"Von dem Gold" aus Konrad von Mengenbergs "Buch der Natur"

Eine Textanalyse


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konrad von Mengenberg und das „Buch der Natur“

3. Grundlagen zur Analyse
3.1 Humoralpathologie
3.2 Platearius und „Circa instans“
3.3 Gold im Mittelalter

4. Formale und inhaltliche Analyse „von dem Gold“

5. Resumee

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

,,daz golt ist under anderm gesmeid sam diu sunn under andern sternen" Konrad von Mengenbergs Buck der Natur deckt1 als erstes populares deutschsprachi- ges Naturkundebuch ein breites Themenspektrum ab und gibt einen fundierten Ein- blick in die naturkundlichen, astronomischen, medizinischen sowie theologischen Sichtweisen des Mittelalters. Der Artikel Von dem Gold bildet hier keine Ausnahme und veranschaulicht gleich mehrere interessante Aspekte mittelalterlicher Denkwei- se, die in dieser Arbeit aufgezeigt werden sollen.

Gold stand im Mittelalter nicht nur symbolisch far Reichtum und Gluck, es war auch von einer gewissen Mystik umgeben und vor allem in Religion und Kirche mit aller- lei Metaphorik belegt. Die Analyse von Von dem Gold soll einen Einblick in den weltlichen und metaphorischen Wert des Goldes im Mittelalter geben.

Vorherrschende medizinische Theorie im Mittelalter war die Humoralpathologie. Sie baute auf der Viersaftelehre Hippokrates auf und passte nahezu jeden Bereich des Lebens in ein Viererschema mitjeweils zwei Opponenten ein, indemjeweils Gegen- satzliches mit Gegensatzlichem geheilt werden konnte. Der Grundgedanke der Hu­moralpathologie ist an Von dem Gold gut nachzuvollziehen und soll aufgezeigt wer­den.

Konrad von Mengenbergs Schreibstil zeichnet sich durch eine fur einen mittelalterli- chen Schriftsteller grofie Selbstsicherheit aus, die nicht vor der Kritik an etablierten Autoritaten zuruckschreckt. Anhand des Artikels Von dem Gold soll diese konrad- spezifische Wissenschaftskritik dargestellt werden.

Grundlage der Arbeit bilden der Artikel Von dem Gold aus der Pfeiffer-Edition von Mengenbergs Buck der Natur sowie eine eigenstandig angefertigte Ubersetzung, die dieser Arbeit beide im Anhang beigefugt sind.

2. Konrad von Mengenberg und das „Buch der Natur“

Konrad von Mengenberg, „Theologe, Kirchenrechtler, Staatstheoretiker, Moralphilo- soph, politischer Schriftsteller, Hagiograph, Naturwissenschaftler und Dichter“2 ver- fasste in den Jahren 1349 und 1350 das Buck der Natur. Adressaten waren vor allem Laien, die der lateinischen Sprache nicht machtig waren und denen astronomische und naturkundliche Kenntnisse vermittelt werden sollten.

Als Hauptquelle diente ihm das von Thomas von Cantimpre verfasste ,,Liber de natu- ra rerum“, eine etwa zwischen 1225 und 1241 entstandene naturwissenschaftliche Enzyklopadie in lateinischer Sprache. Zudem bediente er sich weiterer Nebenquellen wie den „Etymologien“ des Isidor von Sevilla, dem „Physiologus“, dem „Canon“ des Avicenna, „De vegetabilius“ von Albertus Magnus und dem „Circa instans“ .3

Auf den einleitenden Vers-Prolog folgen im Hauptteil acht Kapitel zu den Themen: 1. von dem menschen in seiner gemainen natur, 2. von den himeln und von den siben planeten, 3. von den tiern in ainer gemain, 4. von den paumen, 5. von den krautern, 6. von den edeln stainen, 7. von dem gesmaid, 8. von den wunderleichen prunnen.4 Mengenberg weicht hier von der Vorlage Cantimpres, der sein Werk in neunzehn Kapitel gliedert, deutlich ab, ein erstes Zeichen far das Selbstbewusstsein des Autors.

Diese Selbstsicherheit wird auch an anderer Stelle deutlich: Zwar schliefit sich Men­genberg in seinem Werk der allgemeinen Praxis an, auf antike und mittelalterliche Autoritaten zu verweisen, um den Wahrheitsanspruch seines Werkes zu bekraftigen, doch ubt er teilweise auch Kritik, korrigiert die Meister und erganzt Artikel mit eige- nem Wissen.5

Das Buck der Natur erfreute sich bis in die fruhe Neuzeit grofier Beliebtheit und stand Vorbild fur viele Naturkunden, die in den Folgejahrzehnten seines Erscheinens publiziert wurden. Im 14. und 15. Jahrhundert gehorte es zu den beliebtesten Schrif- ten seiner Zeit und ist in zahlreichen Handschriften uberliefert, der erste Druck er- schien im Jahr 1475 in Augsburg.6 Im neunzehnten Jahrhundert wurde das Werk von der Wissenschaft wiederentdeckt und 1861 von Franz Pfeiffer herausgegeben7, der im Vorwort der Schrift seiner Bewunderung fur das Werk Mengenbergs Ausdruck verleiht:

,,Gewiss verdient es, vor vielen andern Denkmalern des Mittelalters, der Gegenwart naher ge- ruckt zu werden, und schon als erste deutsche populare Naturgeschichte darf es auf Beachtung Anspruch machen in einer Zeit, die den Naturwissenschaften die ausgedehnteste, nachhaltigste Pflege zu Theil werden lasst.“8.

3. Grundlagen zur Analyse

3.1 Humoralpathologie

Die Humoralpathologie ging aus der antiken Viersaftelehre hervor und war die vor- herrschende medizinische Theorie von der Antike bis in die fruhe Neuzeit. Gepragt wurde sie vor allem durch die Schriften von Hippokrates und Galen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausgehend vom Viererschema der Grundelemente Luft, Feuer, Wasser und Erde ordnete die Viersaftelehre nahezujeden Bereich des Lebens diesen zu. So besteht der Korper aus vier Korpersaften: Blut (Luft), gelbe Galle (Feuer), schwarze Galle (Er­de) und Schleim (Wasser). Den Korpersaften sowie den Grundelementen wurden wiederum jeweils zwei der vier Primarqualitaten (trocken, feucht, kalt, warm) zu- geordnet. Wie Abb. 1 zeigt, kann dieses Schema nahezu unendlich erweitert werden.

Oberstes Ziel der Humoralpathologie war die sog. Eukrasie, die gute Mischung, denn die Erhaltung bzw. Herstellung des Gleichgewichtes der vier Korpersafte erhielt die Gesundheit bzw. stellte sie her. Zu beachten waren hierbei die vier Temperamente, die jeweils vom Uberschuss einer der vier Safte im Korper herruhrten, das Uberwie- gen eines Saftes im Korper wurde durchaus als naturlich angesehen und erklarte die verschieden Charakterzuge einzelner Menschen: Sanguiniker (zu viel Blut), Phleg- matiker (zu viel Schleim), Choleriker (zu viel gelbe Galle) und Melancholiker (zu viel schwarze Galle).9

Genauso wurde den Heilmitteln jeweils eine oder mehrere Primarquelle zugeordnet. Durch die Verabreichung einer Arznei oder die Einhaltung von Diaten, die bei- spielsweise warme und feuchte Lebensmittel von der Speisekarte eines Sanguinikers verbannte, konnte die Dyskrasie geheilt und sich der Eukrasie genahert werden. Wie Abb. 1 zeigt, wurde dabei nach dem Therapieprinzip contraria contrariis curantur vorgegangen, indem Gegensatzliches mit Gegensatzlichem geheilt wird.10

Zusatzlich zu den Primareigenschaften wurden Heilmitteln Sekundareigenschaften zugesprochen, wie beispielsweise, dass sie abfuhrend oder schweifitreibend wirk- ten.11

3.2 Platearius und „Circa instans“

Das Circa Instans ist eines der bekanntesten pflanzenkundlichen Werke des Mittelal- ters und gilt als das erste Europaische Arzneibuch. Entstanden ist es in der ersten Halfte des 12. Jahrhunderts in Salerno. Aus einer Klosterschule mit angrenzendem Hospital entwickelt sich - vor allem durch die Forderung des wissenschaftsbegeister- ten Kaiser Friedrich II. - eine der ersten medizinischen Hochschulen Europas, die eine umfangreiche Arzneimittellehre entwickelte.

Das Circa Instans, benannt nach den Anfangsworten des Werkes12, besteht aus etwa 270 Monografien, die zunachst eine Pflanze oder Droge beschreiben und ihr jeweils Primarqualitaten und Wirkungen zuschreiben und im zweiten Teil konkrete Anwen- dungsmoglichkeiten auffuhren.

Die Frage nach dem Verfasser des Circa Instans ist in der Literatur umstritten. Meist wird ein Mitglied der Familie Platearii als Autor genannt. Sowohl Johannes13 als auch Matthaeus14 Platearius, Vater und Sohn, werden in der Literatur als mogliche Verfasser aufgefuhrt. Desweiteren taucht auch der Name Nicolaus Salernitanus15 (Nicolaus von Salerno) auf, der Mitte des 12. Jahrhunderts als akademischer Lehrer in Salerno tatig war.

Das Circa Instans war im Mittelalter weit verbreitet, Abschriften sind sogar in Ar- menien nachweisbar, eine weitere Verbreitungsquelle stellten zudem landessprachli- che Enzyklopadisten dar.16

[...]


1 von Mengenberg, Konrad: Das Buch der Natur. Die erste Naturgeschichte in deutscher Sprache. Hg. von Franz Pfeiffer. Stuttgart: Karl Aue 1861. (Im Folgenden zitiert als: Mengenberg BdN), S. 475, Z.

2 Steer, G.: Konrad von Mengenberg. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, hg. von Kurt Ruh. Berlin/ New York. De Gruyter 1985, Sp. 222 (im Folgenden zitiert als: STEER Mengenberg).

3 Zur Debatte uber die Urheberschaft des „Circa instans“ siehe Kapitel 3.1.

4 Vgl.: Mengenberg BdN.

5 Vgl. STEER Mengenberg, Sp. 233f.

6 Vgl. Assion, P.: Altdeutsche Fachliteratur. Berlin: Erich Schmidt Verlag 1973 [ = Grundlagen der Germanistik 13], S.56.

7 Vgl. Ebd., S. 11.

8 Mengenberg BdN, S. 7.

9 Vgl. Bergdolt, K.; Keil, G.: Humoralpathologie. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 5: Hiera-Mittel bis Lukanien. Munchen/ Zurich: Artemis 1991, Sp. 211-213.

10 Vgl. Haferlach, T.: Die Darstellung von Verletzungen und Krankheiten und ihrer Therapie in mitte- lalterlicher deutscher Literatur unter gattungsspezifischen Aspekten. Heidelberg: Carl Winter Univer- sitatsverlag 1991, S. 11.

11 Vgl. Ebd., S. 13.

12 Vgl. Haferlach, T.: Die Darstellung von Verletzungen und Krankheiten und ihrer Therapie in mitte- lalterlicher deutscher Literatur unter gattungsspezifischen Aspekten. Heidelberg: Carl Winter Univer- sitatsverlag 1991, S. 18.

13 Schelenz, H.: Geschichte der Pharmazie. 2. Nachdruck der Ausgabe Berlin 2005. Hildesheim: Georg Olms Verlag 2005, S. 313.

14 Haeser, H.: Lehrbuch der Geschichte der Medicin und der epidemischen Krankheiten. Band I: Geschichte der Medicin. 2. Vollig umgearbeitete Auflage. Jena: Friedrich Mauke 1853, S. 287.

15 Pflanzenheilkunde. In: Enzyklopadie Medizingeschichte, hg. von Gerabek, H. u.a. Berlin: de Gruy- ter 2005, S. 1137.

16 Windhaber, Ralf: „Circa instans negotium de simplicibus medicinis nostrum versatur propositum“, online im Internet <http://www.klostermedizin.de/html/das_circa_instans.html>, 28.03.2001, [zugeg- riffenam: 23.04.2012].

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
"Von dem Gold" aus Konrad von Mengenbergs "Buch der Natur"
Untertitel
Eine Textanalyse
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Germanistische und allgemeine Literaturwissenschaft)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V230440
ISBN (eBook)
9783656465348
ISBN (Buch)
9783656466079
Dateigröße
1392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konrad von Mengenberg, Buch der Natur, Humoralpathologie, Platearius, Circa Instans, Gold, Mittelalter
Arbeit zitieren
Jule Ebbing (Autor), 2012, "Von dem Gold" aus Konrad von Mengenbergs "Buch der Natur", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230440

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