Es werden die geographischen Kompetenzen bei Schülern im Übergang von der Primarstufe zur Sek. I genauer betrachtet...
In meinem letzten Praktikum an einer Dresdner Mittelschule war es üblich, dass in der Klassenstufe 5 zu jedem Stundenbeginn ein Schüler an der Wandkarte zehn Fragen zur Topographie beantworten musste. Die Schüler sollten dabei geographische Objekte in Deutschland lokalisieren. Nicht selten kam es dabei zu Äußerungen, wie „Die Alpen liegen ganz unten in Deutschland“ oder „Die Nordsee liegt links von der Ostsee“. Immer wieder musste der Lehrer solche Aussagen, hinsichtlich der genauen Bestimmung und Beschreibung der Lage, korrigieren. Dieses Phänomen des falschen geographischen Vokabulars trat auch immer wieder während der Unterrichtseinheiten auf. Viele Schüler halten im Zeitalter von Navigationsgeräten und Smartphones die Orientierung auf Karten für unwichtig, da heutzutage die Technik das für einen übernehmen kann. So wird sehr schnell klar, dass es hinsichtlich der Kartenkompetenz von Schülern einige Probleme gibt. Es offenbaren sich hier einige grundlegende Problemfelder bei der Kartenarbeit. Es fehlt die Fähigkeit der zielgerichteten Aufnahme von Informationen bei den Schülern, es kommt zu Problemen bei der Orientierung auf Karten und es kommt bei Interpretationen und Bewertungen von Karteninhalten zu einer regelrechten Hilflosigkeit unter den Schülern. Ziel der Lehrperson muss es sein, die angesprochenen Ungenauigkeiten bei der Kartenarbeit zu korrigieren, ein Bewusstsein für die Kartenarbeit zu schaffen und so die Kartenkompetenz der Schüler zu entwickeln. Bereits in der Primarstufe der Klassen 3 und 4 kommt es zu einer allgemeinen Einführung in das Kartenverständnis und somit zu einem beginnenden Kompetenzerwerb.
Dabei ist die Karte zuerst Unterrichtsgegenstand, danach kann sie als Arbeitsmittel vor allem in der Sekundarstufe I und II eingesetzt werden. Diese Arbeit soll sich nun mit folgenden Problematiken beschäftigen: Welche Grundvoraussetzungen müssen in der Grundschule bei der Einführung des Kartenverständnisses geschaffen werden? Welche Schwierigkeiten treten dabei auf und wie muss in der Klassenstufe 5 der Sekundarstufe I an dieses Grundwissen, bzw. an den Vorkenntnissen der Schüler, angeknüpft werden, um einen idealen Lernprozess zu gewährleisten?
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Jean Piaget und „Das Weltbild des Kindes“
2.1 Der Aspekt der kognitiven Entwicklung nach Jean Piaget
2.2 Das Entwicklungsstufenmodell von Piaget
2.3 Die Kritik an Piaget´s Entwicklungsstufenmodell
3 Die Leitlinien für die Kartenkompetenz im Geographieunterricht
3.1 Was ist Kartenkompetenz?
3.2 Die Vorgaben durch den Lehrplan
3.3 Die Arten und Bedeutung von Karten in der Schule
3.4 Der Kompetenzerwerb zum Kartenverständnis in der Schule
4 Das Medium „Karte“
4.1 Die Definition des Mediums „Karte“
4.2 Die Anforderungen an eine Karte
4.3 Die Anforderungen an die Schüler bei der Kartenarbeit im Schulunterricht
5 Die Kartenarbeit
5.1 Die Kartenlegende als Anleitung für den Kartengebrauch
5.2 Das Bestimmen und Berechnen von Entfernungen
5.3 Die Lagebestimmung und -beschreibung mit Hilfe der Topographie
5.4 Die Lagebestimmung mit Hilfe des Gradnetzes
5.5 Das Anfertigen kartographischer Skizzen
6 Methodische Wege/Beispiele zur Vermittlung von Kartenverständnis
6.1 Das Synthetische Verfahren
6.2 Das Analytische Verfahren
6.3 Das Genetische Verfahren
6.4 Das Integrierte Verfahren
7 Die Schnittstelle von Primarstufe und Sekundarstufe
8 Zusammenfassung und Ausblick
8.1.1 Die Grundschule (Primarstufe)
8.1.2 Die Weiterführende Schule (Sekundarstufe I und II)
9 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Vermittlung von Kartenkompetenz von der Primarstufe bis zum Übergang in die Sekundarstufe I. Das primäre Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, welche kognitiven Voraussetzungen Kinder mitbringen und wie Lehrkräfte methodisch an vorhandenes Wissen anknüpfen können, um einen nachhaltigen Lernprozess zu gewährleisten.
- Entwicklungspsychologische Grundlagen nach Jean Piaget in Bezug auf das Kartenverständnis.
- Analyse des Begriffs der Kartenkompetenz und deren Einordnung in schulische Lehrpläne.
- Klassifizierung und Bedeutung verschiedener Kartentypen als Unterrichtsmedium.
- Methodische Ansätze (synthetisch, analytisch, genetisch) zur Vermittlung von Kartenwissen.
- Problematik des Übergangs von der Grundschule zur weiterführenden Schule hinsichtlich der Kartenarbeit.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Definition des Mediums „Karte“
Nimmt man die Definition von der „Internationalen Kartographischen Vereinigung28“, so ergibt sich folgende Definition für Karten: „Karten sind maßstäblich verkleinerte, generalisierte und erläuterte Grundrissdarstellungen von Erscheinungen und Sachverhalten der Erde, der anderen Weltkörper und des Weltraumes in einer Ebene.“Laut der „Internationalen Kartographischen Vereinigung“ ergeben sich also vier wichtige Merkmale, welche jede Karte aufweisen muss.
Maßstäblich verkleinert:
Hierbei wird die naturgegebene Wirklichkeit im korrekten Größenverhältnis auf die Karte verkleinert. Dabei ist der Maßstab die mathematische Ausdrucksform des linearen Verkleinerungsverhältnisses zwischen Natur und Karte.
Das Verkleinern von Maßstäben macht den Schülern dabei keine Probleme, denn damit gehen sie alltäglich um. Um das Verkleinern den Schülern näher zu bringen, bieten sich Spielzeugautos an, anhand derer man die Verkleinerung erklären kann, Um den Schülern die Maßstabsangabe zu verdeutlichen, bietet sich die ablesbare und übertragebare Maßstabsleiste an.29 Dazu mehr unter Kapitel 5.1 Bestimmen und Berechnen von Entfernungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeiten von Schülern beim korrekten Gebrauch von Karten im Geographieunterricht und formuliert die Forschungsfragen hinsichtlich des Übergangs von der Primar- zur Sekundarstufe.
2 Jean Piaget und „Das Weltbild des Kindes“: Dieses Kapitel erläutert die kognitive Entwicklung von Kindern nach Piaget und kritisiert dessen Modell im Kontext der modernen Forschung.
3 Die Leitlinien für die Kartenkompetenz im Geographieunterricht: Hier wird definiert, was unter Kartenkompetenz verstanden wird, und die Rolle der Karte als Medium sowie ihre Bedeutung im Lehrplan analysiert.
4 Das Medium „Karte“: Das Kapitel bietet eine formale Definition der Karte und beschreibt die Anforderungen an Karten sowie an die Schüler bei der Kartenarbeit.
5 Die Kartenarbeit: Es werden praktische Fertigkeiten wie Kartenlesen, Entfernungsberechnung, Lagebestimmung und das Zeichnen von Skizzen detailliert behandelt.
6 Methodische Wege/Beispiele zur Vermittlung von Kartenverständnis: Vorstellung verschiedener didaktischer Verfahren wie das synthetische, analytische, genetische und integrierte Verfahren zur Unterrichtsgestaltung.
7 Die Schnittstelle von Primarstufe und Sekundarstufe: Erörterung der Problematik, wie das in der Grundschule erlernte Vorwissen in der weiterführenden Schule aufgegriffen und weiterentwickelt werden kann.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Kartenarbeit in den verschiedenen Schulstufen und Ausblick auf die Bedeutung des Kartenumgangs in der Zukunft.
9 Fazit: Abschließende Bewertung der Relevanz geographischer Karten als unersetzliches Lernmittel und Reflexion über Forschungsdefizite im Grundschulbereich.
Schlüsselwörter
Kartenkompetenz, Geographieunterricht, Kartenlesen, Kartenverständnis, Piaget, Primarstufe, Sekundarstufe, Kartographie, Raumvorstellung, topographische Karte, Maßstab, Didaktik, Lernprozesse, mental maps, GIS
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Förderung der Kartenkompetenz bei Schülern im Geographieunterricht, insbesondere im Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe I.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die kognitiven Entwicklungsschritte nach Piaget, die Definition und Anforderungen an Karten als Lehrmittel, verschiedene methodische Vermittlungsansätze sowie die Bedeutung des Vorwissens beim Schulwechsel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrer ein Bewusstsein für Kartenarbeit schaffen können und wie ein idealer Lernprozess aussieht, der die Grundvoraussetzungen aus der Grundschule aktiv nutzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung didaktischer Konzepte und fachdidaktischer Literatur, um methodische Empfehlungen für den Unterricht abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Piaget), die Definition der Kartenkompetenz, die Analyse von Kartentypen und Anforderungen sowie eine Darstellung unterschiedlicher methodischer Vermittlungswege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kartenkompetenz, Kartenlesen, Didaktik des Geographieunterrichts, kognitive Entwicklung, Primarstufe, Sekundarstufe und Kartenarbeit.
Warum ist die Kartenlegende so wichtig?
Die Legende ist essenziell, da sie den Zeichenschlüssel für eine Karte liefert. Ohne die Dechiffrierung der Legende ist ein effektives und korrektes Lesen und Interpretieren der Karteninhalte für Schüler nicht möglich.
Was ist die Besonderheit der "Duokarten"?
Duokarten kombinieren auf einer Wandkarte Satellitenbilder mit einer physischen Karte. Dies hilft Schülern, den Unterschied zwischen der fotografischen Realität und der kartographisch generalisierten Darstellung zu verstehen.
Welche Rolle spielt die Topographie für die Lagebestimmung?
Die Topographie liefert das notwendige Orientierungsgrundwissen (Gebirge, Flüsse, Staaten). Sie dient als Basis für Ordnungsraster, die es Schülern ermöglichen, geographische Objekte im Raum präzise zu verorten und zu beschreiben.
- Citar trabajo
- Michael Wornest (Autor), 2012, Entwicklung von Kartenkompetenz im Geographieunterricht der Grundschule als Voraussetzung für die Sekundarstufe I, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230881