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Die rettende Hölle auf dem Zauberberg

Zur Programmatik und Struktur der Odenwaldschule, die die sexualisierte Gewalt dieser Institution begünstigt habe

Titel: Die rettende Hölle auf dem Zauberberg

Ausarbeitung , 2013 , 37 Seiten

Autor:in: Elisabeth Esch (Autor:in)

Pädagogik - Schulpädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Hier ist alles erlaubt!“
Mit diesen Worten begrüßte Gerold Becker als Schulleiter die Neuankömmlinge der Odenwaldschule in Ober-Hambach. Mit dem Hintergrund der ans Tageslicht gekommenen Fälle sexualisierter Gewalt an Schülerinnen und Schülern durch Becker und anderen Lehrkräften dieses reformpädagogischen Landerziehungsheims, erscheint dieser Ausspruch erschreckend. Als sich im Jahr 1999 zwei betroffene Altschüler an die OSO und schließlich an die Presse mit den Vorwürfen wenden, hätte ein Außenstehender wahrscheinlich nicht geahnt, was für Ausmaßen die sexualisierten Gewalttaten an der UNESO-Modellschule nehmen. Es stellt sich heraus, dass es mehrer Opfer und Täter sexualisierter Gewalt an der OSO gibt. Die Frauen Burgsmüller und Tilmann haben in ihrem Abschlussbericht die erschreckenden Zahlen veröffentlicht. Dabei stellt sich die Frage, wie es zu der sexualisierten Gewalt kommen konnte und so viele daran beteiligt waren. Rasch stellt sich die Vermutung auf, dass die besondere Struktur des Zusammenlebens an der Odenwaldschule die Grenzüberschreitungen gefordert haben könnten. Stimmt das? Was hat der pädagogische Eros damit zu tun? Ist die Reformpädagogik aufgrund dessen zum Scheitern verurteilt? Und letztendlich: Warum haben so viele geschwiegen und weggeschaut? Diesen und weiteren Fragen wird im weiteren Verlauf auf den Grund gegangen.
Zunächst wird die Geschichte beschrieben, wie die weit zurückliegenden Taten an die Öffentlichkeit getragen worden sind. Daraufhin wird versucht eine Definition von sexualisierter Gewalt vorzunehmen. Im weiteren Verlauf wird auf den antiken Eros und den daraus resultierenden pädagogischen Eros eingegangen, den die Vertreter der Reformpädagogik als wichtig für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen erachten. Die besondere Struktur des Landerziehungsheimes wird vorgestellt und beleuchtet, in wie weit das enge Zusammenleben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den Schülerinnen und Schülern in Familien die Grenzüberschreitungen begünstigt haben könnte. Die sexualisierten Gewalttaten fanden vornehmlich in den Jahren von 1965 und 1998 statt, weswegen die Zeit der sogenannten sexuellen Revolution betrachtet wird. Desweiteren wird auf den Machtmissbrauch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, besonders von dem als Haupttäter geltenden Gerold Becker, eingegangen. Zum Schluss wird betrachtet, warum so viele aus dem Lehrerkollegium und auch Außenstehende geschwiegen haben.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.) Fragestellung

2.) Geschichte der öffentlich werdenden Fälle sexualisierter Gewalt an der Odenwaldschule

3.) Versuch einer Definition sexualisierter Gewalt

4.) Der antiken und der platonische Eros

5.) Die Reformpädagogik und der pädagogische Eros

6.) Struktur und Leitbild der Odenwaldschule

7.) Sexuelle Revolution

8.) Machtmissbrauch

9.) Warum haben so viele Erwachsene geschwiegen?

10.) Fazit

11.) Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen und programmatischen Bedingungen der Odenwaldschule, welche sexualisierte Gewalt an dieser Institution über Jahrzehnte hinweg begünstigten. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit reformpädagogische Konzepte, das Verständnis des „pädagogischen Eros“ sowie die spezifische Familienstruktur und Machtverteilung an der Schule das Schweigen und Wegschauen der Beteiligten forciert haben.

  • Analyse der historischen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule.
  • Untersuchung des reformpädagogischen Konzepts und der Rolle des „pädagogischen Eros“.
  • Evaluation der internen Machtstrukturen und der Rolle der Landerziehungsheim-Familien.
  • Erörterung der Gründe für das langjährige Schweigen von Lehrkräften, Eltern und Außenstehenden.

Auszug aus dem Buch

8.) Machtmissbrauch

Sexualität stellt „ein wesentliches Medium menschlicher Kommunikation“ dar. Aufgrund dessen zeigt sich „Macht und Abhängigkeit gerade in und mittels menschlicher Sexualität.“ Erzieher erhalten in pädagogischen Institutionen Macht „ausschließlich, weil sie […] als professionell qualifiziert gelten.“ Den Pädagogen wird demnach Autorität zugesprochen und auf sie wird vertraut, wodurch „Träger institutioneller Autoritätsmacht immer schon mit dem Willen zur Fügsamkeit auf Seiten der Autoritätsadressaten rechnen“ können, was sexualisierte Gewalt begünstigen kann wegen der „freiwilligen Fügsamkeit.“

Auch die Eltern der Schülerinnen und Schüler vertrauen auf die Lehrkräfte und räumen ihnen somit implizit Macht ein, weil sie meistens nicht pädagogisch geschult sind. Allerdings gab es viele OSO-Lehrerinnen und Lehrer die ebenfalls nicht als Pädagogen ausgebildet worden sind. Da nur eine Person die Autorität für eine Familie an der OSO besitzt, kommt ihr viel Macht zu. Sie kann selbst die Regeln für ihre Familiengruppe bestimmen und gewinnt mithilfe der Familienberichte viel Macht. Viele OSO-Schülerinnen und Schüler wurden durch das Jugendamt vermittelt. Da die meisten emotional von ihren Eltern vernachlässigt worden sind, werden sie für „Anerkennungsgesten, Würdigung und Zuneigung besonders empfänglich“ und die Pädagogen konnten dieses Gefühl ausnutzen. Die Kinder und Jugendliche brauchen dann besonders Nähe und Zuwendung, aber noch viel wichtiger Distanz zu ihren Lehrkräften, damit die Macht nicht ausgenutzt wird und sie nicht noch mehr geschädigt wird. Die Täter beziehungsweise Täterinnen sind in gewisser Weise auch von ihren Opfern abhängig, wegen „einer Abhängigkeit von […] [der] Anerkennung [der Opfer] und Bedürfniserfüllung […] sowie vom eigenen Streben nach Überlegenheitsgefühlen und Bewundert-Werden.“ Dies soll keine Rechtfertigung der sexuellen Übergriffe darstellen. Auch das Vertrauen der Schülerinnen und Schüler wurde von den Täterinnen und Tätern ausgenutzt, da die Kinder und Jugendlichen ihnen glaubten und sie als eine Art Ersatzeltern ansahen. Manche hatten auch keine Eltern mehr oder ein sehr schwieriges Verhältnis zu ihnen, so dass sie keine andere Vertrauensperson hatten, an die sie sich hätten wenden können.

Zusammenfassung der Kapitel

1.) Fragestellung: Diese Einleitung beleuchtet den Skandal um Gerold Becker und die Odenwaldschule und wirft die Kernfrage nach den institutionellen Bedingungen für sexualisierte Gewalt auf.

2.) Geschichte der öffentlich werdenden Fälle sexualisierter Gewalt an der Odenwaldschule: Dieses Kapitel dokumentiert den Verlauf der Skandalisierung, von den ersten Vorwürfen 1999 bis hin zum Abschlussbericht 2010.

3.) Versuch einer Definition sexualisierter Gewalt: Hier wird der theoretische Rahmen zur Abgrenzung und Definition von sexualisierter Gewalt im pädagogischen Kontext abgesteckt.

4.) Der antiken und der platonische Eros: Es wird die historische Herleitung des Eros-Verständnisses erläutert, das später als Basis für pädagogische Argumentationen diente.

5.) Die Reformpädagogik und der pädagogische Eros: Das Kapitel verknüpft die Prinzipien der Reformpädagogik mit dem Konzept des pädagogischen Eros.

6.) Struktur und Leitbild der Odenwaldschule: Hier werden das reformpädagogische Modell und das Zusammenleben in den sogenannten Heimfamilien der Odenwaldschule analysiert.

7.) Sexuelle Revolution: Der Einfluss der gesellschaftlichen Liberalisierung der 60er und 70er Jahre auf die Odenwaldschule wird in Bezug auf die Sexualmoral untersucht.

8.) Machtmissbrauch: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie durch die pädagogische Autorität und fehlende externe Kontrolle Machtmissbrauch an den Schülern ermöglicht wurde.

9.) Warum haben so viele Erwachsene geschwiegen?: Hier werden die Gründe für das Schweigen der Lehrkräfte, Eltern und externen Beobachter detailliert dargelegt.

10.) Fazit: Die Arbeit resümiert, dass das Zusammenspiel von institutioneller Struktur und falschem Eros-Verständnis den Nährboden für den Missbrauch bildete.

11.) Literatur: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Quellen und weiterführende Literatur zur Thematik.

Schlüsselwörter

Odenwaldschule, Gerold Becker, Reformpädagogik, sexualisierte Gewalt, Machtmissbrauch, pädagogischer Eros, Landerziehungsheim, Kindesmissbrauch, institutionelle Struktur, Schweigen, Aufarbeitung, Kindheit, Erziehung, Grenze, Prävention.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Aufarbeitung der systematischen sexualisierten Gewalt an der Odenwaldschule und untersucht die strukturellen Ursachen, die dieses Fehlverhalten innerhalb der Institution begünstigt haben.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?

Zentrale Themen sind die Reformpädagogik, der pädagogische Eros, die spezifische Familienstruktur an der Odenwaldschule, Machtmissbrauch durch Lehrkräfte sowie die Dynamiken des Schweigens in einem geschlossenen Institutionengefüge.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu verstehen, wie das institutionelle Leitbild und das Zusammenleben an der Odenwaldschule dazu führen konnten, dass sexualisierte Gewalt über Jahrzehnte hinweg unentdeckt blieb oder vertuscht wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den historischen Kontext, die pädagogischen Theorien und die Berichte zur Aufarbeitung des Odenwaldschul-Skandals in einen theoretischen Zusammenhang zu bringen.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit besonders im Fokus?

Der Fokus liegt auf der Analyse der „Totalen Institution“ Odenwaldschule, der Rolle von Gerold Becker als Täter und Vormund sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der missbräuchlichen Auslegung des pädagogischen Eros.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem Odenwaldschule, sexualisierte Gewalt, institutioneller Machtmissbrauch, pädagogischer Eros und Reformpädagogik.

Warum konnte ein System wie das der Odenwaldschule so lange ungestört agieren?

Durch die organisatorische Geschlossenheit, die hohe Autonomie der Lehrkräfte in ihren Heimfamilien und die starke Identifikation mit dem elitären Ruf der Schule wurde kritische Distanz unterbunden und der Schutz der Täter über das Wohl der Opfer gestellt.

Welche Rolle spielte der „pädagogische Eros“ bei der Vertuschung der Übergriffe?

Der pädagogische Eros diente oft als ideologische Rechtfertigung, um eine entgrenzte Nähe zwischen Lehrern und Schülern zu legitimieren, die von Tätern gezielt ausgenutzt wurde, um Grenzüberschreitungen als pädagogisch wertvoll oder natürlich darzustellen.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die rettende Hölle auf dem Zauberberg
Untertitel
Zur Programmatik und Struktur der Odenwaldschule, die die sexualisierte Gewalt dieser Institution begünstigt habe
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Die Odenwaldschule – Geschichte eines reformpädagogischen Projekts und eines pädagogischen Skandals
Autor
Elisabeth Esch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2013
Seiten
37
Katalognummer
V230680
ISBN (eBook)
9783656462484
ISBN (Buch)
9783656462798
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Odenwaldschule sexualisierte Gewalt sexuelle Gewalt sexueller Missbrauch Machtmissbrauch sexuelle Revolution 68er Bewegung antiker Eros platonischer Eros pädagogischer Eros Erastes Eramos Knabenliebe OSO Landerziehungsheime Sexualität Geheeb Hentig Becker Autorität Dehmers total institutions greedy institutions Sexualmoral Faktoren sexualisierter Gewalt Internat System Becker Kahle Schäfer Der Lack ist ab Harder Elke Dull Nöhe und Distanz Pädosexuell Ober-Hambach UNESCO Modellschule Hier ist alles erlaubt
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Arbeit zitieren
Elisabeth Esch (Autor:in), 2013, Die rettende Hölle auf dem Zauberberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230680
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Leseprobe aus  37  Seiten
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