Schüler außer Kontrolle

Amoklauf und School-Shooting


Fachbuch, 2013
262 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Amoklauf – Warum gerade an Schulen? Von Hanna Horn
Einleitung
Begriffserklärung
Taten
Die Lebensphase Jugend
Ursachen, Hintergründe und Entstehung
Tatort Schule
Medien
Prävention
Fazit
Literaturverzeichnis

Amoklaufende Jugendliche – eine zunehmende Gefahr oder übertriebene Hysterie? Von Burkhard Schröter
Einleitende Gedanken
Begriffsbestimmung
Kriminalstatistische Gesichtspunkte
Die Rolle der Medien
Multidisziplinäre Erklärungsansätze
Mögliche Präventionen
Resümee
Quellenverzeichnis

Der Amoklauf von Erfurt. Widersprüche eines öffentlichen Diskurses von Florian Bödecker
Einleitung
Zur Methode
Der Diskurs
Zusammenfassung: Der Amoklauf von Erfurt als diskursives Ereignis im Spannungsfeld zwischen Kritikabwehr und konstruktiver Kritik
Literaturverzeichnis
Anhang

I. Amoklauf – Warum gerade an Schulen? Von Hanna Horn

2012

„Man will geliebt werden;

wenn das nicht gelingt, will man bewundert werden;

wenn das nicht gelingt, will man gefürchtet werden;

gelingt auch das nicht, will man verabscheut und verachtet werden.

Der Seele graut es in der Leere, und sie muss Kontakt herstellen,

koste es, was es wolle.“[1]

Hjalmar Söderberg

A. Einleitung

„Am Vormittag des 16. April 2002 ereignet sich während der schriftlichen Abiturprüfungen im Erfurter Gutenberg-Gymnasium eine bis dahin unfassbare und unvorstellbare Tat: Der 19-jährige ehemalige Schüler Robert S. betritt mit einer Sporttasche das Schulgebäude. In der Toilette im Erdgeschoss zieht er sich schwarze Kleidung an sowie eine Maske über den Kopf und bewaffnet sich. Danach bewegt er sich zielsicher und systematisch durch das Schulgebäude und tötet in nur zehn Minuten zwölf Lehrer, zwei Schüler und jeweils eine Sekretärin und einen Polizisten. Am Ende tötet er sich selbst.“[2]

Ähnliche Nachrichten von derartigen Taten sind bisher nur durch die Medien bekannt und erscheinen eher weit entfernt. Es gilt vielmehr als ein spezifisches Problem der USA, wie beispielsweise die weltweit aufsehenerregendste Tat an der Columbine High School. Nachdem jedoch mit den Städten Erfurt, Emsdetten und Winnenden erschreckende Ereignisse mit blutigen Spuren assoziiert werden, steht fest, dass auch in Deutschland Taten dieser Art möglich sind. Obwohl solche krisenhafte Ereignisse nur selten vorkommen, ist ihre Anzahl in den letzten Jahren stetig gestiegen. Diese grausamen Taten, über die immer wieder in den Medien berichtet wird, haben großes Entsetzen und Ratlosigkeit allerorts ausgelöst und sich dauerhaft in das Gedächtnis der Gesellschaft eingebrannt. Es ist also von Bedeutung sich mit der Thematik des School Shootings auseinander zu setzten und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Wenn die Medien von grausamen, brutalen und furchtbaren Taten sprechen, beschreiben diese Worte ausschließlich das Handeln, nicht die Gründe. Die öffentlichen Diskussionen fokussieren den psychischen Zustand, der zumeist männlichen Täter, konzentrieren sich auf deren Medienkonsum, insbesondere die gewalthaltigen Videospiele, und thematisieren den Zugang sowie den Gebrauch von Waffen. Es erweckt den Anschein, als würden die sozialen Voraussetzungen sowie die tatauslösenden Beweggründe der Täter eher außer Acht gelassen werden. Darüber hinaus gewinnt zunehmend die Frage an Bedeutung, warum Jugendliche gerade an Schulen solch tödliche Gewalttaten ausüben. So werden solche Taten im Englischen als School Shootings bezeichnet, womit im Deutschen der Begriff der Schulschießerei gemeint ist.

Die nachstehende fachwissenschaftliche Bachelorarbeit thematisiert diese Frage und beschäftigt sich demnach ausschließlich mit Taten, die sich an Schulen ereignen. Es werden entscheidende innere und äußere Beweggründe aufgezeigt, die solche Taten auslösen, um letztendlich feststellen zu können, warum Jugendliche ausgerechnet Schulen als Tatort wählen.

Einführend wird der Terminus Amoklauf als eine spezifische Gewalttat definiert und in den Kontext der Mehrfachtötungen eingeordnet. Im Anschluss daran erfolgt eine Begriffsabgrenzung zu dem Terminus School Shooting, die in der folgenden Arbeit bei Tötungen an Schulen die Verwendung der Begrifflichkeit des School Shootings rechtfertigt. Nach dieser begrifflichen Einführung wird sich im weiteren Verlauf den äußeren Umständen der Taten gewidmet, um einen ersten Eindruck von dem Ausmaß und den Rahmenbedingungen eines School Shootings zu erhalten. Zuerst wird an dieser Stelle das Ausmaß des Phänomens genauer beschrieben, wobei zunächst der internationale Kontext im Vordergrund steht. Hierbei wird auf die zeitliche Verteilung von School Shootings, sowie deren Opfer und Tatausgang eingegangen. Anschließend werden die Täter, deren Geschlecht, Anzahl und Alter sowie die verwendeten Tatwaffen genauer definiert, um im weiteren Verlauf von diesen Fakten ausgehen zu können. Im letzten Gliederungspunkt wird der Fokus auf Deutschland und die dort bisher aufgetretenen School Shootings und deren jährliche Verteilung gelegt.

Basierend auf der zuvor beschriebenen Altersstruktur der Täter, wird im folgenden Kapitel die Lebensphase Jugend erläutert. Die für diese Lebensphase typischen und relevanten Veränderungen und Probleme werden dargestellt, um so ein Gesamtbild der Entwicklungsprozesse im Jugendalter zu vermitteln und später gegebenenfalls Rückschlüsse auf bedeutende Entwicklungen ziehen zu können. Zu Beginn werden hier die von Robert Havighurt für notwendig erachteten Entwicklungsaufgaben geschildert und die daraus entstehenden entwicklungspsychologischen Aspekte aufgegriffen. Ein spezielles Augenmerk wird hierbei auf die Identitätsentwicklung, besonders in den Bereichen Familie, Schule und Peer-Group, gelegt.

Im nachfolgenden Kapitel werden spezifische Ursachen und Hintergründe zur Entstehung von School Shootings angeführt. Dazu werden die gesellschaftlichen Aspekte sowie das familiäre und soziale Umfeld voneinander abgegrenzt, um aufzuzeigen, welche Bereiche die Jugendlichen in ihrer Entwicklungsphase beeinflussen können. In einem folgenden kurzen Abschnitt wird das unauffällige Erscheinungsbild des School Shooters skizziert. Den Abschluss des Kapitels bilden die psychopathologischen Auffälligkeiten, die aus theoretischer Sicht die Ursache eines School Shootings darstellen können.

Daran schließt sich folglich das Kapitel ‚Tatort Schule‘ an, das bei der Beantwortung der Frage, warum Jugendliche gerade an Schulen derartige Gewalttaten begehen, eine wesentliche Rolle spielt. Um genauere Gründe herausfinden zu können, weshalb die Schule als Tatort gewählt wird, werden drei bedeutende Aspekte, die die Jugendlichen negativ beeinflussen können, näher erläutert. Zum einen wird der Selektions- und Leistungsdruck sowie die soziale Kontrolle durch die Schule fokussiert. Zum anderen werden die Mitschüler und deren Verhalten gegenüber den späteren Tätern thematisiert.

Um das Phänomen School Shooting in allen seinen Elementen erfassen zu können, darf auch der Aspekt der Medien nicht unbeachtet bleiben. So wird im Anschluss der Konsum von gewalthaltigen Medien bei Jugendlichen beschrieben und deren möglicher Einfluss auf die Tat dargelegt. Im Zuge der Nachahmungstaten wird ebenso das gesteigerte mediale Interesse als Auswirkung auf den Rezipienten vorgestellt.

Den Abschluss dieser Arbeit bilden mögliche Ansätze der Prävention um aufzuzeigen, dass es durch bestimmte Maßnahmen möglich ist derartige Gewalttaten zu verhindern. Dazu erfolgt zunächst eine kurze Einteilung in Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Da es sich bei dem Phänomen School Shooting um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt, existieren zahlreiche Präventionsmaßnahmen. Der Fokus der Arbeit liegt jedoch auf dem Tatort Schule. So wird sich an dieser Stelle nur auf präventive Maßnahmen im schulischen Bereich beschränkt. Diese werden gemäß der vorherigen Einteilung in drei Abschnitten näher erläutert.

In einem abschließenden Fazit werden alle Aspekte, die für die Entstehung eines School Shootings, aber insbesondere für die Wahl der Schule als Tatort, von bedeutsamem Ausmaß sind, noch einmal zusammengetragen.

Der Forschungsstand der verwendeten Literatur ist verhältnismäßig umfangreich. Es fand sich, aufgrund der erst in den letzten Jahren zunehmend relevant gewordenen Thematik, fast ausschließlich Werke jüngeren Datums.

B. Begriffserklärung

Amoklauf

Der Begriff Amok findet im Alltag eine sehr häufige und vielfältige Verwendung. Neben Tötungshandlungen, werden auch stark übertrieben wahrgenommene Handlungen im Allgemeinen sowie extreme Gemütszustände mit dem Terminus umschrieben und bestimmte Situationen illustriert. Demgegenüber wird Amok im Zusammenhang mit schwerwiegenden Taten, wie der Tötung ganzer Familien durch ein Elternteil, Mehrfachmorden sowie der willkürlichen Tötung unbekannter Personen, auf offener Straße verwendet.[3]

Etymologisch leitet sich der Begriff Amok aus dem Malaiischen von meng-âmok ab, wird mit wütend oder rasend übersetzt und ist ein spontaner, ungeplanter Gewaltausbruch mit meist tödlichen Folgen für das Opfer. So wird Amok nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation als

„eine willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich destruktiven Verhaltens, gefolgt von Amnesie und Erschöpfung verstanden. Viele Episoden gipfeln im Suizid. Die meisten Ereignisse treten ohne Vorwarnung auf, einigen geht ein Zeitraum mit intensiver Gewalt oder Feindseligkeit voraus“.[4]

Um die Begrifflichkeit genauer definieren zu können wird dieses Gewaltphänomen im Spektrum der Mehrfachtötungen nach Scheithauer/Bondü eingeordnet und somit eindeutiger definiert. Mehrfachtötungen werden zunächst in die drei wesentlichen Formen Massenmord, Serienmord oder Spree Killing unterteilt. Bei Serienmorden werden mindestens drei Personen in größeren zeitlichen Abständen ermordet, wohingegen bei Spree Killings an mehreren Orten mehrere Personen umgebracht werden. Bei Massenmorden fallen an einem Ort mindestens vier Personen dem oder den Tätern zum Opfer. Des Weiteren werden Amokläufe, opferspezifische Massenmorde, terroristische Anschläge sowie zivile Massaker den Massenmorden untergeordnet. Amokläufe sind jedoch von opferspezifischen Massenmorden zu unterscheiden, die in der Regel in einem nicht öffentlichen Rahmen, wie zum Beispiel in Familien, stattfinden. Ebenfalls davon abzugrenzen sind terroristische Anschläge sowie zivile Massaker, die meistens wiederholt durch eine Mehrzahl von Tätern erfolgen und gegenüber individuellen Motiven oftmals religiöse oder politische Absichten verfolgen. Auf Basis dieser Einordnung kann die folgende Neudefinition des Terminus Amoklauf vorgenommen werden: bei einem Amoklauf handelt es sich um die versuchte Tötung mehrerer Personen durch einen Einzelnen, der mit tödlichen Waffen in einem zumindest teilweise öffentlichen Raum agiert.[5]

Dennoch werden Taten weiterhin häufig, sowohl in öffentlichen als auch wissenschaftlichen Diskursen, mit dem Terminus Amok oder Amoklauf bezeichnet, die zwar den genannten Kriterien entsprechen, sich aber trotzdem in Bezug auf Täter, Tatort und Opfer stark voneinander unterscheiden. Daher folgt eine weitere Untergliederung des Begriffs Amoklauf in School Shootings, die im nächsten Kapitel weiter erläutert werden, Workplace Violence sowie der klassische Amoklauf. Letzteres findet in den meisten Fällen durch einen erwachsenen Täter statt, der zunächst ohne erkennbaren Grund an einem öffentlichen Ort, wie beispielsweise auf der Straße oder im Einkaufszentrum, scheinbar wahllos Personen tötet. Bei Workplace Violence handelt es sich um Gewalttaten am Arbeitsplatz, woraus resultiert, dass die Täter in der Regel ebenfalls Erwachsene sind, die den Arbeitsplatz bewusst als Tatort auswählen, da hier breitgefächerte, individuelle Motive entstehen können.[6]

School Shootings

In den letzten Jahren ist der Ausdruck Amok, für die Bezeichnung von Mehrfachtötungen durch jugendliche Täter in Bildungseinrichtungen, im alltäglichen Sprachgebrauch und in der öffentlichen Diskussion populär geworden. Der zuvor definierte Aspekt einer spontanen Handlung, trifft jedoch für diese Taten der Jugendlichen nicht zu. Denn es handelt sich weder um plötzliche, ungeplante Taten noch ist eine folgende Amnesie festzustellen. Daher sind diese Betrachtungen ausschließlich historisch interessant und werden nicht weiter ausgeführt. Da sich die Merkmale der ursprünglichen Bedeutung also in wesentlichen Punkten von den hier thematisierten Tötungshandlungen jugendlicher Täter in Bildungseinrichtungen unterscheiden, wird in der Fachliteratur die Bezeichnung School Shooting, als eine Subform von Amok, auch für den deutschen Sprachraum übernommen.[7]

School Shootings benennt Tötungen oder Tötungsversuche durch Jugendliche an Schulen, die die Bildungseinrichtung bewusst als Tatort auswählen. Die Tat wird durch individuell konstruierte Motive im direkten und zielgerichteten Bezug zu der jeweiligen Schule begangen. Dieser Bezug richtet sich entweder gegen mehrere mit der Schule assoziierte, zuvor ausgewählte Personen oder gegen eine einzelne Person, die aufgrund ihrer Funktion an der Schule als potentielles Opfer ausgesucht wird.[8]

Daraus resultiert, dass School Shootings durch bestimmte Erlebnisse im Schulkontext entstehen und somit die Schule vorsätzlich als Tatort sowie die Personen innerhalb dieser Einrichtung bewusst als Opfer ausgewählt werden. Prinzipiell kann es sich bei den Tätern auch um erwachsene Personen handeln, die ehemalige Schüler dieser Schule waren und an ihre alte Schule zurückkehren, um die Tat zu verüben. Solche Fälle stellen allerdings Ausnahmen dar, sodass es sich in der Regel bei den Tätern um Kinder und Jugendliche handelt.[9]

Darüber hinaus werden School Shootings von gravierenden Auseinandersetzungen rivalisierender Gruppen, von Affekthandlungen, terroristischen Anschlägen, Suiziden im Schulkontext sowie von anderen Taten außerhalb der Bildungseinrichtung abgegrenzt. School Shootings werden zusätzlich mehrfach auch als besonders extreme Form der schweren, zielgerichteten Gewalt an Schulen bezeichnet, worunter jeder zielbewusste Angriff auf ein oder mehrere Opfer im Schulzusammenhang verstanden wird. Demnach schließt der Terminus der schweren, zielgerichteten Schulgewalt nicht nur Tötungsdelikte sondern auch andere extreme Gewalttaten, wie beispielsweise gezielt im Schulkontext geplante Geiselnahmen.[10]

Die Begrifflichkeit des School Shootings, für die zur Zeit keine sinngemäße deutsche Übersetzung existiert, steht aufgrund seiner etwas irreführenden Bedeutung unter Kritik, da mit School Shootings automatisch Tötungsdelikte mit Schusswaffen assoziiert werden, was jedoch nicht zwangsläufig der Fall sein muss. Auch andere Waffen, wie Klingen oder explosive sowie brennbare Stoffe, können bei den Taten zum Einsatz kommen. Zum Beispiel verwendete der Täter des School Shooting in Ansbach 2009 sowohl brennbare Stoffe als auch eine Axt. So wird, wie eingangs bereits erwähnt, sehr häufig der Begriff Amok oder Amoklauf an Schulen synonym zu School Shootings verwendet. Trotz vieler Ähnlichkeiten zwischen den beiden Bezeichnungen, sind die Taten dennoch nicht immer gleichzusetzten. Basierend auf der zuvor beschriebenen Definition von School Shootings, werden im Folgenden Gründe für eine Abgrenzung der beiden Begrifflichkeiten angeführt: zwar gibt es School Shootings bei denen, wie es bei Amokläufen üblich ist, mehr als drei oder vier Menschen getötet werden, diese entsprechen jedoch nicht unbedingt dem Regelfall. Denn gemäß der obigen Definition, werden ebenfalls Taten als School Shootings bezeichnet, die weniger Opfer fordern. Hiermit sind die relativ häufigen Angriffe gegen einzelne Lehrpersonen sowie gegen einzelne Mitschüler gemeint.[11]

Des Weiteren sind School Shootings meist lange und präzise geplante Handlungen, die aus individuellen Beweggründen, wie Hass- und Rachefantasien, resultieren und zum Teil im ebenfalls geplanten Suizid enden. Teilweise sind solche Entwicklungen sogar schon lange im Vorfeld zu beobachten. Dennoch zeigen jugendliche Täter, im Gegensatz zu üblichen Gewalttätern, im Vorfeld keine oder lediglich geringe aggressive Verhaltensauffälligkeiten.[12]

Ferner können Amokläufe grundsätzlich an vielen verschiedenen, öffentlichen Orten, wie auf offener Straße, in Restaurants oder am Arbeitsplatz stattfinden, sodass Bildungseinrichtungen mögliche Tatorte unter vielen sind. So können Amokläufe an Schulen auch von Personen verübt werden, die keinerlei persönlichen Bezug zu der jeweiligen Schule haben. Beispielsweise bietet die Schule eine besondere Tatgelegenheit, weil sich dort viele Menschen aufhalten oder aber sie suchen die schulischen Einrichtungen auf, um an einer dort beschäftigten Person Rache zu nehmen. In solchen Fällen stellt die Schule lediglich einen öffentlichen Tatort wie jeder andere dar. Resultierend daraus scheint die Bezeichnung Amoklauf an Schulen zu unpräzise und dem Phänomen der School Shootings nicht gerecht zu werden. Demzufolge ist ein eigener Begriff für die geplanten und gezielten Tötungshandlungen an Schulen, durch Schüler oder Ehemalige, unabdingbar.[13]

Da jedoch die Bezeichnung School Shooting der in dieser wissenschaftlichen Arbeit behandelten Thematik am nächsten kommt, wird in den folgenden Auslegungen von diesem Terminus Gebrauch gemacht.

C. Taten

Das Ausmaß von School Shootings – Internationaler Kontext

Eine Analyse der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) zeigt, dass nicht nur die generelle Tötungskriminalität sondern auch die Tötungskriminalität durch Jugendliche und Heranwachsende in den letzten 15 Jahren in Deutschland kontinuierlich abnimmt. Dies gilt allerdings nicht nur für Deutschland, denn auch in den USA ist ein Rückgang der allgemeinen, jugendlichen Tötungskriminalität zu vernehmen.[14]

Werden jedoch die für diese Arbeit relevanten School Shootings betrachtet, wird eine entgegengesetzte Tendenz festgestellt. Es existieren zwar keine offiziellen Statistiken über diese Tötungsform, obgleich wird dieses Phänomen international stets von einer erheblichen Medienberichterstattung begleitet. Aus diesem Rohmaterial werden Kerndaten anhand von Zeitungs- und Onlinearchiven gesammelt, gegenrecherchiert und mit den bislang verfügbaren wissenschaftlichen Studien und Veröffentlichungen überprüft. Zusätzlich werden Quellen, wie Polizeiberichte, Urteile oder Interviews mit jugendlichen Schützen, durch Strafverfolgungsbehörden zum Quervergleich herangezogen. Somit ist es möglich ein hochgradig umfassendes Gesamtbild der bislang international aufgetretenen Taten aufzuzeigen.[15]

Nachdem am 30. Dezember 1974 in Olean, New York, das erste School Shooting stattfindet, folgen in den ersten zehn Jahren nach dieser Tat insgesamt neun weitere School Shootings, wohingegen es in den vergangenen zehn Jahren (gemessen bis zum 01.01.2010) zu 71 Vorfällen dieser Art kommt. Neben diesem eindeutigen Anstieg ist zu erkennen, dass diese schulischen Gewalthandlungen ab 1999 eine besonders rapide Zunahme aufzeigen. Es wird davon ausgegangen, dass hierfür die weltweit aufsehenerregendste Tat an der Columbine High School am 20. April 1999 verantwortlich ist und eine Vielzahl von Nachahmungs- und Folgetaten nach sich zieht. Im Zeitraum 2000-2002 ist erneut ein leichtes Wachstum zu verzeichnen. Seit 2002 ist jedoch die Häufigkeit der durchgeführten Taten leicht rückläufig, aber dennoch auf einem sehr hohen Niveau von circa 6 bis 7 Fällen pro Jahr angesiedelt. Die Abschwächung lässt sich vermutlich auf eine mittlerweile frühere Erkennung der School Shootings und folglich deren Abwendung durch Polizei- und Schulbehörden zurückführen. Diese Annahme lässt sich durch eine in den letzten Jahren bekannt gewordene hohe Zahl rechtzeitig aufgedeckter und damit nicht in die Statistik eingegangener School Shootings bestätigen. Die leichte Rückläufigkeit der School Shootings, die noch immer um ein Vielfaches höher liegt als vor Beginn der 90er Jahre, ist in den USA zu vermerken, nicht aber in anderen Staaten. Außerhalb der USA waren solche Fälle bis Ende der 90er Jahre vollkommen unbekannt. Eine Ausnahme bilden 2 kanadische Taten. Ab dem Jahr 1999 finden sich jedoch Berichte über School Shootings aus allen Teilen der Welt. Seither bilden die Taten außerhalb der USA, mit durchschnittlich dreieinhalb Taten pro Jahr, eine ernstzunehmende Konstante, die seit 2008 sogar drastisch ansteigt. Daher sind im Jahr 2009 neun Fälle außerhalb der USA zu registrieren, davon alleine drei in Deutschland.[16]

Eine potentielle Ursache für den Rückgang in den USA und der gleichzeitigen Zunahme der internationalen Fälle, könnten die starken präventiven Bemühungen der USA sein, wohingegen sich anderorts in den vergangenen Jahren nur recht wenig geändert hat.

a) Zeitliche Verteilung der School Shootings

Bei der genauen Beschäftigung mit School Shootings kann festgestellt werden, dass die meisten Taten in den Monaten von März bis April und Oktober bis Dezember verübt werden. Diese Betrachtung zeigt auf, dass in den Sommermonaten von Juni bis September insgesamt deutlich weniger Taten auftreten. Eine erste mögliche Ursache könnte hierbei in der Ferienzeit zu suchen sein, denn in den Sommerferien finden sich weniger Gelegenheiten ein School Shooting durchzuführen. Eine Studie des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen deutet diese Verteilung der School Shootings jedoch anders. Demnach ist die Häufung der Taten im Frühling und Herbst weniger abhängig von dem Schuljahresverlauf sondern lässt sich eher mit Nachahmungstaten, in Folge besonders medienwirksamer und opferreicher School Shootings, in Zusammenhang bringen. In den Jahren 1993-2001 stellt eine Studie über 143 School Shootings heraus, dass 44% der School Shootings innerhalb einer Zeitspanne von zehn Tagen nach einer vorausgegangenen Tat, von der in den Medien berichtet wird, stattfinden.[17]

Außerdem erweisen sich auch Jahrestage von spektakulären Taten als relevant. Dabei ist der Jahrestag des School Shooting an der Columbine High School besonders auffällig, denn zu diesem Zeitpunkt konzentrieren sich durchgeführte, geplante und angedrohte Nachahmungstaten. Insbesondere der April, in dem die Jahrestage von Columbine und Erfurt kurz aufeinander folgen, erfordert eine erhöhte Aufmerksamkeit zur Früherkennung solcher Fälle.[18]

b) Opfer von School Shootings

Wird das Augenmerk auf die Opfer derartiger Taten gelegt, so wird deutlich, dass bei etwa einem Drittel aller Vorfälle ausschließlich Schüler oder Lehrer Ziel der Attacken sind. Bei einem weiteren Drittel sind beide Gruppen, sowohl Schüler als auch Schulpersonal, Opfer der Täter. Zudem werden in Einzelfällen, neben den genannten Personengruppen, auch Familienmitglieder angegriffen und getötet. Allerdings ist zu betonen, dass nicht die vorab geplanten Absichten der Täter dokumentiert werden, sondern nur die Fakten des tatsächlichen Tatausgangs festgehalten werden können. Demnach kann nicht ausgeschlossen werden, dass eventuell auch andere oder mehr Menschen zu Schaden hätten kommen sollen, hätte der Tatverlauf anders stattgefunden.

Während bei den bislang insgesamt 124 aufgetretenen School Shootings zusammengerechnet 209 Menschen getötet und 421 Menschen verletzt werden, liegt der Durchschnitt pro School Shooting bei 1,7 Toten und 3,4 Verletzten. Besonders schwerwiegende Taten, wie in Columbine mit 13 Toten, in Erfurt mit 16 Toten sowie in Winnenden mit 15 Toten, sind in Bezug auf die Auswirkungen dieser School Shootings bislang eher die Ausnahme.[19]

c) Tatausgang von School Shootings

In den meisten Fällen ist die Festnahme des Täters der Ausgang von School Shootings. Die Jugendlichen werden in der Regel von Mitschülern oder Lehrern aufgehalten, denn Polizisten sowie Wachpersonal der Schule erscheinen nur in wenigen Ausnahmen rechtzeitig am Tatort, sodass sie einschreiten können. Jeder vierte jugendliche Täter jedoch tötet sich im Anschluss an seine Tat selbst. Weitere haben den Suizid versucht, haben jedoch nicht den entscheidenden Schuss ausgelöst. Von der Polizei erschossen wird bisher nur ein einziger Jugendlicher.[20]

Täter

d) Männliche School Shooter

Bei School Shootern handelt es sich fast ausschließlich, um männliche Täter. 2009 wird allerdings auch ein Mädchen zu Beginn der Tatausführung in der Schule entdeckt und schließlich an der vollendenden Handlung gehindert. Dennoch sind, sowohl in Deutschland als auch weltweit, nahezu nur Männer bekannt, die derartige Taten begehen. Diese Tatsache muss allerdings nicht zwingend bedeuten, dass niemals weibliche Täterinnen solche Tötungsdelikte verüben werden. Generell ist bei der Begehung von Gewalttaten die Beteiligung des weiblichen Geschlechts weitaus geringer als die des männlichen. Etwa 13% der Gewalttaten werden von Frauen und Mädchen verübt. Je schwerer jedoch die Gewalttat ist, umso seltener sind diese tatbeteiligt. Folglich werden die meisten Gewaltdelikte von männlichen Jugendlichen begangen, wie es auch bei den School Shootings der Fall ist. Sicherlich lässt sich hier ein Zusammenhang zwischen Gewalt und Männlichkeit vermuten, da Männer grundsätzlich eher zu gewalttätigem Verhalten neigen als Frauen.[21] Abgesehen von geringen Ausnahmefällen, wird demzufolge in dieser wissenschaftlichen Arbeit lediglich von männlichen Tätern ausgegangen.

e) Anzahl der School Shooter

Die Jugendlichen handeln zu 97% alleine, die Ausnahme jedoch stellen die beiden Fälle in Columbine und Jonesboro dar. Hier führen jeweils zwei jugendliche Täter gemeinsam ein School Shooting durch. Neben diesen Ausnahmen gibt es sowohl in den USA als auch in Deutschland eine Vielzahl von rechtzeitig aufgedeckten Fällen, bei denen mehr als ein Jugendlicher plant, eine schwere zielgerichtete Gewalttat an seiner Schule zu verüben. So beabsichtigen beispielsweise in Deggendorf drei 14-jährige Schüler ein halbes Jahr nach der Tat von Columbine die Direktorin und eine Lehrerin ihrer Schule zu töten. In Usedom sind es sogar fünf Schüler, die eine Todesliste von Lehrern und Mitschülern erstellen.[22]

f) Alter der School Shooter

Eine detaillierte Betrachtung der Altersstruktur bisheriger School Shooter zeigt vordergründig, dass derartige Gewalttaten ein Phänomen des Jugendalters sind, auch wenn es erheblich ältere Täter gibt. Es ist festzustellen, dass das Durchschnittsalter eines School Shooters bei etwa 16 Jahren liegt. Rund zwei Drittel aller Taten geschehen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Somit handelt es sich bei den Tätern von School Shootings größtenteils um Jugendliche, nicht selten sogar um Kinder. Eine Ausnahme stellen die bereits zuvor erwähnten, ehemaligen Schüler dar, die nach einiger Zeit zurück an ihre Schule kehren, um dort eine schwere Gewalttat zu begehen. So können in Einzelfällen auch Heranwachsende oder Erwachsene School Shootings verüben.[23]

g) Waffen

In 88% aller Fälle von School Shootings werden bei der Tatdurchführung Schusswaffen benutzt. Teilweise legen die Täter sogar ganze Waffenarsenale an, die jedoch meistens nicht zum Einsatz kommen. Manchmal verwenden die Täter zusätzlich Sprengstoffe, Schlagwaffen oder Benzin, aber auch Klingenwaffen können als alleiniges Tatwerkzeug genutzt werden. So werden in immerhin 18 Fällen Messer oder andere Klingenwaffen als einzige Tatwaffe gebraucht. Die Jugendlichen erwerben ihre Waffen in fast allen bekannten Gewalttaten nicht legal, was darin begründet ist, dass die meisten Täter zum Zeitpunkt des Geschehens minderjährig sind. Oftmals stammen die genutzten Waffen aus dem Waffenschrank des eigenen Elternhauses oder werden durch Kontakt zu älteren Freunden beschafft. So besitzt die überwiegende Mehrheit aller School Shooter einen direkten Zugang zu Schusswaffen.[24]

School Shootings in Deutschland

Bei der Betrachtung von School Shootings entsteht oftmals übereilt der Eindruck, dass es sich hierbei vor allem um ein US-amerikanisches Problem handelt. Bei genauerer Auseinandersetzung mit der Thematik wird jedoch deutlich, dass auch in Deutschland nicht selten Vorfälle solcher Art geschehen. Seit 1999 bis zum Jahr 2010 finden in Deutschland bereits zwölf bekannte Taten statt, die der oben genannten Definition eines School Shootings entsprechen. Über 40 Menschen kommen ums Leben.[25]

Meißen, 09.11.1999:

15-jähriger Schüler ersticht Geschichtslehrerin mit zwei Küchenmessern und flieht anschließend.

Brannenburg, 16.03.2000:

16-jähriger Täter fügt Leiter seines Internats nach einem Schulverweis eine tödliche Schussverletzung zu. Versucht dann im Anschluss sich selbst zu erschießen.

Freising, 21.02.2002:

21-jähriger ehemaliger Schüler erschießt seinen ehemaligen Vorgesetzten und den Vorabreiter, erschießt dann an seiner damaligen Schule den Direktor, verletzt einen weiteren Lehrer und erschießt sich schließlich selbst.

Erfurt, 26.04.2002:

19-jähriger Täter erschießt an seiner ehemaligen Schule, nach einem Schulverweis, die Sekretärin, zwölf Lehrkräfte, zwei Schüler, einen Polizeibeamten und am Ende sich selbst.

Behrenhoff, 29.08.2002:

15-jähirger Schüler greift mit Messer eine Lehrerin an, wird dann aber von Schülern und Lehrern an der Tatumsetzung gehindert.

Coburg, 02.07.2003:

16-jähriger Täter schießt auf seine Klassenlehrerin, trifft aber nicht, verletzte eine weitere Lehrerin und erschießt sich dann selbst.

Emsdetten, 20.11.2006:

18-jähriger ehemaliger Schüler schießt wahllos um sich, zündet Rauchbomben und verletzt dabei über 30 Menschen. Im Anschluss erschießt er sich selbst.

Biberach, 23.07.2008:

15-jähriger Schüler sticht mit Messer auf den Direktor ein, verletzt diesen jedoch nur leicht.

Winnenden, 11.03.2009:

17-jähriger ehemaliger Schüler erschießt neun Schüler, drei Lehrerinnen, drei weitere Menschen, verletzt elf Menschen und nimmt sich das Leben.

St. Augustin, 11.05.2009:

16-jähirge Schülerin plant einen Anschlag auf ihre Schule und verletzt dabei eine eingreifende Schülerin.

Ansbach, 27.09.2009:

18-jähriger Schüler wirft Brandsätze in die Schule, verletzt eine Schülerin mit der Axt und zehn weitere Menschen werden verletzt.

Ludwigshafen, 18.02.2010:

23-jähirger ehemaliger Schüler ersticht einen Lehrer und greift andere Menschen an.

Durchschnittlich kommt es somit in Deutschland seitdem zu etwa einem School Shooting pro Jahr. Trotzdem finden in den Jahren 2002 und 2009 jeweils drei Taten statt, während sich in anderen Jahren keine ähnlichen Vorfälle ereignen. Ferner sind vereinzelte, durch rechtzeitige Interventionen, verhinderte Taten bekannt.

Nach den USA und Kanada ist Deutschland bisher, mit insgesamt neun umgesetzten Taten, international am zweithäufigsten von solchen Taten betroffen. Dennoch handelt es sich weiterhin um ein sehr seltenes Phänomen. Bei circa 20.000 Schulen in ganz Deutschland und durchschnittlich einer Tat im Jahr kommt es im Schnitt alle 20.000 Schuljahre zu einem School Shooting.[26]

D. Die Lebensphase Jugend

Das Jugendalter

Die Phase der Jugendlichkeit ist der Lebensabschnitt zwischen dem Status eines Kindes und dem eines Erwachsenen. Dieser Durchgangsphase, auch Adoleszenz genannt, an deren Ende der Zielstatus des Erwachsenen zu erreichen ist, wird ebenfalls eine charakteristische Bedeutung im Lebenslauf zugesprochen. In dieser Zeit gilt es für das Individuum eine Vielzahl weitreichender Herausforderungen zu bewältigen. Hierzu zählen vor allem die Herausbildung eines sozial akzeptierten Verhaltens, das Erlernen und Ausbilden der spezifischen Geschlechterrollen sowie die Gewinnung und Festigung der eigenen Identität. Im Vordergrund steht dabei, dass der Mensch in dieser Phase die sozialen Fähigkeiten erlernt, die zum normalen Verhalten benötigt werden. Mit Beginn der Jugendphase setzen auch die körperlichen Veränderungen ein. Gleichzeitig beginnt der Jugendliche diesen voranschreitenden Wandel zu beobachten, zu bewerten und letztlich mit anderen zu vergleichen. Folglich entsteht eine gesteigerte Selbstwahrnehmung, wobei alle Veränderungen kritisch bewertet und mit Gleichaltrigen verglichen werden, sodass dieser Prozess von extremen Gefühlsausdrücken begleitet werden kann.[27]

Aufgrund der individuellen Entwicklungsverläufe, ist das Ende des Jugendalters schwierig und wenig präzise zu bestimmen. Ausgehend von äußerlichen Veränderungen des Erscheinungsbildes kann nicht auf den Abschluss dieser Phase geschlossen werden. So lässt sich das Ende der Jugendphase, also der Eintritt in das frühe Erwachsenenalter, eher an Merkmalen der sozialen Reife sowie der Übernahme bestimmter Rollen und Aufgaben festmachen. Dennoch wird in Etwa von der Altersspanne zwischen 11 und 25 Jahren ausgegangen. Dieser Zeitraum lässt sich in eine frühe Jugendphase zwischen dem 12. und dem 17. Lebensjahr, in eine mittlere oder auch nachpubertäre Phase vom 18. bis zum 21. Lebensjahr sowie in eine späte Jugendphase von 22 bis 27 Jahren einteilen. Bei der Betrachtung des Altersabschnittes in Bezug auf diese Arbeit kann allerdings eine Untergrenze für Kinder unter zehn Jahren gezogen werden, da typische Veränderungen der Jugendlichkeit mit den jeweiligen biologischen und psychologischen Entwicklungsprozessen bei Kindern noch nicht eingesetzt haben. Zusätzlich haben Kinder unter zehn Jahren ein anderes Konzept vom Tod, entsprechend ihrem Entwicklungsstand und dem kindlichen Weltbild. Demzufolge steht im weiteren Verlauf besonders die Altersgruppe der 11 bis 25 Jährigen im Fokus, wenn hier die Rede von ‚Jugendlichen‘ ist.[28]

Wird nun das Augenmerk auf die Täter der School Shootings gelegt, die zur Tatzeit durchschnittlich 16 Jahre alt sind, so lassen sich diese in die frühe oder mittlere Jugendphase einordnen. Die Anforderungen und Entwicklungsaufgaben dieses Jugendalters sind es, die das Phänomen zielgerichteter Gewalt an Schulen begünstigt. Abweichende Verhaltensweisen zu den oben genannten sich üblich entwickelnden Prozessen, werden aus den Belastungen heraus erklärt, die aus einer insuffizienten Entwicklung solcher lebensphasenspezifischen Anforderungen resultieren. Es wird daher zunächst auf das Konzept der Entwicklungsaufgaben eingegangen, um in den sich anschließenden Kapiteln herausarbeiten zu können, aus welchen Konstellationen sich diese strapazierenden Gefühle, der in dieser Arbeit thematisierten School Shooter, ableiten lassen.[29]

Zu der Lebensphase Jugend zählen die körperliche und sexuelle Entwicklung, die psychosoziale Entwicklung, die intellektuelle Entwicklung, die Identitätsentwicklung sowie die Bedeutung der Gleichaltrigen. Der Fokus soll allerdings nur, auf den für die Thematik der Ausarbeitung relevanten Aspekten, der Identität, der psychosozialen Entwicklung sowie der Gleichaltrigengruppe liegen.[30]

Entwicklungsaufgaben im Jugendalter

Ein von Robert Havighurt entwickeltes Konzept fasst Entwicklungsaufgaben als Lernaufgaben auf, die sich über die gesamte Lebensphase erstrecken. Jeder Lebensabschnitt enthält charakteristische Aufgaben, die in diesem Zeitraum gut bewältigt werden können. Demnach steht dem Individuum eine enorme Verdichtung von Entwicklungsaufgaben bevor. Hierbei ist die erfolgreiche Bewältigung der altersspezifischen Anforderungen jeweils die Bedingung für nachfolgende Phasen der Persönlichkeitsentwicklung. Kann eine Entwicklungsaufgabe in der vorgegebenen Zeitspanne nicht gelöst werden, kann dies negative Auswirkungen auf die folgenden Entwicklungsaufgaben haben. Zudem kann dies die psychische Verfassung des Individuums beeinflussen und seitens der Gesellschaft zu Missbilligung und Ablehnung führen. Nach Havighurt ergeben sich die Aufgaben aus drei wesentlichen Quellen:

- Gesellschaftliche Erwartungen
- Individuelle Zielsetzungen und Einstellungen
- Physiologische Reifeprozesse

Körperliche Veränderungen bewirken oftmals auch bei der Gesellschaft veränderte Erwartungen, wobei diese Anforderungen aber auch von den individuellen Bedürfnissen abweichen können. Somit bedingen sich Individuum und Umwelt gegenseitig und können nicht separat voneinander betrachtet werden. Das heißt nicht nur die Umwelt bestimmt den Jugendlichen, sondern auch der Heranwachsende beeinflusst diese ebenfalls durch das Selektieren der Umweltgegebenheiten sowie deren aktiven Aneignung und eventuellen Veränderung.[31]

Havighurt hat folgende Entwicklungsaufgaben vorgesehen:

- Aufbau neuer und reifer Beziehungen zu Gleichaltrigen des gleichen und anderen Geschlechts
- Übernahme der weiblichen bzw. männlichen Geschlechterrolle
- Akzeptanz und effektive Nutzung des eigenen Körpers
- Emotionale Unabhängigkeit von den Eltern und anderen Erwachsen
- Vorbereitung auf Ehe und Familie
- Vorbereitung auf eine berufliche Karriere
- Entwicklung eines Wertesystems und einer Ideologie
- Erreichung eines sozial verantwortlichen Verhaltens

Heute zählen zu den Entwicklungsaufgaben auch die Entwicklung einer Zukunftsperspektive, eines Selbstkonzeptes, der Identität sowie die Aufnahme intimer Beziehungen zu einem Partner.[32]

In der Phase der Adoleszenz, die Endphase des Jugendalters, ist der Jugendliche erstmals zum bewussten Erleben des eigenen Ichs fähig, da gleichzeitig die kognitive Reifung vorangeschritten ist, sodass es dem Heranwachsenden möglich ist, sich selbst sowohl emotional als auch intellektuell als einheitlich und selbstständig zu verstehen. Somit unterscheiden sich die altersspezifischen Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz von denen der Kindheit und des Erwachsenenalters. Denn die Jugendphase zeigt einen deutlichen Sprung in der Persönlichkeitsentwicklung gegenüber der Kindheitsphase, da sich der Jugendliche zum ersten Mal mit den Fragen wer er ist, wie er zu dem geworden ist, was er ist und wer er in der Zukunft sein möchte, auseinander setzt. Eine solche Konfrontation mit dem eigenen Selbst wird stets von der Rollenzuweisung und den Erwartungen der sozialen Umwelt begleitet, sodass sich der Heranwachsende zwischen diesen beiden Polen verorten und ein stabiles Identitätserleben aufbauen muss.[33]

Die Auseinandersetzung mit den genannten Themen sollte definitiv im Jugendalter stattfinden, wobei das Ziel der Erreichung dieser geforderten Aufgaben die Identitätsentwicklung des Jugendlichen darstellt. „Die Summe ihrer ‚erfolgreichen Bewältigung‘ (der Entwicklungsaufgaben) ergibt dann schließlich so etwas wie ‚Erwachsensein‘.“[34]

Psychosoziale Entwicklung

Zusammen mit den körperlichen Veränderungen und folglich deren psychische Verarbeitung kommt es zu einer gestärkten Selbstwahrnehmung, wobei der Körper und das eigene Aussehen einen wichtigen Stellenwert erhalten. Genauste Beobachtungen und Bewertungen des eigenen Veränderungsprozesses sowie der Vergleich mit anderen gewinnen an Bedeutung. Diese durch die Entwicklung bedingte narzisstische Haltung wirkt sich auf die Selbstwahrnehmung, das Selbstbewusstsein und die Stimmungslage aus. Folglich entsteht eine intensivere Wahrnehmung der subjektiv erlebten Abweichungen von persönlichen oder durch das Umfeld geprägten Idealen. Diese eventuellen Unterschiede zu Gleichaltrigen werden besonders kritisch wahrgenommen und bewertet, sodass diese Andersartigkeiten von Ängsten, sozialem Rückzug, aggressiven Reaktionen, ambivalenten Verhaltensweisen oder übersteigerter Sensibilität und Verletzlichkeit begleitet werden.[35]

Zusätzlich kommen Wachstumssprünge in Form von sich entwickelnden Geschlechtercharakteristika sowie motorischen und intellektuellen Fähigkeiten hinzu, die ebenfalls das Selbstbild und die Stimmungslage der Jugendlichen beeinflussen und zu einem veränderten Erleben von Beziehungen führen. Sowohl das äußere Erscheinungsbild als auch die subjektive Bedeutung des eigenen Aussehens sind ausschlaggebend bei der Annäherung an das andere Geschlecht. Bekanntermaßen erleichtern Schönheit und Attraktivität die Kontaktaufnahme und wirken sich auf die soziale Beliebtheit unter den Gleichaltrigen aus. Zudem beeinflusst dies wiederum die Entwicklung eines positiven Selbstwertgefühls sowie die Selbstwahrnehmung der Heranwachsenden, da diese die wesentlichen Aspekte des Selbstkonzeptes darstellen. Mit der Entwicklung körperlichen Geschlechtsmerkmale und der wachsenden sexuellen Aktivitäten entsteht zudem eine gesteigerte gesellschaftliche Erwartung, die fordert, dass die Jugendlichen nun immer mehr Verhaltensweisen erarbeiten, die zu der gesellschaftlichen Rolle des Mannes oder der Frau zählen.[36]

Das Resultat dieser Vielzahl an Veränderungen sind zumeist hochemotionale Ansichten mit einer extremen Bewertung von Begebenheiten und bestimmter Situationen. So kann beispielsweise eine intensive Freundschaft zu einem Mitschüler die Thematik der Homosexualität nach sich ziehen. Besonders bei Jungen kann dies Folgen haben, da die Geschlechtsidentität noch nicht ausreichend bewiesen ist und sie dann meist zu einem demonstrativ männlichen Verhalten antreibt. Aufgrund der in der heutigen Industriegesellschaft vagen Männerrollen, kehren sie oftmals zu altgebrauchten Kernelementen, wie der Nachwuchserzeugung, des Beschützens und der des Versorgens zurück. Somit resultiert aus subjektiven Bedrohungen der eigenen Sexualität nicht selten gewaltbereites Verhalten.[37]

Ebenso kennzeichnend sind Neigungen zu impulsiven und gefährlichen Verhaltensweisen, denn die Heranwachsenden versuchen ihre Ziele meist auf ungewöhnliche Art und Weise zu erreichen, wobei körperliche und psychische Gefahren außer Acht gelassen werden. Die Jugendlichen glauben intensiv an ihre eigene Stärke und Unverwundbarkeit, während ihnen negative Konsequenzen oder ein langfristiges Hinarbeiten auf ein Ziel eher fremd sind. Die Befriedigung des Wunsches wird immer größer und Jugendliche, mit wenig bis kaum Erfahrungen mit erprobten Problemlösungsstrategien, können so in schwierige Situationen geraten, in denen die Gewalt als einziger Ausweg gesehen wird.[38]

Identitätsentwicklung

Am Ende der erfolgreichen Auseinandersetzung und Bewältigung der beschriebenen Entwicklungsaufgaben im Jugendalter steht das Ziel, die eigene Identität des Jugendlichen zu entwickeln. Der Prozess der Identitätsentwicklung stellt ein zentrales Thema des Jugendalters dar und nimmt somit eine besondere Rolle innerhalb der Entwicklung ein.

Zunächst ist im Allgemeinen mit Identität die Kombination individueller, unverwechselbarer sowie kennzeichnender Daten einer Person wie Name, Alter, Geschlecht etc. gemeint. Darüber hinaus wird Identität aus psychologischer Sicht als eine einzigartige und unverwechselbare Persönlichkeitsstruktur verstanden. Neben dem Selbstverständnis und der Selbstkenntnis der eigenen Person kommt es ebenfalls auch auf die Wahrnehmungen sowie Einschätzungen des sozialen Umfeldes bezüglich der Persönlichkeitsstruktur an.[39]

Es wird also davon ausgegangen, dass eine gelungene Persönlichkeitsreifung eine ungestörte Beziehung zu sich selbst ist, die durch Selbstvertrauen, Selbstachtung sowie Selbstschätzung charakterisiert ist. Für das Identitätserleben und die Entwicklung einer gesunden Individuation ist die soziale Anerkennung von großer Bedeutung, sodass die Identitätsentwicklung immer in Abhängigkeit der sozialen Anerkennung steht. Für den Aufbau von Selbstvertrauen ist die soziale Anerkennungsform der Liebe unabdingbar. Diese erfährt das Individuum durch Primärbeziehungen, die von starken kontinuierlichen Gefühlsbindungen zwischen mehreren Menschen geprägt sind. Die Erfahrung, dass die Menschen auch trotz entzogener Aufmerksamkeit Zuneigung und Liebe aufrechterhalten, ist für das Individuum eine essentielle Basis, sich künftig sorglos seiner Umwelt zuwenden zu können. Somit stellt diese Fähigkeit eine Grundvoraussetzung für die autonome Teilnahme am öffentlichen Leben dar. Es wird davon ausgegangen, dass Heranwachsende, basierend auf ihren Interaktionserfahrungen mit zentralen Bezugspersonen, eigenständige Vorstellungen darüber entwickeln, inwieweit sie sich auf diese in Bedürfnis- und Notsituationen verlassen können. Es werden folglich auf Grundlage der Erfahrungen innere Arbeitsmodelle konstruiert, die zum einen die Erwartungen gegenüber den Bezugspersonen beinhalten und zum anderen im Anschluss auf außerfamiliäre soziale Beziehungen übertragen werden. Dabei kommt es in Bezug auf die persönliche Selbsteinschätzung zu einer Verallgemeinerung, sodass Kinder und Jugendliche, die beispielsweise von ihren Eltern immer wieder das Gefühl erfahren, dass sie unerwünscht und nicht akzeptiert sind, dazu tendieren sich selbst auch in sozialen Umgebungen als gering anerkannt zu erfahren. Diese Personen offenbaren Misstrauen und weichen problematischen Situationen eher schneller aus, da ihnen Formen der Unterstützung in der Vergangenheit fehlen. Demgegenüber stehen Heranwachsende, die in ihren primären Beziehungen eine stabile Unterstützung sowie emotionale Zuwendung erlebt haben und somit in für sie unbekannten Begebenheiten und neuen sozialen Interaktionen mit weitaus mehr Vertrauen reagieren können.

Demnach ist also das Anerkennungsmuster Liebe äußerst bedeutsam, da es als primäre Grundlage sozialer Anerkennung dem Individuum Selbstvertrauen, Integration und Fremdvertrauen ermöglicht.[40]

Neben den Erfahrungen emotionaler Zuwendungen, ist für den Aufbau eines stabilen Selbstverständnisses sowie Selbstschätzung die soziale Wertschätzung notwendig. Diese nimmt Bezug auf die Fähigkeiten und Eigenschaften, durch die sich das Individuum von anderen unterscheidet. Der soziale Wert entsteht durch die Wertschätzung der eigenen Leistungen und persönlichen Merkmale sowie der Bewertung inwiefern der Einzelne im Stande ist zu der Verwirklichung der gesellschaftlichen Zielvorgaben beizutragen. Somit wird es dem Individuum ermöglicht sich auf seine Eigenschaften positiv zu verlassen und beziehen zu können, sodass, basierend auf dem gesellschaftlichen Werte- und Normsystem, eine Selbstverwirklichung aufgebaut werden kann. Das Individuum lernt sich selbst zu schätzen und vertraut darauf, seine Leistungen erbringen zu können und Fähigkeiten zu besitzen, die von anderen Mitgliedern der Gesellschaft als wertvoll anerkannt werden. Wird jedoch im Zusammenhang sozialer Interaktionen Missachtung, Beleidigung oder Demütigung erfahren, so geht dies mit einer erheblichen Belastung des Selbstwertgefühls einher. Die soziale Anerkennung sowie das eigene Selbstbild sind also stets miteinander verbunden, sodass das Individuum immerzu sein Selbstbild mit dem ihm explizit sowie implizit vermittelten Idealen oder Fremderscheinungen in Beziehung setzt.[41]

Einer positiven Selbstdefinition geht also immer eine soziale Anerkennung voraus, was bedeutet, dass Anerkennungsverweigerungen und Missachtung für die Betroffenen eine erhebliche Belastung sind und mit negativen Erfahrungen einhergehen. Gelingt es dem Jugendlichen nicht eine klare Position zu sich selbst zu finden und sich auf bestimmte Perspektiven, Werte und Ziele festzulegen, so kann dies zu Verunsicherung, Selbstzweifel und Krisen führen. Folglich ist der Jugendliche bezüglich seiner Identität äußerst unsicher und verwirrt.[42]

Besonders in dieser identitätssensiblen Lebensphase ist das Erleben von Anerkennung für Jugendliche demnach von äußerst wichtiger Bedeutung. In dieser Zeit sind die drei Erfahrungsbereiche Familie, Schule und Ausbildungsinstitution sowie die Gleichaltrigengruppe als Sozialisationsinstanzen und zentrale Anerkennungsquellen besonders relevant.[43]

a) Die Familie

In der Regel sind die ersten bedeutsamen emotionalen Beziehungen in der Familie zu finden. Zum einen dienen diese als Quelle der emotionalen Anerkennung und sozialen Unterstützung und zum anderen um entstandene Anerkennungsdefizite in anderen Lebensbereichen auffangen zu können. Zudem fungiert die Familie als vermittelnde Instanz zwischen dem Individuum und der äußeren Realität, sodass Bezugssysteme gebildet werden, an denen sich die Jugendlichen orientieren können. Die Familie wirkt unterstützend indem sie Vorschläge zur Verarbeitung gibt und Anregungen zur Aneignung der inneren und äußeren Realität macht. So lernen Heranwachsende meist über Hilfestellungen der Familie sich selbständig und selbstbewusst mit der Umwelt auseinanderzusetzen.[44]

b) Schulen und Ausbildungsinstitutionen

Eine weitere Sozialisationsinstanz stellen die Schulen und die Bildungsinstitutionen dar. Diese übernehmen die gesellschaftliche Funktion der sozialen und berufsrelevanten Wissensvermittlung und werden in diesem Zusammenhang als Selektions- und Qualifikationsinstanz verstanden. Der Institution Schule wird die Funktion der Statuszuweisung zugesprochen, da diese in Form von Notengebung und Versetzungsentscheidungen sowohl über die gegenwartsbezogene als auch die zukünftige soziale Positionierung von Heranwachsenden mitbestimmt. Des Weiteren stellt die Schule ein soziales System dar, das durch die Bedingungen des Heranwachsens definiert ist und sich in allen Kommunikationsbeziehungen zwischen den Mitschülern ausdrückt.[45]

c) Die Peer-Group

Ein weiteres wichtiges Kennzeichen der Jugendphase ist die zunehmende Distanzierung des Jugendlichen von Erwachsenen, speziell von den Eltern. Bei dieser beginnenden Loslösung von der Familie intensivieren sich gleichzeitig die Beziehungen zu Gleichaltrigen. In dieser Phase kommt es zu einem Umbau der sozialen Beziehungen, das heißt die Qualität der Elternbeziehung sowie die erlebten Bindungserfahrungen in der Kindheit werden auf das Verhältnis zu den Gleichaltrigen übertragen. Dadurch entstehen Veränderungen in der Beziehungs- und Bindungsqualität sowohl zwischen Eltern und Jugendlichen als auch zwischen den Gleichaltrigen und den Heranwachsenden.[46]

Die Peer-Group, die heutige Bezeichnung für Gleichaltrigengruppe, kann erheblich zur Orientierung, Stabilisierung und Identitätsfindung beitragen. Durch die verschiedenen Lebensstile der Jugendlichen schafft die Gruppe zum einen Vorbilder und bietet zum anderen emotionale Geborgenheit. Ebenso hilft die Peer- Group bei der Bewältigung des Alleinseins, indem die Freizeit durch vielfältige jugendtypische Aktivitäten gemeinsam gestaltet wird. Zudem unterstützt die Jugendgruppe den Heranwachsenden bei der oben erwähnten Ablösung von den Eltern sowie der Abgrenzung von der Erwachsenenwelt und der dabei entstehenden Trennungsängsten. Diese intensiven Beziehungen unter den Gleichaltrigen ermöglichen eine enge Vertrautheit, die sich im gegenseitigen Anvertrauen und Austausch von Problemen und deren Bearbeitung zeigt.[47]

Somit bietet die Peer-Group also ein Übungsfeld für den Jugendlichen, in dem neue Umgangsformen im Sozialverhalten mit den Gleichaltrigen erprobt werden können. Neben diesen bedeutenden Kennzeichen der Gleichaltrigengruppe gibt es jedoch auch Schattenseiten. Erhält eine erhoffte Anerkennung und Beachtung einer Gruppe Gleichaltriger bei dem Jugendlichen einen so hohen Stellenwert, kann es dazu kommen, dass dieser wenig unversucht lässt um diese Bestätigung zu erreichen. Dann können Teenager mit fehlenden Problemlösungsstrategien und einer Neigung zu impulsiv gefährlichen Handlungsweisen mit einem irrationalen Verhalten reagieren. Demzufolge kann die Motivation zur Begehung von Straftaten durchaus aus dem Versuch der Gleichaltrigengruppe zu imponieren, resultieren. Das heißt, neben den wichtigen Lernchancen innerhalb der Peer-Group, kann es vielfältige weniger entwicklungsfördernde Peerkontakte mit Unterdrückungs-, Ausbeutungs- und Beeinflussungstendenzen sowie Kränkungen, Enttäuschungen und Rivalitäten geben.[48]

Ferner gibt es jedoch auch Jugendliche, die keine Peerkontakte haben und somit relativ einsam und isoliert sind. Unter diesen Bedingungen wird das Bedürfnis der Jugendlichen nach Zugehörigkeit, Verständnis und Akzeptanz nicht ausreichend erfüllt und kann folglich schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben. Denn die Anerkennung durch die Gruppe stellt einen wichtigen Einflussfaktor für ein positives Selbstwertgefühl dar.[49]

Die Jugendphase ist also das Alter, in dem das Bedürfnis verstanden und anerkannt zu werden so stark, wie in keinem anderen Lebensabschnitt ist. Wie oben bereits beschrieben, steht der Wunsch nach Anerkennung oft in engem Zusammenhang mit der Suche nach einer eigenen Identität sowie der Geschlechterrolle. In den sozialen Strukturen können die Jugendlichen verschiedene Rollenmuster erproben, sodass mit der Zeit, basierend auf der damit errungenen Anerkennung, funktionsfähige Rollen beibehalten und andere wiederum verworfen werden. Dieses Austesten kann zwangsläufig Konflikte im sozialen Umfeld zur Folge haben und wird somit von den Jugendlichen oft als belastend erlebt. Demzufolge ist das Durchleben dieser Phase, je nach individueller Entwicklung, psychischer Verfassung und Stand der sozialen Integration sehr entscheidend für das Selbstbewusstsein, die Kontaktfreude sowie die Fähigkeit zur Beziehungsaufnahme zum anderen Geschlecht. So kann in diesem Zeitraum eine fehlgeleitete Entwicklung hinderlich auf den zukünftigen Aufbau des Selbstvertrauens, die Aneignung von gesellschaftlich akzeptierten Rollenbildern und die Fähigkeit zu sozialem Verhalten wirken.[50]

E. Ursachen, Hintergründe und Entstehung

Gesellschaftliche, familiäre und soziale Hintergründe

In der Literatur finden sich verschiedene Hinweise darauf, dass sowohl ungünstige gesellschaftliche als auch soziale und familiäre Konstellationen School Shootings nicht allein, aber im Zusammenwirken mit individuellen Risikofaktoren beeinflussen können.

a) Gesellschaftliche Aspekte

Wie im vorherigen Kapitel bereits erwähnt, stehen die Jugendlichen während ihrer Entwicklungsphase unter einem gesteigerten gesellschaftlichen Erwartungsdruck. Es wird davon ausgegangen, dass die Jugendlichen immer mehr Verhaltensweisen erarbeiten, die einer vollwertigen, erwachsenen männlichen oder weiblichen Rolle entsprechen. Zudem werden die eigenen Leistungen sowie persönliche Merkmale beurteilt und bewertet.

Auch die Institution Schule zählt, bezüglich ihrer Leistungserwartungen, zu einem gesellschaftlichen Einfluss, dem sich die Jugendlichen nicht entziehen können. Durch Notengebung und andere schulische Entscheidungen werden auch hier die Heranwachsenden bewertet und ihre Leistungen gemessen. Die Schüler werden somit im Bereich des Bildungsgrades durch die Schule positioniert.

Neben diesen psychosozialen, gesellschaftlichen Aspekten, zählen möglicherweise auch die Waffengesetzgebung und die Einstellung des Staates und seiner Bürger gegenüber Waffen, die Medienberichterstattung über School Shootings und letztlich die Haltung zu gewalthaltigen Büchern, Filmen und Computerspielen zu den gesellschaftlichen Einflussfaktoren. Hierbei handelt es sich um besonders wichtige und umfangreiche Themen, die zum Teil in eigenen Kapiteln erläutert werden.[51]

b) Familiäres Umfeld

Die Täter stammen meist aus gut situierten und intakten Familien mit guter Einbindung in das Gemeindeleben. Die Familienformen variieren allerdings und reichen von der intakten Kernfamilie über Ein-Elternfamilien bis hin zu Pflegefamilien. Die Familienverhältnisse zeichnen sich durch Unauffälligkeit sowie Normalität aus und weisen in der Regel keinerlei Risikofaktoren, wie Gewalt, Vernachlässigung, Alkohol- oder Drogenprobleme, auf. Sie erscheinen für Außenstehende „auffällig unauffällig“[52]. Die Täter leben also keinesfalls in den sogenannten „broken homes“, wie es oftmals durch die Medien verbreitet wird, sondern kommen aus kleinbürgerlichen Elternhäusern oder Mittelschichtfamilien, in denen ein gemeinsames Familienleben zu erkennen ist.[53]

In diesem Zusammenhang sind allerdings weniger die scheinbar intakten, formalen Bedingungen des familiären Zusammenlebens von Bedeutung, sondern vielmehr die Art und Weise des alltäglichen Umgangs innerhalb der Familie, speziell die emotionale Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen.[54]

Dieses Bild der normal erscheinenden Oberfläche zeigt bei genaueren Betrachtungen allerdings Risse, denn die Beziehungen eines School Shooters innerhalb der Familie werden zumeist als problematisch und dysfunktional beschrieben. Oftmals fühlen sich die Jugendlichen in ihren Familien nicht geborgen, da eine familiäre Atmosphäre, die von elterlichem Desinteresse und emotionaler Gleichgültigkeit geprägt ist, dominierend zu sein scheint. Meistens wissen die Eltern nur wenig über ihre Kinder und nehmen an ihrem Leben und deren persönlichen Problemen kaum Anteil. Sie kennen weder die Interessen und Neigungen ihrer Kinder, noch ihre Freundschaften oder schulischen Leistungen. So kann also von keiner engen emotionalen Bindung oder Beziehung zwischen Eltern und Kind ausgegangen werden kann, was unter anderem an einer schon früh vorhandenen Kontaktschwierigkeit der Jugendlichen liegen kann.[55]

Zusätzlich resultiert aus der geringen Beteiligung der Eltern am Leben ihrer Kinder auch der Eindruck, dass den späteren Tätern ein großer Freiraum in den Familien gelassen wird. Die Eltern sind häufig nur wenig informiert darüber, was ihre Kinder den ganzen Tag tun. Die Jugendlichen können dies, sowie den Umstand über ein eigenes Zimmer zu verfügen, zu ihren Zwecken nutzen. Somit ist davon auszugehen, dass die soziale Kontrollfunktion der Eltern nur unzureichend ausgeführt wird und sich die Täter somit unbewacht und unbeobachtet mit der Tatplanung auseinander setzten können.[56]

In den meisten Fällen sind ein bis zwei Geschwister vorhanden. Bezüglich des Geschwisterverhältnisses lässt sich sagen, dass diese oftmals schulisch oder beruflich erfolgreicher sind als die Täter, woraus Minderwertigkeitskomplexe sowie eine geringe Anerkennung der schulischen Leistungen des Täters entstehen können.[57] Häufig kann die Familie zum späteren Täter nur wenig sagen und charakterisiert diesen als jemanden, der still, zurückgezogen, wenig redselig und oft zu Hause ist, kaum Freizeitinteressen und nicht viele Freunde hat sowie schulisch eher nicht erfolgreich ist. Oftmals wird auch die Affinität zu Waffen wahrgenommen, jedoch als harmlos und unbedenklich dargestellt. Die Eltern erkennen also schon, dass mit ihrem Kind etwas nicht stimmt, dies wird aber nur selten bekannt oder gar genauer hinterfragt und gegebenenfalls in Angriff genommen. Die Eltern empfinden die Entwicklung ihres Kindes scheinbar als ungefährlich und bedenkenlos.[58]

Es lässt sich folglich festhalten, dass die Familienverhältnisse der Täter durch fehlende familiäre Nähe und Unterstützung geprägt sind. Die emotionalen Bindungen und Beziehungen innerhalb der Familie scheinen nicht ausreichend ausgebildet zu sein, sodass die primäre Grundlage zur sozialen Anerkennung, die in der Familie liegen sollte, fehlt. Somit ist es für die Jugendlichen schwer ein gesundes Selbstvertrauen sowie eine positive Selbstdefinition aufzubauen und dies kann bei den späteren Tätern zu Selbstzweifeln und Identitätskrisen führen. Auch die mangelnde soziale Unterstützung und Beschäftigung mit dem Heranwachsenden erschwert diesem das selbstständige und selbstbewusste Handeln in der Umwelt. Es fehlen grundlegende soziale Aneignungen, die im Regelfall primär in der Familie erlernt und dann in die Umwelt übertragen werden.

Es ist möglich, dass diese Tatsachen einen fördernden Einfluss auf die Entstehung eines School Shootings haben. Die daraus resultierenden Minderwertigkeitsgefühle sowie die unzureichende Aufmerksamkeit und Anerkennung innerhalb der Familie können eine unterstützende Wirkung auf mögliche Gewalttaten haben.[59]

c) Soziales Umfeld

Prinzipiell wird die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung auf den Umgang mit Gleichaltrigen übertragen, sodass es nicht wenig erstaunlich ist, dass aufgrund der oben beschriebenen mangelnden Bindung zwischen Eltern und Jugendlichen, diese ebenfalls nur schwach ausgeprägte Beziehungen zu Gleichaltrigen aufbauen. Die neben den unstabilen Familienverhältnissen zusätzlich fehlenden festen Peer-Beziehungen führen dazu, dass School Shooter oftmals als sozial isolierte, introvertierte Einzelgänger mit mangelhaften sozialen Kompetenzen beschrieben werden. Die Annahmen, dass die Täter überhaupt keine Freunde oder andere soziale Kontakte besitzen, treffen in der Regel nicht zu. Es gibt viele, denen es gelingt Freundschaften zu anderen aufzubauen, die jedoch häufig ebenso zu der Gruppe der sozialen Außenseiter zählen. Dadurch kommt es zur Verstärkung des Gefühls keinen sozial angepassten Platz in der Gesellschaft finden zu können. Der spätere Täter wird von den Gleichaltrigen nicht akzeptiert, da diese ihn eher als ruhig, still und unreif wahrnehmen. Der Jugendliche zeigt kein Interesse an jugendtypischen Aktivitäten, sodass es kaum zu gemeinsamen Unternehmungen kommt. Auch die Beziehung zum anderen Geschlecht spielt zumeist keine Rolle. Diese Distanz zwischen den Peers und dem späteren Täter muss nicht unbedingt eine drastische Ablehnung und Beleidigung bedeuten, sondern eher ein nebeneinander leben, weil dieser Jugendliche anders ist und sich nicht für Jugendtypisches interessiert.[60]

Der bedeutende Unterschied zu den Beziehungen der Täter und anderen Gleichaltrigen ist, dass diese weder sehr stabil noch tiefgründig sind. Es fehlen meistens Bezugspersonen, mit denen die Jugendlichen über ihre Probleme sprechen können oder denen sie sich emotional öffnen können. Ähnlich wie bereits bei den familiären Aspekten dargestellt, erscheinen die Peer-Beziehungen oftmals nur oberflächlich unauffällig, die jedoch aus der Perspektive des Betroffenen defizitär und unzureichend funktionsfähig wahrgenommen werden. Die subjektive Wahrnehmung der Täter spielt hierbei also eine entscheidende Rolle, sodass das Sich-nicht-verstanden-fühlen und die individuell erlebte Isolation tragende Faktoren auf dem Weg zum School Shooting zu sein scheinen.[61]

Dennoch existiert auch die extremere Variante, dass Gleichaltrige mit starker Ablehnung, Ausgrenzung oder Elementen der Sanktion oder Machtausübung auf den späteren Täter reagieren. Die Peers erkennen das geringe Selbstwertgefühl und erachten den ohnehin schon isolierten Jugendlichen als unnormal, sodass diese auch zu Opfern von Hänseleien und Demütigungen aller Art werden können.[62]

Neuere Studien bezüglich deutscher School Shooter hingegen zeigen, dass diese nicht zwangsläufig immer sozial randständig sind. Daher ist nicht geklärt ob es sich bei der so häufig berichteten sozialen Isolation der Täter, um einen beständigen Faktor handelt, der ein School Shooting auslöst oder bedingt.[63]

Trotzdem gibt es auch viele Jugendliche, die sich in vergleichbaren Situationen befinden und dennoch kein School Shooting planen oder gar verüben. Zusätzlich ist fraglich, warum dem betroffenen Jugendlichen nicht ausschließlich ein Suizid genügt. Dieser stattdessen aber seinen Tod derart inszeniert und gleichzeitig dabei andere Menschen tötet. Demzufolge müssen neben der sozialen Isolation noch andere Faktoren zur Entstehung eines School Shootings eine tragende Rolle spielen.[64]

Unauffälliges Erscheinungsbild des School Shooters

Die Mehrzahl der jugendlichen Täter weisen keine früheren aggressiven oder abweichenden Verhaltensweisen auf. Es gibt in den meisten Fällen keine früheren Gewaltakte zu dokumentieren. Die School Shooter sind vor der Tat weder durch Disziplinarprobleme an der Schule noch durch kriminelles oder aggressives Verhalten in Erscheinung getreten. Die jugendlichen Täter werden eher als normal bis unauffällig beschrieben und entsprechen keinesfalls den typischen Merkmalen von Problemkindern, die durch abweichendes Verhalten immer wieder auffällig werden. Durch dieses offensichtliche Fehlverhalten erfahren diese Jugendlichen automatisch mehr Aufmerksamkeit und werden von Erwachsenen mit Hilfsangeboten unterstützt. Wohingegen die, wie oben als unauffällig und zurückgezogen beschriebenen, späteren Täter bei möglichen tiefgründigen Problemen meistens keine Hilfe bekommen, da sie leicht übersehen und nur schwer wahrgenommen werden. Ihre Probleme werden von ihrem Umfeld vergleichsweise als belanglos eingeschätzt.[65]

Psychopathologische Auffälligkeiten

Die oben beschriebenen Faktoren allein scheinen zur Erklärung des Phänomens School Shooting nicht auszureichen. Denn diese gesellschaftlichen, familiären und sozialen möglicherweise tatauslösenden Ereignisse, wie der gesellschaftliche Erwartungsdruck, unzureichende emotionale Bindungen innerhalb der Familie oder die fehlende Anerkennung sowie Ausgrenzung durch Gleichaltrige sind Tatsachen, die von sehr vielen Menschen bewältigt werden. Auch wenn es sich zum Teil um persönlich stark belastende Erlebnisse handelt, stehen diese in keinem Verhältnis zu den Taten der School Shooter. Um diese Gewalttaten, die Jugendliche an Schulen begehen, erklären zu können, müssen weitere Faktoren auf Seiten der Täter berücksichtigt werden. Bei diesen schwerwiegenden Handlungen liegt es daher nahe zu untersuchen, inwiefern psychische Erkrankungen vorliegen und bei der Tat eine Rolle gespielt haben.[66]

Aus der Mehrzahl der bislang durchgeführten Studien geht hervor, dass die meisten Täter im Vorfeld psychopathologische Auffälligkeiten aufzeigen. Dabei handelt es sich um krankhaft veränderte Formen des Denkens, Fühlens und Verhaltens. Es wird davon ausgegangen, dass psychische Persönlichkeitsstörungen das Erleben und Verhalten besonders stark verändern und somit eine solche Tat möglicherweise begünstigen können. Besonders die Relevanz depressiver Störungen, beziehungsweise Symptome, die häufig bis hin zu Suizidversuchen reichen, finden sich bei fast allen School Shootern. Nach Meinung der überwiegenden Mehrheit der Experten werden unterschiedliche Persönlichkeitsstörungen, die jeweils mit Faktoren aus dem sozialen Umfeld zusammenwirken, im Zusammenhang mit School Shootings als relevant erachtet. Hierzu zählen die paranoide, die Borderline-, die antisoziale und die narzisstische Persönlichkeitsstörung.[67]

Bei der Betrachtung der neueren Literatur und nach den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen deutet es in den meisten Fällen auf das Störungsbild der narzisstischen Persönlichkeitsstörung hin. Auch wenn diese streng genommen erst im Erwachsenenalter diagnostiziert werden, da die Persönlichkeit im Jugendalter noch nicht vollständig ausgereift ist. Demnach wird im Folgenden der Fokus auf dieses Störungsbild gelegt.[68]

Eine Krise im Selbstwertgefühl stellt den Ausgangspunkt narzisstischer Verhaltensweisen dar, deren Symptome Minderwertigkeitsgefühle, Verzweiflung, innere Leere, Misstrauen und tiefe Verunsicherung sowohl gegenüber sich selbst als auch der äußeren Welt sein können. Diese Symptomatik resultiert aus im Vorfeld entstandenen Kränkungen und Verletzungen. Solche Krisen können durch Freunde und Familie, die die betroffenen Personen in diesen Situationen auffangen sowie Halt und Sicherheit geben, bewältigt werden. Sind allerdings keine anderen Möglichkeiten vorhanden oder keine derartige Bewältigungsstrategien in der Sozialisation erlernt worden, um das verunsicherte Selbstwertgefühl zu stabilisieren, so kommt es zur narzisstischen Selbstregulierung. Den späteren Tätern fehlt ein stabiles inneres Gerüst, das ihnen die Möglichkeit geben würde diese unvermeidlichen Enttäuschungen des Lebens zu ertragen und in schweren Situationen durchzustehen. Die Ursache hierfür wird zum größten Teil in der Kindheit gesehen, in der die Verinnerlichung guter Elternfiguren sowie emotionale Bindungen eine der wichtigsten Voraussetzungen bilden um ein stabiles Selbstbild zu entwickeln. Wie aus dem Abschnitt ‚familiäres Umfeld‘ bereits hervorgeht, haben die jugendlichen School Shooter eine problematische Eltern-Kind-Beziehung erlebt. Ihnen fehlt Anerkennung und emotionale sowie soziale Unterstützung innerhalb der Familie. Demzufolge sind Fähigkeiten, wie zum Beispiel die Bereitschaft widersprüchliche eigene Empfindungen zu tolerieren, Trauer und Schuldgefühle zu erleben sowie die Widergutmachung für Schäden, die anderen zugefügt worden sind, nur in geringem Maße ausgeprägt. Da es also in der frühen Entwicklung nicht gelungen ist derartige Reaktionsweisen zu erlernen, können auch später in kritischen Lebensphasen, wie in der Adoleszenz, krisenhafte Situationen nur schwer bis kaum bewältigt werden.[69]

Das narzisstische Wahrnehmen ist durch ein erhebliches Maß an Selbstüberschätzung geprägt. Narzisstisch gestörte Menschen sind unfähig sich von ihrem überhöhten Ideal zu lösen und die eigenen überzogenen Ansprüche mit denen der Welt in Einklang zu bringen. Zudem neigen sie dazu, aufgrund ihres fragilen Selbstbildes, Zurückweisungen oder andere Formen der Kränkung besonders intensiv zu erleben. Die daraus resultierende Angst vor Abweisungen erschwert es, längerfristige Beziehungen einzugehen, die durch gegenseitige Anerkennung gekennzeichnet sind. Denn für Narzissten gibt es kein schlimmeres Gefühl als ignoriert zu werden, da sie zur Stabilisierung ihres bedrohten Selbst sowie zur Bestätigung ihres überhöhten Selbstbildes auf andere angewiesen sind. Erlangen sie diese Bestätigung nicht, so kann die Angst in Bedeutungslosigkeit zu versinken, in extreme Gefühle der Wut umschlagen. Hierbei wird von einer narzisstischen Wut gesprochen, die für den Kontext jugendlicher School Shooter vor allem interessant ist, da diese letztlich sogar solche schwerwiegenden Gewalttaten bedingen könnten. Dazu kommt es, wenn für Narzissten deutlich wird, dass sich die Realität nicht immer nach ihrem Willen ausrichtet. Derartige Ausbrüche scheinen ihnen in ihrem primär einsamen und unsicheren Leben ein Gefühl von Sicherheit zu geben. So kann durch die Aggression das Gefühl der totalen Kontrolle zurückerlangt werden. In dem Fall können die zerstörerischen Impulse gegen andere anstatt gegen sich selbst gerichtet werden.[70]

Hervorzuheben ist jedoch, dass nicht jede narzisstische Störung zwangsläufig in einer Gewalttat enden muss. Denn narzisstische Verhaltensweisen gehören in der Jugendphase zu einem normalen, entwicklungsbedingte Phänomen. In diesem Reifungsprozess ist es gewöhnlich, dass Jugendliche eine stark ausgeprägte Selbstbezüglichkeit und ein erhöhtes Geltungsbedürfnis besitzen sowie eher zu einer Selbstüberschätzungen neigen. Ist also die affektive Einstellung des Jugendlichen zu sich selbst realitätsgerecht, so wird von einem gesunden Narzissmus ausgegangen. Ist dies jedoch nicht der Fall, ist von einer narzisstischen Störung die Rede. Letztlich ist die Bewertung, was als normal oder gestört gilt, dennoch immer zeit- und kontextabhängig.[71]

Bei den späteren Tätern nimmt die Selbstüberhöhung jedoch ein krankhaftes Ausmaß an, sodass es sich nicht um entwicklungsbedingte Verhaltensweisen handelt, sondern um eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Die Banalität des Alltags erscheint diesen als derart ernüchternd, da sie sich nicht wagen sich von den überzogenen Vorstellungen loszulösen. Durch die Einflüsse der medialen Welt und deren unzähligen Bildern, beispielsweise über das aufregende und interessante Leben der Stars, wird dieser Drang nach überzogenen Realitätsvorstellungen unterstützt. Demzufolge kränkt den Betroffenen die alltäglich erlebende Diskrepanz zwischen dem erstrebenden Leben und dem eigenen. Alles das, was nicht bewundernswert oder einzigartig ist, erscheint ihm wertlos, sodass kaum etwas das Gefühl der Leere, der Minderwertigkeit, und der tiefen Unzufriedenheit über die unbedeutende Existenz beseitigt. Somit bietet das Leben, das durch überzogene Erwartungen geprägt ist, nur noch Enttäuschungen, wodurch es zu einer tiefen Depression kommt. Da ein weiteres Auseinandersetzen mit der ausschließlich als kränkend empfundenen Umwelt für den Betroffenen keinen Sinn mehr darstellt, flüchtet er in eine Fantasiewelt, in der seine Selbstüberhöhung ausgelebt werden kann. Die Narzissten versinken in ihrer eigenen fiktiven Welt und versuchen diese der kränkenden Realität anzugleichen. Um ihr eigenes Ich vor seiner Vernichtung zu bewahren, werden die gedachten Größen- und Machtvorstellungen in die Tat umgesetzt. Um sich dieser imaginären Allmacht sicher zu sein, werden andere Menschen vernichtet, ebenso wie der erneute Einbruch der demütigenden Wirklichkeit durch Selbsttötung entgegengewirkt wird. In diesen Situationen, in denen den Tätern jegliche Art von Empathie fehlt, steht für sie vor allem das Auslöschen der erlebten Ablehnungen der narzisstischen Wünsche im Vordergrund, was sowohl eine subjektive Notwendigkeit von Rache als auch den daraus resultierenden, anhaltenden Zwang dieser Rache nachzugehen, impliziert.[72]

Die School Shooter suchen die Bewunderung und wünschen sich, wie im Rahmen ihrer Fantasie transparent geworden ist, nach ihrer Tat eine möglichst große Resonanz in der Presseberichterstattung. Dieses „Berühmtwerden“ tritt somit an die Stelle der Kränkung, die der Täter ursprünglich verspürte. Anstatt sich klein und wertlos zu fühlen, wollen sie möglichst öffentlich darauf hinweisen, dass sie, zumindest auf diese Art und Weise, Macht und Kontrolle über das Leben ihrer Opfer sowie über das eigene ausgeübt haben. Demzufolge resultieren diese Vorstellungen also aus einer wahnhaften Verzerrung der Wirklichkeit. Aus dem Töten wird eine Heldentat sowie mit der Vernichtung von Leben eine paradiesische Welt ohne Mangel und Verlust einhergeht.[73]

Alle diese Hintergründe lassen ein bestimmtes Muster für eine solche Tat erkennen: Zu Beginn steht die Enttäuschung, eine Ungerechtigkeit sowie Kränkung oder Demütigung, die der betroffene Jugendliche nicht bewältigen kann. Darauf folgt die Phase des Rückzugs, in der nur noch wenige soziale Kontakte bestehen. Anschließend werden Hass- und Rachefantasien ausgebildet. Im letzten Abschnitt kommt es dann schließlich zur Ausführung der Tat, bei der von einer länger andauernden Tatplanung auszugehen ist, in der die Hass- und Rachefantasien noch unterdrückt werden.[74]

F. Tatort Schule

a) Der Selektions- und Leistungsdruck der Schule

Schulen sind Spiegelbilder der Gesellschaft und drücken somit die Strukturbedingungen der Gesamtgesellschaft aus. Damit sind sie Zuträger für die Vorgaben und Bedürfnisse einer bestimmten politischen und gesellschaftlichen Situation.[75]

Die Schule nimmt eine doppelte Funktion ein: einerseits übernimmt sie die Vermittlung von gesellschaftlich relevantem Wissen sowie die Förderung und den Ausbau von sozialen Kompetenzen. Hierbei stehen, neben der Wissensvermittlung, das Erlernen von gesellschaftlich gültigen Normen und Werten, wie Pünktlichkeit, Aufmerksamkeit, Disziplin und Respekt sowie das Erproben von sozialen Rollen und Verhaltensmustern im Vordergrund. Ziel ist es, die Schüler zu autonomen und selbstbewussten Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen, die die geltenden Normen und Werte achten. Andererseits erfolgt, durch den Selektionsmechanismus der Notenvergabe, eine frühzeitige soziale Positionierung. Das hat zur Folge, dass zukünftige Marginalisierungs- und Ausschließungsprozesse vorweggenommen werden.[76]

Für den Zugang zum Arbeitsmarkt nimmt die Bedeutung von Bildungsabschlüssen immer mehr zu, sodass die Bedrohung durch schulische Misserfolge stetig steigt. Nicht vorhandene schulische Qualifikationen begünstigen demzufolge die Gefahr des sozialen Ausschlusses und die Reduktion von Lebenschancen. Basierend auf der Gegebenheit, dass die School Shooter in den meisten Fällen als Einzelgänger mit einer sozialen Randposition gelten, stellt sich die Frage, inwiefern der schulische Misserfolg als Ursache für deren Ausschluss und für ihr späteres School Shooting von Bedeutung ist.[77]

Die Täter sind in fast allen Fällen leistungsschwache Schüler, die ungern zur Schule gehen. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich regelmäßige Leistungsdefizite und Nichtversetzungen. Diese, für den Lebensweg des Täters einschneidenden Ereignisse, resultieren jedoch aus jahrelangen Leistungsproblemen sowie passiven Arbeitshaltungen. Mit hinzukommenden disziplinarischen Schwierigkeiten verschärfen sich in fast jedem Fall die Leistungsprobleme. Daraus resultierend steht die Versetzung in Frage oder, aufgrund von Schulschwänzen und Leistungsverweigerungen sowie die daraus entstandenen Konflikte, kommt es zu einem Schulverweis. Somit hat dies häufig einen Schulabgang ohne Erreichen des Leistungsziels zur Folge. Die Schüler zeigen eine passive Arbeitshaltung und lehnen, unbeeindruckt von Fragen und Ermahnungen der Lehrer und Mitschüler, jede Beteiligung am Unterricht ab. Trotzdem wird immer wieder eine Diskrepanz zwischen Fähigkeiten und Leistungen beschrieben. Grundsätzlich wird dem Schüler mehr zugetraut, er wird generell für einen leistungsfähigen Schüler gehalten, der aber nicht mitarbeitet, sehr nachlässig ist und die geforderten Aufgaben nicht erfüllt. So spitzt sich der schulische Misserfolg deutlich zu und das damit vorprogrammierte berufliche Scheitern wird ersichtlich.[78]

Die Ein- und Aussortierung in gute und schlechte Schüler erfolgt idealerweise durch das Leistungsprinzip. Allerdings kann die Leistungsbewertung nicht nach ganz und gar objektiven Kriterien erfolgen. Denn Lehrer neigen etwa bei der Notenvergabe unbewusst dazu, eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber dem Schüler mit einfließen zu lassen, sodass von einem Schulversager automatisch angenommen wird, er müsste eine schlechte Note schreiben. So können diese Leistungen selbst dann schlechter bewertet werden, als die eines guten Schülers, wenn beide gleichwertig sind. Demzufolge ist es für Schulversager wesentlich schwieriger sich von ihrem Stigma loszulösen. Diese dauerhafte Erfahrung des Misserfolges kann das Selbstbewusstsein des Schülers derart schwächen, dass er schließlich, die ihm zugewiesene Rolle des Schulversagers für sich übernimmt und somit diese zugeschriebene soziale Positionierung als unabwendbares Schicksal akzeptiert. Rückzug und Resignation sind eine sehr wahrscheinliche Folge. Die öffentliche Kennzeichnung als leistungsschwacher Schüler, kann massive Unterlegenheitsgefühle auslösen. Neben der Bescheinigung, dass die intellektuellen Fähigkeiten des Schülers nicht den allgemeinen Standards entsprechen, geht damit auch eine Degradierung bezüglich des persönlichen Reifengrades einher. Diese offenkundige Stigmatisierung ist schlimmer, als das eigentliche Versagen. Dass die Mitschüler darüber informiert sind und sie folglich die Jugendlichen so behandeln, als wären sie selbst dafür verantwortlich, bedeutet eine zusätzliche Kränkung. Denn die Täter bewerten diese Situation subjektiv als ungerecht. Die spätere Tat lässt darauf schließen, dass sie weder für die nicht Erfüllung der schulischen Anforderungen noch für den eventuellen Schulverweis die Verantwortung tragen. Die eigentliche Ursache ihrer Rachegelüste sind somit nicht die schlechten Noten oder der Schulverweis, sondern die Ungerechtigkeit der Lehrer, die in ihren Augen für das wiederholte „Durchfallen“ verantwortlich sind und somit ihr Leben ruiniert haben.[79]

Während ihrer Schulzeit haben sie immer nur erfahren, der Verlierer ohne realistische Zukunftschancen zu sein. Dies geht aus Abschiedsbriefen oder ähnlichen Mitteilungen der Täter hervor. Durch die Leistungsbewertung in Form der Notenvergabe offenbart sich wer Sieger und wer Verlierer ist. Die Schule blickt in erster Linie auf die Leistung eines Schülers und dessen instrumentellen Werte und Funktion. Für die späteren Täter macht es den Anschein, als würden die, die dem Leistungsdruck nicht standhalten können und erfolglos sind, als Verlierer ausgegliedert werden. Innerhalb eines solchen Kontextes können ein schlechtes Zeugnis und miserable Noten schlimme Vernichtungsgefühle auslösen. Zugleich wird damit auch ein Urteil über den Wert der Person gefällt, sodass die späteren Täter das Gefühl hatten, für diese Gesellschaft nicht wertvoll zu sein. Sie fühlten sich als minderwertig und unbrauchbar eliminiert. So können die öffentliche Bloßstellung sowie die Ausstoßung aus der Gemeinschaft, aufgrund eines Schulverweises, die jugendlichen Täter psychisch an die Grenze treiben, an der es um Tod oder Überleben geht. Dieser Prozess des schulischen Misserfolges sowie die klare Stigmatisierung als Schulversager, können folglich zu einer Identitätskrise führen. Durch die genannten Faktoren kommt es zu einem Entzug von Anerkennung. Wie bereits im Kapitel ‚Jugendphase‘ erklärt wurde, ist das Erlangen von Anerkennung in dieser Entwicklungsphase von großer Bedeutung. Dieses entstandene innere Loch muss durch andere Quellen wieder gefüllt werden. Gute familiäre oder andere soziale Bindungserfahrungen könnten hierbei hilfreich sein. Allerdings, wie bereits in oberen Kapiteln erwähnt, fehlt es den späteren School Shootern an dieser Art von Unterstützung sowie an festen Beziehungen im Bereich der Peer-Group. Sie sehen sich mit der Krise auf sich alleine gestellt und fühlen sich weiterhin als minderwertig für die Gemeinschaft. Genau das ist es, was die späteren School Shooter mit ihrer Tat beweisen wollen: dass sie keine Verlierer sind, sondern für die Gesellschaft einen Wert besitzen und dadurch auch ein Anrecht auf ein glückliches Leben haben. Folglich greifen die Täter genau diejenigen an, die ihnen dieses Recht, ihrer Ansicht nach, nehmen. Stellvertretend ist hier auch die Gesellschaft zu nennen, die sie als geringwertig und ungeeignet eliminiert hat. Somit haben die schulischen Misserfolge und die Rolle als Schulversager einen maßgeblichen Anteil an der Entstehung dieses negativen Selbstbildes. Die zu Beginn erwähnte, erkennbare passive Arbeitshaltung sowie die Gleichgültigkeit sind demzufolge eine Reaktion auf die, den Tätern aufgezwungene Rolle als Schulversager, die diese sichtbar für sich akzeptiert und ausgefüllt haben. In Folge dessen ist auch davon auszugehen, dass der schulische Misserfolg unter anderem ein Grund für die soziale Randposition der späteren Täter ist. Durch das unterschiedliche Entwicklungsstadium, gepaart mit der öffentlichen Stigmatisierung als Schulversager, gestaltet sich die Integration in den Klassenverbund und in die Peer-Group schwer. Letztlich führt dies zu einer erheblichen Schulunlust sowie einer Resignation. Diese Gleichgültigkeit bildet zudem eine Neutralisierungstechnik, um das Stigma Schulversager und die damit einhergehenden negativen Faktoren nicht in das eigene Identitätsbild aufnehmen zu müssen. Eine derartige demonstrative Arbeitsverweigerung kann dazu dienen, eine Identität zu konstruieren und dadurch die eigene Individualität hervorzuheben. Dem Lehrer wird folglich das Recht abgesprochen, die eigene Leistung zu bewerten und schließlich den weiteren Lebensweg mitzubestimmen. Es wird also eine Gegen-Identität aufgebaut, die wiederum dem Lehrer eine Rechtfertigungsgrundlage liefert, soziale Ausschließungsprozesse durch Disziplinarmaßnahmen weiter zu forcieren. Dies weist auf den Aspekt der Schule als Erziehungsanstalt hin und könnte bei der Frage, warum Jugendliche an Schulen derartige Gewalttaten begehen, von Bedeutung sein.[80]

Schulen als Bedingungsrahmen

Prinzipiell ist Gewalt an Schulen eine Ausnahmeerscheinung. Sicherlich gibt es kleinere Konflikte zwischen Schülern, die allerdings selten ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen. Somit bilden Schulen immer noch einen der sichersten Orte, an dem sich Jugendliche aufhalten können. Demnach stellt sich die Frage, warum Jugendliche gerade an Schulen eine derartige Gewalttat begehen und welche Erfahrungen School Shooter an ihren Schulen gemacht haben, wodurch ein solcher Hass in ihnen entstanden ist. Da das eigentliche Handlungsfeld eines School Shooters in erster Linie die Schule ist, ist davon auszugehen, dass Zusammenhänge zwischen dem schulischen Druck, den konkreten Erfahrungen des Schulalltags und dem Phänomen des School Shootings bestehen.[81]

b) Soziale Kontrolle durch die Schule

Neben der Funktion als Institution, die Bildungszertifikate verleiht und somit Arbeitsmarktchance definiert, fungiert die Schule auch als norm- und wertvermittelnde Instanz. Daher geschieht die Sozialisation durch den in der Schule vermittelten Lernstoff, der immer auch gesellschaftlich relevant und erwünscht ist. Demzufolge soll das erlernte Wissen nicht nur dazu beitragen die Schüler entsprechend des Bildungsideals zu mündigen und zu selbstständigen Bürgern zu erziehen, sondern auch das jeweils gültige Normen- und Wertesystem transparent zu machen. Somit kann die Integration der Jugendlichen in die Gesellschaft ermöglicht und zugleich durch deren Anerkennung dieses Normensystem reproduziert werden. Es reicht allerdings nicht aus diese Normen ausschließlich theoretisch zu vermitteln, um die Schüler von deren Sinnhaftigkeit und Gültigkeit zu überzeugen. In gegeben Fällen muss die Geltung einer Norm praktisch in Form von verschiedenen Sanktionsmaßnahmen durchgesetzt werden. Diese finden bei jenen Schülern Anwendung, die sich, im Verhältnis zur Normalität, abweichend verhalten. In der Schule zählt zu solchem Verhalten die Nicht-Anerkennung der Autorität des Lehrkörpers oder der Schulordnung und folglich auch des Staates. Hierunter fallen im Speziellen das Stören des Unterrichts, das Schwänzen sowie Schlägereien. Darauf kann die Schule mit Ermahnungen, Strafarbeiten, Zurechtweisung, Nachsitzen, Suspendierung und im extremsten Fall mit einem Schulverweis reagieren. Folglich ist die Schule ein Raum mit geltenden Normen sowie Regeln und fungiert somit als soziale Kontrollinstanz.[82]

Grundsätzlich neigen Lehrer dazu, Auffälligkeiten der Schüler als Störungen zu verstehen, die unterbunden werden müssen und sehen nicht zwangsläufig den Anlass, sich mit dem Schüler speziell auseinanderzusetzten. Dieses abweichende Verhalten wird meist ausschließlich auf persönliche Mängel wie Faulheit und Desinteresse zurückgeführt und nicht als Gelegenheit genutzt, sich mit dem Schüler und dessen individueller Situation zu beschäftigen. Gelingt es dem Lehrer den Jugendlichen davon zu überzeugen, dass sein Verhalten falsch war, so wird dieser die Disziplinarmaßnahmen gegen ihn nachvollziehen können, als gerecht empfinden und folglich wahrscheinlich keinen Protest ausüben. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings die bewusste Auseinandersetzung mit dem Schüler. Denn ohne diese individuelle Beschäftigung wird es für die Schüler schwierig, die gegen sie bestimmten Strafmaßnahmen als sinnhaft und gerecht zu empfinden. So kann die Bestrafung allein zu Protesthaltungen führen und damit das Verhältnis zwischen Schule und Schüler verschlechtern. Der Schüler, der aus seiner Sicht zu Unrecht bestraft wurde, versucht sich zukünftig meist nicht mehr den in der Schule geltenden Normen und Werten gemäß zu verhalten und reagiert mit demonstrativer Ablehnung. Damit erlangen die Lehrer wiederum die Bestätigung, dass der durch die Bestrafung stattgefunden Ausschluss legitim ist und somit moralisch abgesichert scheint.[83]

Obwohl School Shooter im Allgemeinen eher als unauffällige Schüler gelten, sind in vielen Fällen Hinweise bekannt, dass die späteren Täter Probleme mit der Anerkennung der Autorität der Schule als solche hatten. In einigen Fällen kann die Auseinandersetzung mit der Schulordnung als tatauslösender Konflikt gesehen werden. Scheinbar fällt es vielen der späteren Täter schwer, die gegen sie erteilten Disziplinarmaßnahmen als gerechte Bestrafung zu akzeptieren. Dieses Empfinden auf Seiten der Täter lässt sich auf zwei sich gegenseitig bedingende Faktoren zurückführen: auf der einen Seite ist, wie bereits zuvor erläutert, von einem Versäumnis der Lehrer, sich mit den individuellen Problemen der auffällig gewordenen Schüler zu beschäftigen, auszugehen. Der Schüler scheint ohnehin nur noch als überflüssiger Störfaktor wahrgenommen zu werden, wodurch der Eindruck entsteht, dass sich die Schule nur schnellstmöglich, zum Teil in Form eines Schulausschlussverfahrens, von diesem lösen möchte. Auf der anderen Seite kann zudem noch auf einen anderen Faktor verwiesen werden, warum School Shooter die gegen sie veranlassten Disziplinarmaßnahmen als ungerecht verstehen können. Denn viel kränkender scheint für sie die Tatsache zu sein, dass oftmals jene Schüler, die den Konflikt provoziert und ausgelöst haben, straflos davon kommen und der spätere Täter, aufgrund seiner Reaktion darauf, Strafmaßnahmen erhält. Aus Sicht der späteren Täter erscheint seine Bestrafung als Belohnung derer, die ihn gedemütigt haben. So kann schließlich der Eindruck entstehen, die Lehrer würden auf der Seite der Gegner stehen und sind generell gegen ihn gestimmt. Daraus resultiert, dass nur wenige der betroffenen Schüler bei Angriffen von Mitschülern Hilfe bei Lehrern suchen. Auch in den Fällen, in denen sie es versuchen, werden sie oftmals nur mit kurzen Antworten, die die Tatsache abschwächten, abgewiesen. Demzufolge fühlen sich viele der Täter von ihren Lehrern mit ihren Problemen allein gelassen. Häufig wird erst bei Konflikten zwischen Schülern mit physischer Gewalt eingegriffen. Demgegenüber wird verbale Gewalt schon fast als etwas Alltägliches betrachtet und zum Teil akzeptiert, das die Opfer durch ihr Verhalten selbst provoziert haben. Somit erhalten die künftigen School Shooter nicht nur fehlende Unterstützung seitens der Lehrer, sondern werden meistens selbst für die Verspottung und Demütigung verantwortlich gemacht. Dies resultiert aus der Denkweise, dass Gescheiterte sowie sozial Schwache an ihrem Elend selbst schuld seien und folglich wenig Recht haben sich zu beklagen. Infolgedessen übernehmen schließlich die School Shooter die Aufgabe der Lehrer, sie vor Attacken anderer zu schützen, sodass diese Erfahrung des totalen Alleinseins ihren letztendlichen Racheakt ihrer Ansicht nach rechtfertigt.[84]

Dass sich die Lehrer nicht mit jedem Schüler in dem Ausmaß beschäftigen wie dieser es eventuell benötigt, liegt daran, dass es schon allein aus Zeitgründen nicht möglich ist, sich mit jedem Schüler und seinen persönlichen Problemen auseinander zu setzen, sodass ein Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler entstehen könnte. Andererseits kann keine oder nur eine geringe Beschäftigung mit der Problematik zu einer verminderten Bindung führen, so ist es wahrscheinlich, dass der Schüler dem eigenen abweichenden Verhalten nachgibt. Die meisten Lehrer jedoch ahnen nichts von einem derartigen Gewaltpotential sowie von einer schwerwiegenden psychischen Krise. Das Verhalten der späteren Täter bewegt sich ohnehin unterhalb der Grenze, die es berechtigt, diese als auffällige Schüler zu kategorisieren. Es ist dennoch davon auszugehen, dass die Lehrer wahrscheinlich anders handeln und reagieren würden, wären sie darüber informiert. Die Eltern hingegen wissen oftmals nichts von dem alltäglichen Spott und den Demütigungen, die die Täter in der Schule über sich ergehen lassen müssen. Dies resultiert vermutlich aus dem, im Kapitel ‚familiäres Umfeld‘ beschriebenen, elterlichen Desinteresse an dem Leben der School Shooter und deren geringe Anteilnahme an deren persönlichen Problemen. Demnach besitzen weder Eltern noch Lehrer ein ganzheitliches Bild der Täter.[85]

Folglich werden Verhaltensauffälligkeiten sowie mangelnde schulische Leistungen in ihrer Bedeutung unterschätzt oder bewusst ausgeblendet und nicht als Anlass gedeutet, sich mit dem Schüler und seiner problematischen Situation zu beschäftigen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Situation eher als Störung interpretiert und mit Disziplinarmaßnahmen bestraft wird. Ferner werden die Schüler in ihrer moralischen Minderwertigkeit bestätigt, wodurch das ohnehin schon geringe Selbstwertgefühl noch weiter gesenkt wird und somit ihre Situation verschärft. Zudem fühlen sich viele School Shooter allein gelassen, wenn es darum geht sie vor dem Spott ihrer Mitschüler zu schützen. Aus späteren Abschiedsbriefen geht hervor, dass sie sich über ein bewusstes oder unbewusstes Wegschauen ihrer Lehrer beklagen. Durch diese Erfahrung rechtfertigen die Täter ihren Akt der Selbstjustiz, als der ein School Shooting letztlich gedeutet wird. Somit ist der Hass der School Shooter eine Reaktion auf die von der Schule ausgeübte institutionelle Gewalt.

c) Mitschüler

Das Verhältnis zur Schule ist nicht nur von der Beziehung zu den Lehrern abhängig oder davon, inwieweit es dem Schüler gelingt dem Leistungsdruck Stand zu halten und sich mit seinem Verhalten den gültigen Normen- und Wertesystemen der Schule anzupassen. Außerdem hängt es zu einem Großteil von seiner Beziehung zu seinen Mitschülern ab, ob ein Jugendlicher gerne zur Schule geht.[86]

Jugendliche werden weniger Schwierigkeiten haben sich der Schulsituation auszusetzten, wenn sie sich von ihren Mitschülern anerkannt und akzeptiert fühlen, im Gegensatz zu solchen, bei denen dies nicht der Fall ist. Wie im Kapitel ‚Jugendphase‘ erwähnt, ist insbesondere während der Pubertät die Beziehung zu Gleichaltrigen von großer Bedeutung, da diese eine wichtige Rolle bei der Zuweisung von dem sozialen Status spielt. Jugendliche verfügen entwicklungsbedingt noch nicht über derartige materielle und kulturelle Ressourcen, die im späteren Leben maßgeblich über die soziale Stellung innerhalb der Gesellschaft entscheiden. Diese noch vorherrschende Statusunsicherheit kann durch eine positive Bestätigung der Peer-Group ausgeglichen werden. Im Gegensatz zur Gesellschaft, in der die schulischen Leistungen bestimmen wer Gewinner oder Verlierer ist, ist es bei den Jugendlichen vor allem der Grad der Popularität, der die soziale Positionierung ausmacht. Welche Faktoren begünstigen also die Herstellung von Popularität und inwiefern weichen die späteren Täter von diesem Ideal ab?[87]

Für Jugendliche ist es von großer Bedeutung in jeder Situation den Eindruck zu erwecken zu den Gewinnern zu zählen. Besonders Äußerlichkeiten spielen eine Rolle im Leben der Teenager. Nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Schule, besteht das Schönheitsideal des muskulösen, sportlichen Mannes und der schlanken, gut aussehenden jungen Frau. Ebenso haben Statussymbole wie Kleidung, Autos und Handys einen hohen Stellenwert und verweisen somit auf die Notwendigkeit über Geld zu verfügen. Mit diesen genannten Faktoren kommen Jugendliche doch, trotz ihrer entwicklungstypischen Ablehnung gegen gesellschaftlich geltender Normen und Werte, den kulturellen Idealen nach. Hierbei geht es hauptsächlich um die Betonung der eigenen Individualität, sich von der Masse abzuheben und Sichtbarkeit, vor allem in der Öffentlichkeit zu erzeugen, um somit als wertvoll für die Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Diese öffentliche Selbstinszenierung spielt also nicht nur im späteren Arbeitsleben eine bedeutende Rolle, sondern ist auch auf dem Schulhof bei der Verteilung sozialer Positionen relevant.[88]

Zu diesem Zeitpunkt sind männliche Jugendliche aufgrund ihrer sozialen und ökonomischen Position noch nicht dazu in der Lage dem traditionellen Männlichkeitsideal des Ernährers und Beschützers einer Familie gerecht zu werden. Dennoch wollen sie durch typisch männliche Eigenschaften wie Durchsetzungsfähigkeit, Kraft, Stärke, Erfolg, Dominanz und sexuelle Potenz ihre Männlichkeit unter Beweis stellen, was vor allem in Beziehungen zu Gleichaltrigen sattfindet. Besonders im Bereich des Sportes können die Jugendlichen ihren Wert durch herausragende sportliche Leistungen zeigen. Durch die Darstellung von Kampfgeist und einem muskulösen Körper, der Ausdruck von Stärke und somit auch von Macht ist, bietet der Sport männlichen Jugendlichen die Möglichkeit ihr Geschlecht zu beweisen. Ihre sexuelle Anziehungskraft wird durch das Interesse der Mädchen bewiesen.[89]

Der Hass der School Shooter richtet sich gerade gegen die Menschen mit einem hohen sozialen Status. Fast keiner der späteren Täter besitzt zum Tatzeitpunkt selbst einen derartigen Status. Sie sind in fast allen Fällen Einzelgänger, befinden sich zumeist am Rande des gesellschaftlichen Lebens und fühlen sich von der übrigen Gesellschaft ausgeschlossen. So spüren die meisten während ihrer Schulzeit über Jahre hinweg Demütigung und Ablehnung von ihren Mitschülern. Es gibt unterschiedliche Faktoren, die eine Erklärung dafür liefern, wie die späteren Täter in diese Randposition hineingeraten können: es sind die äußerlichen Makel zu erwähnen, wonach viele School Shooter, ausgehend von ihrem äußerlichen Erscheinungsbild, nicht dem körperlichen Idealbild entsprechen, weswegen sie zum Teil von ihren Mitschülern verspottet werden. Obwohl die Täter interessiert sind, bleibt meist auch der Kontakt zu dem weiblichen Geschlecht aus. Aufgrund ihres geringen Selbstwertgefühls sind sie zu schüchtern und trauen sich nicht Mädchen anzusprechen. So lasten sie den gutaussehenden und sportlichen Jungen ihren Erfolg bei den hübschen Mädchen an, bei denen sie selbst nie eine Chance hätten. Diese Mitschüler werden einerseits bewundert, weil sie gerne mit ihnen befreundet wären und andererseits entwickelt sich Hass und Wut, da diese das besitzen, was sie gerne hätten.[90]

Sehr problematisch ist der Vergleich mit anderen und somit die Einordnung bezüglich der Mitschüler in ‚besser‘ oder ‚schlechter‘. Neben den Äußerlichkeiten spielt ebenso der Faktor des schulischen Erfolgs eine Rolle, an dem die Position innerhalb der Gleichaltrigen entschieden wird. Es entsteht also eine Wettkampfsituation, in der Siegen oder Untergehen der Grundsatz des Konkurrenzsystems ist. Da sich die School Shooter, wie in den vorherigen Kapiteln erläutert, als schulische Verlierer sehen, schneiden sie nicht nur bei dem körperlichen Idealbild, sondern auch hier schlechter ab als ihre Rivalen, wodurch eine weitere Zurücksetzung erlebt wird. Die späteren Täter erfahren also, dass die Konkurrenzsituation, in der sie sich befinden, ihre ganze Person betrifft und somit eine Zugehörigkeit nur bei entsprechenden Anpassungsleistungen möglich ist. Das Erfahren von Konkurrenz führt also nur zum Sieg oder zur Niederlage. In diesem Fall sind die späteren Täter die Verlierer und werden auch dementsprechend behandelt.[91]

Wer also aus diesen Gründen an der Schule als „Looser“ gilt, für den wird es sich extrem problematisch gestalten, soziale Kontakte zu knüpfen, da andere sich von dem Eindruck fern halten wollen, selbst ein „Looser“ zu sein. Die späteren Täter gelten also als Einzelgänger und bieten sich demzufolge geradezu als Angriffsziel für ihre Mitschüler an. Diese meinen über die Erniedrigung des Täters relativ gefahrlos zusätzlich den eigenen sozialen Status erhöhen zu können. Das Gefühl ständig öffentlichen Erniedrigungen und Demütigungen durch ihre Mitschüler ausgesetzt zu sein, zieht das Selbstbewusstsein der Täter derart in Mitleidenschaft, dass sie kaum noch den Versuch unternehmen, sich zu integrieren. Infolgedessen werden diese zunehmend schüchterner und verstummen schließlich gänzlich, wodurch der Spott der Mitschüler sich nur noch verstärkt. Viele School Shooter versuchen durch Isolation und Rückzug die eigene Situation zu verbessern. Dieser freiwillige Austritt aus dem sozialen Leben ist in der Angst zu begründen, in eine Situation zu geraten, die das ohnehin geschwächte Selbstwertgefühl noch weiter destabilisieren könnte. Demnach erklären sich auch die späteren Beschreibungen der Täter als ruhige, unauffällige und zurückgezogenen Schüler. Da sie befürchten etwas zu sagen oder zu handeln, was die Aufmerksamkeit auf die eigene Person lenken könnte. Denn School Shooter erfahren, dass für sie Aufmerksamkeit in erster Linie Kränkung, Erniedrigung, und Niederlage bedeutet. Folglich nehmen sie sich durch ihren Rückzug selbst die Möglichkeit, durch Kontakte mit einem stützenden sozialen Netzwerk, ihre Außenseiterposition zu verlieren und folglich positive Erfahrungen zu machen, die das destabilisierte Selbstwertgefühl wieder aufbauen könnten. Viele School Shooter grenzen sich schließlich auch von ihren eigenen Eltern immer mehr ab. Das lässt darauf schließen, dass sie ihre zugewiesene Rolle als Außenseiter akzeptiert und ausgefüllt haben. Dagegen gelingt es den Eltern jedoch nicht, ihr Kind vor dem gehassten Ort der Schule, der für den School Shooter mit den meisten und tiefgreifenden Kränkungen verbunden ist, zu schützen. Sie werden täglich weiterhin genötigt den Ort ihrer schwersten Niederlagen aufzusuchen. Dort müssen sie sich mit ihren Mitschülern auseinandersetzten, die sie immer wieder ihre eigene Wertlosigkeit und Überflüssigkeit spüren lassen. Da sie aufgrund des staatlichen Gesetztes der Schulsituation nicht entkommen können, wenden sie sich innerlich von ihr ab und verschließen sich, in der Hoffnung, dass ihre Mitschüler irgendwann davon abkommen, sie weiter zu kränken. Zudem nehmen School Shooter an, dass ihre Außenseiterposition in der Schule sich auch zukünftig im weiteren Leben fortsetzten wird und wollen daher frühzeitig aus diesem Leben verschwinden. Sie sehen also keine Hoffnung mehr, dass ihr Leben noch besser werden könnte und dass sich das Verhältnis von Gewinnern und Verlieren umkehren könnte.[92]

Grundsätzlich träumen School Shooter, ebenso wie ihre Gleichaltrigen, davon, auf Partys zu gehen, sich mit Mädchen zu treffen und in der Schule erfolgreich zu sein. Denn sie wollen genauso gerne im Mittelpunkt stehen und von anderen bewundert oder anerkannt werden. Neben der, im vorherigen Kapitel bereits genannten, fehlenden Anerkennung durch ihre Lehrer, bleibt diese nun auch bei ihren Mitschülern aus. Die demonstrative Ablehnungen all dessen, was sie sich für ihr eigenes Leben erträumt haben, ihnen aber von anderen vorenthalten wird, gilt als eine weitere Bewältigungsstrategie ihrer sozialen Randposition. Dementsprechend hassen School Shooter alles das, wovon sie ausgeschlossen bleiben und versuchen sich durch ihre Antihaltung Aufmerksamkeit und Respekt zu verschaffen.[93]

Nach jahrelanger Demütigung sowie gescheiterten Versuchen der Eingliederung, sehen die späteren Täter sich in die Ecke gedrängt, aus der eine Befreiung nur noch gewaltsam gelingt. Nach ihrer subjektiven Auffassung tragen nicht sie die Verantwortung für ihre Tat, sondern es sind die Mitschüler, die sie lange Jahre demütigen, ausschließen sowie sozial eliminieren und ihnen somit jede Möglichkeit nehmen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Ebenso sind es die Lehrer, die wegschauen und nicht eingreifen, wenn sie deren Hilfe benötigen. Letztendlich ist es auch die Gesellschaft, die sie für überflüssig erklärt und ausstößt und ihnen dadurch ihre Daseinsberechtigung entzieht.[94]

Es gilt festzuhalten, dass die Täter weder von der Gesellschaft, noch von ihren Lehrern und Mitschülern die, in dieser identitätssensiblen Entwicklungsphase besonders bedeutende, zentrale Anerkennung ihrer Person erhalten. Sie fühlen sich hingegen, in den zuvor erläuterten drei Bereichen, subjektiv tief gekränkt. Die Bemerkungen, Beleidigungen oder das empfundene Versagen werden als tiefgehende Demütigung erfahren. Jedoch gehört es zum Leben, mit Enttäuschungen und Frustrationen umzugehen sowie Beleidigungen und Nichtachtung, insbesondere durch Gleichaltrige und Lehrer, hinzunehmen und diese zu bewältigen. Es ist aber gerade ein Merkmal der narzisstischen Persönlichkeit, Kritik an der eigenen Person nicht ertragen zu können. Die kleinste Kritik oder Aussage durch Gleichaltrigen oder Lehrer ist eine tiefsinnige Kränkung, die nicht vergessen wird. Mit der Zeit verselbständigen sich diese Anlässe, gemeinsam mit Rache- und Hassfantasien, zu einer Tatplanung. Diese Rache geschieht in Form eines groß inszenierten Abgangs, bei dem alle diejenigen büßen sollen, die sich dem Täter gegenüber unangemessen verhalten. All diese Demütigungen und Niederlagen finden im Bereich der Schule statt, sodass diese zum gehassten Ort und letztlich zum Tatort wird.[95]

G. Medien

Bedeutung gewalthaltiger Medien

Im Folgenden gilt es zu klären inwiefern ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von gewalthaltigen Medien und realer Gewaltausübungen beziehungsweise einer erhöhten Gewaltbereitschaft besteht und inwieweit es den späteren Täter in seinem Denken und Handeln beeinflusst.[96]

Medien spielen im alltäglichen Leben unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle und nehmen, aufgrund der technischen Weiterentwicklung, einen immer höheren Stellenwert ein. Die Nutzung vielfältiger Kommunikationsträger in Form von Schrift, Bild oder Ton ist heutzutage zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Dies ist vor allem bei Kindern und Jugendlichen der Fall.[97]

Insbesondere die Gewaltdarstellungen in den Medien nehmen mehr und mehr zu und werden von den Zuschauern primär zu Unterhaltungszwecken genutzt. Hierzu zählen in erster Linie Filme und Computerspiele, in denen eine fiktive Gewalt dargestellt wird. Aber auch real dokumentierte Gewaltszenen werden konsumiert. Die Mehrzahl aller späteren Täter beschäftigt sich intensiv mit gewalthaltigen Medien, insbesondere Computerspielen. Dabei sind vorwiegend Schießspiele, sogenannte Ego-Shooter, Kriegsszenarien, Science-Fiction und Horror beliebt. Soweit es rekonstruiert werden kann, spielen die meisten Spiele und sehen Filme bereits schon in viel jüngeren Jahren, obwohl sie erst ab 18 Jahren freigegeben sind. Dies kann zum Teil aus der gravierenden Unkenntnis der Eltern über die Inhalte dieser Medien resultieren. Ihnen sind zwar meist Bezeichnungen von Spielen oder Filmtiteln bekannt, dennoch sind sie ahnungslos, was sich dahinter verbirgt. Wie durch spätere Untersuchungen bekannt wird, interessieren sich in vielen Fällen die Eltern der künftigen Täter meistens nicht für derartige Inhalte oder halten diese für harmlos. Es werden weder die Art des Medienkonsums noch die Zeit, die mit Spielen und Anschauen verbracht wird, kontrolliert. Daraus folgen ein geringes Interesse und kaum Eingriffe bei der Auswahl von Computerspielen, Filmen oder anderen Gewaltdarstellungen. Hinzu kommt, dass es für Jugendliche sehr leicht ist, Inhalte auf dem Computer oder auch auf dem Handy zu verbergen. Denn Eltern oder Lehrer sind meist nicht ausreichend über das Maß der Technik informiert. Dies wiederrum hat seinen Reiz, da das Verbotene als besonders interessant gilt und sich Jugendliche den Eltern und Lehrern bei diesem Thema völlig überlegen fühlen. Entstehen eigene Ekelgefühle oder Überforderungen bei den nicht altersgemäßen Medien, so wird dies in der Regel nicht zugegeben, sondern die Kenntnis dieser Inhalte dient dazu, älter, reifer und cooler zu erscheinen.[98]

Insbesondere das Internet liefert einen erheblichen Beitrag zur Verfügbarkeit von gewalthaltigen Medien. Aufgrund dessen ist es also jugendlichen Tätern heutzutage problemlos möglich, sich zeitlich ungebunden mit Filmen, Spielen, Musik oder anderen Darstellungsformen von gewalthaltigen Inhalten über das Internet zu beschäftigen. Im Gegensatz zu dem Fernseher oder einer Videothek, gibt es im Internet keine Einschränkung bei der Bereitstellung von jugendgefährdetem Material sowie ein Medienangebot, dass jederzeit und kostenlos verfügbar ist. Somit ist das wiederholte Konsumieren gewalthaltiger Medien kaum kontrollierbar. Hinzu kommen weitgespannte Online-Netzwerke in Form von Foren und Chats, die eine schnelle Kommunikation negativer Gedanken und Impulse ermöglichen.[99]

Die späteren Täter verbringen über Jahre täglich stundenlang und unkontrolliert ihre Zeit vor Computer oder Fernseher, wodurch die ohnehin schon geringen sozialen Kontakte noch mehr abnehmen. So finden sich beispielsweise auf den Computern der Täter zahlreiche Videospiele, besonders Schießspiele. Diese gewalthaltigen Medien verursachen nicht zwangsläufig die Entwicklung zum Täter, denn nicht ausschließlich durch Gewaltdarstellungen und Computerspiele wird jemand zum Mörder. Es ist davon auszugehen, dass aggressive Computerspiele bei School Shootern nicht häufiger vorkommen als bei anderen Jugendlichen, denn für die Mehrzahl der Jugendliche in diesem Alter ist dieser Konsum nichts Ungewöhnliches. Somit müssten täglich School Shootings stattfinden, wenn die Ursache in dem intensiven Medienkonsum liegen würde. Folglich ist die Frage welche Charaktere es sind, die gezielt Gewaltmedien aufsuchen und sich damit befassen. Die in ihrem Selbstwert schwachen und verletzten, sich von der Umwelt gedemütigt fühlenden und nicht anerkannten Individuen mit Misserfolgs- und Frustrationserlebnissen sind die Risikogruppe, die bewusst zu diesen gewalthaltigen Medien greift. Die Täter, die eine Menge unterdrückter Wut und Hass ansammeln, nutzen diese Medien um ihr Selbstwertgefühl zu stärken.[100]

Die genannten Entwicklungen haben einen maßgeblichen Einfluss an dem häufigeren Auftreten von School Shootings. Für die jugendlichen Täter ist es aufgrund ihrer narzisstischen Züge kennzeichnend, dass sie sich aus der, in ihren Augen, kränkenden und demütigenden Realität zurückziehen und sich in eine Fantasiewelt begeben. Dabei schaffen die Medien einen virtuellen Raum, der einen nahezu allumfassenden Rückzug von der Realität bietet. Zudem wird durch zahlreiche Plattformen das Eindringen in Scheinwelten ermöglicht. Diese dienen als Ersatzwelten für fehlende zwischenmenschliche Beziehungen und können in der Fantasie von Allmacht ungeprüft weiter bestehen. Da hier keine realen Begegnungen stattfinden, kommt es nicht zu einem Durcharbeiten von Gefühlen der Kränkung oder Enttäuschung. Bei Online-Spielen, in Chat-Gesprächen oder in anderen virtuellen Welten können problemlos andere Identitäten übernommen werden, die sich von der eigenen gravierend unterscheiden. So können die Jugendlichen ihre wahre Identität ablegen und eine andere, stärker bevorzugte annehmen. Unbeliebte Eigenschaften, die ihnen im realen Leben bisher Schwierigkeiten gemacht haben, wie Erfolglosigkeit, Schüchternheit, aber auch Äußerlichkeiten können aufgrund der technischen Umgebung an Relevanz verlieren und bleiben somit verschwiegen. So kann die schwierige und belastende Realität durch ein Fantasiesystem ersetzt werden. Zusätzlich ergibt sich so die Möglichkeit, Handlungen auszuführen, die der Täter aufgrund von Defiziten oder erwarteten Sanktionsmaßnahmen im wahren Leben nicht verwirklichen könnte. Darüber hinaus entsteht die Chance Macht- und Kontrollfantasien auszuleben, insbesondere durch den Konsum von Videospielen. Die vorwiegend in der Schule subjektiv erlebten Erniedrigungen und Verletzungen sowie der scheinbare Statusverlust und die fehlende Kontrolle über die eigene soziale Identität, soll durch Tötungsfantasien in absolute Kontrolle umgewandelt werden. So wird der schwache Junge zum starken männlichen Helden, den andere fürchten. Erstmals wird das Gefühl von Sieg über jemanden oder etwas erlebt. Dadurch ist es möglich, dass die Täter aus derartigen Spielen Mut fassen oder den letzten Antrieb erhalten, diese Gewalttaten ins reale Leben zu übertragen und die Personen, die sie gedemütigt und gekränkt haben, ebenso wie sie es aus der virtuellen Welt kennen, zu töten. So kann eine suchtartige Faszination von archaischer Gewalt entstehen. Diese Fantasien lassen sich durch die technischen Fortschritte in immer realistischeren Darstellungen von gewalthaltigen Inhalten in Filmen und Computerspielen viel intensiver aus- und erleben. Dadurch wird es einfacher solche Scheinwelten zu erzeugen und der Übergang aus der Realität wird erleichtert. Bei den gefährdeten Jugendlichen verwischen so Grenzen zwischen Fantasie, virtuellem Raum und Wirklichkeit zunehmend. Diese können sich, aufgrund einer permanenten Verfügbarkeit, jederzeit in derartige Fantasiewelten flüchten.[101]

Zudem fungieren die medialen Protagonisten als Vorbild, da diese mit den Eigenschaften, wie Schönheit, Stärke und Macht ausgestattet sind, über die die Täter scheinbar nicht verfügen. Diese Helden zeigen keine Schwächen und haben ihre Macht und Männlichkeit bis zum Äußersten getrieben. Die, durch die Vorbilder verkörperte, Wunschidentität kann zu reellen Nachahmungseffekten führen. Größtenteils übernehmen die Täter bei ihrer realen Tat die, an das verinnerlichte virtuelle Töten im Computerspiel angelehnte, Vorgehensweise und verwenden je nach Verfügbarkeit eine ähnliche Tatwaffe. Hiermit wird das ganze Spektrum der Fantasie bedient. Die Identifikation mit Teilen von Filmen oder einzelnen Spielen und der mögliche Nachahmungseffekt, ist die eigentliche Risikokonstellation, die ein relevanter Faktor auf dem Weg zu einem School Shooting sein kann.[102]

Es ist also festzustellen, dass diese intensive Beschäftigung eine deutliche Einengung auf die Themen Gewalt und Tod auslöst. Gewalthaltige Filme, PC-Spiele, Musik und Bücher sind Medien, die School Shootern als Vorlage für ihre Tat und als eine Art Quelle der Inspiration dienen können. Somit kann der ausgiebige Konsum von derartigen Medien durch den Ansteckungseffekt Gewaltexzesse verstärken. Dennoch ist die mediale Gewalt keinesfalls die Hauptursache von School Shootings, sondern gilt als Risikofaktor, der als Verstärker wirken kann. Nicht allein, nur im Zusammenspiel mit den bereits erläuterten Einflussfaktoren, kann dies derartige Gewalttat begünstigen.[103]

Gesteigertes mediales Interesse

Aufgrund des Ausmaßes der Taten ist es nicht überraschend, dass School Shootings sowohl national als auch international durch die ausgeprägte mediale Berichterstattung, eine große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Wochenlang wird detailliert über den School Shooter und den genauen Ablauf der Tat berichtet. Da Darstellungen über das Negative und Sensationelle einen besonders hohen Nachrichtenwert besitzen und ein gesteigertes Interesse bei den Zuschauern erzeugen, wird sehr intensiv darüber informiert.[104]

Nach einer derartigen Berichterstattung über School Shootings ist ein Anstieg der Quoten von Nachahmungstaten zu verzeichnen. Nach Ansicht vieler Experten ist das tatsächliche Auftreten neuer Taten unter anderem mit dem Einfluss der ausführlichen medialen Berichterstattung zusammen zu bringen. Demnach lässt sich für zahlreiche untersuchte Fälle belegen, dass die Täter sich bei ihren Planungen durch vergangene Taten inspirieren lassen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sie das Ziel haben, die früheren Täter zu übertreffen oder sich mit anderen School Shootern vergleichen. In vielen Recherchen kann nachgewiesen werden, dass die Jugendlichen im Vorfeld besonders interessiert an vergangenen School Shootings sind und sich teilweise über Jahre hinweg mit entsprechenden Dokumentationen über die Taten auseinander setzen. Denn bei der genaueren Betrachtung fällt auf, dass die jeweiligen Taten zunehmend aufeinander Bezug nehmen. Wie zuvor in dem Kapitel ‚Zeitliche Verteilung der School Shootings‘ aufgezeigt wird, ist eine Nachahmungstendenz bezüglich des Zeitpunktes festzustellen. Die Jugendlichen gleichen häufig das Tatdatum eines der zuvor geschehenen und für sie besonders bedeutenden School Shootings an. Neben dem Datum ist auch der Täter selbst interessant. Nicht nur die fiktiven Protagonisten und Helden der virtuellen Welt dienen als Vorbilder, sondern auch die Identifikationsmerkmale der früheren Täter spielen eine Rolle. Auch hier wird sich ein Beispiel an der Kleidung, den Gewaltfantasien, den Details der Tatplanung ebenso wie an der Inszenierung im Vorfeld genommen. Zugleich ist auch der Berühmtheitsaspekt von Bedeutung. Denn wie aus den Erläuterungen zur Persönlichkeitsentwicklung der Täter hervorgeht, ist der Wunsch nach Beachtung der Tat in breiter Berichterstattung in den Medien sehr relevant. Die späteren Täter studieren die medialen Meldungen nach den vorangegangenen Taten und wollen ebenfalls eine derartige Popularität erreichen. Es geht ihnen darum, durch die mediale Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit einen Berühmtheitsstatus zu erlangen, den sie durch ihr eigenes soziales Verhalten nicht erreichen würden.[105]

Es gilt festzuhalten, dass die Gefahr von Nachahmungstaten durch die intensive Berichterstattung in den Medien gefördert werden kann. Allerdings ist dies keinesfalls ein direkter und alleiniger Grund für das Begehen von School Shootings. Es kann eher davon ausgegangen werden, dass die medialen Beiträge eine ähnliche Denkweise oder ein gleiches Verhalten in den Jugendlichen auslösen, die sich in einem vergleichbaren Zustand befinden und somit schon zuvor über eine solche Tat nachdenken. Für diese ohnehin schon tatgeneigten Jugendlichen können die Medienmeldungen eventuell den letzten Anstoß zur eigenen Tat geben. Da die Tatplanungen länger andauern, beeinflusst die Nachahmung also eher den Zeitpunkt und die Details als den Entschluss überhaupt.[106]

H. Prävention

Ansätze zur Prävention und Intervention

Wie bereits dargestellt, ist die Anzahl der School Shootings in den letzten Jahren, besonders außerhalb der USA, stetig gestiegen. Daher ist es relevant geworden sich mit solchen Taten auseinander zu setzten, deren Beweggründe zu analysieren um folglich entsprechende Maßnahmen zur Verhinderung ergreifen zu können.

Experten gehen davon aus, dass derartige Gewalttaten geplante und vorsätzliche Handlungen sind, die das Ende eines langen Weges mit zahlreichen Warnsignalen darstellen. Wie schon zu Beginn der Arbeit erwähnt, handelt es sich bei School Shootings nicht um eine Affekttat, die einen spontanen, gewalthaltigen Ausbruch gegenüber Schülern und Lehrern in der Schule implizieren würde. Sondern die Tat entwickelt sich über einen längeren Zeitraum, ist geplant, vorbereitet und in der Regel auch angedeutet. Diese Erkenntnis offenbart einen wichtigen Vorteil für mögliche vorbeugende Maßnahmen. So ist es durch den langwierigen Prozess möglich, Auffälligkeiten rechtzeitig zu erkennen, einzugreifen und geplante Taten eventuell zu verhindern.[107]

Aufgrund der Vielschichtigkeit der Ursachen, sind breitangelegte Maßnahmen unabdingbar. Daher stellt die Vorbeugung, die sogenannte Prävention, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar. Gesetzgeberische Maßnahmen, wie das Verbot von gewalthaltigen Videos und Computerspielen sowie die Einschränkung des Waffengesetztes, sind möglicherweise hilfreich. Ebenso wie die Verminderung von medialen Darstellungen über School Shootings. Aber dies reicht nicht aus um die psychischen Voraussetzungen der Täter zu ändern, die letztendlich zu solch katastrophalen Ereignissen führen. Da die Schule ein besonders gefährdetes Umfeld und auch der Tatort ist, sollte dort mit vorbeugenden Maßnahmen eingegriffen werden. Es gilt Jugendliche für die Thematik zu sensibilisieren und diese im schulischen Alltag zu vergegenwärtigen. Sicherlich kann die Präventionsarbeit nicht nur den Schulen überlassen werden, sondern auch Polizei, Jugendamt, Jugendhilfe sowie die gesamte Bevölkerung muss eng zusammenarbeiten und in den Präventionsprozess mit involviert werden. Dennoch liegt der Fokus ausschließlich auf der schulischen Prävention, da diese Arbeit den Tatort Schule thematisiert.[108]

Zur genaueren Unterscheidung werden im präventiven Bereich die Begriffe primäre, sekundäre und tertiäre Prävention unterschieden:

Die primäre Prävention wirkt der Entstehung gewalthaltiger Einstellungen und Verhaltensweisen entgegen, noch bevor derartiges auftritt.

Die sekundäre Prävention beginnt, wenn bereits erste Auffälligkeiten bemerkt werden und strebt eine frühzeitige Änderung problematischer Einstellungen und Verhaltensweisen an. Dies geschieht in der Regel durch, speziell auf den Umgang mit Gewalt und Konflikten ausgerichtete, Maßnahmen und Programme.

Die tertiäre Prävention meint die Interventionen, das Handeln während oder nach dem Vorfall, die sogenannte „echte schulische Krisensituation“.[109]

Präventionsmöglichkeiten in der Schule

Die drei verschiedenen Arten der Prävention finden, durch entsprechende Maßnahmen, in der Institution Schule Anwendung. Jedoch sind nicht nur die Schule oder die Lehrer die Hauptinstanzen, sondern die Gemeinschaft der Schüler und auch die Eltern sind relevant.[110]

a) Primärprävention

Es existieren zahlreiche schulische Konzepte und Programme, die eine primärpräventiv ausgerichtete Gewaltprävention versuchen um zusetzten. Es geht darum, im Gesamtkontext von Unterricht, Erziehung und schulischem Leben die Schüler in ihrer Persönlichkeit zu stärken.[111]

Das grundsätzliche Ziel der Primärprävention ist die Schaffung eines sicheren und verbesserten Schulklimas, das Sicherheit, Respekt, Anerkennung und eine gegenseitige emotionale und soziale Unterstützung gewährleistet. Dazu zählen sowohl die Bindungen zwischen Schülern als auch die zwischen Schüler und Lehrer. So kann ein Rahmen geschaffen werden, in dem Probleme einzelner Schüler besser erkannt werden können. Ein gemeinsames Bemühen um einen schulischen Grundkonsens sozialer Werte und Verhaltensnormen kann sich als sehr wirksam erweisen. Dies kann zum einen durch die Beteiligung der Schüler an der Entwicklung und Umsetzung von Schulregeln oder der Durchführung von schulischen Veranstaltungen geschehen. Durch die Schülermitverantwortung und deren Einbeziehung in schulische Entscheidungen und Regelungen, bekommen sie das Gefühl ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Zum anderen ist es von Bedeutung die Problematik des School Shootings im Unterricht zu thematisieren und die Schüler dafür zu sensibilisieren.[112]

Darüber hinaus ist die Qualität der Lehrer-Schüler-Beziehung von enormer Relevanz. Das Interesse und Engagement der Lehrkräfte sowie deren positive Wertschätzung und emotionale Wärme ist sehr wichtig. Die Anerkennung der Lehrer bietet den Schülern die Möglichkeit einen vertrauensvollen Kontakt aufzubauen. Als besonders förderlich erweist sich demnach ein partnerschaftliches Verhältnis, sodass die Jugendlichen das Gefühl haben mit ihren Problemen zu ihren Lehrern gehen zu können. Hierzu zählt auch, dass bei einem Schulverweis oder anderen gravierenden schulischen Misserfolgen gemeinsam beraten und alternative Möglichkeiten erarbeitet werden. Ebenso darf das Gefühl, dass die schulischen Erfolge Aussagen über die Persönlichkeit darstellen, nicht vermittelt werden. Neben schulischen Leistungen muss verstärkt auf soziale und emotionale Bedürfnisse der Schüler eingegangen werden, insbesondere bei Schülern, die wenig Unterstützung von ihren Eltern erhalten. Es gilt die Schüler zu integrieren, zu respektieren und nicht auszuschließen, speziell nicht die, die ein abweichendes Verhalten und mangelnde Schulleistungen zeigen.[113]

Ferner sollten Schulen zur Vorbeugung von School Shootings auch Möglichkeiten für den Aufbau und die Pflege von Beziehungen zwischen den Schülern zur Verfügung stellen. Auch hier sollte die Entwicklung von vertrauensvollen Beziehungen im Vordergrund stehen. Denn ein positives Miteinander stellt eine Grundvoraussetzung für die Schüler dar, sich in der Schule wohl und sicher zu fühlen. Die Schule kann beispielsweise durch zusätzliche Freizeitangebote, Schulausflüge und gemeinsam entwickelte Projekte, die sozial-emotionalen Kompetenzen nachhaltig fördern. Darüber hinaus gelten Streitschlichterprojekte als förderliche primärpräventive Maßnahmen.[114]

Des Weiteren sollen die Schüler in ihren Stärken, Potentialen und Kompetenzen gestärkt werden, um ein positives Selbstbild zu entwickeln. Da die Schüler einem frühzeitigen, hohen Leistungsdruck ausgesetzt sind, ist es besonders bedeutsam, ihnen andere Möglichkeiten zur Erhaltung von Anerkennung und Bestätigung aufzuzeigen. Beispielsweise mit zusätzlicher Förderung von sportlichen, musikalischen, technischen oder kreativen Begabungen. Für Schüler sind mögliche Erfolge überaus wichtig, da es sie beim Aufbau eines positiven Selbstkonzeptes von Selbstvertrauen und Selbstachtung unterstützt. So sollten beispielsweise auch individuelle Lernfortschritte besonders betont und ermöglicht werden. Ebenso sollten Kritikansätze der Lehrer die Schüler zu Verbesserungen anregen und nicht demotivieren.[115]

b) Sekundärprävention

Eine sekundärpräventive Maßnahme im Kontext mit School Shootings bildet die Früherkennung bereits auffälliger und möglicherweise gefährdeter Jugendliche sowie die Einleitung von Interventionen. Ein wichtiger Bestandteil ist das sogenannte Leaking-Phänomen, wobei der Täter seine Tatgedanken oder Pläne im Vorfeld ankündigt. Dadurch stellt dieses Phänomen einen wichtigen Anhaltspunkt für ein präventives Eingreifen dar. Leaking kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen. Die direkte Form des Leaking zeichnet sich durch eine relativ klare, eindeutige Ankündigung der Tat aus, die mündlich, schriftlich oder zeichnerisch erfolgen kann. Verbal kann dies in einem direkten Gespräch mit Mitschülern, Lehrern oder Familienmitglieder stattfinden. Eine schriftliche Bekanntmachung kann per SMS, Email, in einem Brief oder in Internetforen geschehen. Des Weiteren zählen Zeichnungen, selbsterstellte Filme oder Fotos zu dieser Kategorie. Die zweite Form des Leakings zeigt sich durch auffällige Verhaltensweisen eines Schülers und stellt die indirekte Art des Leakings dar. Hierzu zählt ein ständiger Bezug auf Themen wie Gewalt, Krieg und Waffen sowie der Konsum gewaltverherrlichender Medien. An dieser Stelle ist es besonders wichtig, dass die Warnsignale von Lehrern, Mitschülern und Eltern wahrgenommen werden und die Gefahr erkannt wird. Um als Lehrer professionell intervenieren zu können, müssen themenbezogene Fortbildungsmöglichkeiten von Experten für Lehrkräfte gewährleistet werden. Zudem ist die Kooperation zwischen Eltern und Pädagogen unabdingbar. Die Familie sollte mögliche Warnzeichen aufmerksam verfolgen und die Schule informieren. Gleichzeitig sollte auf das Bedenken der Lehrer reagiert werden sowie diese eine beratende Funktion für die Eltern darstellen sollten. Hier ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit die Grundvoraussetzung. Darüber hinaus gilt es das Gespräch mit der Schülerschaft zu suchen um relevante Aspekte des Leaking-Phänomens zu erläutern. Ein richtiger Umgang mit derartigen Drohungen soll daraus resultieren. Zusätzliche primärpräventive Maßnahmen könnten die Einrichtung von Vertrauenslehrer sein.[116]

[...]


[1] Spies (2011). S. 224.

[2] Pollmann (2008). S. 9.

[3] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 16; Scheithauer; Bondü (2011). S. 11 f.

[4] Böckler; Seeger (2010). S. 16: in WHO 2004, S. 20.

[5] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 16.

[6] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 21.

[7] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 16.

[8] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 24; Robertz; Wickenhäuser (2010). S. 10; Gugel (2010). S. 652.

[9] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 24.

[10] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 24 f.

[11] vgl. ebd.

[12] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 24 ff.

[13] vgl. ebd.

[14] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 13.

[15] vgl. ebd.

[16] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 13 f; Faust (2010). S. 30.

[17] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 17 f; Faust (2010). S. 31.

[18] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 18 f.

[19] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 19.

[20] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 19 f.

[21] vgl. Bannenberg (2010). S. 65 f; Faust (2010). S. 103; Spies (2011). S. 231.

[22] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 20.

[23] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 45 f; Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 21; Böckler; Seeger (2010). S. 30.

[24] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 21; Faust (2010). S. 32.

[25] vgl. Gugel (2010). S. 650; Scheithauer; Bondü (2011). S. 34 ff.

[26] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 34 ff.

[27] vgl. Brumme (2011). S. 17 f; Böckler; Seeger (2010). S. 38.

[28] vgl. Pollmann (2008). S.41 f.

[29] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 38.

[30] vgl. Pollmann (2008). S.42 ff.

[31] vgl. Pollmann (2008). S.42 f; Böckler; Seeger (2010). S. 38 f.

[32] vgl. Pollmann (2008). S.43 f.

[33] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 39 f.

[34] Pollmann (2008). S.44 in: Göppel (2005). S. 75.

[35] vgl. Pollmann (2008). S. 46; Brumme (2011). S. 17 f.

[36] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 26; Pollmann (2008). S.46.

[37] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 26.

[38] vgl. ebd.

[39] vgl. Pollmann (2008). S. 50 f.

[40] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 41 f.

[41] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 43 f.

[42] vgl.ebd.

[43] vgl. ebd.

[44] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 44.

[45] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 44.

[46] vgl. Brumme (2011). S. 18; Pollmann (2008). S. 48 f.

[47] vgl. Pollmann (2008). S. 48 f.

[48] vgl. Pollmann (2008). S. 49 f; Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 26.

[49] vgl. Pollmann (2008). S. 48 f.

[50] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 44; Robertz; Wickenhäuser (2007). S. 26; Brumme (2011). S. 18.

[51] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 47.

[52] Böckler; Seeger (2010). S. 56: in Hoffmann (2007) S. 28.

[53] vgl. Pollmann (2008). S. 70; Böckler; Seeger (2010). S. 56 f; Brumme (2011). S. 38; Gehl (2011). S. 20.

[54] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 57.

[55] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 57; Bannenberg (2010). S. 74 ff.

[56] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 48; Brumme (2011). S. 39.

[57] vgl. Brumme (2011). S. 38.

[58] vgl. Bannenberg (2010). S. 74 ff.

[59] vgl. Brumme (2011). S. 38.

[60] vgl. Bannenberg (2010). S. 97 f; Robertz; Wickenhäuser (2010). S. 33; Pollmann (2008). S. 71 f;

[61] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 59; Brumme (2011). S. 49.

[62] vgl. Pollmann (2008). S. 72.

[63] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 48.

[64] vgl. Pollmann (2008). S. 73.

[65] vgl. Pollmann (2008). S. 75 f.

[66] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 49 f; Robertz; Wickenhäuser (2010). S. 31.

[67] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2010). S. 31; Scheithauer; Bondü (2011). S. 51.

[68] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 52.

[69] vgl. Faust (2008). S. 124; Lang; Falle; Schowalter (2007). S. 172 ff.

[70] vgl. Faust (2008). S. 125 f; Robertz; Wickenhäuser (2010). S. 105.

[71] vgl. Faust (2008). S. 126; Pollmann (2008). S. 91.

[72] vgl. Faust (2008). S. 127 f; Robertz; Wickenhäuser (2010). S. 105.

[73] vgl. Lang; Falle; Schowalter (2007). S. 170; Robertz; Wickenhäuser (2010). S. 103.

[74] vgl. Lang; Falle; Schowalter (2007). S. 170.

[75] vgl. Waldrich (2010). S. 116.

[76] vgl. Faust (2010). S. 43 f.

[77] vgl. Faust (2010). S. 44.

[78] vgl. Bannenberg (2010). S. 61 ff; Gehl (2011). S. 20.

[79] vgl. Faust (2010). S. 44 ff.

[80] vgl. Faust (2010). S. 44 ff; Waldrich (2010). S. 126 ff; Spies (2011). S. 231.

[81] vgl. Faust (2010). S. 43; Waldrich (2010). S. 115.

[82] vgl. Faust (2010). S. 52.

[83] vgl. Faust (2010). S. 53.

[84] vgl. Faust (2010). S. 54 ff.

[85] vgl. Faust (2010). S. 58 f.

[86] vgl. Faust (2010). S. 60.

[87] vgl. Faust (2010). S. 61.

[88] vgl. Faust (2010). S. 61 f.

[89] vgl. Böckler; Seeger (2010). S. 68; Faust (2010). S. 106.

[90] vgl. Bannenberg (2010). S. 64 ff; Faust (2010). S. 63 f.

[91] vgl. Waldrich (2010). S. 128 ff.

[92] vgl. Faust (2010). S. 66 f.

[93] vgl. Faust (2010). S. 70.

[94] vgl. Faust (2010). S. 73 f.

[95] vgl. Bannenberg (2010). S. 82 f.

[96] vgl. Faust (2010). S. 83; Pollmann (2008). S. 105.

[97] vgl. Pollmann (2008). S. 104.

[98] vgl. Faust (2010). S. 86; Gehl (2011). S. 22; Bannenberg (2010). S. 99.

[99] vgl. Brumme (2011). S. 64; Huck (2012). S. 85.

[100] vgl. Brumme (2011). S. 62; Huck (2012). S. 85; Gehl (2011). S. 23.

[101] vgl. Brumme (2011). S. 65 f; Gehl (2011). S. 23; Lang; Faller; Schowalter (2007). S. 179.

[102] vgl. Huck (2012). S. 86; Bannenberg (2010). 102 ff; Brumme (2011). S. 66.

[103] vgl. Huck (2012). S. 85; Gehl (2011). S. 23.

[104] vgl. Brumme (2011). S. 61; Pollmann (2008). S. 107.

[105] vgl. Brumme (2011). S. 62; Bannenberg (2010). S. 138 f; Pollmann (2008). S. 108 f; Gehl (2011). S. 55 f.

[106] vgl. Bannenberg (2010). S. 137; Gehl (2011). S. 55.

[107] vgl. Pollmann (2008). S. 117; Brumme (2011). S. 54.

[108] vgl. Lang; Faller; Schowaller (2007). S. 179; Pollmann (2008). S. 119 ff; Gehl (2011). S. 103.

[109] vgl. Gehl (2011). S. 104; Robertz; Wickenhäuser (2010). S. 133.

[110] vgl. Waldrich (2010). S. 168.

[111] vgl. Robertz; Wickenhäuser (2010). S. 133; Gehl (2011). S. 104.

[112] vgl. Bannenberg (2010). S. 181 f; Robertz, Wickenhäuser (2010). S. 134.

[113] vgl. Robertz, Wickenhäuser (2010). S. 133; Pollmann (2008). S. 121 ff.

[114] vgl. Robertz, Wickenhäuser (2010). S. 134.

[115] vgl. Pollmann (2008). S. 121; Robertz, Wickenhäuser (2010). S. 134.

[116] vgl. Scheithauer; Bondü (2011). S. 90 f; Gugel (2010). S. 655; Brumme (2011). S. 54; Langman (2009). S. 284 ff.

Ende der Leseprobe aus 262 Seiten

Details

Titel
Schüler außer Kontrolle
Untertitel
Amoklauf und School-Shooting
Autoren
Jahr
2013
Seiten
262
Katalognummer
V230847
ISBN (eBook)
9783656459170
ISBN (Buch)
9783956870378
Dateigröße
1714 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schüler, kontrolle, amoklauf, school-shooting
Arbeit zitieren
Hanna Horn (Autor)Burkhard Schröter (Autor)Florian Bödecker (Autor), 2013, Schüler außer Kontrolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230847

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