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Demokratie, Transformation und postkoloniale Entwicklung im südlichen Afrika. Anwendung des Konzepts der strategischen Gruppen auf den Einzelfall Namibia

Title: Demokratie, Transformation und postkoloniale Entwicklung im südlichen Afrika. Anwendung des Konzepts der strategischen Gruppen auf den Einzelfall Namibia

Thesis (M.A.) , 2003 , 143 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Denis Gruber (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Aufgrund der zahlreichen sozialwissenschaftlichen Analysen zu den historischen ‚Umbruchprozessen’ in Mittel- und Osteuropa sowie dem subsaharischen Afrika seit Ende der 1980er Jahre, kam es zu einer Fülle von Begriffen, die häufig synonym zur Beschreibung ein und derselben historischen Ereignisse und Prozesse verwendet wurden. Häufig findet man in derartigen Analysen Begrifflichkeiten wie Transformation, Transition, Revolution, Zusammenbruch, Modernisierung, Liberalisierung, Demokratisierung, Regimewandel oder Systemwechsel vor. Diese Bezüge entstammen sowohl der Transformationsforschung als auch der Entwicklungssoziologie. Neuere Ansätze beider Forschungsrichtungen richten ihren Fokus auf die Benennung und Analyse der betroffenen Akteure in Transformations- und Entwicklungsprozessen.

Diese vorrangig akteurtheoretischen Herangehensweisen bewirken sowohl eine Konzentration auf die Analyse des Handelns von Akteuren, ihren Intentionen und Perzeptionen als auch auf die Beschreibung ihrer Planungs- und Handlungskorridore. Hierbei werden auch Bezüge zur Geschichte und zu kulturellen, religiösen und ökonomischen Gegebenheiten der jeweiligen Gesellschaft hergestellt. Entwicklungssoziologische analytische Konzepte nehmen sowohl Bezug auf westliche als auch auf postkoloniale Gesellschaften und sind stärker eingebunden in akteur- und globalisierungstheoretische Rahmensetzungen, wohingegen bei transformationstheoretischen Zugängen eher der Prozess einer engen Verflechtung von politischen, ökonomischen und sozialen Veränderungen im Mittelpunkt steht.

Der Entwicklungssoziologie muss hierbei eine Vorreiterrolle beigemessen werden, denn sie hat „eine Art Pfadfinderfunktion für die Erklärung allgemeiner gesellschaftlicher Theoriebildung“ inne und lenkte schon „sehr früh den Blick auf die Notwendigkeit (…) gesellschaftliche Transformationsprozesse unter Berücksichtigung verherrschaftlichter intergesellschaftlicher und wechselseitiger Penetrationsvorgänge zu beschreiben und zu erklären“ (Goetze 2002:13).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzeptuelle Rahmung des Forschungsgegenstands

2.1 Demokratietheoretische Überlegungen in Bezug auf die Transformationsforschung

2.1.1 Frühere Ansätze: Modernisierungs- und Dependenztheorien

2.1.2 Gegenwärtigen Ansätze in der Entwicklungssoziologie und der Transformationsforschung

2.2 Zur Bedeutung von ‚Demokratie’ im afrikanischen Kontext

2.2.1 Demokratisierungswelle Afrikas: Ein Resultat des endenden Ost-West Antagonismus

2.2.2 Ein neuerlicher ‚Afro-Pessimismus’: Demokratisierung der Machtlosigkeit

2.3 Verschiedene Ansätze der Transformationsforschung

2.3.1 Nie endender Antagonismus? Die zwei Soziologien: Systemtheorie vs. Akteurtheorie

2.3.2 Systemtheoretische Überlegen

2.3.3 Akteurtheoretische Überlegungen

2.3.4 Zur Kritik an systemtheoretischen und akteurtheoretischen Ansätzen

2.4 Weiterführende Überlegungen zu Akteurkonstellationen

2.4.1 Zu den Überlegen von Norbert Elias’ Spielmodellen

2.4.2 Akteur-Struktur-Dynamiken von Uwe Schimank

3. Eine akteurtheoretische Herangehensweise: Das Konzept der strategischen Gruppen

3.1 Von der Gruppe zur ‚strategischen Gruppe’

3.2 Die Gruppe – eine Figuration

3.2 Der Bielefelder Ansatz: Ein Elitenkonzept

3.3 Zur Charakteristik strategischer Gruppen

3.4 Zu den Grundlagen des Bielefelder Ansatzes: Strategie und strategisches Handeln

3.5 Zur Kritik am Konzept der ‚strategischen Gruppen’

3.6 Kategorie der ‚Konfliktfähigkeit’ als Grundlage des SKOG-Konzepts

3.7 Verschiedene strategische Gruppen und ihre Appropriationsmöglichkeiten

3.7.1 Persönliche Aneignungsweise

3.7.2 Kollektive Aneignungsweise

3.7.3 Korporative Aneignungsweise

4. Der Staat Namibia

4.1 Zur Entstehung des Namibia-Konflikts

4.2 Gegenüberstellung verschiedener Konfliktlösungsvorschläge

4.2.1 Südafrikas ‚interne Lösung I: Turnhalle’ vs. ‚westliche Kontaktgruppe’

4.2.2 UN-Resolution 435 und das Scheitern der ‚westlichen Kontaktgruppe’

4.2.3 Südafrikas ‚Totale Nationale Strategie’

4.2.4 Zum US-amerikanischen ‚constructive engagement’ und ‚cuban linkage’

4.2.5 Der Durchbruch zu Verhandlungen

4.3 Die Transition vom autoritären zum demokratischen System

4.3.1 Modell eines idealtypischen Transitionsverlaufs

4.3.2 Namibia – kein idealtypischer Transitionsverlauf

4.4 Zur gegenwärtigen Entwicklung der Demokratie in Namibia

5. Namibia als Untersuchungsgegenstand des strategischen Gruppen-Konzepts

5.1 Die SWAPO: Ausgangspunkt des Entstehens einer politischen Elite

5.2 Faktoren für die herausragende Position der ‚strategischen Elite’

5.3 Weitere strategische Gruppen in Namibia

5.3.1 Staatsbeamte

5.3.2 Das Militär

5.3.3 Wirtschaftliche Unternehmer

5.3.4 Die Rolle der Professionals

5.3.5 Traditionelle Führungsstrukturen

5.3.5 Religiöse Spezialisten in Namibia

5.4 Handlungsmuster strategischer Gruppen

5.4.1 ‚Politisierte Ethnizität’ im Kolonialstaat und im heutigen Namibia

5.4.2 Neopatrimonialismus

5.4.3 Klientelismus und Patronagebeziehungen

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, die postkoloniale Entwicklung Namibias unter Anwendung des theoretischen Konzepts der "strategischen Gruppen" zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie politische Eliten und andere Akteursgruppen nach der Unabhängigkeit ihre Machtpositionen sicherten und welche Mechanismen der Interessenwahrung (wie Klientelismus und Patronage) das politische System prägen.

  • Analyse der Transformation Namibias vom kolonialen zum postkolonialen Staat.
  • Anwendung und kritische Prüfung des "Bielefelder Ansatzes" der strategischen Gruppen auf den Einzelfall Namibia.
  • Untersuchung der SWAPO als Ausgangspunkt der entstehenden politischen Elite.
  • Identifikation weiterer strategischer Gruppen (Staatsbeamte, Militär, Unternehmer, etc.) und deren Handlungsmuster.
  • Diskussion der Bedeutung von Ethnizität, Neopatrimonialismus und Klientelismus im politischen Alltag Namibias.

Auszug aus dem Buch

Die Rolle der Professionals

Professionals bilden wichtige strategisch handelnde Akteure im postkolonialen Namibia. Hierbei muss man zwischen kooptierten und freien Professionals unterscheiden. Beide verfügen über Information und Wissen in ihrem Sachgebiet. Je nach ihrer Interessenausrichtung und Koalitionseinbindung streben sie es an, die eigene (identische Person eines Entwicklungsmaklers als traditioneller Führer) als auch die Herrschaft der gegenwärtigen politischen Elite entweder zu legitimieren und zur Effektivierung von Staatsfunktionen beizutragen, oder aber die Delegitimierung anderer strategischer Gruppen, z.B. der politischen Elite, im Ausland zu intensivieren und den Aufbau und die Führung von oppositionellen Organisationen voranzutreiben.

Ich möchte mich in diesem Abschnitt vorrangig auf Entwicklungsexperten beziehen, die der Gruppe der Professionals zugerechnet werden. Sie können aufgrund ihrer Verfügungsgewalt über Informationen und Wissen als eine strategische Gruppe, und zwar auf nationaler wie auch internationaler Ebene, betrachtet werden274. Sie entwickeln in „gegenseitiger Abstimmung Strategien, nach denen die Einflussmöglichkeiten auf den Entwicklungsprozess optimiert werden“ (Evers 2001:171). Für Evers ist die Strukturanpassungspolitik der Weltbank, auf die sich auch andere Organisationen verständigt haben, nicht nur ein sinnvolles Instrument weltmarktorientierter Entwicklungspolitik, sondern auch als Strategie einer internationalen Expertengruppe, ihr Expertenwissen als allgemein gültig durchzusetzen und sich damit auch langfristig unentbehrlich zu machen, zu bewerten.

Strategische Ressourcen, nach deren Aneignung strategische Gruppen trachten, können äußerst vielfältig sein. In vielen Entwicklungsländern scheint der Zugang zu ausländischen Entwicklungsinstitutionen und der von ihnen bereitgestellten Mittel eine hervorragende Bedeutung als strategische Ressource eingenommen zu haben. Welche Personenkreise als counterparts, als Verwalter, Verteiler oder Nutznießer der Entwicklungsgelder gelten dürfen, wird häufig hart umkämpft und die Sieger in dieser Konkurrenzsituation werden oft nicht von den Geberländern, sondern von der Positionierung der konkurrierenden strategischen Gruppen bestimmt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Zusammenfassung der theoretischen Herangehensweise und Begründung der Relevanz der Transformations- und Entwicklungsforschung im afrikanischen Kontext.

2. Konzeptuelle Rahmung des Forschungsgegenstands: Diskussion der theoretischen Grundlagen (Modernisierungstheorie, Dependenztheorie) und Abgrenzung verschiedener Transformationsmodelle.

3. Eine akteurtheoretische Herangehensweise: Das Konzept der strategischen Gruppen: Detaillierte Einführung in das Konzept der strategischen Gruppen, dessen Kritiken sowie Erweiterungen durch das SKOG-Konzept.

4. Der Staat Namibia: Historische Aufarbeitung des Konflikts und Analyse des Transitionsverlaufs von der Kolonialherrschaft zur demokratischen Unabhängigkeit.

5. Namibia als Untersuchungsgegenstand des strategischen Gruppen-Konzepts: Konkrete Anwendung des Konzepts auf die namibische Elite (SWAPO) sowie weitere Gruppen unter Berücksichtigung von Patronage und Klientelismus.

6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse zur postkolonialen Entwicklung Namibias und Ausblick auf die Rolle strategischer Gruppen in Demokratien.

Schlüsselwörter

Namibia, Strategische Gruppen, Transformation, Postkolonialismus, SWAPO, Demokratisierung, Elitenansatz, Neopatrimonialismus, Klientelismus, Patronage, Ethnizität, Entwicklungshilfe, Staat, Politische Macht, Transition

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die postkoloniale Entwicklung Namibias unter Anwendung eines akteurtheoretischen Ansatzes, speziell des Konzepts der „strategischen Gruppen“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen der Transformationsprozess vom autoritären Kolonialstaat zur Demokratie, die Rolle der politischen Elite (SWAPO) sowie die Mechanismen der Machtausübung durch klientelistische Netzwerke.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es, das Handeln der Akteure in Namibia zu analysieren, um zu erklären, wie diese ihre Positionen sichern und warum sich die Demokratie trotz der formalen Verfassung in einer schwierigen Lage befindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Der Autor nutzt eine akteurtheoretische Herangehensweise und stützt sich dabei auf den "Bielefelder Ansatz" der Entwicklungssoziologie sowie auf Konzepte der Transitionsforschung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historische Entstehung Namibias, die theoretischen Grundlagen des Konzepts strategischer Gruppen und wendet diese schließlich auf spezifische Gruppen wie das Militär, Staatsbeamte und religiöse Akteure an.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Namibia, Strategische Gruppen, SWAPO, Demokratisierung, Patronage, Klientelismus und Neopatrimonialismus.

Warum ist die SWAPO als "strategische Elite" für die Untersuchung so wichtig?

Die SWAPO als Befreiungsbewegung hat nach der Unabhängigkeit sämtliche wichtigen Staatsämter besetzt und damit die "strategische Allianz" geformt, die bis heute das politische System dominiert.

Welche Rolle spielen "Entwicklungsmakler" in der Analyse?

Der Autor nutzt das Konzept der Entwicklungsmakler, um zu erklären, wie bestimmte Akteure durch ihr Wissen über ausländische Hilfsgelder eine strategische Ressource kontrollieren und so ihre eigene politische Rolle stärken.

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Details

Title
Demokratie, Transformation und postkoloniale Entwicklung im südlichen Afrika. Anwendung des Konzepts der strategischen Gruppen auf den Einzelfall Namibia
College
Otto-von-Guericke-University Magdeburg  (Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften)
Grade
1,3
Author
Denis Gruber (Author)
Publication Year
2003
Pages
143
Catalog Number
V23028
ISBN (eBook)
9783638262347
Language
German
Tags
Demokratie Transformation Entwicklung Afrika Anwendung Konzepts Gruppen Einzelfall Namibia
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Denis Gruber (Author), 2003, Demokratie, Transformation und postkoloniale Entwicklung im südlichen Afrika. Anwendung des Konzepts der strategischen Gruppen auf den Einzelfall Namibia, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23028
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