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Möglichkeiten der Systematisierung internetgestützter Karriereberatung

Title: Möglichkeiten der Systematisierung internetgestützter Karriereberatung

Diploma Thesis , 2003 , 94 Pages , Grade: 1

Autor:in: Tanja Honka (Author)

Psychology - Work, Business, Organisation
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Summary Excerpt Details

Der grundlegende Charakter von Berufs- und Laufbahnentscheidungen hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte entscheidend verändert. Die zunehmende Durchlässigkeit und Flexibilisierung von Ausbildungsgängen im Rahmen des Schulwesens vermindern in hohem Maße die Endgültigkeit einzelner Entscheidungen. Auch ein häufiges Wechseln von Schulformen, Ausbildungsgängen, Studienrichtungen und Arbeitsplätzen ist heutzutage eher üblich als ungewöhnlich. Die Berufswahl erhält somit den Charakter einer Kette von aufeinanderfolgenden Entscheidungen. wobei jede Einzelentscheidung aufgrund der recht hohen Korrigierbarkeit an Bedeutung verliert. Doch auch wenn die Entscheidung für einen bestimmten Lebensweg nicht unwiderruflich ist, steht der Betroffene in solchen Momenten den zahlreichen Möglichkeiten oft hilflos gegenüber. Eine berufswahlbezogene Beratung kann durch das Sammeln der für den Entscheidungsprozeß relevanten Informationen helfen, diese Unsicherheit zu reduzieren (Eckardt, 1977). Aus den Gesprächen mit den erfahrenen Beratern gewinnt der Klient ein Bild seiner Persönlichkeit und lernt, mit seinen Stärken und Schwächen umzugehen (Fischer & Weimann, 1999). Die Anzahl fachlich qualifizierter Berater, die diesen Prozess unterstützen können und die Entscheidung für einen Lebensweg somit auf eine fundierte Basis stellen, ist dabei jedoch erstaunlich gering.
Am Beispiel der berufswahlunterstützenden Diagnostik zeigen Wottawa und Hossiep (1997) den enormen Bedarf an qualifizierter psychologischer Beratung auf. Wenn jeder Mensch im Alter zwischen 15 und 45 Jahren nur zweimal vor einer beruflichen Neuorientierung stünde, wären das in Deutschland allein 2,2 Millionen Entscheidungen pro Jahr. Einem konservativ kalkuliertem Bedarf von 4000 Psychologen stehen jedoch nur etwa 420 bei der Bundesanstalt für Arbeit beschäftigte Psychologen gegenüber. Aktuelle Statistiken des Arbeitsamtes weisen z.Zt. ca. 230 000 Beratungsfälle bei 425 beschäftigten Psychologen pro Jahr aus (BA,2002). Dabei machen die Ratsuchenden bis 25 Jahre einen Anteil von 72% der Fälle aus. Dies sind allerdings nur die Ratsuchenden, die in Kontakt mit dem psychologischen Dienst der Bundesanstalt für Arbeit kommen. Die schätzungsweise weitaus größere Zahl der Interessierten, die sich in den zuständigen Stellen des Arbeitsamtes lediglich informieren und ihre Entscheidung dann eigenständig fällen sind in diesen Fallzahlen nicht berücksichtigt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 DAS ARBEITSFELD DER BERUFS- UND KARRIEREBERATUNG

1.1 QUANTITATIVE BEDARFSENTWICKLUNG

1.2 MÖGLICHKEITEN DER TECHNISCHEN UNTERSTÜTZUNG

2 ANSPRÜCHE AN DIE QUALITÄT VON BERATUNG

2.1 HERAUSFORDERUNG DURCH DIE DIN 33430

2.2 FORDERUNGEN NACH „LOGISCHER“ DIAGNOSTIK

3 EIN ANWENDUNGSBEISPIEL

3.1 VERSUCH EINER INTERNETGESTÜTZTEN KARRIEREBERATUNG

3.2 STRUKTUR DER RÜCKMELDUNG

3.2.1 ERGEBNISRÜCKMELDUNG FÜR SCHÜLER

3.2.2 ERGEBNISRÜCKMELDUNG FÜR JUNGE BERUFSTÄTIGE UND STUDENTEN

3.3 ENTWICKLUNG EINES GUTACHTENERSTELLUNGSPROGRAMMS

3.3.1 ERSTELLUNG DES SCHÜLERGUTACHTENS

3.3.2 ERSTELLUNG DER GUTACHTENS FÜR JUNGE BERUFSTÄTIGE UND STUDENTEN

4 DIE ROLLE VON EXPERTENWISSEN BEI BERATUNGSTÄTIGKEITEN

4.1 ENTSTEHUNG VON EXPERTENWISSEN

4.1.1 BEDEUTUNG DES ALLTAGSWISSENS FÜR DIE BERATUNG

4.1.2 BERATUNG AUF BASIS VON FACHWISSEN

4.1.3 LERNEN AN VORHANDENEN MODELLEN

4.1.4 BERATUNG AUF BASIS EIGENER ERFAHRUNGEN

4.2 EXPLIKATION VON ENTSCHEIDUNGSREGELN

4.2.1 WISSENSAKQUISITION MITTELS INTERVIEWTECHNIKEN

4.2.2 WISSENSERHEBUNG DURCH BEOBACHTUNG DES EXPERTEN

4.2.3 WISSENSAKQUISITION DURCH INDIREKTE ERHEBUNGSMETHODEN

5 STATISTISCHE METHODEN ZUR OPTIMIERUNG & GEWINNUNG ENTSCHEIDUNGSRELEVANTER WISSENSSTRUKTUREN

5.1 VERFAHREN

5.1.1 DISKRIMINANZANALYSE

5.1.2 ERSTELLEN VON ENTSCHEIDUNGSBÄUMEN MIT ANSWER TREE

5.2 STICHPROBE UND WAHL DES KRITERIUMS

5.3 PRÄDIKTOREN

5.4 ERGEBNISSE DER DISKRIMINANZANALYSE

5.4.1 FÜHRUNGSKRÄFTE:

5.4.2 SPEZIALISTEN

5.4.3 SELBSTÄNDIGE / FREIBERUFLER

5.4.4 TÄTIGKEIT IM VERTRIEB

5.5 ENTWICKLUNG VON ENTSCHEIDUNGSMODELLEN MIT C&RT

5.5.1 FÜHRUNGSPOSITION

5.5.2 SPEZIALISTEN

5.5.3 SELBSTÄNDIG/ FREIBERUFLICH

5.5.4 VERTRIEBLER

5.6 VALIDITÄTSABSCHÄTZUNG DER ANSWER TREE BÄUME MIT HILFE VON TAYLOR & RUSSEL TAFELN

6 DISKUSSION

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Möglichkeiten, internetgestützte Karriereberatung durch die Systematisierung und statistische Auswertung von Expertenwissen zu optimieren. Das primäre Ziel besteht darin, Entscheidungsprozesse für Berufs- und Laufbahnentscheidungen objektivierbarer und effizienter zu gestalten, indem implizites Expertenwissen expliziert und in computerunterstützte Entscheidungshilfeprogramme integriert wird.

  • Systematisierung internetgestützter Karriereberatung
  • Explikation impliziten Expertenwissens
  • Statistische Methoden zur Gewinnung von Entscheidungsstrukturen (Diskriminanzanalyse, C&RT)
  • Qualitätssicherung in der Eignungsdiagnostik (DIN 33430)
  • Validierung von Entscheidungsmodellen für verschiedene Karrierepfade

Auszug aus dem Buch

1.1 Quantitative Bedarfsentwicklung

Der grundlegende Charakter von Berufs- und Laufbahnentscheidungen hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte entscheidend verändert. Die zunehmende Durchlässigkeit und Flexibilisierung von Ausbildungsgängen im Rahmen des Schulwesens vermindern in hohem Maße die Endgültigkeit einzelner Entscheidungen. Auch ein häufiges Wechseln von Schulformen, Ausbildungsgängen, Studienrichtungen und Arbeitsplätzen ist heutzutage eher üblich als ungewöhnlich. Die Berufswahl erhält somit den Charakter einer Kette von aufeinanderfolgenden Entscheidungen. wobei jede Einzelentscheidung aufgrund der recht hohen Korrigierbarkeit an Bedeutung verliert. Doch auch wenn die Entscheidung für einen bestimmten Lebensweg nicht unwiderruflich ist, steht der Betroffene in solchen Momenten den zahlreichen Möglichkeiten oft hilflos gegenüber. Eine berufswahlbezogene Beratung kann durch das Sammeln der für den Entscheidungsprozeß relevanten Informationen helfen, diese Unsicherheit zu reduzieren (Eckardt, 1977). Aus den Gesprächen mit den erfahrenen Beratern gewinnt der Klient ein Bild seiner Persönlichkeit und lernt, mit seinen Stärken und Schwächen umzugehen (Fischer & Weimann, 1999). Die Anzahl fachlich qualifizierter Berater, die diesen Prozess unterstützen können und die Entscheidung für einen Lebensweg somit auf eine fundierte Basis stellen, ist dabei jedoch erstaunlich gering.

Am Beispiel der berufswahlunterstützenden Diagnostik zeigen Wottawa und Hossiep (1997) den enormen Bedarf an qualifizierter psychologischer Beratung auf. Wenn jeder Mensch im Alter zwischen 15 und 45 Jahren nur zweimal vor einer beruflichen Neuorientierung stünde, wären das in Deutschland allein 2,2 Millionen Entscheidungen pro Jahr. Einem konservativ kalkuliertem Bedarf von 4000 Psychologen stehen jedoch nur etwa 420 bei der Bundesanstalt für Arbeit beschäftigte Psychologen gegenüber. Aktuelle Statistiken des Arbeitsamtes weisen z.Zt. ca. 230 000 Beratungsfälle bei 425 beschäftigten Psychologen pro Jahr aus (BA,2002). Dabei machen die Ratsuchenden bis 25 Jahre einen Anteil von 72% der Fälle aus.

Zusammenfassung der Kapitel

1 DAS ARBEITSFELD DER BERUFS- UND KARRIEREBERATUNG: Dieses Kapitel thematisiert die steigende Bedeutung qualitativer Karriereberatung angesichts sich wandelnder Laufbahnstrukturen und eines mangelnden Angebots an professioneller Unterstützung.

2 ANSPRÜCHE AN DIE QUALITÄT VON BERATUNG: Hier werden Qualitätsstandards wie die DIN 33430 und normative Modelle diagnostischer Urteilsbildung erläutert, die eine formalisierte Entscheidungsfindung fordern.

3 EIN ANWENDUNGSBEISPIEL: Dieses Kapitel stellt ein konkretes Projekt zur Entwicklung eines internetgestützten Beratungssystems für Schüler und Berufstätige vor.

4 DIE ROLLE VON EXPERTENWISSEN BEI BERATUNGSTÄTIGKEITEN: Hier wird untersucht, wie Expertenwissen entsteht, welche Probleme implizites Wissen birgt und wie man dieses Wissen explizieren kann.

5 STATISTISCHE METHODEN ZUR OPTIMIERUNG & GEWINNUNG ENTSCHEIDUNGSRELEVANTER WISSENSSTRUKTUREN: Dieses Kapitel erprobt Diskriminanzanalysen und Entscheidungsbäume (C&RT), um Daten aus Beratungssystemen strukturiert auszuwerten.

6 DISKUSSION: Die Ergebnisse der statistischen Verfahren werden kritisch gegenübergestellt und bewertet, wobei die Eignung der Methoden für die Praxis der Karriereberatung im Vordergrund steht.

Schlüsselwörter

Karriereberatung, Eignungsdiagnostik, Expertenwissen, Explikation, Internetgestützte Diagnostik, DIN 33430, Diskriminanzanalyse, C&RT Algorithmus, Entscheidungsbäume, Laufbahnentscheidung, Berufsberatung, Wissensakquisition, Validität, Taylor & Russell Tafeln, Beratungsqualität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht Möglichkeiten, die Qualität und Effizienz internetgestützter Karriereberatung zu steigern, indem menschliches Expertenwissen mittels statistischer Analysemethoden formalisiert und systematisierbar gemacht wird.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder umfassen die Eignungsdiagnostik unter Berücksichtigung von Qualitätsnormen, die Erhebung und Explikation von Expertenwissen sowie die statistische Modellierung von Karriereentscheidungsprozessen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, ein System zu entwickeln, das trotz knapper personeller Ressourcen eine fundierte, fachpsychologische Beratung ermöglicht, indem es automatisch Empfehlungen auf Basis von Persönlichkeits- und Leistungsprofilen generiert.

Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?

Zur Analyse der Daten werden primär die Diskriminanzanalyse und der C&RT-Algorithmus zur Erstellung von Entscheidungsbäumen eingesetzt, ergänzt durch Verfahren zur Wissensakquisition wie das laute Denken oder die Heidelberger Strukturlegetechnik.

Was sind die Schwerpunkte des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert, wie Experten zu Urteilen gelangen, dokumentiert die technische Umsetzung eines Gutachtenerstellungsprogramms und vergleicht die statistische Leistungsfähigkeit verschiedener Entscheidungsmodelle.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Karriereberatung, Eignungsdiagnostik, Expertenwissen, Diskriminanzanalyse, Entscheidungsbäume und Qualitätssicherung in der Psychologie charakterisieren.

Welche Rolle spielt die DIN 33430 in diesem Kontext?

Die DIN 33430 fungiert als Prozessnorm, die verbindliche Kriterien für die psychologische Diagnostik vorgibt und damit die Notwendigkeit unterstreicht, Entscheidungsregeln zu explizieren und dokumentierbar zu machen.

Wie wird das Problem der subjektiven Expertenentscheidungen adressiert?

Durch den Einsatz statistischer Verfahren wie der C&RT-Analyse werden Entscheidungsregeln expliziert, wodurch sie für Außenstehende nachvollziehbar, evaluierbar und objektiv prüfbar werden.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Schülern und Berufstätigen/Studenten relevant?

Da unterschiedliche Zielgruppen differierende Anforderungen und Bedarfe haben, wurden für beide Gruppen maßgeschneiderte Testverfahren entwickelt, die spezifische Dimensionen und interessenbasierte Entscheidungshilfen beinhalten.

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Details

Title
Möglichkeiten der Systematisierung internetgestützter Karriereberatung
College
Ruhr-University of Bochum  (Fakultät für Psychologie, AE Methodenlehre, Diagnostik und Evaluation)
Grade
1
Author
Tanja Honka (Author)
Publication Year
2003
Pages
94
Catalog Number
V23031
ISBN (eBook)
9783638262361
Language
German
Tags
Möglichkeiten Systematisierung Karriereberatung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tanja Honka (Author), 2003, Möglichkeiten der Systematisierung internetgestützter Karriereberatung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23031
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