„ In meinem sechsten und siebten Konsulat habe ich, nachdem ich die Flammen der Bürgerkriege gelöscht hatte und mit der einmütigen Zustimmung der gesamten Bevölkerung in den Besitz der staatlichen Allgewalt gelangt war, das Gemeinwesen aus meiner Machtbefugnis wieder der Ermessensfreiheit des Senats und des römischen Volkes überantwortet. Für dieses mein Verdienst wurde mir auf Beschluss des Senats der Name Augustus gegeben.“ ( Res Gestae,34 )
Nach dem Tod Julius Caesars 44 v.Chr. und dem Untergang der Republik ging mit Octavian eine neue Herrschaftsform einher. Jedoch musste er seine Position vor allem gegen Marcus Antonius verteidigen. Zunächst bildete Octavian mit Letzterem und Marcus Aemilius Lepidus das zweite Triumvirat. In der Schlacht von Philippi schlugen diese nun zuerst die Verschwörer Cassius und Brutus. Deren eingenommene Gebiete wurden dann unter Octavian und Antonius aufgeteilt. Doch bereits hier wurden erste Konflikte deutlich, die dann in den Perusinischen Krieg mündeten. Nach diesem wurden die Gebiete, im Vertrag von Brundisium, erneut aufgeteilt und es herrschte für eine Zeit Ruhe zwischen Octavian und Antonius, obwohl die Spannungen bestehen blieben; auch nach der Heirat des Antonius mit Octavians Schwester Octavia, die diesen Vertrag besiegeln sollte. Der Konflikt fand sein Ende in der Schlacht bei Actium, aus der Octavian als Sieger hervorging. Somit war er der unangefochtene Herrscher der römischen Welt. Sein verfassungsrechtlicher Status war jedoch ungewiss, da er seine Vollmachten der Notstandsverordnung des Senats zu verdanken hatte. Seine Macht einzuschränken kam für ihn jedoch nicht in Frage. Die territorialen Vergrößerungen machten es jedoch unmöglich, alles alleine zu regieren. Deshalb musste Octavian mit allen Mitteln versuchen, den Senat auf seine Seite zu ziehen und ihn dazu zu bringen, auch dort zu bleiben. Doch nicht nur der Senat musste ihm gut gestimmt sein. Denn den größten Teil der Bevölkerung machte die plebs urbana aus. Auch diese galt es positiv für seine Sache einzunehmen. Auch sein Nachfolger Tiberius musste diese beiden Gruppen ebenfalls auf seine Seite ziehen um regieren zu können. Nun stellt sich die Frage wie und mit welchen Mitteln diese Männer es- der eine mehr, der andere weniger- geschafft haben, dieses Ziel in die Tat umzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Augustus
3. Tiberius
4. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das politische Verhältnis des ersten römischen Kaisers Augustus zu Senat und Volk, analysiert seine Herrschaftstechniken und betrachtet im Vergleich dazu die Ausübung dieser Machtbefugnisse unter seinem Nachfolger Tiberius.
- Strategien zur Einflussnahme auf die Senatszusammensetzung und den cursus honorum
- Die Rolle der plebs urbana als Machtfaktor im frühen Prinzipat
- Methoden der politischen Absicherung durch den Prinzeps
- Vergleich der Herrschaftsstile von Augustus und Tiberius im Umgang mit den staatlichen Institutionen
- Analyse der Kontinuität und Veränderung in der Legitimation des Kaiseramtes
Auszug aus dem Buch
2. Augustus
Am 13.1.27 v.Chr. gab Octavian in einer Senatssitzung alle Machtmittel an den Senat zurück. Unter anderem verzichtete er auf das Kommando über die Legionen. Im gleichen Zug bekam er neue Kompetenzen vom Senat zugesprochen. Diese umfassten zum Beispiel die Verleihung des Ehrentitels Augustus und die Herrschaft für 10 Jahre über Ägypten, Zypern, Teile Spaniens, Gallien und Syrien. Der Senat erhielt Afrika, Sizilien, Makedonien und Sardinien. Auch behielt Augustus den Imperatorentitel bei, um seinen Rang als obersten Feldherrn zu unterstreichen. Forscher behaupten nun, dass durch diese Regelung des Jahres 27 v.Chr. die Republik wiederhergestellt scheint, jedoch durch die große Machtfülle des Augustus eine neue Ordnung hervortritt. Nach der Machtrückgabe ist es nicht möglich von einer Dyarchie, wie Theodor Mommsen glaubte, von Augustus und dem Senat zu sprechen. Denn Augustus war von Anfang an sehr darauf bedacht, dass alle wichtigen Entscheidungen bei ihm lagen. Zudem kam ihm zu Gute, dass ihm die Truppen ergeben waren. Auch vor allem nach der Neuordnung des Senats konnte er dort genügend Freunde und Verbündete verzeichnen, die seine Sache unterstützten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Übergang von der Römischen Republik zum Prinzipat unter Octavian/Augustus und stellt die zentrale Fragestellung zur Machtausübung gegenüber Senat und Volk auf.
2. Augustus: Dieses Kapitel analysiert die konkreten machtpolitischen Instrumente des Augustus, darunter die Neuordnung des Senats, die Besetzung wichtiger Ämter und die Maßnahmen zur Sicherung der Unterstützung durch die plebs urbana.
3. Tiberius: Hier wird der Machtantritt des Tiberius und dessen abweichender Regierungsstil betrachtet, wobei insbesondere die veränderte Dynamik in den Beziehungen zu Senat und Öffentlichkeit beleuchtet wird.
4. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass mit dem zweiten Prinzeps eine zunehmende Regelmäßigkeit und Institutionalisierung der Machtübergabe einsetzte.
Schlüsselwörter
Augustus, Tiberius, Senat, Prinzipat, Römische Geschichte, plebs urbana, Machtpolitik, cursus honorum, Kaiserzeit, Herrschaft, Legitimierung, Senatsgericht, Majestätsprozesse, imperium proconsulare maius, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das politische Verhältnis des römischen Herrschers Augustus zum Senat und zum Volk sowie die Veränderungen dieses Verhältnisses unter seinem Nachfolger Tiberius.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Machtmittel des Prinzeps, die Beeinflussung der Senatszusammensetzung, die gezielte Verteilung von Ämtern und die Sicherung der Gunst des römischen Volkes.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die Mittel und Wege aufzuzeigen, mit denen Augustus seine Macht sicherte und wie sein Nachfolger Tiberius diese Strukturen übernahm oder veränderte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung antiker Quellenschriften (wie Res Gestae, Cassius Dio, Tacitus) und moderner Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Betrachtung der Herrschaftspraktiken des Augustus sowie eine vergleichende Analyse der Regierungsweise des Tiberius unter Berücksichtigung der senatorischen Rolle.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind das Prinzipat, der cursus honorum, die auctoritas des Prinzeps sowie die Rolle der plebs urbana im politischen Gefüge Roms.
Warum war für Augustus die Zustimmung des Volkes so essenziell?
Die Zustimmung der plebs urbana war für Augustus eine notwendige Bedingung für Stabilität, um Unruhen in der Hauptstadt effektiv vorzubeugen und seine Herrschaft zu legitimieren.
Wie veränderte sich die Rolle des Senats unter Tiberius?
Unter Tiberius entwickelte sich der Senat zunehmend zur juristischen Instanz für politische Prozesse, auch wenn die Machtfülle und die wichtigen Entscheidungen weiterhin beim Kaiser blieben.
- Arbeit zitieren
- Amelie Schießl (Autor:in), 2012, Das Verhältnis von Augustus und Tiberius zu Volk und Staat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230350