Die frühkindliche Sprachentwicklung
Die frühkindliche Sprachentwicklung lässt sich in aufeinander folgende Phasen einteilen, verläuft allerdings individuell. Die Phasen können also auch zeitlich verschoben einsetzen, sich überschneiden oder gegenseitig beeinflussen.
Im folgenden werde ich zunächst die Sprachentwicklung bei gesunden
und später den Verlauf der Sprachentwicklung bei hörgeschädigten
Kindern beschreiben.
Nach der Geburt setzt als erster Laut des Kindes das Schreien ein.
Dieser erste Laut wird als Reflexlaut bezeichnet und signalisiert
Atmungs- und Stimmfunktion. Diese ersten Töne bestehen aus
vokalischen Schreilauten, die zunächst auf einer unbewussten Ebene
produziert werden und als Signale für Unbehagen oder Lust zu
interpretieren sind. Das Schreien oder Schreiweinen ist in den ersten 6 Wochen das Kommunikationsmittel des Kindes. Die Eltern können je nach Schrei das Wohlbefinden des Kindes erkennen: ein harter Stimmeinsatz signalisiert Hunger oder Schmerzen, ein weicher
Stimmeinsatz dagegen Lustempfinden.
Die erste Lallphase beginnt ab dem 7. Lebenswoche und dauert bis etwa
zum 6. Lebensmonat. Das Kind entdeckt seine Artikulationsorgane und
verwendet diese scheinbar ungezielt. Es bildet erste verschiedene Laute und Lautkombinationen.
[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Die frühkindliche Sprachentwicklung
2. Die Spracherwerbstheorien
3. Frühkindliche Hörschäden
3.1 Pränatale Hörschäden
3.2 Postnatale Ertaubung
4. Auswirkung der Hörschädigung auf den Spracherwerb
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Hörschädigungen auf den natürlichen Spracherwerbsprozess bei Kindern, vergleicht diesen mit der Sprachentwicklung bei Hörenden und beleuchtet verschiedene theoretische Erklärungsmodelle sowie die Auswirkungen unterschiedlicher Zeitpunkte des Hörverlusts.
- Phasen der frühkindlichen Sprachentwicklung bei gesunden Kindern
- Gegenüberstellung zentraler Spracherwerbstheorien (Chomsky vs. Bruner)
- Klassifizierung und Ursachen frühkindlicher Hörschäden
- Einfluss des Zeitpunkts einer Hörschädigung auf den Erwerb der Lautsprache
- Bedeutung technischer Hilfsmittel und pädagogischer Unterstützung
Auszug aus dem Buch
Auswirkung der Hörschädigung auf den Spracherwerb
Für den Spracherwerb macht es einen enormen Unterschied, ob das Kind eine prä- oder postnatale Hörschädigung erlitten hat. Für pränatal Ertaubte, also für Hörgeschädigte, deren Hörschädigung bereits im Mutterleib erfolgte, ist es besonders schwer, Sprache zu erlernen, da ihnen bereits die Geräuscheindrücke im Mutterleib fehlen. Um den Kindern ein Gefühl von Sprache zu vermitteln, ist es wichtig, dass sie schon sehr früh mit Hörgeräten versorgt werden (möglichst in den ersten 6 Monaten), um alle Hörreste auszunutzen. Erfolgt eine Versorgung erst nach einigen Jahren, ist es sehr schwer für die Betroffenen, die Sprache über Höreindrücke zu erlernen und sich verständlich zu artikulieren.
Die Kinder haben durch die frühzeitige Versorgung eine relativ hohe Chance, die Lautsprache zu erlernen. „Hörgeschädigte Kleinkinder, die einen akustischen Sprachcode zum Zeitpunkt der intensiven Entwicklung des ZNS erwerben, haben aufgrund der noch vorhandenen neuronalen Plastizität ungleich bessere Chancen „Hören zu lernen“, als dies im späteren Alter der Fall ist“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die frühkindliche Sprachentwicklung: Dieses Kapitel erläutert die natürlichen Phasen des Spracherwerbs bei Kindern, angefangen beim ersten Schrei bis hin zur lingualen Periode und dem Aufbau eines altersgerechten Wortschatzes.
2. Die Spracherwerbstheorien: Hier werden die wissenschaftlichen Ansätze von Chomsky (LAD-Konzept) und Bruner (LASS-Konzept) gegenübergestellt, um zu erklären, wie Kinder Sprache erwerben und welche Rolle soziale Interaktionen spielen.
3. Frühkindliche Hörschäden: Dieses Kapitel definiert verschiedene Arten der Hörschädigung, unterteilt in pränatale Ursachen und die postnatale Ertaubung, und erläutert deren medizinische Hintergründe.
4. Auswirkung der Hörschädigung auf den Spracherwerb: Hier werden die gravierenden Unterschiede im Spracherwerbsprozess in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Ertaubung analysiert und die Notwendigkeit einer frühzeitigen Versorgung mit Hörhilfen betont.
Schlüsselwörter
Hörschädigung, Spracherwerb, Sprachentwicklung, Pränatale Hörschäden, Postnatale Ertaubung, LAD, LASS, Artikulation, Lautsprache, Frühförderung, Neuronale Plastizität, Hörgerät, Cochlear Implant, Spracherwerbstheorien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen von Hörschädigungen auf den Spracherwerb von Kindern und beleuchtet dabei sowohl die biologischen als auch die sozialen Voraussetzungen des Lernens.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die frühkindliche Sprachentwicklung, theoretische Erklärungsmodelle zum Spracherwerb sowie die medizinische Klassifikation von Hörschäden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hörschädigungen den normalen Verlauf der Sprachentwicklung stören und welche Bedingungen für einen erfolgreichen Lautspracherwerb notwendig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen und deskriptiven Ansatz, bei dem verschiedene Fachpublikationen und Theorien zusammengeführt und auf die Situation hörgeschädigter Kinder angewendet werden.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der allgemeinen Sprachentwicklung, der Spracherwerbstheorien und der spezifischen Auswirkungen von Hörschäden auf die Artikulations- und Sprachkompetenz.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem das Language Acquisition Device (LAD), neuronale Plastizität, prä- und postlinguale Ertaubung sowie die Rolle des sozialen Umfelds beim Sprachenlernen.
Warum ist der Zeitpunkt der Hörschädigung so entscheidend?
Der Zeitpunkt ist entscheidend, weil er bestimmt, ob ein Kind bereits Höreindrücke verarbeiten konnte (postlingual) oder ob der Spracherwerb von Grund auf ohne akustische Stimulation stattfinden muss (pränatal).
Welche Bedeutung hat das "LASS" nach Bruner in diesem Kontext?
Das LASS dient als soziales Unterstützungssystem für das Kind, welches laut Bruner essenziell ist, um das angeborene Potential (LAD) zur Sprachentwicklung überhaupt erst nutzbar zu machen.
- Quote paper
- Meike Schröder (Author), 2001, Die Auswirkung von Hörschädigungen auf den Spracherwerb, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2304