Seit der Erfindung und massenhaften Verbreitung des Computers schreitet die Digitalisierung der uns umgebenden Daten in den verschiedensten Lebensbereichen unaufhörlich voran. Sei es die Verdrängung der Schallplatte sowie der Audiokassette durch die Compact Disc (CD) und das Musik-Dateiformat „mp3“ oder die Ablösung der analogen Videokassette durch die Digital Versatile Disc (DVD) oder der Wechsel vom Karteikarten-Katalog des Buchbestandes der Universitätsbibliothek hin zur Archivierung im Online-Katalog. Digital setzt sich durch. Seit etwa zehn Jahren nagen die digitalen Binärcodes –bestehend aus „0“ und „1“– auch an einer uns allen liebgewonnenen Tätigkeit – dem analogen Fotografieren. Auch wenn heute –gut zwölf Jahre nach der Markteinführung der ersten Digitalkamera– analoge Fotoapparate, Fotoentwickler und Dunkelkammer sich noch immer großer Beliebtheit erfreuen, so macht ein näherer Blick in die Verkaufszahlen doch eines deutlich. Der gesamte Imaging-Markt befindet sich Aufbruchstimmung und der Markt für Digitalkameras ist einer der schnellstwachsenden im gesamten Fotosektor. Der Absatz an digitalen Kameras stieg von 18,5 Millionen im Jahr 2001 auf 27,5 Millionen Stück weltweit im Jahr 2002 und ist damit der stärkste Wachstumssektor im gesamten Imaging-Markt. Experten rechnen damit, dass spätestens 2004 das Jahr des digitalen Bildes wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Methoden
3. Digitale Fotografie – Einleitung
3.1. Technik
3.2. Technische Geschichte
4. Techniksoziologie
5. Digitale Fotografie – Die Studie
5.1. Interviewpartner
5.2. Allgemeine Veränderungen durch die Digitale Fotografie
5.3. Veränderungen im Fotografierverhalten
5.4. Veränderung in der Archivierung, Präsentation und im Gebrauch
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die alltagspraktischen Veränderungen, die durch die Einführung der digitalen Fotografie bei privaten Hobbyfotografen entstanden sind. Ziel ist es, diese technologischen Auswirkungen auf Basis techniksoziologischer Ansätze empirisch zu erfassen und die Bedeutung des Computers als zentrales Instrument innerhalb der modernen Lebenswelt zu analysieren.
- Technischer Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie
- Techniksoziologische Einordnung des Fotografie-Alltags
- Veränderungen im Fotografierverhalten und in der Motivwahl
- Wandel bei Archivierung, Präsentation und Gebrauch von Bildern
- Die Rolle der Kamera als kooperationsfähiger Akteur
Auszug aus dem Buch
3.1. Technik
Digitale Fotografie stellt im Sinne der Definition von Fotografie –also ein Verfahren zur naturgetreuen, zweidimensionalen Reproduktion eines reellen Bildes durch Einwirkung von Lichtwellen auf lichtempfindliche Schichten7– eigentlich keine wirkliche Technikinnovation dar. Was die Digitale Fotografie allerdings gegenüber der analogen Fotografie, die mit Hilfe eines lichtempfindlichen Films und chemischer Entwicklungsprozesse Negativ- und Positivbilder erzeugt, so revolutionär macht, ist die neuartige, digitale Speicherung der Licht bzw. Bildinformationen auf einem Speichermedium.8
Das Licht, welches durch die Linse eintritt, trifft nicht mehr, wie bei der analogen Fotografie, auf einen mit Silberhalogenidkörnchen beschichteten Film, sondern auf einen lichtempfindlichen Sensor, einen Charged Coupled Device (CCD), der die Lichtinformationen in einen Binärcode umwandelt und speicherbar macht. Die digitale Speicherung der Bilddaten lässt herkömmliches Handwerkszeug wie etwa Film, Entwickler und Dunkelkammer in erster Instanz überflüssig werden, was als bedeutendste technische Veränderung gegenüber der analogen Fotografie festgehalten werden sollte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in das Thema Digitalisierung als gesellschaftlicher Prozess und Begründung der Untersuchung zur digitalen Fotografie.
2. Methoden: Erläuterung des Forschungsansatzes mittels qualitativer Interviews mit Hobbyfotografen und der Datenerhebung.
3. Digitale Fotografie – Einleitung: Technische Definition der Digitalfotografie und kurzer Abriss ihrer geschichtlichen Entwicklung.
3.1. Technik: Detaillierte Beschreibung der Funktionsweise digitaler Sensoren im Vergleich zur analogen Filmtechnik.
3.2. Technische Geschichte: Chronologischer Überblick von den ersten Videokameras bis zur Etablierung moderner Digitalkameras am Massenmarkt.
4. Techniksoziologie: Theoretische Rahmung durch sozialwissenschaftliche Techniktheorien, insbesondere im Hinblick auf den "technologischen Habitus".
5. Digitale Fotografie – Die Studie: Darstellung der empirischen Ergebnisse aus den Experteninterviews.
5.1. Interviewpartner: Vorstellung der Befragten und deren persönlicher Hintergrund im Umgang mit Fototechnik.
5.2. Allgemeine Veränderungen durch die Digitale Fotografie: Analyse wirtschaftlicher Aspekte, der "Bilderflut" und veränderter Konsummuster.
5.3. Veränderungen im Fotografierverhalten: Untersuchung der zunehmenden Spontaneität und der erweiterten Motivwahl.
5.4. Veränderung in der Archivierung, Präsentation und im Gebrauch: Analyse der digitalen Speicherung und der neuen Möglichkeiten der Bildmanipulation und Weitergabe.
6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Digitalfotografie als Schritt zur Digitalisierung lebensweltlicher Daten und Ausblick auf zukünftige Forschungsdesiderate.
Schlüsselwörter
Digitale Fotografie, Techniksoziologie, Hobbyfotografen, Bildarchivierung, Digitale Speicherung, Technikentwicklung, Fotoverhalten, Empirische Studie, Mediale Präsentation, Lebenswelt, Technologischer Habitus, Bildmanipulation, Analoge Fotografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Veränderungen, die durch die digitale Fotografie bei privaten Anwendern entstanden sind, und ordnet diese ethnologisch ein.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der technische Wandel, das veränderte Verhalten beim Fotografieren und die neuen Formen der Archivierung und Präsentation von Bildern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die alltagspraktische Verwendung der neuen Technologie empirisch aufzuzeigen und deren gesellschaftliche Auswirkungen zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine qualitative Methode angewandt, bestehend aus Leitfadeninterviews mit drei Amateurfotografen sowie einer teilnehmenden Beobachtung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in technische Grundlagen, eine techniksoziologische Einordnung sowie eine ausführliche Auswertung der Interviews zu den Themen Fotografierspontaneität, Archivierung und Bildmanipulation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Digitale Fotografie, Techniksoziologie, Hobbyfotografen, Bildarchivierung und technologischer Habitus.
Welche Rolle spielt das Display der Digitalkamera?
Das Display ermöglicht eine unmittelbare Kontrolle und Feedback-Schleife, die zu einem neuen Fotografierverhalten führt und die Kamera als kooperationsfähigen Akteur erscheinen lässt.
Wie verändern sich die Archivierungsgewohnheiten durch die Digitaltechnik?
Die Archivierung verschiebt sich vom physischen Fotoalbum hin zur digitalen Speicherung auf PCs oder Datenträgern, was neue Anforderungen an die Organisation und Langzeitsicherung stellt.
- Quote paper
- Jörn Schulz (Author), 2003, Digitale Fotografie - Fotografieren als soziale Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23090