Edward Sapir und sein Ansatz zur Sprachtypologie


Hausarbeit, 2012

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Zielsetzung

2.0 Einleitung
2.1 Edward Sapir
2.2 Strukturalismus
2.3 Die Sprache: Eine Einführung in das Wesen der Sprache

3.0 Sapirs Auffassung von Sprache

4.0 Sapirs Sprachtypologischer Ansatz
4.1 Kritik an gängigen Typologiekriterien
4.2 Zu überwindende Schwierigkeiten
4.3 Grundlage: Sprachliche Begriffe
4.4 Sapirs Klassifikationsmodell

5.0 Zusammenfassung, Folgen und Fazit

6.0 Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur

1.0 Zielsetzung

Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass angesichts der riesigen Sprach- vielfalt das Finden eines geeigneten Einteilungsprinzips, welches möglichst allen Sprachen gerecht wird, eine der größten Herausforderungen der Linguistik dar- stellt. Die Arbeit des namhaften Anthropologen und Sprachwissenschaftlers Edward Sapir stellt dabei einen bedeutsamen und interessanten Beitrag dar. Ziel dieser schriftlichen Hausarbeit sei es, das von Sapir vorgeschlagene Eintei- lungsprinzip zur Sprachklassifikation auf Grundlage seines 1921 erschienenen Buches „ Sprache: Eine Einf ü hrung in das Wesen der Sprache “ (Originaltitel: Language) schrittweise zu erarbeiten. Darüber hinaus soll ein grober Überblick sowohl über Edward Sapir und seine Auffassung von Sprache, als auch über den Strukturalismus gegeben werden.

2.0 Einleitung

2.1 Edward Sapir

Edward Sapir wurde am 26. Januar 1884 als Sohn litauischer Juden in Lauenberg (Pommern), dem heutigen Lęborg (Polen) geboren. Im Alter von 5 Jahren zog er zusammen mit seinen Eltern in die USA, wo er später bedeutende Beiträge vor allem in drei wissenschaftlichen Fachgebieten lieferte: der allgemeinen Linguistik, der kulturellen Anthropologie und dem Studium amerikanischindischer Sprachen. Außerdem interessierte er sich stark für Musik und Literatur und veröffentlichte Zeit seines Lebens mehr als 200 Gedichte.

Sapir machte seinen Bachelor und Master an der Columbia University von New York und schrieb seine Doktorarbeit über die Grammatik des Takelma, einer in Südwest Oregon gesprochenen Sprache. Sein Doktorvater war der bekannte Anthropologe, Ethnologe und Sprachwissenschaftler Franz Boas. Neben dem Paiute, welches er im Auftrag der University of Pennsylvania in Zu- sammenarbeit mit dem Muttersprecher Tony Tillohash erforschte, arbeitete er auch an einer Vielzahl anderer Sprachen, wie zum Beispiel dem Yana, dem Nut- ka und dem Ute. Eine seiner aufsehenerregendsten Arbeiten war die Einteilung der Zentral- und Nordamerikanischen Sprachen von ursprünglich 47 in nur 6 Hauptgruppen.

Neben seiner Feldforschung war Sapir zeitweise als Direktor der Anthropologi- schen Abteilung des Kanadischen Nationalmuseums in Ottawa tätig, unterrichte- te an der Columbia University of Chicago und war Professor für Anthropologie und Linguistik an der Yale University.

Am 4. Februar 1939 verstarb er in Folge eines schweren Herzinfarktes in New Haven (USA). Nach seinem Tod formulierte sein ehemaliger Schüler Benjamin Whorf die bekannte Sapir-Whorf-Hypothese, auf die im Rahmen dieser Hausarbeit leider nicht genauer eingegangen werden kann.

2.2 Strukturalismus

Edward Sapir gilt als ein bedeutender Vertreter des Strukturalismus. Dieser sei im Folgenden kurz in seinen grundlegenden Zügen erläutert.

Der Begriff Strukturalismus ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene sprachwissenschaftliche Richtungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Obwohl die Annahmen der einzelnen Vertreter teils stark voneinander abweichen, gibt es dennoch eine Hand voll strukturalistischer Grundannahmen, die ihnen allen gemein sind.

So ging man davon aus, dass Sprache „ein präzise erfassbares, formal exakt darstellbares relationales System von formalen (nicht substantionellen) Elementen [ist]“ (Lexikon der Sprachwissenschaft (2002), S. 657).

Als ihre zentrale Aufgabe sahen es die Strukturalisten, die internen Beziehungen der Sprache ganz ohne psychologische oder geisteswissenschaftliche Erklärungshilfen zu erforschen.

2.3 Die Sprache: Eine Einführung in das Wesen der Sprache

Während des Aufenthaltes im kanadischen Ottawa schrieb Sapir an seinem wohl bekanntesten Werk, welches 1921 unter dem Titel „ Language: An introduction to the study of speech “ erschien und in seiner deutschen Übersetzung den Namen „ Die Sprache: Eine Einf ü hrung in das Wesen der Sprache “ trägt. Das Buch ist einerseits eine gelungene sprachwissenschaftliche Einführung für den Nichtfachmann, andererseits aber auch die Verschriftlichung einiger sehr interessanter Ideen und Forschungsergebnisse Sapirs.

Im Folgenden dient besagtes Werk als Grundlage für die Ausarbeitung von Sapirs Auffassung von Sprache und seinem sprachtypologischen Ansatz.

3.0 Sapirs Auffassung von Sprache

In seinem Buch widmet Sapir dieser Thematik das gesamte erste Kapitel. Im Sinne eines groben Überblicks möchte ich an dieser Stelle einige Hauptgedanken anhand des folgenden Zitats herausgreifen und kurz darauf eingehen.

„Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen.“ (Die Sprache: Eine Einführung in das Wesen der Sprache (1972), S. 29).

In diesem kurzen Satz steckt schon eine Menge an Information. Zunächst ordnet Sapir die Fähigkeit zu sprechen einzig und allein dem Menschen zu - und das obwohl sämtliche Tiere ebenfalls in der Lage sind, sich anhand von Lauten zu verst ä ndigen. Daraus folgt, dass ein wesentlicher Charakterzug der Sprache nicht nur darin besteht, gewissen Lauten bestimmte Bedeutungen zuzuschrei- ben- sondern vielmehr auch Gedanken, Gefühle und Wünsche präzise ausdrü- cken zu können.

Des Weiteren betont er, dass Sprache nicht instinktiv ist. Wenn dem so wäre, so müssten wir uns das Sprechen nicht in einem zeitaufwendigen Lernprozess aneignen. Sapir erwähnt ebenfalls, dass sämtliche unserer vermeidlichen Sprechorgane in erster Linie gar nicht dem Sprechen dienen, sondern primär ganz anderen Zwecken dienlich sind.

Der letzte Punkt - der eigentlich keine besondere Neuigkeit darstellt, trotzdem aber nicht unerwähnt bleiben sollte - ist, dass Sprache aus frei geschaffenen Symbolen besteht, die im Grunde keinerlei Realitätsbezug haben, außer dem, den wir in die Worte hineinlegen. Interessant ist wiederum, dass Sapir Sprache als prärationell auffasst, mit anderen Worten: Er glaubt, dass unsere Fähigkeit zu Denken aus unserer Fähigkeit zu Sprechen resultiert, nicht umgekehrt.

Sprache ist ein unvorstellbar komplexes Gebilde. Komplex einerseits im Sinne der umfangreichen Vielfalt - andererseits aber auch im Sinne der strukturellen Ausgeprägtheit jeder einzelnen von ihnen:

„Nichts ist für die Sprache charakteristischer als ihre Universalität. Man mag darüber streiten, ob das, was man bei manchen primitiven Stämmen als »Religion« oder »Kunst« vorzufinden glaubt, diese Namen wirklich verdient, aber wir kennen kein Volk und keinen Stamm, die nicht eine vollentwickelte Sprache besäßen.“ (Die Sprache: Eine Einführung in das Wesen der Sprache (1972), S. 29).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Edward Sapir und sein Ansatz zur Sprachtypologie
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Sprachtypologie und Universalienforschung
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V230374
ISBN (eBook)
9783656461418
ISBN (Buch)
9783656461791
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Edward, Sapir, Linguistik, Typologie, Sprachtypologie, Universalien, Universalienforschung, Sprache, Klassifikation, Sprachklassifikation, Wesen der Sprache
Arbeit zitieren
Marco Merten (Autor), 2012, Edward Sapir und sein Ansatz zur Sprachtypologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230374

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