Code-Switching und Sprachkontakt am Beispiel des Elsass und Lothringens


Seminararbeit, 2003
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Forschungsmethoden zum Thema Code Switching

3. Bilingualismus im Elsass und in Lothringen

4. Code-Switching und Sprachwahl aus soziologischem Blickwinkel
4.1. Sozio-ökonomische Faktoren
4.2. Sozio-kuturelle Faktoren
4.3. Situational Switching
4.4. Metaphorical Switching

5.Conclusio

6. Bibliographie

1. Einleitung

Der Begriff „Code Switching“ kommt aus dem Englischen. Das Verb to switch bedeutet soviel wie wechseln, um - oder austauschen. Da es keine einheitliche Definition dieses Begriffes gibt, ist es etwas schwierig, das Thema Code-Switching zu bearbeiten. In der vorliegenden Arbeit stütze ich mich auf unser Referat vom 16.7. diesen Jahres, in welchem wir Code Switching als das Verwenden von mehr als einer sprachlichen Varietät, sei dies nun eine eigene Sprache oder ein Dialekt, im Laufe ein und derselben Konversation definiert haben. Code-switching kann sich auf verschieden große sprachliche Einheiten beziehen wie zum Beispiel ganze Sätze und Satzteile, aber auch auf einzelne Wörter, Ausrufe oder nicht übersetzbare idiomatische Wendungen. Wird eine zweite Sprache jedoch nur für einzelne Wörter benutzt, kann es sich hierbei allerdings auch um sogenannte „borrowings “ handeln. Borrowings sind Entlehnungen aus einer anderen sprachlichen Varietät. Ob es sich jeweils um Code switching oder borrowing handelt, lässt sich am Grad der phonologischen und morphosyntaktischen Integration der Elemente aus der embedded language in die Matrix language[1] feststellen.

Damit Code switching funktionieren kann, sollten alle Teilnehmer der Konversation in ausreichendem Maße über Kenntnisse beider Sprachen verfügen und zwar sowohl hinsichtlich der Grammatik als auch des Vokabulars. Deshalb findet Code Switching hauptsächlich bei der Konversation bi- oder multilingualer Individuen statt, wie zum Beispiel im Elsass und in Lothringen. Durch die Grenznähe und aufgrund der Geschichte ist es dort zu einem engen Sprachkontakt zwischen dem Französischen und dem Deutschen gekommen.

2. Forschungsmethoden zum Thema Code Switching

Es gibt verschiedene Methoden, den Forschungsgegenstand Code Switching oder das Sprachverhalten bi- beziehungsweise multilingualer Individuen und Gruppen zu untersuchen. Hierzu können entweder Befragungen mittels Fragebögen durchgeführt werden oder aufgezeichnete, gesprochene Texte untersucht werden.

An gesprochenen Texten ist das freie Gespräch „in natürlicher Umgebung und ohne verzerrende Einflussfaktoren“ (Maurer 2002: 71) natürlich der Idealfall. Aus wissenschaftlichem Blickwinkel bietet sich hier die verdeckte Sprachaufnahme an. Verdeckte Sprachaufnahme heißt bei Maurer, dass Gespräche mitgeschnitten werden, ohne dass die Gesprächsteilnehmer sich dessen bewusst sind, dass sie aufgenommen werden. Vom ethischen Standpunkt her ist dies jedoch diskutabel. Deshalb wird das Aufnahmegerät häufig zum verzerrenden Faktor. Wenn bekannt ist, dass Gespräche aufgenommen werden, beeinflusst dies häufig die Spontaneität. Allerdings gerät das Aufnahmegerät immer mehr in Vergessenheit, je länger die Versuchspersonen diskutieren, ohne ständig auf die Präsenz des Gerätes aufmerksam gemacht zu werden. (vgl. Maurer 2002: 71ff). Bei gelenkten Gesprächen werden die Diskussionsthemen oder Gegenstände der jeweiligen Unterhaltung festgelegt (vgl. Maurer 2002: 67). Dadurch lässt sich gut untersuchen, inwieweit unterschiedliche Sprecher aus ein- und derselben Sprachgruppe unterschiedlich switchen, wenn es um die gleichen Themen geht. Durch gelenkte Gespräche kann man beispielsweise nachweisen, ob der Gebrauch einer bestimmten Sprache mit der Domäne, dem Grad der Institutionalisierung einer Situation oder aber mit den Vorlieben und Kompetenzen der Gesprächsteilnehmer zusammenhängt. Allerdings kann dies wiederum auf Kosten der Spontaneität gehen.

Ähnlich verhält es sich beim offenen Leitfadeninterview, wobei hier meist nur Einzelpersonen und keine Gruppen befragt werden. Der Interviewer orientiert sich an einer bestimmten Vorgabe, um vergleichbare Daten zu sammeln. Er sollte geschlossene Fragen vermeiden. Um trotz des vorgegebenen Leitfadens die Gesprächssituation aufrecht zu erhalten und eine Vertrauensbasis zu schaffen, „ist es notwendig, auch Gegenfragen des Interviewten an die Person des Befragers zuzulassen“ (Stroh 1993: 24).

Auch Fragebögen können Auskunft über das Sprachverhalten bi- oder multilingualer Sprechergruppen geben. Mit Hilfe der Fragebögen können die Sprecher zwar ihre Präferenzen, was den Gebrauch beider Sprachen angeht, zum Ausdruck bringen, allerdings ist Beantwortung der Bögen durch die Probanden immer subjektiv. Situationen, in welchen die Versuchspersonen instinktiv, ohne es zu merken, switchen, werden hierbei außen vor gelassen. Fragebögen werden häufig zur Unterstützung von Datenaufzeichnungen verwendet, beispielsweise um Alter, Geschlecht, soziale Hintergründe, Bildungsniveau etc. zu erfassen (vgl. Maurer 2002: 78ff). Bei zweisprachig angebotenen Fragebögen kann auch die jeweils vom Informanten gewählte Fassung (‚Fragebogen’ oder ‚Questionnaire’) aufschlussreich sein (vgl. Hoffmeister 1977: 9).

3. Bilingualismus im Elsass und in Lothringen

Im Elsass wird bekanntlich deutsch und französisch gesprochen. De facto liegt in dieser Region jedoch so etwas wie eine Dreisprachigkeit vor. Schriftsprachen im Elsass sind Hochdeutsch und Hochfranzösisch. Gesprochen werden jedoch Französisch und Elsässisch, eine Varietät des Deutschen. So gibt es theoretisch drei mögliche Kombinationen von Code Switching, nämlich einmal zwischen französisch und hochdeutsch, zwischen französisch und elsässisch sowie zwischen elsässisch und hochdeutsch.

Im Allgemeinen wird von einer Zweisprachigkeit ausgegangen, die Hochdeutsch und Französisch beinhaltet. Diese Art der Zweisprachigkeit beschränkt sich jedoch nicht auf das Elsass. Sie existiert in dieser Art ebenso in Belgien, Luxemburg, der Schweiz oder Österreich. Sie kommt aber auch in kosmopolitischen Städten wie Berlin oder Paris vor. Würde man sich beim Beschreiben der bilingualen Situation im Elsass auf diese eine Möglichkeit der Zweisprachigkeit beschränken, könnte man sich zwangsläufig nur auf eine kleine intellektuelle oder „bourgeoise“ (Philipps …..: 185) Elite beziehen. Eine nicht zu unterschätzende Anzahl der elsässischen Bevölkerung drückt sich nämlich im Französischen eher zögernd bisweilen sogar inkorrekt und im Hochdeutschen mehr schlecht als recht aus. Viele fühlen sich am wohlsten, wenn sie den elsässischen Dialekt benutzen (vgl: Cercle René Schickele 1969: 67).

[...]


[1] Nach Myers-Scottons „Matrix Language Frame Model“ wird Code switching nicht in symmetrischer Weise benutzt. Es gibt Unterschiede in Frequenz und Ausdehnung der benutzten Sprachen. Die Sprecher switchen unterschiedlich oft. Es gibt also in bilingualer Konversation eine dominante Sprache (= „Matrix „ oder „Base language “) und eine weniger dominante Sprache (= „embedded language“) (vgl. Goebl e.a. 1996: 600ff)

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Code-Switching und Sprachkontakt am Beispiel des Elsass und Lothringens
Hochschule
Universität Mannheim  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
PS: Konversationsanalyse für Romanisten
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
11
Katalognummer
V23040
ISBN (eBook)
9783638262446
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ursprünglich war noch ein Anhang vorhanden (Fallbeispiel), dessen Transcript wurde aber aus anderem Werk übernommen.
Schlagworte
Code-Switching, Sprachkontakt, Beispiel, Elsass, Lothringens, Konversationsanalyse, Romanisten
Arbeit zitieren
Horn Brigitte (Autor), 2003, Code-Switching und Sprachkontakt am Beispiel des Elsass und Lothringens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23040

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