Depressionen fragen nicht nach dem Alter!

Symptome, Therapieansätze und Ursachen im Kindergarten-, Jugend- und Rentenalter


Fachbuch, 2013
102 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

KLINISCHE PSYCHOLOGIE/MAJOR DEPRESSION VON KERRY HERRMANN 2004
Einleitung
Was ist Depression
Erscheinungsformen
Erklärungsansätze
Behandlungsmethoden/Therapiemöglichkeiten
Prävention
Sozialpädagogisches Handeln in Bezug auf Depressionen
Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis

DEPRESSIONEN BEI KINDERN IM KINDERGARTEN- UND GRUNDSCHULALTER VON ROSWITHA SEEBER 2007
Vorwort
Einleitung
Was ist eine Depression?
Die Symptome einer Depression
Die besondere Ausprägung der Symptome in der Kindheit
Die Ursachen einer Depression im Kindesalter
Depressionen im Kindergarten und in der Grundschule
Therapiemöglichkeiten für depressive Kinder
Nachwort
Literaturverzeichnis

DEPRESSION BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN - ERSCHEINUNGSBILD UND THERAPIEFORMEN VON FRAUKE JUST 2003
Einleitung mit kurzem historischem Rückblick
Was ist eine Depression?
Empirie
Die kognitive Verhaltenstherapie
Abschluss
Quellen

DEPRESSION IM HÖHEREN LEBENSALTER VON HEIKO BÖTTCHER UND IREEN SAAL 2005
Ursachen von Depressionen im Alter
Eine evolutionäre Deutung der Ursachen
Epidemiologie
Prognostische Faktoren
Depression im Alter
Die Behandlung der Depression
Literatur

Klinische Psychologie/Major Depression von Kerry Herrmann 2004

Einleitung

In meiner Hausarbeit werde ich mich mit dem Thema Depression, im speziellen mit der Major Depression, auseinandersetzen.

In der letzten Zeit sind immer wieder Meldungen von der Erkrankung einiger berühmter Persönlichkeiten durch die Presse gegangen. Wie viel Unverständnis und Unkenntnis jedoch in Bezug auf diese Krankheit vorherrscht, zeigt ein Kommentar von Karsten Spengemann, RTL TV-Moderator, der sich wie folgt zu der Erkrankung des FC Bayern München Spielers Sebastian Deissler äußerte: „Es ist bedauerlich, dass man in unserer Gesellschaft, in der man doch eigentlich alles hat, noch an Depressionen erkrankt.“

Depression wird immer noch leichtfertig als ein „Nicht wollen“ abgetan. Dass es sich bei den Betroffenen aber um ein „Nicht können“ handelt und dass ihre Untätigkeit keineswegs auf Unlust oder gar Faulheit beruht, ist vielen Gesunden nicht klar.

Es herrscht also noch viel Aufklärungsbedarf, damit Depression von allen – den Betroffenen selbst, deren Angehörigen und auch von Ärzten – als diese erkannt und behandelt werden kann.

Ich habe mir dieses Thema ausgesucht, weil ich vor ca. 3 Jahren selbst unter Depressionen litt und nur durch Zufall im Internet erkannte, dass es eine „richtige Krankheit“ und nicht meine eigene Schuld ist, warum es mir so schlecht ging, ich zu nichts Lust und an nichts im Leben mehr Spaß hatte.

Was ist Depression

Bei Jaeggi, Rohner und Wiedemann, S.356 habe ich eine Definition gefunden, die stichpunktartig die wesentlichen Merkmale der Depression auf den Punkt bringt:

„Depression ist ein Sammelbegriff für eine Anzahl komplexer Störungsbilder mit Symptomen auf unterschiedlichen Ebenen:

1. emotional
2. kognitiv
3. motorisch
4. motivational
5. vegetativ

Unterteilen lassen sie sich nach verschiedenen Dimensionen:

1. Ätiologie (somatische, endogene, psychogene Depression)
2. Schweregrad (neurotische vs. psychotische Depression)
3. Alter
4. Verlauf (unipolare versus bipolare Depression)
5. Umweltereignisse (Erschöpfungsdepression, Entlastungsdepression)“

Die Depression gehört zu den affektiven Störungen, also zu den Störungen der Stimmungslage, die den Betroffenen in allen Lebensbereichen stark beeinträchtigen. Man unterscheidet hier zwei Klassen. Zum einen die Major Depression bzw. die depressive Episode (unipolare Störung) und die bipolare affektive Störung. Hierbei treten Symptome der Manie und der Depression abwechselnd auf.

Ich beschäftige mich aber nur mit der Major Depression und diese zählt weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen.

Bei Depression handelt es sich um eine rezidivierende Störung, das heißt, etwa 80 % derjenigen, die einmal daran erkranken, erleiden weitere Episoden (im Durchschnitt vier mit einer Dauer von drei bis fünf Monaten). Bei 12% der Fälle wird die Depression, dauert sie länger als zwei Jahre, zu einer chronischen Störung (Davison – Neale, S. 306)

Begriffserklärung/Definition

Jeder von uns kennt Phasen, in denen er aufgrund von negativen Ereignissen im Leben traurig oder erschöpft ist. Der Verlust eines geliebten Menschen, des Arbeitsplatzes oder andere private Krisen und Enttäuschungen wirken sich auf unsere Seele aus und wir erleben Mutlosigkeit und Stimmungstiefs. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine Depression handeln, es ist eher eine normale Reaktion unserer Psyche auf negative Lebensumstände. Die Niedergeschlagenheit ist allerdings an diese negativen Erlebnisse gekoppelt. Lassen Verlustschmerz oder Überbelastung nach, hellt sich auch die Stimmung wieder auf.

Anders bei Depressionen. Hier tritt auch bei positiven Erlebnissen keine Besserung der Stimmung ein, man spricht auch von „Trauer ohne Grund“. Depressionen treten oft auch ohne äußere negative Ereignisse auf.

Der Betroffene kann sich nicht mehr aus eigener Kraft von dieser Niedergeschlagenheit befreien. Und das ist auch das Heimtückische an dieser Krankheit: Der Depressive muss an sich arbeiten und braucht Kraft, um die Krankheit überwinden zu können, doch eben diese wird ihm durch die Krankheit genommen.

Das Destruktivste an einer Depression ist die Unfähigkeit, sich irgendeinen anderen Zustand ausmalen zu können. (Degner, S. 32)

Depression ist also eine behandlungsbedürftige, psychiatrische Erkrankung, die sich unbehandelt über Monate oder sogar Jahre hinziehen kann. (Forum für seelische Gesundheit, S. 14f) Man kann also in keiner Weise von gesteigerter Traurigkeit reden, denn depressive Menschen unterscheiden sich von niedergeschlagenen oder trauernden dadurch, dass sie nicht mehr trauern, weinen und sich über nichts mehr freuen können. Sie scheinen von jeglicher Emotion abgeschnitten zu sein. Hoffnungslosigkeit, Selbstvorwürfe und Zweifel an einer zukünftigen Verbesserung des eigenen Zustandes bestimmen die Gedanken des Depressiven.

Klassifikation der Depression

Wenn man die Ursachen einer Krankheit feststellen und eine geeignete Therapie finden will, muss man zuerst die richtige Diagnose stellen. Das heißt, man muss die verschiedenen Störungen und Symptome zuerst klassifizieren und einordnen, um genau zu erkennen, welche Krankheit vorliegt. Dies ist notwendig, um Fehlbehandlungen (falsche Psychotherapie oder sogar Einsatz der falschen Psychopharmaka) zu verhindern.

Die Klassifizierung psychischer Störungen ist aber nicht immer leicht. Im Laufe der Forschung haben sich verschiedene Systeme entwickelt, die das erleichtern. Die bedeutendsten zwei sind:

Diagnostisches System der American Psychiatric Association – DSM – IV

Das Besondere an diesem Klassifikationssystem ist, dass der Patient multiaxial, genauer gesagt auf fünf Achsen bewertet wird. Dieses Verfahren erlaubt, einen Schluss zu ziehen, woher die Depression kommt, ob sie medizinische, psychosoziale oder andere Ursachen hat.

Der Mensch wird also von mehreren Seiten betrachtet, auf die ich nun kurz eingehen werde. Die fünf Achsen sind also:

1. alle psychischen Störungen mit Ausnahme von Persönlichkeitsstörungen und geistiger Behinderung.
2. Persönlichkeitsstörungen und geistige Behinderung
3. Medizinische Krankheitsfaktoren (die mit der psychischen Störung in Zusammenhang stehen – wichtig z.B. bei der Verschreibung von Psychopharmaka, die evtl. andere körperliche Leiden verschlechtern)
4. Psychosoziale und umgebungsbedingte Probleme (Probleme am Arbeitsplatz, wirtschaftliche oder zwischenmenschliche Probleme)
5. Globale Beurteilung des Funktionsniveaus (Beurteilung der sozialen Beziehung, des beruflichen Bereichs und des Freizeitverhaltens)

Auf der I. und II. Achse werden also die psychischen Störungen im speziellen diagnostiziert.

Diagnostisches System der Weltgesundheitsorganisation – ICD-10

ICD-10 ist die zehnte Version des International Classification of Diseases, ein alle Krankheiten umfassendes Diagnosesystem. Im V. Kapitel sind hier die psychischen Störungen definiert. Im Unterschied zum DSM IV verlangt es keine multiaxiale Beurteilung des Patienten. Die über 300 psychopathologischen Kategorien sind in zehn Abschnitte mit weiteren Unterteilungen gegliedert.

Die Diagnosen der Krankheiten sind durch einen Buchstaben und zwei Nummern kodiert. Im Fall von Depression wäre die Kodierung F 30 bis F 39, dies ist die Gruppe der affektiven Störungen, wozu auch die Depression zählt. Die Nummern können durch zwei weitere Punkte zusätzlich untergliedert werden, was dann wie folgt aussehen würde: F 10.25 (Davison/Neale, S. 66 f)

In der Diagnostik psychischer Krankheiten haben sich die beiden wichtigsten Systeme im Laufe der Jahre weitgehend angeglichen. In beiden werden z.B. die unterschiedlichen Schwere- und Ausprägungsgrade und bestimmte Verlaufscharakteristika der Depression kodiert. (Rahn/Mahnkopf, S. 311)

Wer ist betroffen ?

Depressive Syndrome gehören also zu den häufigsten seelischen Erkrankungen überhaupt und kommen in allen gesellschaftlichen Schichten vor, in Industrienationen genauso wie in Entwicklungsländern. Es wurde allerdings beobachtet, dass sie öfter in sozialen Unterschichten sowie im frühen Erwachsenenalter auftreten. Die Erkrankungshäufigkeit hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Das kann zum einen an besseren Diagnoseverfahren liegen, andererseits kann besonders bei Männern die Erkrankung leichter erkannt werden, weil sie offener über emotionale Probleme reden. Und trotzdem ist die Dunkelziffer wahrscheinlich viel höher, da viele Betroffene nur ihre physischen Beschwerden behandeln lassen, die Ursache Depression aber selbst von Ärzten nicht immer erkannt wird. (Stange, S. 28f)

Depressionen setzten typischer Weise mit Mitte bis Ende 20 ein. Die Tatsache, dass das Alter, in dem die Depression auftritt, gesunken ist, könnte an den sozialen Veränderungen liegen. Junge Menschen sind vor eine Vielzahl neuer Probleme und Herausforderungen gestellt – negative Zukunftsperspektiven, Ausbildungsplatzmangel, dazu kommt, dass meist unterstützende familiäre Strukturen fehlen. Familie und Gesellschaft bieten oft keinen Halt und keine Sicherheit mehr, traditionelle Werte und Normen fallen weg.

Frauen sind zwei- bis dreimal so oft betroffen, wie Männer. (Davison – Neale, S. 306)

Die Angaben über die Morbidität schwanken. So liegen sie bei der Major Depression zwischen 4-19 %. (Rahn/Mahnkopf, S. 312)

Symptome

Um Depressionen leichter erkennen zu können, wurde ein Fragenkatalog zusammengestellt, durch den es gelingt, die Schwere der Erkrankung erkennen und entsprechende Therapiemöglichkeiten entwickeln zu können.

So müssen laut Davison und Neale bei der Major Depression fünf der folgenden Symptome über mindestens zwei Wochen vorhanden sein:

- depressive Verstimmung an fast allen Tagen, die meiste Zeit des Tage
- deutlich vermindertes Interesse oder Freude an allen oder fast allen Aktivitäten
- Schlaflosigkeit, Einschlafschwierigkeiten
- Veränderung des Aktivitätsniveaus, entweder Verlangsamung oder Unruhe
- Verminderter Appetit und Gewichtsverlust oder gesteigerter Appetit und Gewichtszunahme
- Energieverlust, große Müdigkeit
- Negatives Selbstbild, Selbstvorwürfe und Schuldgefühle, Gefühl der Wertlosigkeit
- Verminderte Konzentrationsfähigkeit, verminderte Fähigkeit zu denken oder verringerte Entscheidungsfähigkeit
- Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder Selbstmord

Hat man als behandelnder Arzt, als Patient oder auch als Angehöriger erst einmal den Verdacht, dass eine Depression vorliegt, so kann man es anhand von Fragenkatalogen näher einordnen. Doch bis sich dieser Verdacht ergibt, kann es einige Zeit dauern. Vor allem für unerfahrenen Patienten, bei denen die Depression zum ersten Mal auftritt, ist es nicht immer leicht, sie als solche zu diagnostizieren. Denn zu Beginn zeigen sich oft physische Merkmale der Krankheit und man kann von Schlafstörungen oder Kopfschmerzen nicht direkt auf eine psychische Krankheit schließen. Andere körperliche Symptome können sein:

- Appetitstörungen
- Engegefühl im Brustkorb, Atemnot, Druck auf der Brust
- Augen: Lichtempfindlichkeit, Augenbrennen, Entzündung der vorderen Augenabschnitte
- Hals-Nasen-Ohrenbereich: Kloß- oder Würgegefühl im Hals, Ohrengeräusche, Geräuschüberempfindlichkeit
- Kreislaufstörungen: Schwindel, Flimmern vor den Augen
- Rücken- und Nackenschmerzen
- Sexualität: zunehmendes Desinteresse, Schmerzen, Libido- oder Potenzstörungen

Dies sind nur einige Beispiele, welche körperlichen Auswirkungen eine Depression haben kann. Natürlich treten nicht immer alle Symptome gleichzeitig auf. Jedoch kommen zu diesen noch die seelischen Beschwerden, unter denen die Betroffenen meist noch mehr leiden. Einige dieser psychischen Symptome sind laut Prof. Dr. Stange:

- Angstzustände: Gefühl, allein zu sein, nicht geliebt zu werden oder unerwünscht zu sein, Phobien, Panikattacken
- Beziehungsstörungen: mit dem Nachlassen der Erlebnisfähigkeit kommt auch oft ein emotionaler Rückzug von einst geliebten Menschen, Distanz zur Umwelt ist die Folge
- Empfindlichkeit: übersensibel, leicht verletzbar, vorwurfsvoll, Gefühl, nicht verstanden zu werden
- Energielosigkeit: kein Antrieb, Dinge zu tun, kraftlos, müde, schwach, apathisch, passiv
- Freudlosigkeit: lustlos, teilnahmslos, empfindungslos, emotionale Reaktion ist nicht möglich
- Grübelneigung: Gedanken kreisen immer wieder um die gleichen Inhalte
- Minderwertigkeitsgefühle: negative Selbsteinschätzung, Unsicherheit, Gefühl von Nutzlosigkeit und Schuld
- Reizbarkeit: aggressiv, aufbrausend, versteckt oder offen feindselig
- Wahnphänomene: bei schweren Depressionen kommt es zu Verarmungswahn, hypochondrischem Wahn usw., Schuldvorwürfe werden nur gegen sich selbst gerichtet

Erscheinungsformen

Wie auch die Ursachen, so sind auch die Erscheinungsformen von Depressionen sehr unterschiedlich. Man kann nicht von DER Depression sprechen. Und selbst bei gleicher Diagnose für zwei Patienten, kann sich die Krankheit bei beiden sehr unterschiedlich äußern.

Reaktive Depression

Diese Depressionsform tritt im Anschluss an ein schmerzhaftes persönliches Erlebnis auf. Auslöser hierbei können der Verlust des Partners, der Tod eines geliebten Menschen, Verlust des Arbeitsplatzes oder andere Enttäuschungen sein. Sie steht aber immer im Zusammenhang mit dem negativen Erlebnis und konzentriert sich auch auf selbiges. Dauer hierbei sind meist 2 bis 8 Wochen, selten kommen lang anhaltende Verläufe vor. (Stange, S. 53 f)

Neurotische Depression

Hier liegen die Wurzeln in der Kindheit. Erziehungsfehler und schlechte Bedingungen in der Kindheit, wie Verlust des Sicherheitsgefühls oder der Geborgenheit führen schon beim Kleinkind zu Wertlosigkeitsgefühlen und Resignation. Und obwohl Wünsche und Ansprüche nicht erfüllt wurden, hat der an einer neurotischen Depression erkrankte Mensch zeitlebens Sehnsucht nach dem passiven Kleinkindzustand. Dieser Zustand ist dem Betroffenen meist nicht bewusst, es treten bei ihm allerdings deutlich Symptome wie Ängstlichkeit, Gehemmtheit und Selbstunsicherheit auf. Der depressive Zustand ist relativ konstant und kann als depressive Lebensentwicklung beschrieben werden. Der Erkrankte leidet unter Hypochondrie, Schuldgefühlen, teilweise versteckter Aggression und extremen Stimmungsschwankungen. Deutliches Merkmal dieser Depressionsform ist auch der unregelmäßige Verlauf. So wechseln sich psychische und physische Symptome oft ab, es kann zu einem wellenförmigen Verlauf kommen, der leicht mit einer endogenen Depression verwechselt werden kann. Es kommt zu einer Überschneidung mit Angst- und Zwangserkrankungen. Forschungen haben ergeben, dass die ängstlich-agitierte Erscheinungsform mit über 70% überwiegt. (Stange, S. 54 f)

Erschöpfungsdepression

Zu dieser Art der Depression kann es kommen, wenn der Betroffene seit Jahren unter Dauerbelastung leidet. Chronisch belastende Umweltreize werden relativ defensiv hingenommen.

So kann es zum Beispiel bei Asylsuchenden, also bei Menschen, die ihre Heimat verloren haben und sich nun in einer neuen Gesellschaft zurechtfinden und sich an neue Gegebenheiten anpassen müssen, dazu kommen, dass diese unter enormem Druck stehen. Und der wiederum kann auf Dauer zu einer Überbelastung führen, vor allem dann, wenn man sich im neuen Land nicht willkommen, sondern eher abgelehnt fühlt.

Neben der anfänglichen Erschöpfung, Überempfindlichkeit und Reizbarkeit aufgrund der monatelangen Überbelastung kommen später noch Symptome wie Schlafstörungen, Angst und Unruhe hinzu. Auch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Herzbeklemmung und Appetitstörungen treten auf. Antriebsstörung, traurige Verstimmung und innere Leere prägen danach die Empfindlichkeit des Patienten. (Stange, S. 56 f)

Körperlich erklärbare Depression

Organische Depression

Von organischen Depressionen spricht man, wenn es in Folge von altersbedingter oder traumatischer Hirnschädigungen zu Depressionen kommt. Ursache für eine organische Depression können außerdem Hirnhautentzündung oder Hirntumore sein.

Diese Depressionsform ist von anderen kaum zu unterscheiden, da sich die Symptome sehr ähneln. Hinzu kommt allerdings noch eine räumlich-zeitliche Desorientierung.

Symptomatische Depression

Depressionen können auch als Folgeerscheinungen anderer Erkrankungen auftreten. Dann ist die Rede von symptomatischen Depressionen. Es wurde herausgefunden, dass Depressionen oft die Folge von nachstehenden Krankheiten sind:

- Schilddrüsenunterfunktion
- Aids
- Hepatitis
- Diabetes
- Rheuma
- Multiple Sklerose u.a.

Ungefähr 10% aller Depressionen sind organisch oder symptomatisch bedingt. So können z.B. auch bestimmte Medikamente, wie Antibiotika, Rheumamittel, Mittel gegen Bluthochdruck oder Krebsmedikamente Depressionen auslösen. (Stange, S. 58 f)

Larvierte Depression

Larviert bedeutet auch maskiert. Es treten also körperliche Symptome, wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Kreislaufstörungen usw. auf, hinter denen sich die Depression versteckt. Körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Missempfindungen stehen also im Vordergrund. Dies macht eine Erkennung und Behandlung auch so schwierig. Denn wenn man nicht erkennt, dass die Ursache hierfür eine Depression ist, kann es im schlimmsten Fall zu einer Chronifizierung der Depression und auch der Symptome kommen. (Stange, S. 59 f)

Endogene Depression

Als Ursache dieser Depressionsform werden genetische und erbliche Belastungen vermutet, weil eine erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit bei Verwandten besteht. Allerdings ist dies wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt. Fest steht aber, dass diese Form in den meisten Fällen ohne erkennbaren äußeren Anlass auftritt.

Sie lässt sich in zwei Verlaufsformen einteilen:

- unipolare Form: es gibt nur depressive Perioden
- bipolare Form: depressive und manische Perioden wechseln sich ab
Bei dieser Depressionsform treten oft auch Wahnideen auf, die sich vor allem auf zwei Themen beziehen:
- Ängste um die psychische und körperliche Gesundheit. Der Betroffene hat Angst unheilbar krank zu sein und letztlich an seiner Krankheit sterben zu müssen.
- Materielle Sorgen: Angst vor Verarmung und finanziellem Ruin für sich und seine Angehörigen.

Neben den für Depressionen bekannten Symptomen wie Schlafstörungen, Druck- und Schmerzgefühlen im Brustraum und Gewichtsabnahmen, kommt es auch häufig zu starken Schuldgefühlen des Erkrankten. (Stange, S. 60 ff)

Es gibt natürlich noch andere Erscheinungsformen der Depression, wie z.B. die Altersdepression, Depression bei Kindern und Jugendlichen, die Depression nach einer Geburt und die jahreszeitliche Depression, sogenannte Winterdepression, die aufgrund des begrenzten Umfanges meiner Arbeit hier leider unerklärt bleiben müssen.

Erklärungsansätze

Im nun folgenden Teil meiner Hausarbeit möchte ich mich damit beschäftigen, warum es eigentlich zu Depressionen kommen kann. Dafür gibt es Erklärungsansätze, die die Ursachen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. So gibt es z.B. psychologische, medizinische und soziologische Ursachenbereiche. Diese schließen sich in ihren Erklärungen nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich durch ihre unterschiedliche Betrachtungsweise. Denn meist führt nicht eine einzige Ursache, sondern die Kombination mehrerer ungünstiger äußerer und innerer Faktoren zur Entstehung einer Depression.

Psychoanalytische Entstehungstheorien

Erkenntnisse aus diesem Bereich haben wir vor allem Siegmund Freud zu verdanken. So erforschte er die Grundlagen der Depression, die seiner Meinung nach in frühester Kindheit zu suchen sind. In seinem 1917 erschienenen Aufsatz „Trauer und Melancholie“, legte er dar, dass Menschen, deren Bedürfnisse in der oralen Phase übermäßig oder unzureichend befriedigt wurden, in dieser Phase „stecken bleiben“. Später sind diese Menschen abhängig von der für diese Phase typischen Triebbefriedigung. Bleibt die psychosexuelle Reifung an diesem Punkt stehen, kann es dazu kommen, dass diese Personen zur Aufrechterhaltung ihres Selbstwertgefühles sich übermäßig von anderen abhängig machen. (Davison/Neal, S. 309)

Bei einer Fehlverarbeitung von Verlusten geliebter Personen kann es ebenfalls zu Depressionen kommen. Die gesunde Reaktion auf einen Verlust ist Trauer. Bei einer Depression findet Trauer aber nur unzureichend statt. Es kommt zur Ich-Verarmung, das heißt das Ich des Menschen wird arm und leer, das Selbstwertgefühl sinkt.

Andere psychoanalytische Theorien begreifen eine narzisstische Störung als Ursache der Krankheit. Menschen, die in ihrer Kindheit nicht das Gefühl bekommen haben, willkommen zu sein, sich eher ungeliebt und unerwünscht fühlten, die misshandelt oder missbraucht wurden, können eine narzisstische Störung entwickeln. Sie versuchen sich ihre Bestätigung bei anderen Menschen zu holen. Ihr Selbstwertgefühl ist abhängig von Bestätigungen, Fürsorge, Lob und Aufmerksamkeit anderer Menschen. Sie selbst sind eher labil und verletzlich und dadurch auch eher anfällig für Depression. (Stange, S. 75 f)

Aaron Beck formulierte die wichtigste moderne Theorie, die Denkprozesse als Verursachungsfaktoren für Depression annimmt. Er sagt, dass Menschen dann depressiv werden, wenn ihre Denkprozesse negativ verzerrt sind und sie falsche Schlussfolgerungen aus bestimmten Lebensereignissen ziehen. Diese Menschen haben aufgrund von Zurückweisung, Verlust eines Elternteils, andere Schicksalsschläge, Kritik in der Schule usw. negative Schemata erworben. Tauchen im jetzigen Leben Situationen auf, die den früheren ähneln und unter denen die negativen Schemata gelernt wurden, werden von depressiven Menschen Fehlschlüsse gezogen und die Realität verzerrt. Dadurch entsteht das Gefühl, immer nur zu versagen, es kommt zu Selbstvorwürfen und die Betroffenen bürden sich die Verantwortung für jegliches Missgeschick auf. Durch ihre negative Selbstbewertung werden sie ständig an ihre Wertlosigkeit erinnert. (Davison/Neale, S. 311 ff)

Eine andere psychologische Theorie zur Erklärung von Depressionen ist die Theorie der gelernten Hilflosigkeit. Diese besagt, dass Menschen, die erfolglos versucht haben unangenehme Erfahrungen und Traumata zu überwinden, durch das Gefühl der Hilflosigkeit und Unfähigkeit ihr eigenes Leben zu steuern, Depressionen entwickeln können.

Die neueste Form der Hoffnungslosigkeitstheorie stammt von Abramson, der die Ursache von Depressionen darin sieht, dass die Betroffenen davon ausgehen, dass wünschenswerte Ereignisse nicht eintreten, es aber dafür zu unerwünschten Erlebnissen kommt, und dass sie keine Möglichkeit haben, ihre Situation zu verändern. Diese Theorie lässt auch den Schluss zu, dass die Betroffenen ein geringes oder instabiles Selbstwertgefühl und die Neigung haben, aus negativen Ereignissen schwerwiegende Konsequenzen zu ziehen. Dieses Verhalten führt dann zu Depressionen. (Davison/Neal, S. 314 ff)

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Details

Titel
Depressionen fragen nicht nach dem Alter!
Untertitel
Symptome, Therapieansätze und Ursachen im Kindergarten-, Jugend- und Rentenalter
Autoren
Jahr
2013
Seiten
102
Katalognummer
V230564
ISBN (eBook)
9783656457299
ISBN (Buch)
9783956870194
Dateigröße
933 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
depressionen, alter, symptome, therapieansätze, ursachen, kindergarten-, jugend-, rentenalter
Arbeit zitieren
Kerry Herrmann (Autor)Roswitha Seeber (Autor)Frauke Just (Autor)Heiko Böttcher (Autor), 2013, Depressionen fragen nicht nach dem Alter! , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230564

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