I. Die Fundamentalanalyse

Fundamentalanalysten untersuchen unternehmensinterne (Kapital- und Vermögens- struktur, Ertragskraft etc.) und -externe (Konjunktur- und Zinsentwicklung, Branchener- wartungen) Daten, um einen fairen Preis für ein Wertpapier zu ermitteln. Im anschließen- den Vergleich mit dem aktuellen Kurs wird dieses als über-, unter- oder fair bewertet ein- gestuft und Kauf- oder Verkaufsempfehlungen abgeleitet.4 Kritikpunkte an der Fundamen- talanalyse sind die Vernachlässigung psychologischer Aspekte, das Problem der Überprüf- barkeit externer Unternehmensinformationen und die ungeklärte Frage, wann die kursrele- vanten Analyseergebnisse in die Kurse eingehen5. Außerdem sind unternehmensinterne Daten historischer Art und Spielräumen bei Bilanzierung und Bewertung unterworfen6.

II. Die Technische Analyse

Die Technische Analyse beschäftigt sich mit dem Studium von Marktbewegungen. Die wesentlichen Informationsquellen dafür sind die Wertpapierkurse, die zugehörigen Umsätze sowie deren Bewegung, wodurch die Datenvielfalt der Fundamentalanalyse be- seitigt wird.7 Die Begriffe Chart- und Technische Analyse wurden ursprünglich synonym verwandt, mit stärkerer Spezialisierung der Analysefelder findet mittlerweile jedoch eine Zweiteilung in die klassische Chartanalyse und die statistische Methoden verwendende Technische Analyse statt. Bei dieser wird mit wissenschaftlichen Methoden versucht, die Ergebnisse der Chartanalyse zu quantifizieren, um die subjektive Interpretation von Kurs- verläufen zu verringern.8 Kauf- und Verkaufsignale werden mittels Kennzahlen generiert9.

Ausgangspunkt der Chartanalyse sind nicht die Handelsobjekte, sondern die Aktionen der Marktteilnehmer, die beeinflusst sind durch Hoffnungen, Stimmungen oder Befürchtungen, die sich der Fundamentalanalyse entziehen. Die naturwissenschaftliche Genauigkeit fehlt hierbei, Ziel ist die Wahrscheinlichkeit menschlichen Verhaltens in bestimmten Situationen zu beurteilen.10

Die Theorie der Chartanalyse basiert im Wesentlichen auf drei Grundannahmen:

- Die Diskontierungsfunktion des Marktes meint, dass der Kurs bereits alle Einfluss- faktoren und relevanten Informationen enthält und diese damit für die weitere Ent- wicklung bzw. Kursprognose unerheblich sind11. Das trifft sowohl auf allgemeine Marktbedingungen, wie auf spezifisch eine Aktie betreffende Umstände zu12.
- Kurse bewegen sich in Trends. Ein solcher liegt vor, wenn sich ein Kurs eine be- stimmte Zeit in eine Richtung bewegt. Zur Beendigung und Umkehrung des Trends bedarf es einer nachhaltigen Änderung der Angebots- und Nachfragekonstellation.13
- Da die Preisbildung an Märkten nicht nur auf rationales Handeln, sondern auch auf emotionales Verhalten der Akteure zurückzuführen ist14 und die menschliche Psyche nicht dazu neigt, sich zu verändern, ist davon auszugehen, dass sich die Marktteilnehmer in ähnlichen Situationen ähnlich verhalten werden15. Deswegen bilden sich immer wieder gleiche oder ähnliche Preismuster aus, die in typischen Erscheinungsbildern der Kursverläufe (Formationen) zu erkennen sind16.

Investoren nutzen meist die gleichen Informationsquellen und interpretieren diese gleichartig, wodurch sie sich gegenseitig, bis hin zu gleichgeschalteten Verhaltensweisen, bestärken und beeinflussen. Daraus entstehende Kursbewegungen setzen sich leicht kumu- lativ-trendmäßig fort. Aufgabe des technischen Analysten ist es festzustellen, in welchem Trend sich ein Markt oder ein Wertpapier befinden und ob der Trend fortgesetzt oder un- terbrochen wird. Dafür werden aus Kursverläufen Kauf- und Verkaufsignale abgeleitet.17

Als Vater der Technischen Analyse gilt Charles H. Dow, auf den der Dow Jones In- dustrial Average Aktienindex zurückgeht. Die wichtigsten Aussagen Dow´s waren, dass sich der Index in Trends bewegt, die sich nach ihrer Dauer in Primär- (langfristig), Sekun- där- (mittelfristig) und Tertiärtrends (kurzfristig) unterteilen lassen (Anhang 1).18

B. Die Chartanalyse

Die Frage, ob ein Wertpapierkurs seinem fairen Wert entspricht, wird bei der Chart- analyse ignoriert19, der technische Analyst hinterfragt weder die Kursbildung noch die fun- damentale Rechtfertigung des Kurses. Es interessiert lediglich die Kursentwicklung. Der Preisbildungsprozess wird somit unabhängig von den Ursachen betrachtet.20 Die zu unter- suchenden Kurs- und Umsatzveränderungen werden in Charts dargestellt, diese sind die primäre Informationsquelle für alle Untersuchungen der Technischen Analyse. Sie stellen die Preisvorstellungen der Marktteilnehmer dar und geben somit die herrschende Markt- meinung wieder. Aus den Verhaltensmustern der Investoren versuchen Charttechniker Hinweise dafür zu finden, in welche Richtung sich der Markt künftig am wahrscheinlichsten bewegen wird.21 Die Technische Analyse stellt somit die Verbindung von Massenpsychologie und moderner Statistik dar22.

I. Die Darstellung von Charts

Als Chart wird die grafische Darstellung des Kursverlaufs in einem Koordinatensystem bezeichnet, wobei auf der Abszisse die Zeit und auf der Ordinate der Kurswert abgetragen werden23. Unterscheiden lassen sich Charts nach der zeitlichen Dimension und der Darstellungstechnik in lang-, mittel- und kurzfristige sowie im wesentlichen Linien-, Balken- und Candlestick-Charts24.

a) Linien- und Balkencharts

Der Linienchart ist die einfachste und übersichtlichste Darstellung. Er entsteht durch Verbinden aufeinander folgender Kurse (z.B. Tagesschlusskurse) mittels einer Linie.25 Beim Balkenchart werden Höchst- und Tiefstkurse einer frei gewählten Periode mit- einander verbunden, wodurch der namengebende Balken entsteht. Zusätzlich wird am Bal- ken links der Eröffnungs- und rechts der Schlusskurs als Querstrich abgetragen.26 Balken- charts sind die in der Aktienanalyse bevorzugte Darstellungsart, da sie einfach zu kon- struieren sind, eine hohe Genauigkeit sowie Aussagekraft besitzen und anhand der Balkenlänge die Volatilität des Marktes einschätzbar wird27.

b) Candlestick-Charts (Kerzencharts)

Kerzencharts ähneln den Balkencharts. Die Länge des sog. Kerzenkörpers bildet sich aus der Differenz von Eröffnungs- und Schlusskurs: Ist diese positiv, d. h. der Eröffnungskurs liegt über dem Schlusskurs (Abwärtsbewegung), so wird die Kerze schwarz (rot) dargestellt. Im umgekehrten Falle (Aufwärtsbewegung, da Schluss- höher als Eröffnungskurs) wird die Kerze weiß (grün) eingezeichnet. Außerdem werden der Höchstkurs durch eine obere senkrechte Linie (Docht) und der Tiefstkurs der Periode durch eine untere senkrechte Linie (Lunte) an den Kerzenkörper angetragen.28

c) Die Chartskalierung

Die Skalierung des Charts hat wesentlichen Einfluss auf die Wiedergabe des Kursverlaufs. Man unterscheidet zwischen arithmetischer und logarithmischer Darstellung. Bei der arithmetischen Skalierung werden die absoluten Abstände zwischen den Kurseinheiten immer gleich groß dargestellt, während die Abstände bei der logarithmischen Darstellung immer die gleiche prozentuale Veränderung wiedergeben, was die Charts verschiedener Wertpapiere mit unterschiedlichen (absoluten) Kursen vergleichbar macht und sich außerdem besser zur Darstellung von starken Kursveränderungen eignet.29

d) Die Umsatzskala

Unter Umsatz ist das in Stück ausgedrückte Volumen der in einer Periode gehandelten Aktien zu verstehen, deren Aufzeichnung in arithmetischer Skalierung unter dem ei- gentlichen Chartbild erfolgt30. Je größer das Umsatzvolumen ist, desto größer sind Aussagekraft und Bedeutung von Trends oder Formationen. Es dient der Bestätigung anderer Analyseergebnisse und ist nicht isoliert zu betrachten.31 Der Umsatz kann vor Fehlsignalen warnen, welche bei wenig gehandelten Aktien schon bei kleinen Angebots- oder Nachfrageverschiebungen auftreten können32.

II. Unterstützungen und Widerstände

Unterstützungen und Widerstände repräsentieren Preisniveaus, bei denen sich Kauf- und Verkaufsinteressen angleichen und der Kurs anschließend in entgegen gesetzter Rich- tung weiter läuft. In einer Aufwärtsbewegung nimmt also an einem bestimmten Punkt die Kaufbereitschaft ab und die Verkaufsbereitschaft zu (Widerstand), so dass der Aufwärts- trend nicht fortgesetzt werden kann und eine Gegenbewegung einsetzt, sobald ein Ange- botsüberhang entsteht. Umgekehrt erreicht im Abwärtstrend der Kurs ein Niveau, an dem die Verkaufs- von der Kaufbereitschaft überstiegen wird (Unterstützung) und der Kurs durch den Nachfrageüberhang wieder zu steigen beginnt.33 (Anhang 2a) Das Bemerkens- werte an Widerständen bzw. Unterstützungen ist ihre Wandelbarkeit: Wird eine Unterstüt- zung signifikant unterschritten (Verkaufsignal), so bildet sie fortan einen Kurswiderstand, bei Überwinden eines Widerstandes (Kaufsignal) wandelt sich dieser zu einer Unterstüt- zung34 (Anhang 2b). Je jünger Widerstände bzw. Unterstützungen sind und je öfter sie in der Vergangenheit erfolgreich getestet wurden, desto größer ist ihre Bedeutung35.

Widerstände und Unterstützungen werden hauptsächlich mit psychologischen Ein- flussfaktoren begründet36. Erreicht der Kurs eine Unterstützungslinie, so kaufen anti- zyklisch agierende Anleger und bereits engagierte Investoren halten das Wertpapier wei- terhin, da beide auf die Wirkung der Unterstützung vertrauen. Dieses Vertrauen führt durch Nachfrageerhöhung und Angebotsverknappung dazu, dass die Unterstützung tatsächlich hält.37 Umgekehrt wird ein Anleger, der zu Höchstkursen investierte, bei Erreichen seines Einstandskurses verkaufen, bzw. ein Anleger, der zu niedrigeren Kursen eingestiegen ist, bei diesen Höchstkursen Gewinne realisieren, wodurch an dieser Stelle ein Widerstand ent- steht38. Oft werden daher an diesen Barrieren Kauf- bzw. Verkaufslimite platziert39. Meist verlaufen Unterstützungen und Widerstände horizontal (z.B. lineare Verbin-dung von mehreren lokalen Höchst- oder Tiefstkursen oder runde Kurse, wie z.B. 100 Eu-ro), aber Trendlinien, Trendkanallinien, Formationsbegrenzungslinien oder gleitende Durchschnitte können die gleiche Wirkung besitzen. Kommt es zur Ansammlung von meh- reren verschiedenartigen Widerständen oder Unterstützungen an einem Punkt, so spricht man von einem Kreuzwiderstand bzw. -unterstützung, einem sicheren Zeichen, dass die Trendbewegung zum Stoppen kommen wird.40

III. Die Trendanalyse

Die Trendtheorie basiert auf der Annahme, dass eine einmal eingeschlagene Bewe- gungsrichtung eines Kurses ein gewisses Beharrungsvermögen besitzt und die Fortsetzung der Bewegung wahrscheinlicher ist, als ein abrupter Richtungswechsel41. Ein Aufwärts- trend besteht aus einer Folge steigender Hoch- und Tiefpunkte, welcher durch die lineare Verbindung der Tiefpunkte (Trendlinie) visualisiert wird. Als Verkaufsignal gilt, wenn der Kurs diese Linie nach unten durchbricht (Anhang 3a). Ein Abwärtstrend besteht aus einer Folge fallender Hoch- und Tiefpunkte, der durch die Verbindung der Hochpunkte darge- stellt wird. Ein Kaufsignal entsteht, sobald der Kurs diese Linie nach oben durchbricht (Anhang 3b).42 Ist die Kursentwicklung von zwei parallel verlaufenden Trendgeraden genau eingrenzbar, so entsteht ein Trendkanal43, den aggressive Investoren zum antizyklischen, kurzfristigen Handeln nutzen, indem am unteren Ende des Kanals gekauft und am oberen Ende verkauft wird44 (Anhang 3c und d).

Die (massenpsychologische) Erklärung für das Entstehen von Trends ist am besten an den Phasen eines Aufwärtstrends darstellbar: Zuerst wagen antizyklisch agierende An- leger Investments entgegen der überwiegenden, pessimistischen und zurückhaltenden, Marktmeinung. Allmählich kommen weitere Investoren hinzu und der Trend verstärkt sich. Nach bekannt werden positiver fundamentaler Daten, engagiert sich die Masse der institu- tionellen Investoren und der Trend wird medienwirksam. Zuletzt investieren Privatanleger, was gleichbedeutend mit dem Wendepunkt des Trends ist, da jetzt bereits die ersten Ant- zykliker sowie nach und nach auch institutionelle Investoren den Markt verlassen und ein Abwärtstrend beginnt. Diesen Zyklus zu kennen ist wichtig, um zu wissen, in welcher Pha- se sich ein Markt aktuell befindet, um möglichst früh am Trend teilhaben zu können.45 Ein Trend (bzw. sein Bruch) ist umso bedeutender, je mehr relative Extrema zur Bil- dung der Trendlinie beitragen. Das Einzeichnen der Trendlinie macht Trends sehr schnell und einfach erkennbar, jedoch werden konkrete Handelssignale sehr spät generiert, da sich der Kurs meist schon recht weit von seinem relativen Hoch oder Tief entfernt hat, bevor der Trendbruch geschieht.46 Investitionen gegen den Trend stellen für Chartisten ein großes Risiko dar, die besten Chancen bieten Investitionen kurz nach einem Trendwechsel. Je län- ger ein Trend bereits anhält, desto wahrscheinlicher wird ein Trendwechsel.47

IV. Die Formationsananlyse

Formationen sind typische Erscheinungsbilder von Kurs-Umsatz-Verläufen, die häu- fig auftreten und nach denen sich die Kurse meist in ganz bestimmter Richtung weiterbe- wegen. Man unterscheidet nach der Richtung der Weiterbewegung in Trendbestätigungs- und -umkehrformationen.48 Die Formationsanalyse stützt sich auf die Prämisse der Techni- schen Analyse, dass sich Geschichte sich wiederholt, d. h. es treten immer gleiche, im Chart erkennbare, Verhaltensmuster der Anleger auf. Die Interpretation dieser Formatio- nen ist sehr subjektiv und umstritten.49 Aufgrund der Ähnlichkeit vieler Formationen sind Aussagen über die weitere Kursbewegung erst nach dem endgültigen Ausbruch aus der Formation machbar50. Die Bezeichnungen leiten sich aus dem jeweiligen Kursverlauf ab.

a) Trendbestätigungsformationen

Diese werden auch Konsolidierungsformationen genannt, da der Kurs zeitweilig seine Bewegungsrichtung (übergeordneter Trend) nicht fortsetzt, sondern konsolidiert oder sogar eine entgegen gerichtete Bewegung einschlägt, um anschließend die ursprüngliche Richtung wieder aufzunehmen51. Bekannte trend-bestätigende Formationen sind z.B. das Dreieck, Flagge und Wimpel, der Keil sowie das Rechteck52 (Anhang 4a).

b) Trendumkehrformationen

Eine Trendumkehrformation gibt den Bruch des bestehenden Trends zu erkennen und leitet einen neuen, entgegen gerichteten, Trend ein. Je nachdem, ob ein Aufwärts- oder Abwärtstrend gebrochen wurde, unterscheidet man in obere und untere Trendumkehrfor- mationen.53 Die Identifikation einer Trendumkehr ist schwierig, da eine Kursbewegung zunächst wie ein Trendwechsel aussehen, sich im Nachhinein jedoch als normale Konsoli- dierung herausstellen kann54. Zu diesen Formationstypen gehören u. a. die Kopf-Schulter- (Anhang 4c), die V-, die M- und W- sowie die Untertassenformation55 (Anhang 4b).

V. Gleitende Durchschnitte

Gleitende Durchschnitte entstehen durch Mittelwertbildung von Kurszeitreihen, wo- bei die Länge dieser Zeitreihen in Abhängigkeit vom Zeithorizont des zu untersuchenden Trends variabel gewählt werden kann. Am gebräuchlichsten sind der 200-Tage- und der 90-Tage-Durchschnitt. Die durch Verbindung der Durchschnittswerte jeder Periode entste- hende Linie wird zusätzlich zur Kurskurve in den Chart eingetragen.56 Die Durchschnitts- bildung glättet kurzfristige Kursschwankungen und lässt zugrunde liegende Trends besser erkennen (Anhang 5). Ein Kaufsignal liegt vor, wenn die Kurs- die Durchschnittskurve von unten nach oben durchbricht. Weitere Kurssteigerungen sind zu erwarten, solange die Kurskurve über ihrem Durchschnitt verläuft. Wird der Durchschnitt jedoch von der Kurs- kurve von oben nach unten durchbrochen, so ist das als Verkaufsignal zu interpretieren. Solange die Kurskurve unterhalb der Durchschnittskurve verläuft ist weiterhin mit Kursab- schlägen zu rechnen. Zu beachten ist, dass ein kurzfristiger Durchschnitt sehr sensibel auf Kursveränderungen reagiert und daher mehr Handelssignale erzeugt, was die Gefahr von Fehlsignalen erhöht. Durch Vergleiche von Durchschnittskurven miteinander, etwa eines lang- (später reagierenden) und eines kurzfristigen (schneller reagierenden) Durchschnitts, bieten sich weitere Analysemöglichkeiten. Als Kaufsignal wird gedeutet, schneidet der kurzfristige den langfristigen Durchschnitt von unten nach oben, als Verkaufsignal, wenn der kurzfristige den langfristigen von oben nach unten durchbricht.57 Da der Durchschnitt gleitend ist, d. h. ständig durch Bereinigung alter und Hinzufügen neuer Werte aktualisiert wird, ist er nicht trend-antizipierend, sondern lediglich trend-folgend, was bedeutet, dass auch hier evtl. ein Großteil des Trends bereits vollzogen ist, wenn ein Handelssignal er- zeugt wurde. Daher versucht man bei gewichteten gleitenden Durchschnitten die Kurswer- te entsprechend ihrer Bedeutung zu gewichten (neue Werte höher, ältere Werte geringer).58

C. Weitere Instrumente der Technischen Analyse (Indikatoren)

Neben der klassischen Chartanalyse bildeten sich in den letzten beiden Jahrzehnten, begünstigt durch die zunehmende Computerisierung, weitere Analysemöglichkeiten her- aus, die zur Familie der Technischen Analyse zu zählen sind. Diese arbeiten mit, aus den Kurs- und Umsatzentwicklungen abgeleiteten, Kennzahlen, welche mit zum Teil komple- xen statistischen Methoden ermittelt werden und aus denen Kauf- oder Verkaufsignale ab- geleitet werden, die sog. Indikatoren. Man unterscheidet Trendfolgeindikatoren, welche Trends möglichst frühzeitig identifizieren sollen, sowie Overbought-/ Oversold- Indikatoren (Oszillatoren), welche die Marktverfassung messen und in Überkauft oder Überverkauft klassifizieren.59 Zu den bekanntesten Indikatoren zählen: - die Advanced-Decline-Linie stellt die Marktbreite anhand des Saldos der Kursveränderungen aller gehandelten Einzelaktien eines Marktes dar60

[...]


1 Vgl. Sambul, Nathan J.: Der Charttechnik-Leitfaden, Rosenheim 1997, S. 40

2 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Technische Wertpapieranalyse. Grundlagen, Technische Wertpapieranalyse, Stop-Loss-Orders. Teil 1, Diskussionspapier 2001 / 05, FH Mittweida, S. 5 ff.

3 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 7

4 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 11

5 Vgl. Murphy, John J.: Technische Analyse der Finanzmärkte, München 2000, S. 25

6 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 11

7 Vgl. Murphy, John J.: a.a.O., S. 21

8 Vgl. Murphy, John J.: a.a.O., S. 29 f.

9 Vgl. Eller, Roland / Dreesbach, Stefan: Technische und quantitative Wertpapieranalyse, 2.Auflage, Stutt- gart 2001, S. 116

10 Vgl. Hielscher, Udo: Investmentanalyse, 3. Auflage, München 1999, S. 173 f.

11 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 11

12 Vgl. Magee, John: Mit Charts zum Erfolg. Angewandte Chartanalyse für Einsteiger und Fortgeschrittene, München 2000, S. 23

13 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 12

14 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 12

15 Vgl. Murphy, John J.: a.a.O., S. 24

16 Vgl. Schiller, Wolfgang: Technische Aktienanalyse. Chart-Reading, München 1971, S. 62

17 Vgl. Hielscher, Udo: a.a.O., S. 173 f.

18 Vgl. Eller, Roland / Dreesbach, Stefan: a.a.O., S. 55 ff.

19 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 11

20 Vgl. Perridon, Louis / Steiner, Manfred: Finanzwirtschaft der Unternehmung, 10. Auflage, München 1999, S. 230

21 Vgl. Sambul, Nathan J.: a.a.O., S. 37 f.

22 Vgl. Eller, Roland / Dreesbach, Stefan: a.a.O., S. 30

23 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 12

24 Vgl. Steiner, Manfred / Bruns, Christoph: Wertpapiermanagement, 7. Auflage, Stuttgart 2000, S. 248

25 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 12 f.

26 Vgl. Steiner, Manfred / Bruns, Christoph: a.a.O., S. 249 f.

27 Vgl. Eller, Roland / Dreesbach, Stefan: a.a.O., S. 33

28 Vgl. Steiner, Manfred / Bruns, Christoph: a.a.O., S. 252

29 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 1, a.a.O., S. 15 f.

30 Vgl. Magee, John: a.a.O., S. 51

31 Vgl. Eller, Roland / Dreesbach, Stefan: a.a.O., S. 75 f.

32 Vgl. Murphy, John J.: a.a.O., S. 170

33 Vgl. Schwarzhaupt, Andreas: Grundkurs Technische Analyse. Chartformationen, pdf-Ausgabe, o.O., S. 8 f.

34 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Technische Wertpapieranalyse. Grundlagen, Technische Wertpapieranalyse, Stop-Loss-Orders. Teil 2, Diskussionspapier 2001 / 06, FH Mittweida, S. 19

35 Vgl. Schiller, Wolfgang: a.a.O., S. 91

36 Vgl. Perridon, Louis / Steiner, Manfred: a.a.O., S. 246 f.

37 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 2, a.a.O., S. 20

38 Vgl. Schiller, Wolfgang: a.a.O., S. 91

39 Vgl. Hielscher, Udo: a.a.O., S. 186

40 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 2, a.a.O., S. 20

41 Vgl. Schiller, Wolfgang: a.a.O., S. 59

42 Vgl. Sambul, Nathan J.: a.a.O., S. 60 ff.

43 Vgl. Hielscher, Udo: a.a.O., S. 186

44 Vgl. Eller, Roland / Dreesbach, Stefan: a.a.O., S. 64

45 Vgl. Eller, Roland / Dreesbach, Stefan: a.a.O., S. 23

46 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 2, a.a.O., S. 4 f.

47 Vgl. Schiller, Wolfgang: a.a.O., S. 50

48 Vgl. Schiller, Wolfgang: a.a.O., S. 62

49 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 2, a.a.O., S. 8 f.

50 Vgl. Schiller, Wolfgang: a.a.O., S. 63

51 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 2, a.a.O., S. 9

52 Vgl. Schiller, Wolfgang: a.a.O., S. 63 ff.

53 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 2, a.a.O., S. 12 ff.

54 Vgl. Sambul, Nathan J.: a.a.O., S. 120

55 Vgl. Steiner, Manfred / Bruns, Christoph: a.a.O., S. 267 f.

56 Vgl. Urbatsch, René-Claude / Nagler, Frank: Teil 2, a.a.O., S. 21 ff.

57 Vgl. Hielscher, Udo: a.a.O., S. 187 ff.

58 Vgl. Eller, Roland / Dreesbach, Stefan: a.a.O., S. 95 ff.

59 Vgl. Eller, Roland / Dreesbach, Stefan: a.a.O., S. 116 f.

60 Vgl. Hielscher, Udo: a.a.O., S. 180

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Beurteilung des Chartreading
Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig  (Wirtschaftswissenschaften)
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V23025
ISBN (eBook)
9783638262316
ISBN (Buch)
9783638701556
Dateigröße
1414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beurteilung, Chartreading
Arbeit zitieren
Hendrik Franz (Autor), 2004, Beurteilung des Chartreading, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23025

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