Burnout-Syndrom. Präventive Maßnahmen der Personalabteilung


Bachelorarbeit, 2013
61 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung der Arbeit
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Methodisches Vorgehen

2 Das Burnout-Syndrom
2.1 Definition
2.2 Ursachen
2.2.1 Ursachen in der Person
2.2.2 Ursachen in der Arbeitsumgebung
2.2.3 Ursachen in der Gesellschaft
2.2.4 Burnout im Zusammenhang mit Stress
2.3 Burnout-Phasentheorien
2.4 Das Identitätsmodell - Die fünf Säulen der Identität

3 Burnout-Prävention und die Rolle der Personalabteilung
3.1 Aufgaben der Personalabteilung
3.2 Handlungsmöglichkeiten der Personalabteilung
3.2.1 Indikatoren psychischer Belastungen
3.2.2 Präventive Maßnahmen
3.2.2.1 Prävention, Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung
3.2.2.2 Burnout-Prävention durch die Personalabteilung
3.2.2.3 Sensibilisierung der Führungsebene
3.2.2.4 Sensibilisierung der Mitarbeiter

4 Bewältigungsstrategie
4.1 Betriebliches Konzept zur Burnout-Prävention
4.2 Wiedereingliederung von Betroffenen

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Berufsstress-Modell nach Weinert

Abbildung 2: Kreislauf nach Lazarus

Abbildung 3: Wertkonflikt der Gesundheit und Gewinnorientierung nach Dietze

Abbildung 4: Konzept Gesundheitsförderung

Abbildung 5: Entwurf für ein Konzept zur betrieblichen Burnout-Prävention

Abbildung 6: Ablauf BEM

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Klassifikation von Präventionsmaßnahmen

Tabelle 2: Gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeitsbedingungen

Tabelle 3: Negativ-Beispiele Burnout-Berater

Tabelle 4: Interventionsmöglichkeiten und -bedarf

1 Einleitung

1.1 Problemstellung der Arbeit

In vielen Unternehmen werden immer mehr Arbeitsplätze abgebaut. Dadurch entstehen eine immer höhere Arbeitslast und oftmals auch Existenzängste bei den verbleibenden Mitarbeitern. Auch das stetige Anreichern der bisherigen Tätigkeiten mit neuen Aufgaben wird für viele schnell zur Belastungsprobe. Diese Faktoren haben u.a. zur Folge, dass in vielen Bereichen Überstunden immer mehr zur Normalität und Selbstverständlichkeit werden, ohne für die Mitarbeiter einen entlastenden Ausgleich zu schaffen. Auch private Faktoren üben Druck aus. War es vor einigen Jahren ggf. noch möglich, eine Familie mit nur einem Einkommen zu ernähren, müssen heute in den meisten Fällen beide Partner gemeinsam den Lebensunterhalt bestreiten. Zudem bleibt bei vielen Menschen das Privatleben aufgrund vieler Überstunden auf der Strecke.

Oftmals wird außer Acht gelassen, dass jeder Mensch eine individuelle Belastungsgrenze hat, diese lässt sich nur schwer erkennen. Die Gefahr, dass die individuelle Belastungsgrenze irgendwann überschritten wird, besteht somit für jeden Mitarbeiter zu einem anderen Zeitpunkt. Ist der eine Mitarbeiter stark belastbar und stressresistent, kann ein erhöhter Druck für einen anderen bereits stark belastend sein oder ihn überfordern. Sofern also die Belastung für den Einzelnen nicht mehr tragbar ist, kann dies dem Mitarbeiter gesundheitlichen Schaden (Schlafstörungen, Erschöpfung, Depressionen, körperliche Beschwerden etc.) zufügen und auf lange Sicht auch zu einem Burnout führen. Hat der Betroffene dieses Stadium erreicht, tritt eine vorübergehende, bis hin zu einer dauerhaften, Arbeitsunfähigkeit ein. Doch in so einem Fall die Aufgaben des Mitarbeiters an die verbleibenden Mitarbeiter zu übertragen, ist mit Sicherheit der falsche Weg. Zudem ist fraglich, ob es für den Burnout-Betroffenen nach einer Genesung wieder möglich sein wird, in seinen alten Job zurückzukehren. Hier ist die Personalabteilung gefragt, um gemeinsam mit betrieblichen Instanzen, wie z. B. der Führungsebene, dem Betriebsrat oder Betriebsarzt, einen Lösungsansatz für die Vermeidung psychischer Fehlbelastungen zu finden. Bestenfalls wird im Unternehmen präventiv vorgegangen, um psychischen Erkrankungen, wie dem Burnout-Syndrom, vorzubeugen. Da die Personalabteilung fern ab vom täglichen Arbeitsalltag in den einzelnen Abteilungen ist, sind die ersten Anzeichen für diese daher nur schwer erkennbar. Jedoch liegt eine Zuweisung der Verantwortung aufgrund der Zuständigkeiten einer Personalabteilung nahe. Die Verantwortung für das Implizieren von Burnout-Betroffenen oder psychischen Arbeitsbelastungen sollte keinesfalls allein bei der Führungskraft liegen. Oftmals fehlt es hier am Verständnis für dieses Krankheitsbild, auch das Erkennen der Symptome ist für viele schwer, besonders, wenn großer Druck auf der ganzen Abteilung lastet und auch die Führungskraft ggf. starkem Stress ausgesetzt ist. Eine weitere Gefahr entsteht durch die Tatsache, dass die Ursachen für Burnout nicht zwingend im beruflichen Alltag zu finden sind, sondern auch im Privatleben des einzelnen ihren Ursprung haben können. So sind die verschiedenen Aspekte eines Burnout-Syndroms zu betrachten und präventive Maßnahmen unter Einbeziehung aller betrieblichen Instanzen zu initiieren.[1]

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Mit dieser Bachelor-Arbeit soll ein Konzept entstehen, das Personalabteilungen Handlungsmöglichkeiten, in Bezug auf den Umgang mit dem Thema „Burnout-Syndrom“, aufzeigt. Ein Hauptaugenmerk liegt hier auf dem Thema Burnout-Prävention und Sensibilisierung der Beteiligten und Betroffenen. Des Weiteren werden Möglichkeiten erläutert, die es ermöglichen sollen, die Burnout-Betroffenen oder Gefährdeten zu unterstützen, zu beraten und auch wiedereinzugliedern. Hierbei wird stetig ein Bezug zur Rolle der Personalabteilung hergestellt. Die Rolle der Führungskraft, des Mitarbeiters und weiterer Akteure werden zusätzlich betrachtet, denn auch hier bestehen Möglichkeiten, die Gesundheit zu fördern und dem Entstehen von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz vorzubeugen.

1.3 Methodisches Vorgehen

Nach der Einleitung (Abschnitt 1), in der die Problemstellung und Zielsetzung dieser Bachelor-Arbeit sowie das methodische Vorgehen präsentiert werden, findet im zweiten Abschnitt die Definition des Burnout-Syndroms sowie eine Erläuterung der verschiedenen Burnout-Ursachen und Theorien statt. In Abschnitt 3 geht es um die Rolle der Personalabteilung im Zusammenhang mit dem Burnout-Syndrom. Hier werden zunächst die Aufgaben einer klassischen Personalabteilung beschrieben, um anschließend die Indikatoren für psychische Belastungen zu erklären. Als Nächstes werden die möglichen präventiven Handlungsmöglichkeiten und deren Bezug zur Personalarbeit erläutert. Der vierte Abschnitt befasst sich mit der Bewältigungsstrategie und beinhaltet den Entwurf für ein Konzept zur Burnout-Prävention, des Weiteren werden Empfehlungen für die Wiedereingliederung von Burnout-Betroffenen vorgestellt. Abschließend wird die Bachelor-Arbeit mit einem zusammenfassenden und ausblickgebenden Fazit beendet.

2 Das Burnout-Syndrom

2.1 Definition

Der Anteil der psychischen Erkrankungen an allen Krankschreibungen beträgt mittlerweile rund 12,9 Prozent, die Fehlzeiten betragen durchschnittlich 23 Tage im Jahr, und auch der relative Anteil psychischer Diagnosen bei immer früheren Berentungen hat deutlich zugenommen und liegt mittlerweile bei über 40 Prozent der Frühberentungsgründe. Hinzu kommt, dass das Alter von Frühberentungen aufgrund von psychischen Erkrankungen bei mittlerweile etwa 48 Lebensjahren liegt. Zum Vergleich liegt das Frühberentungsalter bei Muskelerkrankungen bei Durchschnittlich 54 Jahren. Auch ist bei allen Diagnosegruppen (u.a. Muskelerkrankungen, Erkrankungen des Atemsystems) eine positive oder stagnierende Anzahl der Erkrankungen zu verzeichnen, bei den psychischen Erkrankungen steigt die Anzahl stetig. So lag die Zahl der Krankheitstage aus psychischen Gründen im Jahr 2008 deutschlandweit bei etwa 41 Millionen und nur drei Jahre später bereits bei 59 Millionen Krankheitstagen.[2]

Erstmals wurde der Begriff Burnout durch Freudenberger verwendet. Freudenberger untersuchte die Ursachen von häufigen Krankschreibungen und auch längeren krankheitsbedingten Abwesenheiten bei Menschen in helfenden Berufen. Die Gründe hierfür waren zumeist die hohe Arbeitsbelastung im Zusammenspiel mit einem ausgeprägten Engagement für die berufliche Tätigkeit. Die Folgen dieses Zusammenspiels bezeichnete er als „ausbrennen“. Inzwischen findet man Burnout-Betroffene sowie die Verwendung des Begriffs in allen Bereichen. Anlehnend an die Studien von Freudenberger veröffentlichte Maslach 1976 eine Studie zum Thema psychische Belastungen am Arbeitsplatz bzw. Burnout-Syndrom. In dieser Studie wird das Burnout-Syndrom als die aus Erschöpfung resultierende Reaktion auf chronischen Stress im Beruf beschrieben. Des Weiteren entwickelte Maslach das Maslach-Burnout-Inventar (MBI), einen Fragebogen, der der Feststellung des Burnout-Syndroms dienen sollte. Mithilfe von 22 Fragen werden drei Dimensionen des Burnout-Syndroms erfasst: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisation und reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit.[3] Das Burnout-Syndrom ist keinesfalls eine Neuerscheinung, bereits im Jahre 1901 hat Mann in seinem Roman „Buddenbrooks“ detailliert Anzeichen des Burnout-Syndroms beschrieben, wobei er sich an Personen aus seiner Heimatstadt orientierte. Auch Wittgenstein, ein bedeutender Philosoph des 20. Jahrhunderts, hat über Burnout-Erscheinungen bei Lehrern der 68er Generation berichtet. Des Weiteren existieren sogar Passagen in der Bibel, z. B. im 2. Buch Mose, die die Anzeichen eines Burnout-Syndroms beschreiben.[4]

Eine einheitliche Definition des Begriffs Burnout (dt.: ausbrennen) gibt es bis heute nicht. Derzeit besteht nicht einmal eine Einigkeit darüber, welche Symptome über welchen Zeitraum vorliegen müssen, damit hier von einem Burnout gesprochen werden kann. So gibt es im alltäglichen Sprachgebrauch viele Überschneidungen mit anderen psychischen Zuständen und Begrifflichkeiten, wie z. B. Depressionen, Stress, Lustlosigkeit und Erschöpfung. Es ist schwer festzustellen, wo eine Belastung oder ein Zustand aufhört und ein Burnout-Syndrom anfängt. Die am weitesten anerkannte und verbreitete Definition für ein Burnout stammt von Schaufeli und Enzmann:[5] „Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand ‚normaler‘ Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anpassung (distress), in einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber lange unbemerkt bleiben. Außerdem resultiert sie aus einer Fehlpassung von Intentionen und Berufsrealität. Burnout erhält sich wegen ungünstiger Bewältigungsstrategien, die mit dem Syndrom zusammenhängen, oft selbst aufrecht.“[6] Kritisch zu sehen ist an dieser Definition, dass diese keinerlei Aussage darüber trifft, wie lange und wie stark diese Symptome zutreffen müssen, damit man von einem Burnout sprechen kann. Des Weiteren bezieht sich diese Definition nur auf berufliche Aspekte, wobei man nicht vergessen darf, dass ein Burnout auch bei Schülern, Studenten oder Arbeitslosen vorkommt.[7] Da es sich bei Burnout um einen Zustand handelt, der sich aus einer Summe von verschiedenen Symptomen definieren und feststellen lässt, spricht man von einem Syndrom.[8]

Als Krankheit gelten Gesundheitszustände, die einen sogenannten ICD-10-Schlüssel haben. ICD-10 ist die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation der Krankheiten. Ärzte nutzen diesen Schlüssel vor allem, um ihre Diagnosen mit den Kassen abzurechnen. Das Burnout-Syndrom hat keinen ICD-10-Schlüssel und ist somit keine psychische Krankheit. So findet man Burnout lediglich unter einem anderen ICD-10-Schlüssel „Z: Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“[9] wieder.[10] Dies beruht auch auf der oben genannten Tatsache, dass es keine einheitliche Definition gibt.[11] Jedoch wird Burnout von den meisten Krankenkassen bereits als Krankheit anerkannt. Somit ist es voraussichtlich nur noch eine Frage der Zeit, bis es die Klassifizierung „Burnout“ geben wird. Die Komplexität und auch die verschiedenen Krankheitssymptome schließen eine Klassifizierung nicht grundsätzlich aus. Auch Rückenschmerzen sind im Klassifikationssystem auffindbar, obwohl dieses Krankheitsbild ebenfalls verschiedene Ursachen und Symptome haben kann.[12]

2.2 Ursachen

2.2.1 Ursachen in der Person

Manche Menschen haben hohe Wertvorstellungen und Ansprüche an sich selbst (Ausgeprägter Ehrgeiz, das Streben nach Perfektion, nicht Nein-Sagen können), die schnell zu einer Selbstüberforderung führen können. Sie missachten ihre eigenen Leistungsgrenzen und reizen diese schlimmstenfalls derart aus, dass diese zu einem Burnout führen. Klingen diese Wertvorstellungen für Außenstehende auf den ersten Blick durchaus positiv, versteckt sich hinter diesen Werten oftmals die Angst vor Ablehnung, die Erwartungen nicht zu erfüllen oder sogar die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust. Der Wunsch nach Anerkennung, Erfolg, Sicherheit oder anderen eine Unterstützung zu sein, sind natürliche innere Antreiber, die bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind. Schwierig wird es, wenn aus einem gesunden Engagement eine Selbstüberforderung wird, die sich dann negativ auf die Gesundheit des einzelnen auswirkt. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage, eine Überforderung überhaupt wahrzunehmen, insbesondere, wenn starke Ängste und Wünsche bestehen, die diese durch ihre Arbeitsleistung mildern oder gar befriedigen. Oftmals sind die persönlichen Wertvorstellungen stark mit der eigenen Persönlichkeit und Geschichte verankert, weshalb Kindheitserfahrungen des Einzelnen psychische Erkrankungen begünstigen können. Emotional labile Menschen, Menschen mit ausgeprägten Helfersyndrom oder Menschen, die an ADHS leiden sind zudem besonders anfällig für Burnout.[13]

Neben den neurologischen Gründen kann auch ein gestörtes Energiesystem zu einem Burnout führen. Grundsätzlich sollte das innere Energiesystem immer im Gleichgewicht bleiben, sodass durch den Menschen nur die Energie verwendet wird, die ihm auch zur Verfügung steht, um Ziele zu erreichen. Wenn jedoch, durch z. B. sehr hohes Arbeitsaufkommen, weniger Energie als benötigt wird vorhanden ist, kann der innere Energiehaushalt schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Hält dieser Zustand längere Zeit an und findet der Mensch auch keinen privaten Ausgleich, um den Energiehaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, erhöht sich das Burnout-Risiko stetig. Die Gründe für ein gestörtes Energiesystem können jedoch auch im privaten Bereich liegen. Hat ein Mensch dauerhaft private Probleme, kann hier die Arbeit auch der Faktor sein, der das Energiesystem im Gleichgewicht hält.[14]

2.2.2 Ursachen in der Arbeitsumgebung

Am häufigsten wird das Burnout-Syndrom mit dem Arbeitsleben in Verbindung gebracht. Faktoren, die mit der Arbeit einhergehen, wie z. B. Zeitdruck oder Überforderung, sind für die meisten Menschen die Hauptmerkmale einer psychischen Belastung. Tatsächlich hat sowohl die Arbeitstätigkeit generell, als auch die Arbeitsabläufe, Qualifikationen, Verhaltensanforderungen, Arbeitszeiten, sozialen Beziehungen sowie das Betriebsklima einen hohen Einfluss auf das Empfinden von psychischer Belastungen. Seit einigen Jahren kommen zu diesen altbekannten Einflussfaktoren u. a. auch noch Faktoren, wie der Trend zu befristeten Arbeitsverträgen, Zeitarbeit, die allgemeine Arbeitsplatzunsicherheit sowie erhöhte Anforderungen an Flexibilität und Mobilität, hinzu. Des Weiteren ist die unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für viele sehr belastend. Eine psychisch belastende Arbeitssituation bedeutet jedoch nicht automatisch die Gefahr einer Selbstüberforderung. Denn auch die persönliche Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen und sich selbst einen Ausgleich zu schaffen, kann ausschlaggebend dafür sein, wann eine Arbeitssituation psychisch belastend ist. Außerdem können z. B. Anerkennung, Lob und ein gutes Betriebsklima die Belastbarkeit des Einzelnen stärken. Wichtig ist also immer, dass ein Gleichgewicht zwischen der Person und deren Arbeitsbedingungen besteht. Hat jemand einen falschen Beruf gewählt, kann dies auch ein Faktor sein, der die Gefahr an einem Burnout-Syndrom zu erkranken erhöht.[15]

Die INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) hat eine Umfrage zum Thema ‚Was ist gute Arbeit? Das erwarten Erwerbstätige von Ihrem Arbeitsplatz‘ durchgeführt. Aus dieser Studie wurden 25 verschiedene Anforderungen an gute Arbeit festgestellt, die von mindestens mehr als der Hälfte als bedeutsam angesehen werden. Zu den bedeutendsten Faktoren gehören Sicherheit des Arbeitsplatzes (92 Prozent), sinnvolle und abwechslungsreiche Arbeit (85 Prozent), sozialer Aspekt der Arbeit (84 Prozent), Gesundheitsschutz (74 Prozent), Einfluss und Handlungsspielraum (71 Prozent), Entwicklungsmöglichkeiten (66 Prozent) und Vorgesetzte mit Führungsqualität (66 Prozent). Des Weiteren wurde in dieser Umfrage nach den Hauptbelastungsfaktoren gefragt. Als besonders belastend beurteilten die Befragten körperlich schwere oder auch eintönige Arbeit (48 Prozent), komplexe Arbeitsanforderungen (47 Prozent) sowie qualitative und quantitative Über- und Unterforderung. Insgesamt zeigt die Untersuchung eine sehr hohe Fehlbeanspruchung. Immerhin 57 Prozent der Befragten gaben an, in den meisten Fällen hiervon betroffen zu sein. Nur etwa 11 Prozent der Befragten waren der Ansicht, ihre Arbeitsbedingungen seien überhaupt nicht belastend. Abschließend konnte sich nur jeder Zweite vorstellen, das Rentenalter unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen bei ihrem Arbeitgeber zu erreichen.[16]

2.2.3 Ursachen in der Gesellschaft

Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist in aller Munde, auch diese können für manche betroffene Unternehmen und Branchen ein erhöhtes Burnout-Risiko mit sich bringen. Wenn die Mitarbeiter Existenzängste haben, führt dies oft dazu, dass man den Ansprüchen des Arbeitgebers, sei es mehr Überstunden zu leisten oder die Leistung zu steigern, bindungslos nachkommt. Wird die Belastungsgrenze, zusätzlich zu den bestehenden Ängsten, immer wieder überschritten, steigt das Burnout-Risiko stetig an. Jedoch besteht dieses Risiko nicht nur in krisenbetroffenen Unternehmen. Allgemein hat sich der Leistungsdruck in den vergangen Jahren stetig erhöht. Viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiterzahlen gesenkt und die bestehenden Aufgaben auf die verbleibende Belegschaft verteilt. Oftmals wird der Erfolg der Belegschaft an der Anzahl der Überstunden gemessen, aber nur äußerst selten an der erbrachten Leistung. Dies führt zur Entwicklung einer Leistungskultur, in der eine aufstrebende Karriere nur noch mit der eigenen Aufopferung für den Arbeitgeber möglich ist. Dass man dann irgendwann ein Burnout erleidet, ist dadurch beinahe vorprogrammiert.[17]

Trotz der Aktualität des Themas Burnout ist dieses für viele noch immer ein Tabuthema. Betroffene werden daher oftmals nicht ernstgenommen, schlimmstenfalls sogar von anderen Mitarbeitern verspottet. Psychische Probleme und Erkrankungen, wie z. B. Depressionen, erfahren grundsätzlich eine geringere Akzeptanz als körperliche Krankheiten, dies führt bei Betroffenen oftmals auch zur Verdrängung, bis der persönliche psychische Zustand nicht mehr tragbar ist.[18] Genau dieses Problem schildert auch D’Andrea aus seinem Arbeitsalltag. Bei seinen Beratungssitzungen in den Unternehmen stößt das Thema auf Ablehnung und Unverständnis. Auch bestätigt er, dass das Burnout für viele Menschen vielmehr eine Modeerscheinung als ein ernstzunehmender Gesundheitszustand ist. Auch wegen dieser fehlenden Akzeptanz durch die Mitmenschen haben Betroffene oft Probleme, sich eine solche Erkrankung einzustehen, die meisten Erkrankten gestehen zwar, dass es solche Erkrankungen gibt, würden sich selbst jedoch nur selten als betroffen sehen.[19]

2.2.4 Burnout im Zusammenhang mit Stress

Unter Stress versteht man eine Anpassungsstrategie des Körpers, mithilfe dessen der Körper versucht, sich gegen Umwelteinflüsse, Anforderungen und Belastungen zu wappnen und anzupassen. Diese Reaktion des Körpers wird durch sogenannte Stressoren ausgelöst.[20] Stressoren sind z. B. Konflikte, Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen, Bewegungsmangel, Schulden, Alkoholkonsum, Rauchen, Probleme mit Freunden und Verwandten, Verantwortung und ungenaue Anweisungen.[21]

Stress ist jedoch nicht unbedingt negativ, auch Freude z. B. auf ein anstehendes Ereignis kann bei Menschen Stress auslösen. Dieser positive Stress wird auch als Eustress bezeichnet. Ursprünglich lag der Sinn der Stressreaktion in der Lebenserhaltung, eine für den Menschen gefährliche Situation löst in ihm Stress aus, damit der Mensch sofort handelt und sich schützt. Auch in Prüfungssituationen geraten Menschen in Stress, dieser Stress wird hier benötigt, um zu Höchstleistungen aufzulaufen. Ausgelöst wird die Reaktion des Körpers durch die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone wirken sich auch auf unser Herz-Kreislauf-System aus. So kommt es u.a. zu einem Anstieg des Herzschlags und Beschleunigung des Atems. Durch die sehr gute Versorgung des Gehirns fühlt sich der Gestresste zumeist sehr gut, wenn dieses Empfinden jedoch nachlässt, dann kommt es zu einem Tiefpunkt (Müdigkeit, Krankheit). Hier kommt nun das Hormon Cortisol ins Spiel, um den Körper in seiner „Ruhephase“ wieder aufzubauen und zu stärken. Wenn der Mensch jedoch dauerhaft unter Stress steht, geraten diese Hormone in einen Konflikt, dieser Kreislauf gerät aus dem Gleichgewicht, sodass der Körper dauerhaft negativ gestresst wird. Die Folgen dieser Entwicklung können Autoimmunkrankheiten, wie Rheuma, Krebs oder Muskelschwund sein, auch das Herzinfarktrisiko steigt stetig. Stress ist eine kurzfristige Fehlbeanspruchung des Körpers. Sofern Stress jedoch über Wochen andauert und dieser nicht ausreichend abgebaut werden kann, wird dies als Dauerstress, einer langfristigen Fehlbeanspruchung, bezeichnet. Eine Folge von Dauerstress kann das Burnout-Syndrom sein.[22]

Der entscheidende Unterschied zwischen Burnout und Stress liegt darin, dass Stress auch durchaus positive Folgen für den Menschen haben kann. Jedoch stehen Stress und Burnout nicht nur wegen der in Teilen übereinstimmenden körperlichen Anzeichen im Zusammenhang, auch kann Stress der Auslöser für ein Burnout sein. Besonders in Bezug auf beruflichen Stress als Folge für Burnout finden sich wissenschaftlich fundierte Ansätze.

Nach Weinert müssen zur Entstehung von Stress immer zwei Faktoren bestehen. Einerseits muss eine Ungewissheit über das Ergebnis herrschen, andererseits muss der handelnden Person das Erreichen eines Ergebnisses wichtig sein.[23] Weinert hat in diesem Modell den Zusammenhang zwischen Stress und Burnout in den Arbeitskontext übertragen und stellt hier die Entstehung von Stress als Konsequenz des Zusammenwirkens von beruflichen Stressoren und der Konsequenzen dar. Somit löst ein beruflicher Stressor einen Bewertungsprozess aus. Hierbei nehmen auch die individuellen Unterschiede des Menschen Einfluss darauf, wie der Betroffene den Stressor wahrnimmt und bewertet. Aus dieser Bewertung resultieren dann die individuellen Konsequenzen, die von Unzufriedenheit bis hin zum Burnout führen können. Die folgende Grafik illustriert das beschriebene Berufsstress-Modell nach Weinert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Berufsstress-Modell nach Weinert.[24]

Ein weiteres Modell, das Stress als mögliche Ursache für Burnout betrachtet, stammt von Lazarus. Dieses transaktionale Modell verdeutlicht noch intensiver, dass Burnout keine plötzliche Erscheinung ist, sondern das Ergebnis einer langfristigen Stressreaktion oder eines langfristigen Prozesses. Auslöser für Stress sind nach diesem Modell individuelle und kognitive Bewertungsprozesse. Ausgangspunkt ist hier ein Reiz und die dementsprechende Einschätzung dieses Reizes durch den Betroffenen. Je nachdem, wie der Betroffene den Reiz einschätzt, handelt dieser. Nach dem Handeln erfolgt eine erneute Bewertung des Handelns.[25] Dieses Modell ist der Grundstein für die Phasentheorien von Burisch.[26] Durch dieses Modell lassen sich auch chronische Folgen von Stress (z. B. Burnout) erklären, weil diese aufgrund eines dauerhaft wiederkehrenden negativen Bewertungsprozessen entstehen können. Auch liefert das Modell einen Ansatz für die Interventionen mit psychisch Kranken, da hier ggf. eine Veränderung des eigenen Bewertungsprozesses hilfreich sein kann.[27] Darüber hinaus zeigt dieses Modell, dass psychische Erkrankungen oftmals die Folge einer langwierigen negativen Belastung sind. Die nachfolgende Grafik zeigt das Modell nach Lazarus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Kreislauf nach Lazarus.[28]

Negativer psychischer Stress kann also durchaus auf lange Sicht zu einem Burnout-Syndrom führen, wenn die Stressverarbeitung des Menschen gestört ist und er diesen nicht kompensieren kann. Jedoch kann positiver Stress für den Menschen sogar gesundheitsförderlich sein.

2.3 Burnout-Phasentheorien

Wie eingangs bereits erläutert, ist es schwer zu erkennen, was genau ein Burnout ausmacht und welche Anzeichen auf ein Burnout hindeuten. Die am weitesten verbreitete Phasentheorie stammt von Burisch. Er selbst war Betroffener und ist ein anerkannter Experte, wenn es um das Thema Burnout geht. Insgesamt beinhaltet sein Modell rund 130 Symptome, die auf ein Burnout hinweisen können. Bei der Entwicklung dieser Theorie, hat er auf Arbeiten verschiedenster Wissenschaftler zugegriffen und diese analysiert, bewertet und zusammengefasst.[29] Im Folgendem wird ein Überblick über die sieben Bereiche des Modells gegeben:

1. Frühe Symptome

Hierbei zeigt der Betroffene oder Burnout gefährdete oftmals einen überhöhten Energieeinsatz, durch z. B. ein stark erhöhtes Engagement, verbunden mit Überstunden, das Gefühl für das Unternehmen unentbehrlich zu sein und Vernachlässigung der privaten sozialen Kontakte. Daraus resultiert dann meist die Erschöpfung oftmals im Einklang mit Schlafproblemen.

2. Reduziertes Engagement

In dieser zweiten Stufe nimmt das Engagement des Betroffenen ab, er verliert die positiven Gefühle, das Gefühl der Unentbehrlichkeit entwickelt sich zu einer negativen Arbeitseinstellung. Ergebnis hiervon sind Fehlzeiten, häufiges zu spät kommen und ein Überziehen der Pausen, bis hin zu einem inneren Widerstand täglich zur Arbeit zu gehen. Weitere Faktoren sind, dass Anerkennung und Lob nicht mehr angenommen werden, Verlust der Empathie, Schwierigkeiten anderen zuzuhören und häufiges Zurückziehen.

3. Emotionale Reaktionen

Nach der zweiten Phase kommt es häufig zu Depressionen und Aggressionen. Der Betroffene wird von Schuldgefühlen, Selbstmitleid, Humorlosigkeit, Stimmungsschwankungen und in manchen Fällen auch Selbstmordgedanken geplagt. Zudem ist seine Einstellung negativ geprägt und er gerät häufig in Konflikte mit anderen.

[...]


[1] Um die Lesefreundlichkeit zu gewährleisten wird in der vorliegenden Arbeit die männliche Form

benutzt. Die weibliche Form ist i.d.R. impliziert.

[2] Vgl. BMAS/BAuA (2013).

[3] Vgl. Findeisen J./Hockling (2008), S. 10.

[4] Vgl. Burisch, M. (2006), S. 3f.

[5] Vgl. Scharnhorst, J.(2012), S. 11ff. und Vgl. Burisch, M. (2006), S. 19.

[6] Schaufeli, W./Enzmann, D.(1998), S. 36.

[7] Vgl. Burisch, M. (2006), S. 19.

[8] Vgl. Wendt, N./Elze, M. (2006), S. 21.

[9] Vgl. Elze, M. (2013), S. 1f.

[10] Vgl. Riechert, I. (2011), S. 67.

[11] Vgl. Burisch, M. (2006), S. 3.

[12] Vgl. D`Andrea, C. P. (2013).

[13] Vgl. Scharnhorst, J. (2012), S. 22ff.

[14] Vgl. ebd., S. 24ff.

[15] Vgl. ebd., S. 27ff.

[16] Vgl. INQA (2008), S. 8.

[17] Vgl. Scharnhorst, J. (2012), S. 35ff.

[18] Vgl. ebd., S. 37f.

[19] Vgl. D`Andrea, C. P. (2013).

[20] Vgl. Nagel, U./Petermann, O. (2012), S. 27f.

[21] Vgl. Techniker Krankenkasse (2013), S. 11.

[22] Vgl. Nagel, U./Petermann, O. (2012), S. 27f.

[23] Vgl. Weinert, A. (2004), S. 280f.

[24] In Anlehnung Weinert, A. (2004), S. 280.

[25] Vgl. Kauffeld, S. (2011), S. 229.

[26] Vgl. Burisch, M. (2006), S. 250.

[27] Vgl. Kauffeld, S. (2011), S. 230.

[28] In Anlehnung an Lazarus, R./Launier, R. (1981), S. 218.

[29] Vgl. Hedderich, U. (2009), S. 26f.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Burnout-Syndrom. Präventive Maßnahmen der Personalabteilung
Hochschule
BA Hessische Berufsakademie
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
61
Katalognummer
V230713
ISBN (eBook)
9783656484776
ISBN (Buch)
9783656486428
Dateigröße
1690 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Burnout, Psychologie, Personal, Identität, Personalabteilung, Personalmanagement, Psychische Erkrankung, BWL, Arbeitsschutz, Unfallverhütung
Arbeit zitieren
Sarah Christiansen (Autor), 2013, Burnout-Syndrom. Präventive Maßnahmen der Personalabteilung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230713

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