Kryonik, Uploading, Enhancement. Ethische Implikationen zentraler trans- und posthumanistischer Visionen


Seminararbeit, 2009

21 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ethische Implikationen zentraler trans- und posthumanistischer Visionen
2.1 Begriffsklärung
2.1.1 Transhumanismus
2.1.2 Posthumanismus
2.2 Zentrale Ideen des Trans- und Posthumanismus
2.2.1 Kryonik
2.2.2 Uploading
2.2.3 Enhancement
2.3 Kritik an den zentralen Ideen des Trans- und Posthumanismus
2.3.1 Kritik an der Kryonik
2.3.2 Kritik am Uploading
2.3.3 Kritik am Enhancement

3 Ausblick

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Sich nach dem Tod in Stickstoff einfrieren lassen und irgendwann in der Zukunft wieder auftauen und weiterleben…

Sein Gehirn durch Implantate aufrüsten, um dadurch Wissen nie wieder mühsam lernen zu müssen, sondern direkt auf einen mental zugänglichen Gedächtnischip zu übertragen, um mit Hilfe eines Internetchips blitzschnell benötigte Informationen mental aus dem World Wide Web abzurufen oder um Gefühle und Stimmungen gezielt zu beeinflussen und somit nie mehr traurig sein zu müssen…

Das eigene Bewusstsein auf viele unzerstörbare Computer kopieren, diese im Weltall verteilen und dadurch wahre Unsterblichkeit erlangen, ewig leben…

Vielen Menschen erscheinen diese Gedanken als wirre Spekulation, irre Utopie und bizarre Phantasie. Andere halten diese Vorstellungen dagegen für durchaus verwirklichbar und anstrebenswert und fordern, technologische Entwicklungen in diese Richtung voranzutreiben; sie nennen sich "Transhumanisten" und "Posthumanisten".

Um sie und ihre zentralen Überzeugungen soll es in dieser Arbeit gehen. Vor allem soll die Frage beantwortet werden, welche Implikationen mit diesen Überzeugungen verbunden sind – in ethischer, aber auch in theoretisch-philosophischer Hinsicht. Dabei werde ich mich auf die wichtigsten Punkte beschränken.

Diese Arbeit besteht aus drei Teilen:

- Nach einer Definition der Begriffe "Transhumanismus" und "Posthumanismus" werde ich im ersten Teil drei zentrale Visionen der Trans- und Posthumanisten – Kryonik, Uploading und Enhancement – sowie Argumente der Befürworter darlegen.
- Im zweiten Teil werde ich Argumente gegen die Ideen des Trans- und Posthumanismus vorstellen, wobei es sich hauptsächlich um ethische Begründungen handeln wird. Darüber hinaus werde ich ontologische, wissenschaftstheoretische und mathematikphilosophische Argumente anführen, die gegen die prinzipielle Verwirklichbarkeit einer der drei Ideen sprechen und meines Wissens im bisherigen Diskurs noch nicht erwähnt worden sind. Insgesamt werde ich dadurch zeigen, dass die Ideen der Trans- und Posthumanisten sowohl aus praktisch- als auch aus theoretisch-philosophischer Perspektive viel problematischer sind als in der trans- und posthumanistischen Literatur dargestellt.
- Im dritten Teil werde ich in einem Ausblick die Relevanz trans- und posthumanistischer Visionen einzuordnen versuchen – auch im Hinblick auf die eigene Sinnfindung.

2 Ethische Implikationen zentraler trans- und posthumanistischer Visionen

2.1 Begriffsklärung

2.1.1 Transhumanismus

Der Transhumanismus ist eine auf philosophischen Annahmen basierende Bewegung von Aktivisten, welche die Eigenschaften und Funktionen des menschlichen Körpers mit Hilfe technologischer Veränderungen modifizieren und dadurch sowohl Unzulänglichkeiten der menschlichen Physis beseitigen als auch neue, bisher im Funktionsarsenal des menschlichen Körpers nicht enthaltene Funktionen einführen wollen. Der menschliche Körper soll dadurch verbessert, perfektioniert und in seiner Funktionalität erweitert werden. Durch eigenverantwortliche Modifikation des Körpers soll der Mensch somit "seine Evolution in die eigenen Hände […] nehmen" (Prengel).[1]

2.1.2 Posthumanismus

Ähnlich wie beim Transhumanismus handelt es sich auch beim Posthumanismus um eine philosophische Denkrichtung und aktive Bewegung, die eine Modifikation des Menschen mit Hilfe technologischer Veränderungen propagiert. Nach Vorstellung der Posthumanisten soll der menschliche Körper als Substrat des Geistes vollständig durch technisch hergestellte Bauteile ersetzt und dadurch letztlich überwunden werden (vgl. Krüger, 108f). Im Gegensatz zum Transhumanismus, der anthropozentrisch ausgerichtet ist und den perfekten Menschen zum Ziel hat, steht beim Posthumanismus die Maschine im Zentrum – der menschliche Körper soll vollständig durch technische Bauteile ersetzt werden, wobei die psychische Kontinuität erhalten bleibt (vgl. Krüger, 112). Somit "[formuliert] der Posthumanismus das Ziel und der Transhumanismus den Weg" (Krüger, 112).

2.2 Zentrale Ideen des Trans- und Posthumanismus

Die am häufigsten erwähnten und am kontroversesten diskutierten der zahlreichen trans- und posthumanistischen Visionen sind die Kryonik, das Uploading und das Enhancement. Sie werde ich im Folgenden definieren und näher charakterisieren, wobei ich auch auf Argumente von seiten der Trans- und Posthumanisten eingehen werde.

2.2.1 Kryonik

Eine Idee, die man im Trans- und Posthumanismus besonders häufig antrifft, ist die Kryonik oder Kryostase. Grob formuliert bezeichnen diese beiden Begriffe das Einfrieren menschlicher Leichen, um sie in der Zukunft wieder auftauen und wiederbeleben zu können. Die Grundidee beruht dabei auf Beobachtungen, wonach bestimmte Tierarten bei kalten Temperaturen erstarren und bei Erwärmung wieder auftauen können, ohne relevante Schäden davonzutragen (vgl. Nahm/Ernstberger). Auch in der gegenwärtigen medizinischen Forschung sind Erfolge bei der Kryostase verschiedener Gewebetypen zu verzeichnen (vgl. Merkle).

Beim kryonischen Aufbereitungsprozess wird der menschliche Körper nach Eintritt des Hirntodes[2] in flüssigem Stickstoff auf –196 °C schockgefroren und anschließend für unbestimmte Zeit in Kühltanks aufbewahrt (vgl. Nahm/Ernstberger). Irgendwann in der Zukunft, so die Hoffnung der Kryonik-Anhänger, werde eine hochentwickelte Zivilisation in der Lage sein, die Körper wieder aufzutauen und die mikro- und makroskopischen Schäden zu beheben, die während des Kühl- oder Aufbewahrungsprozesses entstanden sind.[3]

Während Kryonik für Menschen in Deutschland aufgrund des Friedhofzwangs verboten ist, gibt es in den USA zahlreiche Unternehmen, die Kryostase anbieten (vgl. Krüger, 126f). Aus Kostengründen haben einige Unternehmen mittlerweile beschlossen, nur mehr die Köpfe aufzubewahren[4] – in der Hoffnung, dass eine hochentwickelte Zivilisation in der Lage sein werde, auch die fehlenden Körperteile zu ersetzen (vgl. Brooks, 227).

[...]


[1] Um die Jahrtausendwende wurden zahlreiche transhumanistische Vereinigungen gegründet, in Deutschland etwa die Deutsche Gesellschaft für Transhumanismus e. V.

[2] More unterscheidet zwei Arten von Tod: permanenten Tod (Deanimation) und irreversiblen Tod. Demzufolge sei man permanent tot, wenn man mithilfe der gegenwärtigen Technik zwar nicht wiederbelebt werden könne, aber eine Wiederbelebung aufgrund der Konservierung der Gehirnstruktur prinzipiell möglich sei; irrversibel tot sei man dagegen erst, wenn die Struktur zerstört und eine Rekonstruktion des Gehirns daher unmöglich sei (vgl. Krüger, 127f; vgl. Krüger, 188).

[3] Um mikroskopische Schäden schon während des Gefrierprozesses zu vermeiden, ersetzt man vor der Konservierung das Blut durch einen synthetischen Ersatzstoff (vgl. Krüger, 126).

[4] Einfrieren und Aufbewahren eines kompletten menschlichen Körpers kosten etwa 100.000 US-Dollar, eines menschlichen Kopfes alleine dagegen nur etwa 40.000 US-Dollar (vgl. Nahm/Ernstberger).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Kryonik, Uploading, Enhancement. Ethische Implikationen zentraler trans- und posthumanistischer Visionen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin)
Veranstaltung
Leib, Seele, Geist – Historische und ethische Fragen der Neurowissenschaften
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V230522
ISBN (eBook)
9783656466352
ISBN (Buch)
9783656467250
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kryonik, uploading, enhancement, ethische, implikationen, visionen
Arbeit zitieren
Michael Marquardt (Autor), 2009, Kryonik, Uploading, Enhancement. Ethische Implikationen zentraler trans- und posthumanistischer Visionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230522

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