In der vorliegenden Arbeit steht der Entwurf einer idealen Gemeinschaft, die Abtei Thélème als ein wesentlicher Bestandteil des Romans Gargantua von François Rabelais im Mittelpunkt der Untersuchung. Der Blickwinkel meiner Arbeit soll auf eine Episode gerichtet sein, die „aufgrund ihrer zahlreichen Widersprüche, wegen ihrer utopischen, komischen, nonkonformistischen, enigmatischen (und) zeitkritischen […] Aspekte ein vielbeachteter Text der französischen Renaissance ist“1 und somit eine wichtige Rolle zu dieser Zeit einnimmt. Doch bevor man sich mit dieser Abtei auseinandersetzten kann, stellt sich die Notwendigkeit heraus, in dieser Arbeit zunächst einen Einblick in das Leben und die Zeit Rabelais` zu geben und insbesondere auf den Terminus Thelema einzugehen.
Die Thélème-Episode, welche sich aus den Kapiteln LII-LVIII zusammensetzt, präsentiert Rabelais`s Gedanken einer Utopie. Die Charakterisierung dieser Episode nimmt den Hauptteil in dieser Hausarbeit ein. Ich werde in diesem Zusammenhang auf das philanthropische Konzept einer idealen Lebensführung in Rabelais` Roman Gargantua eingehen und demzufolge den Baustil der Abtei und die in ihr lebenden Bewohner, die Thelemiten näher erläutern. Den Abschluss dieser Arbeit bildet die Analyse eines Rätsels, welches auch am Ende des ersten Buches vorzufinden ist. Das Ziel meiner Arbeit ist es, die besondere Rolle dieser Thélème-Episode darzustellen. Denn diese Episode bildet den Höhepunkt und zugleich das Finale des Romans Gargantua.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ära Rabelais
3. Der Terminus Thelema
4. Die Thélème-Episode
4.1 Das philanthropische Konzept eines exemplarischen Lebens in Rabelais` Gargantua
4.2 Der Baustil der Abtei Thélème
4.3 Das finale Mysterium
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Entwurf einer idealen Gemeinschaft in der Abtei Thélème, einem zentralen Bestandteil des Romans Gargantua von François Rabelais. Ziel ist es, die utopische Vision Rabelais' zu charakterisieren, das philanthropische Konzept der Lebensführung zu erläutern und das finale Rätsel am Ende des ersten Buches zu analysieren.
- Historischer Kontext der Ära Rabelais
- Bedeutung und Herkunft des Begriffs Thelema
- Philanthropische Lebensführung in der Abtei Thélème
- Architektonische Gestaltung und Symbolik der Abtei
- Interpretation des finalen Mysteriums/Rätsels
Auszug aus dem Buch
4.2 Der Baustil der Abtei Thélème
In Kapitel 55 präsentiert Rabelais eine sehr ausführliche Darstellung zum Bau und zur prächtigen Ausschmückung Thélèmes. Angefangen bei luxuriösen Freizeiteinrichtungen bis hin zu prunkvollen Behausungen scheint es den Thélèmiten an nichts zu fehlen. Auffallend ist in diesem Kapitel der deskriptive und monotone Schreibstil, mit dem sich Rabelais hier zur Architektur der Abtei äußert.
Rabelais entwirft einen sechseckigen Bau, an dem sich jeweils an jeder Ecke ein runder Turm befindet. Diese sechs Türme, welche nach den Himmelsrichtungen benannt werden, sind sowohl im Baustil, als auch in ihrer Innenausstattung identisch. Jenes Gebäude hat die Konstruktion eines Hexagon. Diese Form gilt als die Natürlichste und steht als ein Zeichen für gemeinschaftliches Handeln. Der Freibischof Federico Tolli bestätigt: „die Idee eines regelmäßigen Polygons verdeutlicht womöglich den gesellschaftlichen Charakter von Thélème.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Entwurf der idealen Gemeinschaft in Thélème als wesentlichen Teil des Romans Gargantua vor und skizziert das methodische Vorgehen der Untersuchung.
2. Die Ära Rabelais: Dieses Kapitel erläutert die politisch-religiösen und gesellschaftlichen Einflüsse des 16. Jahrhunderts, die das Schaffen von François Rabelais maßgeblich prägten.
3. Der Terminus Thelema: Hier wird die Herkunft und Bedeutung des Begriffs Thelema, insbesondere in Bezug auf die thelemische Lehre und den menschlichen Willen, analysiert.
4. Die Thélème-Episode: Das Hauptkapitel untersucht das utopische Modell der Abtei, ihre philanthropische Lebensführung, die Architektur sowie das rätselhafte Ende der Episode.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert die verschiedenen kritischen Ansichten zur Thélème-Episode und ordnet die Bedeutung der Utopie im Gesamtwerk Rabelais' ein.
Schlüsselwörter
Rabelais, Gargantua, Abtei Thélème, Utopie, Thelema, Humanismus, Renaissance, Anti-Kloster, Idealgesellschaft, Lebensführung, Literaturwissenschaft, Frankreich, 16. Jahrhundert, Mysterium, Rätsel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Entwurf der idealen Gemeinschaft in der „Abtei von Thélème“, die ein zentraler Bestandteil des Romans Gargantua von François Rabelais darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die zeitgenössische Ära Rabelais', die philosophische Bedeutung des Begriffs „Thelema“, die Gestaltung einer idealen Lebensführung sowie die architektonische und symbolische Bedeutung der Abtei.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die besondere Rolle der Thélème-Episode darzustellen, da diese den Höhepunkt und das Finale des Romans Gargantua bildet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, bei der Rabelais' Roman sowie zeitgenössische und forschungsspezifische Sekundärliteratur zur Interpretation herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird das philanthropische Konzept der Lebensführung erläutert, die Architektur der Abtei beschrieben und das finale Rätsel (das „Mysterium“) analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Rabelais, Gargantua, Thélème, Utopie, Thelema, Humanismus und das Konzept der idealen Lebensführung.
Warum wird Thélème als „Anti-Kloster“ bezeichnet?
Die Abtei wird so genannt, weil sie sich grundlegend von traditionellen Klöstern unterscheidet: Es gibt keine strengen Regeln außer „Tu, was dir gefällt“, und die Freiheit des Tuns steht für die dort lebenden gebildeten Menschen im Vordergrund.
Wie interpretieren die Protagonisten das Rätsel am Ende des ersten Buches?
Die Meinungen gehen auseinander: Während Gargantua religiöse Konnotationen der „göttlichen Wahrheit“ sieht, interpretiert Bruder Jean das Rätsel lediglich als Beschreibung einer Tennispartie.
- Citar trabajo
- Josephin Arend (Autor), 2011, Die Abtei von Thélème. Ein mustergültiges Modell der bestmöglichen Gesellschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230715