Die rasante Entwicklung und Nutzung des Internets, aber auch anderer Massenmedien, führt dazu, dass insgesamt weniger in traditionellen Büchern gelesen wird. Wenn vom Ende des Buches und vom Ende der Gutenberg-Galaxis gesprochen wird, wird zumeist auch ein Ende des Lesens prophezeit. Bei der Klage über einen Untergang der Lesekultur geht es jedoch meist um einen qualitativen Aspekt, da unter Lesen unausgesprochen literarisches Lesen verstanden wird. Um jedoch die Tragweite des elektronischen Mediums zu betrachten, ist es notwendig, den Begriff des Lesens von dem der Literatur zu trennen. Aktuelle Lesestudien zeigen, dass man nicht zwingend vom Untergang der Lesekultur sprechen muss.
Eine Widersprüchlichkeit zwischen dem Gebrauch der Kulturtechnik Lesen und der Nutzung neuer elektronischer Medien, vor allem des Internets, gibt es nicht. Lesen und Surfen gehören untrennbar zusammen, wie das Lesen an die Schrift gebunden ist. Zum digitalen Lesen gehört eben nicht nur das Lesen eines digitalen literarischen Textes, sondern auch das Surfen im Internet bzw. das Anklicken und kurze Überfliegen einer Information. Zudem verändert sich, durch gegenwärtige Informationstechnologien, die Gesellschaft wirtschaftlich, sozial sowie kulturell von einer Industrie- zu einer globalen Informations- und Dienstleis-tungsgesellschaft. Das Internet führt zu einer Neuordnung gesellschaftlicher Kommunikations- und Speichermethoden. Diese beiden Aspekte führen zu der These, dass ein verändertes Mediennutzungsverhalten eine neue Medienrevolution und insgesamt eine gesellschaftliche Revolution mit sich bringt. Es lässt sich zudem die Frage stellen, welche neue Art von Kommunikation und Lesen die Digitalität bringt und welche Auswirkungen diese Art auf die Speicherung von Wissen und Information hat.
Stehen wir am Beginn eines kulturellen Wandels, der den gesellschaftlichen Umgang mit Wissen und Wissensprodukten grundlegend verändern wird?
Inhaltsverzeichnis
0. EINLEITUNG
1. LESEN
1.1. Was bedeutet Lesen?
1.2. Geschichte des Lesens
1.3. Lesesozialisation
1.4. Lesen heute
1.4.1. Der Leser
1.4.2. Leseverhalten
1.4.3. Mediennutzung allgemein
1.4.4. Lesen digitaler Texte
2. DIGITALE TEXTE
2.1. Definitorische Abgrenzung
2.1.1. Digitale Literatur
2.1.2. Der Textbegriff
2.2. Hypertext
2.2.1. Die Grundidee
2.2.2. Merkmale des Hypertextes
2.2.3. Das Verhältnis Autor-Leser
2.2.4. Links
2.2.5. Formale Unterscheidung von Links (nach Landow)
2.2.6. Besonderheiten des Hypertextes
3. DIE ONLINE-ENZYKLOPÄDIE WIKIPEDIA
3.1. Wissen - Information
3.2. Enzyklopädie
3.3. Wikipedia
3.4. Wikipedia als Hypertext-System
3.4.1. Interne Links
3.4.2. Externe Links
3.4.3. Verschlagwortung
3.4.4. Verwaiste Artikel
3.4.5. Navigationshilfen
3.5. Vergleich des Wikipedia Artikels mit anderen Lexika-Einträgen
3.5.1. Kindlers Literaturlexikon
3.5.2. Lexikon der Weltliteratur
3.6. Zusammenfassung
4. LESEN IM DIGITALEN UMFELD
4.1. Lesen im Hypertext
4.2. Entwicklung neuer Lesearten
4.2.1. Zapping, Switching, Zooming
4.2.2. Social reading
4.2.3. Lesen als Erlebnis
4.3. Lesen auf mobilen Geräten
4.4. Zusammenfassung
5. FAZIT UND AUSBLICK
5.1. Lesen im digitalen Umfeld und Medienrevolution
5.2. Lesekompetenz - Leseförderung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das Lesen und der Umgang mit Wissen durch die Digitalisierung und neue Textformen im Internet, insbesondere am Beispiel des Hypertext-Systems der Online-Enzyklopädie Wikipedia, verändert wird. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Leseverhalten wandelt, welche Rolle hypertextuelle Strukturen dabei spielen und inwiefern diese Entwicklung als eine neue Medienrevolution verstanden werden kann.
- Historische Entwicklung des Lesens und der Lesesozialisation
- Struktur und Definition des digitalen Hypertextes
- Analyse der Funktionsweise und Wissensorganisation von Wikipedia
- Vergleich von Wikipedia mit klassischen gedruckten Lexika
- Entstehung neuer Lesearten im digitalen Umfeld (Zapping, Switching, Zooming)
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Die Grundidee
Die Grundidee des Hypertextes entwickelte Vannevar Bush in seinem Aufsatz As we may think, der im Jahr 1945 in der Zeitschrift Atlantic Monthly publiziert wurde. Bush erkannte das Problem, dass die immer größer werdende Menge an Informationen nur sinnvoll in einer neuen Art der Informationsspeicherung nutzbar gemacht werden kann. Er entwickelte das Konzept der Memex, um Informationen assoziativ zu selektieren.
„A memex is a device in which an individual stores all his books, records, and communications, and which is mechanized so that it may be consulted with exceeding speed and flexibility. It is an enlarged intimate supplement to his memory.”
Diese Maschine, in der alle Informationen gespeichert werden können, soll zudem die essentielle Funktion der Verknüpfung haben.
„It affords an immediate step, however, to associate indexing, the basic idea of which is a provision whereby any item may be caused at will to select immediately and automatically another. This is the essential feature of the memex. The process of tying two items together is the important thing.”
Vannevar Bush setzt dabei die Verknüpfungsweise explizit in Analogie zu der Funktionsweise des menschlichen Gehirns, denn das menschliche Gehirn „operates by association“. Bushs visionäre Vorstellung beinhaltet somit bereits alle heutigen Funktionen eines Hypertextes. Es fehlen bei ihm nur die zusätzlichen Verknüpfungen mit anderen Netzwerken, wie dies heute das World Wide Web ermöglicht.
Zusammenfassung der Kapitel
0. EINLEITUNG: Die Einleitung thematisiert den technologischen Wandel der Medienlandschaft und dessen Auswirkungen auf das Leseverhalten, um die These einer neuen Medienrevolution zu begründen.
1. LESEN: Dieses Kapitel betrachtet die historischen und sozialen Grundlagen des Lesens sowie die aktuelle Veränderung der Lesekultur hin zu selektiven und operationalen Formen.
2. DIGITALE TEXTE: Hier wird der Hypertext als wesentliche neue Textform definiert und dessen Merkmale sowie das veränderte Verhältnis zwischen Autor und Leser analysiert.
3. DIE ONLINE-ENZYKLOPÄDIE WIKIPEDIA: Das Kapitel untersucht Wikipedia als praktisches Hypertext-System, analysiert dessen Struktur, Verlinkungen und Wissensorganisation im Vergleich zu traditionellen Lexika.
4. LESEN IM DIGITALEN UMFELD: Dieser Teil beleuchtet spezifische Lesearten wie Zapping oder Social Reading und die Auswirkungen von mobilen Geräten auf das Leseverhalten.
5. FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die langfristigen Folgen der Medienrevolution für die Wissensgesellschaft sowie die Notwendigkeit der Förderung von Lesekompetenz.
Schlüsselwörter
Lesen, Hypertext, Wikipedia, Medienrevolution, Internet, Wissensgesellschaft, Lesearten, Hyperlink, Mediennutzung, Lesesozialisation, Information, Wissen, Zapping, Switching, Social Reading.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Veränderungen der Kulturtechnik des Lesens im digitalen Zeitalter, insbesondere durch die Nutzung des Internets und neuer Textformen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Lesens, die Theorie des Hypertextes sowie die Analyse von Wikipedia als spezifischem Wissens- und Hypertext-System.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie hypertextuelle Strukturen das Leseverhalten beeinflussen und ob die Veränderungen als neue Medienrevolution interpretiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse von Primär- und Sekundärliteratur sowie einer exemplarischen Untersuchung der Struktur von Wikipedia-Artikeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Definition von digitalen Texten, die Funktionsweise von Hypertexten, die Analyse der Wikipedia-Struktur und die Herausbildung neuer Lesearten wie Zapping und Social Reading.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lesen, Hypertext, Wikipedia, Medienrevolution, Internet, Wissensgesellschaft und Lesekompetenz.
Wie unterscheidet sich die Wikipedia von klassischen Lexika?
Wikipedia zeichnet sich durch eine kollaborative Erstellung, eine netzartige Verlinkungsstruktur und eine unbegrenzte Erweiterbarkeit aus, während klassische Lexika meist statisch und durch wenige Autoren verfasst sind.
Warum wird das Lesen von Hypertexten oft als komplexer wahrgenommen?
Aufgrund der nicht-linearen Struktur müssen Leser ständig Leseentscheidungen treffen, was eine höhere kognitive Belastung und eine aktive Navigation durch den Text erfordert.
Welchen Einfluss haben Zapping und Switching auf das Lesen?
Diese aus dem Fernsehen bekannten Strategien führen im digitalen Umfeld zu einem selektiveren Leseverhalten, bei dem Nutzer Informationen schneller scannen und gezielter auswählen, statt lineare Texte kontinuierlich zu lesen.
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- B.A. Julia Kosnider (Author), 2013, Lesen im digitalen Umfeld am Beispiel von Wikipedia, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230490