Grundprobleme interkultureller Ethiken. Die Grenzen der Toleranz


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Geschichte der Toleranz
2.1 Toleranz in der Antike/ Mittelalter
2.2 Toleranz im Reformationszeitalter
2.3 Toleranz im modernen Verfassungsstaat

3. Perspektiven der Toleranz
3.1 Toleranzbegriff in der Biologie
3.2 Toleranz im Religiösen Verständnis
3.3 Toleranz bei John Locke

4. Notker Schneiders Idee über Toleranz und ihre Grenzen
4.1 Einleitung
4.2 Kennzeichnung der interkulturellen Haltung inkl. Toleranzkonzept
4.3 Grenzen der Toleranz
4.4 Folgerungen für ein Konzept der Toleranz aus interkultureller Perspektive
4.5 Schlusswort von Notker Schneider

5. Beantwortung der Fragestellung / Fazit

Literatur

Internetquellen

1.Einleitung

Um die Fragestellung zu beantworten, ob die Toleranz zum Existieren Grenzen braucht, wird Notker Schneiders Vortrag „Über Toleranz und ihre Grenzen“ als Basislektüre verwendet. Zunächst stelle ich verschiedene Definitionen der Toleranz vor (s.h. Punkt 3). Des Weiteren werde ich Schneiders Idee von Toleranz näher beleuchten (s.h. Punkt 4) um darauf folgend die Fragestellung zu beantworten und mein Fazit zu ziehen(s.h. Punkt 5).

Einsteigend wird die Geschichte der Toleranz näher von mir betrachtet um einen Überblick über den Begriff der Toleranz und seine evtl. zeitspezifischen Auslegungen zu gewinnen (s.h. Punkt 2).

2. Geschichte der Toleranz

Interessiert man sich heute für den Begriff Toleranz und nimmt man sich einen Duden zu Hand, so findet man folgende Definition: 1. Versteht man Bildungssprachlich den Begriff als Tolerantsein bzw. Duldsamkeit; 2. Im medizinischen Sinne als begrenzte Widerstandsfähigkeit eines Organismus´ gegenüber (schädlichen) äußeren Einwirkungen(besonders gegenüber Giftstoffen und Strahlen); 3. Im technischen Verständnis der Toleranz wird die zulässige Differenz zwischen der angestrebten Norm und den tatsächlichen Maßen, Mengen oder Größen als eine solche benannt.

Welchen Weg musste der Begriff der Toleranz nun bestreiten um in dieser Form in unserem Duden ansässig zu sein?

2.1 Toleranz in der Antike/ Mittelalter

Der Begriff tolerantia wurde als Wertevorstellung in der spätantiken Kirche genutzt. Er sollte das Verhalten zwischen den Menschen leiten. Die Norm an sich sollte zwischen den Christen eine Gerechtigkeit und vor allem Geduld hervorrufen. Während der Christenverfolgung erlitt das Wort einen Bedeutungswandel. Er bedeutete zu der Zeit die Standhafte Erduldung von Verfolgung und Tod.

Diese Begriffsänderung ging d´accord mit dem römischen Sprachgebrauch, welcher besagt, dass die tolerantia eine Tugend sei, die einen Menschen das Ertragen von Folter, Schmerzen, psychischem Unrecht, Naturkatastrophen und Schicksalsschlägen zulassen. In der Westlichen Entwicklung wurde nun dieser christliche Begriff mit der Liebe verbunden und somit als „Fundament des Friedens“ und „Band der Eintracht“ verstanden. Diese Grundbasis des christlichen Miteinanders sollte das Überleben der christlichen Gemeinschaft sichern. In dieser Weiterentwicklung können wir dem Begriff der Toleranz das erste Mal positive Aspekte anerkennen und politische Grundzüge des gesellschaftlichen Miteinanders, in Bezug auf die christliche Gemeinschaft, wurden inkludiert. Augustinus verstand unter dem Begriff tolerantia einen gemeinschaftsbildenden und gemeinschaftserhaltenden Handlungsbegriff, der seine Grenzen da hat, wo die Einheit der Kirche bedroht wird. Hierbei können wir schon die ersten Bezüge zu der Idee Schneiders feststellen (s.h. Punkt 4). Die Denkweise über tolerantia teilten viele der damaligen Schriftsteller und Gelehrten, jedoch erklärten diese den Begriff stärker in dem Bezug des Ertragens. In keiner Weise hatte diese Bedeutung etwas mit Anerkennung der vertretenden Position oder des Verhaltens seines Gegenübers zu tun, sondern nur die Duldung der Andersartigkeit.

Im Zeitalter des Hochmittelalters teilte sich die Auffassung in zwei Unterkategorien:

(1) Zu einer Duldung von Menschen mit einer individuellen kultischen Praxis und rituellen Gewohnheiten.
(2) Einschränkung des Toleranzbegriffs als Antwort auf die Verschärfung der existenzbedrohenden innerkirchlichen Spannungen und religionspolitischen Konfrontationen.

Folgend lassen sich drei Dimensionen in der mittelalterlichen Auslegung der tolerantia differenzieren:

(1) Politisch-juristisch wurde die Grenze der Toleranz dahingehend gezogen, dass von der offiziellen Kirchenmeinung abweichende Lehren als Staatsverbrechen klassifiziert wurden und das Ausmaß der Duldung der tolerantia unter den Einschätzungsspielraum des Papstes gestellt wurde.
(2) Eine auf das Naturrecht bezogene Perspektive der tolerantia. So wirkt sich die uneingeschränkte Geltungskraft des Naturrechts durch die theologische Unzulässigkeit dahingehend aus, dass z.B. jüdische Kinder aus dem Zwang heraus getauft werden.
(3) Ein Toleranzkonzept, in dem die verschiedenen äußeren Variationen des Glaubens als gleichwertig zu betrachten sind, da sie als Basis der einen mystischen Gotteserfahrung anzusehen sind. Auf dieses Toleranzkonzept sollten sich alle Religionen einlassen können und sich deren jeweiligen Bezug auf die christlichen Offenbarungswahrheiten gewahr werden.

Im ausgehenden Mittelalter wurde die Bedeutung von tolerantia allgemeiner und wies nicht mehr den starken Kirchen- bzw. sozialpolitischen Bezug auf. Die Duldung von sozialen Randgruppen (Bettler, Sinti und Roma etc.) wurde willkürlich dem Abwägen der Obrigkeit zuteil. (vgl.Tabularasa/2009)

2.2 Toleranz im Reformationszeitalter

Der Toleranzbegriff wurde, durch den geistig-kulturellen und politisch-sozialen Umbruch im 16. Jahrhundert in Europa, verbunden mit der Freiheit des Gewissens und der Religionsausübung. Doch nur langsam bekamen der Begriff und die Bedeutung der Toleranz das Verständnis für einen Anspruch auf das Recht eines jeden Individuums auf Freiheit in Bezug auf Religion und Gewissensbildung. Schlussendlich durch die Revolutionen in den USA und Frankreich wurde die Gleichstellung religionsdivergenter Individuen angewendet und als ein naturrechtliches begründetes Menschen- und Bürgerrecht in der Verfassung festgehalten. Die Toleranz verbüßte nun ihren kirchenpolitischen Bezug und gestaltete sich zu einem ordnungspolitischen Prinzip. (vgl.Tabularasa/2009)

2.3 Toleranz im modernen Verfassungsstaat

„Nicht die staatlich erzwungene Rechtgläubigkeit, sondern das Zusammenwirken der Bekenntnisse in ihrer unterschiedlichen Deutung der göttlichen Wahrheit gewährleistete das öffentliche Wohl, auf das Herrscher und Untertanen verpflichtet waren. Das wechselseitige Recht auf Duldung und Anerkennung unter der Voraussetzung der Wahrung des inneren Friedens und der Loyalität zum politischen Gemeinwesen generalisierte die Idee der Toleranz“ (vgl.Tabularasa/2009) Wenn sich die Zugehörigkeit zum Gemeinwesen durch Bürgerechte definierte, breitete sich die Toleranz auf alle Organe des politischen Verbandes aus, solange wie sie die gemeinsamen Prinzipien des politischen Miteinanders achteten. Nun wird die Institutionalisierung der Toleranz deutlich. Im Folgenden wurde der Toleranzbegriff ohne Einschränkungen auf alle Staatsbürger ausgedehnt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Grundprobleme interkultureller Ethiken. Die Grenzen der Toleranz
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V230410
ISBN (eBook)
9783656464754
ISBN (Buch)
9783656466574
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Philosopie, Ethik, Toleranz, John Locke, Notker Schneider, Interkulturell, Religion, Mittelalter, Reformationszeitalter, Verfassungsstaat
Arbeit zitieren
Marten Leissing (Autor), 2011, Grundprobleme interkultureller Ethiken. Die Grenzen der Toleranz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230410

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