Ehescheidungen: eine kritische Darstellung der Berechnungsmethoden von Ehescheidungsziffern


Hausarbeit (Hauptseminar), 1999

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung von verschiedenen Methoden der Berechnung von Ehescheidungsziffern

3. Vor- und Nachteile von verschiedenen Methoden der Berechnung von Ehescheidungsziffern
3.1 Die allgemeine Ehescheidungsziffer
3.2 Die spezifische Ehescheidungsziffer
3.3 Die ehedauerspezifische Ehescheidungsziffer
3.4 Die zusammengefaßte Ehescheidungsziffer

4. Internationaler Vergleich der allgemeinen Ehescheidungsziffer

5. Abschließende Bemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der öffentlichen Diskussion scheint es zwar zum Standardwissen zu gehören, daß jede dritte Ehe geschieden wird; es wird jedoch meistens nicht erwähnt, wie man zu diesem Ergebnis gekommen ist.

Welche Methoden zur Berechnung dieser Ehescheidungsziffern zu Grunde gelegt werden und welche Aussagekraft sie haben, soll in dieser Arbeit erläutert werden. Außerdem sollen die Vor- und Nachteile dieser Ehescheidungsziffern anhand von verschiedenen Artikeln gezeigt und diskutiert werden.

Die hier vorgestellten Ehescheidungsziffern und ihre Entwicklungen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland sollen des weiteren mit denen anderer Länder verglichen werden, um Einflußfaktoren auf das Scheidungsverhalten zu verdeutlichen.

2. Darstellung von verschiedenen Methoden der Berechnung von Ehescheidungsziffern

In der Fachliteratur und in Untersuchungen werden in Bezug auf Ehescheidungen häufig vier Berechnungsmethoden angewendet: die allgemeine, die spezifische, die ehedauerspezifische und die zusammengefaßte Ehescheidungsziffer. Diese sollen im Folgenden vorgestellt werden.

Die allgemeine Ehescheidungsziffer

FEICHTINGER (1973: 88) definiert die allgemeine Ehescheidungsziffer folgendermaßen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Studien wird diese Ehescheidungsziffer als Anzahl der Ehescheidungen auf 10 000 Einwohner wiedergegeben.

Die spezifische Ehescheidungsziffer

Die spezifische Ehescheidungsziffer erhält man, „wenn man die Zahl der Ehescheidungen in einem Kalenderjahr auf die bestehenden Ehen bezieht (mal 10 000)“ (FEICHTINGER 1973: 88).

Es wird bei dieser Methode allerdings nicht nach Eheschließungsjahrgang und Ehedauer unterschieden, sondern es gehen Anzahl an Scheidungen und an bestehenden Ehen davon unabhängig in die Berechnung mit ein.

Die ehedauerspezifische Ehescheidungsziffer

Die ehedauerspezifische Ehescheidungsziffer berechnet sich aus Anzahl der im Berichtsjahr geschiedenen Ehen eines bestimmten Eheschließungsjahrgangs auf 10 000 geschlossene Ehen des gleichen Jahrgangs (HAMMES 1995: 888).

Es ist aber auch möglich, sich auf 1000 Ehen des entsprechenden Jahrgangs zu beziehen (MUELLER 1993: 146):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hierbei steht D für die Zahl der Scheidungen, R für alle existierenden Ehen und x für die Ehedauer in Jahren.

Diese Ehescheidungsziffer gibt Aufschluß darüber, nach welcher Ehedauer wieviele Ehen eines Eheschließungsjahrganges geschieden wurden.

Die zusammengefaßte Ehescheidungsziffer

Zusammengefaßte Ehescheidungsziffern ergeben sich aus der Summe der ehedauerspezifischen Scheidungsziffern [...] .

Ursprünglich sind die zusammengefaßten Ehescheidungsziffern bis zu einer Ehedauer von 25 Jahren berechnet worden. Mittlerweile erlaubt es die Datenlage, diese Kennziffer bis zu einer 44jährigen Ehedauer zu ermitteln“ (DORBRITZ / GÄRTNER 1995: 355).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Vor- und Nachteile von verschiedenen Methoden der Berechnung von Ehescheidungsziffern

Im Folgenden sollen Vor- und Nachteile der weiter oben genannten Ehescheidungsziffern durch deren Anwendung in verschiedenen Untersuchungen verdeutlicht werden.

3.1 Die allgemeine Ehescheidungsziffer

Ein Vorteil dieser Ehescheidungsziffer liegt in der leichten Ermittelbarkeit (FEICHTINGER 1973: 88).

„Mit der jeweils auf 10 000 Einwohner bezogenen Scheidungsziffer können die langfristige Entwicklung der Scheidungshäufigkeit und insbesondere die zwischen West und Ost bestehenden Unterschiede verdeutlicht werden“ (HAMMES 1995: 887-888). Nachteile ergeben sich in der Aussagekraft allerdings dadurch, daß diese Ziffer entscheidend von der Familienstandstruktur abhängig ist, weil die Anzahl der Scheidungen auf 10 000 Personen unabhängig von deren Familienstand bezogen wird. Nach FEICHTINGER (1973: 88) liefert diese Art von Ehescheidungsziffer deshalb verzerrte Werte für das eigentlich zu messende Phänomen.

Tabelle 1: Ehescheidungen in Deutschland je 10 000 Einwohner

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: HAMMES 1995, 887

Abbildung 1: Ehescheidungen in Deutschland je

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Für das frühere Bundesgebiet ist eine stetige Zunahme der allgemeinen Ehescheidungsziffer zu verzeichnen, die 1994 mit 21,7 Ehescheidungen je 10 000 Einwohnern das bisher höchste Niveau erreicht hat.

Für die neuen Länder kann man bis zur Wendezeit 1989 ebenfalls einen stetigen Anstieg dieser Ehescheidungsziffer erkennen. Während der „Zeit des Umbruchs“ 1990 und 1991 sank diese Ziffer drastisch ab und erreichte 1991 den Tiefstand von 5,6 Scheidungen je 10 000 Einwohner. „Die im Zeitraum 1992 bis 1994 registrierte Zunahme der Scheidungsziffer deutet darauf hin, daß sich die Verhältnisse im Osten Deutschlands an das westdeutsche Niveau angleichen werden“ (HAMMES 1995: 888).

Jedoch ist hinsichtlich der Aussagefähigkeit dieser Ehescheidungsscheidungsziffer zu beachten, daß eine Änderung im Heiratsverhalten und dadurch in der Familienstandstruktur nicht berücksichtigt wird. Somit kann mit Hilfe dieser Ziffer nicht unmittelbar das Scheidungsverhalten dargestellt werden, ohne daß diese durch Struktureffekte beeinflußt ein verzerrtes Bild liefern würde. Man kann deshalb aufgrund dieser Ehescheidungsziffer nicht generell sagen, daß in den neuen Ländern wegen des Scheidungsverhaltens der Ostdeutschen mehr Ehen geschieden wurden.

Hierbei man sollte beachten, daß die im Vergleich zum früherem Bundesgebiet auf höherem Niveau angesiedelte allgemeine Ehescheidungsziffer auch darauf beruhen kann, daß verheiratete Paare verschiedene Vorteile gegenüber unverheirateten Paaren hatten und Paare deshalb früher heirateten. Jedoch sind Ehescheidungen „nach wie vor ein Phänomen, das bei jungen Ehen wesentlich häufiger als bei älteren Ehen anzutreffen ist. [...] Das Scheidungsrisiko ist um so höher, je jünger die Ehepartner bei der Heirat sind“ (DORBRITZ / GÄRTNER 1995: 356-357).

„Anzunehmen ist, daß sich die wachsende Zahl der Eheschließungen in der zweiten Hälfte der 80er Jahre nun auch in gestiegenen Scheidungszahlen niederschlägt“ (DORBRITZ / GÄRTNER 1995: 353).

3.2 Die spezifische Ehescheidungsziffer

Vorteilhaft bei dieser Berechnungsmethode ist die Unabhängigkeit von der Familienstandstruktur, weil sich die Ziffer nur auf bestehende Ehen bezieht (FEICHTINGER 1973: 88).

Allerdings ist es nicht möglich festzustellen, ob schon vor längerer Zeit geschlossene Ehen oder Ehen mit erst kurzer Ehedauer besonders anfällig für Scheidungen sind.

Tabelle 2: Ehescheidungen in Deutschland je 10 000 bestehende Ehen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: HAMMES 1995, 887

Auch anhand der spezifischen Ehescheidungsziffer kann man für das frühere Bundesgebiet einen Trend der Zunahme der Scheidungen erkennen. Die Zunahme dieser Ziffer entspricht in etwa der Zunahme der allgemeinen Ehescheidungsziffer. Daraus kann man schließen, daß sich die Familienstandstruktur nicht ausschlaggebend verändert haben kann, weil man zu entsprechenden Ergebnissen kommt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Ehescheidungen: eine kritische Darstellung der Berechnungsmethoden von Ehescheidungsziffern
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Seminar "Bevölkerungssoziologische Methoden"
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
16
Katalognummer
V23081
ISBN (eBook)
9783638262736
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Alle Methoden zur Berechnung von Ehescheidungsziffern werden auch an internationalen Beispielen detailliert erklärt und deren Vor- und Nachteile erläutert.
Schlagworte
Ehescheidungen, Darstellung, Berechnungsmethoden, Ehescheidungsziffern, Seminar, Bevölkerungssoziologische, Methoden
Arbeit zitieren
Dr. Monique Zimmermann-Stenzel (Autor), 1999, Ehescheidungen: eine kritische Darstellung der Berechnungsmethoden von Ehescheidungsziffern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23081

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