Erfolgsfaktoren aus Leistungssport und Wirtschaft

Selbstwahrnehmungen von Erfolgsfaktoren bei Leistungssportlern und Führungskräften in der Wirtschaft


Bachelorarbeit, 2010

46 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Teil Einleitung
1.1. Grundidee der Arbeit
1.2. Fragestellung dieser Arbeit
1.3. Fragebogen - Datenerhebung

2.Teil – Erfolg und Erfolgsfaktoren
2.1. Erfolgsfaktoren
2.1.1. Motivation
2.1.2. Selbsteinschätzung
2.1.3. Zeitmanagement
2.1.4. Krisenmanagement
2.1.5. Initiative ergreifen
2.1.6. Organisation
2.1.7. Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden
2.1.8. Geduld
2.1.9. Kommunikation
2.1.10. Innere Einstellung
2.1.11. Zielorientierung
2.2. Zuordnung der Erfolgsfaktoren
2.3. Fragebogen

3. Teil - Fragebogen
3.1. Hintergrund zum Fragebogen
3.2. Ziel der Befragung
3.3. Datenerhebung - Ablauf
3.4. Stichproben
3.4.1. Gruppe der Leistungssportler
3.4.2. Gruppe der Führungskräfte

4. Teil Datenauswertung
4.1. Art der Fragebogenauswertung
4.2. Fragebogen Teil
4.3. Fragebogen Teil
4.4. Fragebogen Teil
4.5. Zusammenfassung der Ergebnisse der Datenanalyse

5. Teil - Fazit und Folgerungen

6. Literaturverzeichnis

1. Teil Einleitung

1.1. Grundidee der Arbeit

Sowohl im Sport, aber auch in der Wirtschaft, gibt es neben den rein fachlichen Leistungsvoraussetzungen wichtige Faktoren, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Wer sich sowohl im sportlichen Umfeld, als auch im wirtschaftlichen Bereich bewegt, liest Erfolg sehr häufig.

In Interviews oder Biografien von Persönlichkeiten aus dem Leistungssport, wie auch von Managern aus der Unternehmerwelt, hört man viel über persönliche Erfolgsfaktoren und Fähigkeiten, die über die rein fachlichen Leistungsfähigkeiten hinaus gehen.

Diese über die fachliche Qualifikation hinausgehenden Fähigkeiten sollen sowohl im Leistungssport, wie auch in der Wirtschaft gleich, oder zumindest ähnlich sein, behaupten einige Autoren und Coaches.

So schreibt beispielsweise Mario Porten über die Möglichkeiten von dem anderen Bereich etwas zu lernen in „Was Führungskräfte und Mitarbeiter vom Spitzensport lernen können – Impulse für persönliche und unternehmerische Bestleistungen“.[1] In diesem Buch schreiben 10 verschiedene Autoren, die sowohl aus dem Bereich des Leistungssports, als auch aus dem Bereich der Wirtschaft kommen, über Gemeinsamkeiten und Synergien zwischen der Welt des Leistungssports und der Wirtschaft. Der Leitfaden des Buches ist das Thema Erfolg. Im Sport geht es immer ganz klar ums Gewinnen, um den Erfolg bei sportlichen Wettkämpfen. Sehr ähnlich ist dies aber auch in der Wirtschaft bei Führungskräften. Auch hier geht es um Erfolg. Erfolg für und mit dem Team und den Mitarbeitern denen man vorgesetzt ist, aber auch um den ganz eigenen Erfolg. Denn nur das Erzielen von Erfolg motiviert die Mitarbeiter, genauso wie die Führungskraft selbst.

Daher stellen viele der Autoren dieses Buches gerade diesen Erfolg in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen.

Ein weiterer Hinweis für die These, dass Leistungssport und Wirtschaft viele gemeinsame Erfolgsfaktoren verlangen zeigt sich am Beispiel der I.T.A.F.S. GmbH – der internationalen Trainingsakademie für Führungskräfte und Spitzensportler[2]. Dieser Coaching- und Beratungsdienstleiter arbeitet nach folgendem Leitsatz: „Die Idee zur internationalen Trainingakademie für Führungskräfte und Spitzensportler basiert auf dem Grundgedanken, dass Führungskräfte und Spitzensportler viel gemeinsam haben. Der Vergleich zwischen Spitzensport und Wirtschaft ermöglicht nicht nur eine ganzheitliche Sicht auf die Thematik.

Denn sowohl im Management als auch im Spitzensport ist die maximale Ausschöpfung des Leistungspotenzials zur Erreichung von Höchstleistungen zwingend notwendig.“[3]

Hier werden also ebenfalls die Thesen aufgestellt, dass Führungskräfte und Spitzensportler viele gemeinsame Erfolgsfaktoren haben und sie jeweils voneinander lernen können.

Die Autoren des Buches von Mario Porten, aber auch die Coaches der I.T.A.F.S. GmbH, beschreiben, bzw. stellen Einzelbeispiele dar oder verallgemeinern Ideen. Interessant wäre meiner Ansicht nach in diesem Zusammenhang aber auch eine eher wissenschaftliche Betrachtungsweise und Analyse von Faktoren für Erfolg.

Dazu wäre zweifelsfrei eine intensive Untersuchung notwendig. Es müsste herausgefunden werden, welche Fähigkeiten, welche Faktoren Menschen wirklich erfolgreicher machen. Man müsste in diesem Zusammenhang wissenschaftlich valide untersuchen, ob Menschen, für die ein potentieller Erfolgsfaktor charakteristisch ist, auch wirklich erfolgreicher sind als solche, die diesen Erfolgsfaktor nicht haben.

1.2. Fragestellung dieser Arbeit

Um sich der These, dass sowohl Führungskräfte, sowie auch Spitzensportler, sehr ähnliche Leistungsvoraussetzungen außerhalb ihrer rein fachlichen Fähigkeiten haben, zu nähern, sollen innerhalb dieser Arbeit zunächst einmal potentielle Erfolgsfaktoren hinterfragt und definiert werden. Um im Anschluss einen ersten Eindruck zu erhalten, wie die Leistungssportler und Führungskräfte selbst ihre für den Erfolg notwendigen Faktoren einschätzen, wird dies innerhalb einer Meinungserhebung zu analysieren versucht.

Voraussetzung dazu ist zunächst einmal aufzuzeigen, welche Erfolgsfaktoren überhaupt von Belang sein könnten. Die Frage, ob diese Fähigkeiten wirklich Erfolgsfaktoren innerhalb der beiden Bereiche Sport und Wirtschaft sind, kann dadurch zwar nicht beantwortet werden. Dies kann fraglos auch eine Meinungserhebung nicht gewährleisten, aber sie kann zumindest Tendenzen aufzeigen. Eine empirische Betrachtungsweise einer realen Kausalität zwischen Erfolgsfaktoren und Erfolg müsste dann der nächste Schritt werden.

Der Anspruch dieser Arbeit soll also zunächst einmal sein, eine Liste potentieller Erfolgsfaktoren zusammenzufassen und diese durch eine Befragung der Untersuchungsgruppen bewerten zu lassen.

1.3. Fragebogen - Datenerhebung

Um eine erste Tendenz zu Erfolgsfaktoren für Führungskräfte und Leistungssportler zu erhalten, wird innerhalb des Fragebogens dieser Arbeit zunächst einmal bei den Gruppen nach der persönlichen Einschätzungen zu Erfolgsfaktoren gefragt.

Die Arbeit soll neben der Darstellung der potentiellen Erfolgsfaktoren, also den Fähigkeiten die für Menschen erfolgsversprechend seien könnten, vor allem herausfinden, ob diese Fähigkeiten zumindest nach der Selbsteinschätzung und Meinung der Personen hier Erfolgsfaktoren sein können. Die Meinungsbefragung soll eine subjektive Einschätzung der befragten Gruppe nach der Wichtigkeit verschiedener Fähigkeiten für deren persönlichen Erfolg hinterfragen.

Es wird sowohl eine Gruppe von Führungskräften, als auch eine Gruppe von Leistungssportlern nach ihren jeweiligen Einschätzungen nach der Wichtigkeit einzelner Erfolgsfaktoren gefragt.

In dieser Arbeit soll daher also zunächst einmal herausgefunden werden, ob Leistungssportler und Führungskräfte grundsätzlich gleiche Vorstellung von Erfolgsfaktoren haben.

2.Teil – Erfolg und Erfolgsfaktoren

Als Einleitung zu den dann folgenden Erfolgsfaktoren, soll hier zunächst einmal kurz die Geschichten von zwei Persönlichkeiten aus Sport und Wirtschaft dargestellt werden. Der Grund dafür ist, dass die Geschichten dieser beiden Personen, die aus unterschiedlichsten Bereichen kommen, für mich einer der Gründe gewesen sind, mich intensiver mit diesem Thema zu beschäftigen. Wie innerhalb der Meinungsbefragung noch zu sehen sein wird, lässt sich ein Bezug auf diese beiden Beispiele auch dort herstellen.

Die Personen die hier kurz dargestellt werden sollen, sind Lance Armstrong und Ernesto Bertarelli.

Lance Armstrong (*18. September 1971 in Plano, Texas USA) ist ein US-amerikanischer Profi-Radrennfahrer. Er gewann 1993 die Straßenweltmeisterschaft in Oslo mit nur 22 Jahren und ist damit der bisher jüngste Profi-Straßenweltmeister. In den Jahren von 1999 bis 2005 gewann er als erster Fahrer in der Tour-de-France-Geschichte die Rundfahrt siebenmal in Folge. Die bisherigen Rekordhalter Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Induráin hatten jeweils fünf Siege erzielt. Lance Armstrong zeichnete sich dadurch aus, dass er seine Saisonplanung immer strikt auf die Tour de France ausgerichtet hat.

Lance Armstrong, wuchs in der Nähe von Dallas im US Bundesstaat Texas auf und begann im Alter von 13 Jahren zunächst mit Triatlon. Mit 17 Jahren fuhr er schon in der Junioren Nationalmannschaft der USA.

1991 wurde Lance Armstrong als Amateur US-Amerikanischer Meister und bekam 1992 einen Profivertrag beim amerikanischen Profiteam Motorola.

Als Profi gewann er 1993 gleich bei seiner ersten Tour de France eine Etappe.

Er wird zu einem der besten Eintagesrennfahrer und gewinnt in den Jahren 1995 und 1996 eine Tour de France Etappe und mehrere Weltcuprennen, wie beispielsweise die Classica San Sebastian und den Fleche Wallone. Allerdings gilt er zu diesem Zeitpunkt nicht als Kandidat eine Rundfahrt oder gar die Tour de France zu gewinnen.

Am 02. Oktober 1996 wird bei Lance Armstrong Hodenkrebs diagnostiziert, der zu diesem Zeitpunkt auch schon Metastasen im Lymphsystem und im Gehirn gebildet hatte. Seine Ärzte gaben ihm zu diesem Zeitpunkt eine Überlebenschance von 3%.

Nach 2 Operationen und einer sehr schmerzhaften und sehr belastenden Chemotherapie überstand er die Krankheit und fuhr im Frühjahr 1998 wieder sein erstes Radrennen.

Im Herbst des gleichen Jahres wurde er vierter bei der Spanienrundfahrt und das als einstiger Klassikerspezialist.

1999 gewinnt er zum ersten Mal die Tour de France. Bis 2005 gewinnt er diese dann 7 Mal hintereinander und beendet damit seine Karriere vorerst.

Die Besonderheit seiner Karriere nach der Krebserkrankung war die, dass er im Gegensatz zu vielen anderen sich immer ganz speziell auf die Tour de France vorbereitet hat und alles in seiner Saisonplanung auf diesen Höhepunkt, auf dieses Ziel aufgebaut hat.

Die besondere Erfolgsgeschichte von Lance Armstrong ist sicherlich schon viel beschrieben worden. Ganz oft taucht hier die Besonderheit seiner Krebserkrankung auf und der daraus resultierende „eiserne Wille“. Auch tauchen immer wieder Dopingvorwürfe gegen Armstrong auf. Da ihm aber bis zum heutigen Zeitpunkt nie Doping nachgewiesen wurde, halte ich diese Anschuldigungen für nicht angemessen. Ich bin ganz klar der Meinung, dass auch Sportler rechtsstaatlich behandelt werden sollten und das heißt in diesem Fall, dass auch für Sportler die Unschuldsvermutung gelten muss. Ein Sportler darf erst dann als gedopt gelten, wenn man ihm dies bewiesen hat.

Aus meiner Sicht ist der absolut entscheidende Faktor, der schließlich zum Erfolg des Lance Armstrong geführt hat, die der klaren Zielfokussierung. Lance Armstrong hat es als erster überhaupt im Profiradsport geschafft sich ganz gezielt auf ein Ziel, auf seine Vision des Gewinnens der Tour de France, zu konzentrieren und nur dieses Ziel vor Augen zu haben. Diese absolute Ausrichtung auf sein Ziel ist das was Lance Armstrong so erfolgreich gemacht hat. Auch während seiner Krebserkrankung war es dieser absolute Wille seinen Weg weiter zu gehen, seine Ziele zu erreichen, die ihm geholfen haben, die Krankheit zu überleben.[4]

Viele vorher, so z.B. Miguel Indurain, haben ebenso schon versucht sich gezielt auf das Ziel Tour de France Sieg vorzubereiten, aber nie in dem Ausmaß wie dies Lance Armstrong getan hat. Er hat über 7 Jahre immer nur die Tour de France als sein persönliches Ziel angestrebt und dafür auch viele Rückschläge erdulden müssen. Diese Rückschläge meistern und sich nie aus der Bahn werfen lassen, egal was Kritiker und auch Kollegen sagen, war sein absoluter Erfolgsfaktor. Dieses absolute Fixieren und Fokussieren auf seine Ziele und seine Motivation immer weiter zu kämpfen hat ihm ganz sicher auch während seiner Krebserkrankung geholfen.

Lance Armstrongs Saison und Saisonvorbereitung sah i.d.R. so aus, dass er viele Rennen nutzte um sich vorzubereiten. Profirennen, die er in Topform alle hätte gewinnen können. Da er diese aber nur als Vorbereitung nutzte, weil er noch in der Trainingsphase war, konnte er gerade mit dem Hauptfeld mithalten. Für ihn war das zu Beginn einer Saison nicht wichtig. Er trainierte sehr viel und bereitete sich immer nur ganz gezielt auf das eine Ziel vor. Auch wenn das für ihn hieß, dass er am Anfang der Saison von Konkurrenten überholt wurde, die sonst viel schlechter waren als er. Die Motivation und die Kraft dies einfach zu akzeptieren und sich dennoch von seinem Weg hin zu dem einzigen wichtigen Ziel, nämlich der Tour de France, war bei ihm so groß, dass er sich durch solche Rückschläge nicht aus dem Konzept werfen ließ. Er akzeptierte dies, was für einen Sportler, der an sich immer gewinnen will, sehr schwer ist und ging weiter unbeirrt seinen Weg hin zu seinem Ziel.

Dies war sein ganz großer und entscheidender Vorteil allen Konkurrenten gegenüber. Er hatte ein so großes Zielbewusstsein und war so fokussiert und so zielorientiert, dass er dadurch eine so große Motivation mitbrachte die zu einer unheimlich professionellen Vorbereitung führte. Das war allein sein großer Vorteil allen anderen gegenüber, insbesondere auch einem seiner größten Konkurrenten, Jan Ullrich, dem eben gerade diese Zielfokussierung und daraus resultierende professionelle Einstellung fehlte. „Wenn Jan so arbeiten würde wie Armstrong, hätte der Ami keine Chance“,[5] sagte dessen Trainer und Betreuer über den Vergleich von Armstrong und Jan Ullrich. Die Motivation und die Zielfokussierung von Lance Armstrong lässt sich auch durch folgendes Zitat, das ihm zugerechnet wird, sehr gut darstellen: „Entweder mache ich etwas zu 150% oder ich schlafe!“

Dies ist aus meiner Sicht ganz klar das Besondere an Lance Armstrong. Seine absolute Zielorientierung und sein Motivation alles für den Erfolg, dem Erreichen seiner Ziele zu geben. Diese Zielorientierung und die Motivation alles für das eine Ziel zu geben ist sein Erfolgsfaktor.

Ein anderes Beispiel für erfolgreiche Menschen ist Ernesto Bertarelli (* 22. September 1965 in Rom). Als Unternehmer und Sportler ist er zudem sicher ein perfektes Beispiel für Erfolg in beiden Bereichen und damit der Kombination dieser beiden Bereiche. Bertarelli ist italienischer Herkunft und erhielt im Alter von 24 Jahren die Schweizer Staatsbürgerschaft. Er besuchte unter anderem das Babson College in Boston und die Harvard Business School, wo er seinen MBA erhielt. Er lebte bis November 2007 in Genf. Seitdem in Gstaad im Kanton Bern, Schweiz.

Ernesto Bertarelli ist ein italienisch-schweizerischer Unternehmer. Nach dem Tode seines Vaters erbte er dessen Unternehmen im Jahre 1998. Er war zusammen mit seiner Familie ehemaliger Mehrheitsaktionär, CEO und Präsident des Verwaltungsrates von Serono S.A., dem weltweit drittgrössten Biotech-Unternehmen, das seit Januar 2007 zur Merck KGaA gehört.

Innerhalb der ersten 7 Jahre nachdem er den Konzern übernommen hatte, erhöhte sich der Umsatz von $ 890 Mill. auf $ 2,02 Milliarden und den Gewinn von $ 50 Mill. auf $ 390 Millionen.

Segelbegeistert seit seiner frühesten Kindheit, hat Bertarelli an manchen Wettkämpfen sowohl auf hoher See als auch beispielsweise auf dem Genfer See teilgenommen. Er wuchs mit dem Traum auf, am America’s Cup teilzunehmen und diesen zu gewinnen.

Dieses Ziel verfolgte er genauso intensiv und fokussiert wie seine beruflichen Ziele. Am 2. März 2003 gewann das Team Alinghi in Auckland zum ersten Mal mit einem 5:0-Sieg im 31. America`s Cup gegen Team New Zealand. Der America`s Cup kehrte damit erstmals seit dem allerersten Rennen 1851 nach Europa zurück. Bertarelli nutzt Erfolgsfaktoren, Grundsätze und Maxime aus dem Bereich des Sports auch im Unternehmen.

Bertarellis Strategien zur Festigung einer Führungsposition stimmen für den Segelsport und die Führung eines Unternehmens bezüglich der Faktoren Geschwindigkeit und Anwendung modernster Technologien überein. „Wenn Sie mein Boot sehen, werden Sie meinen Führungsstil verstehen“, sagt Bertarelli.

Er ist also wie auch Lance Armstrong eine Person, die zielorientiert und fokussiert auf die gesetzten Ziele bisher sehr erfolgreich gewesen ist.

Diese beiden Beispiele sind sicher Einzelfälle, aus denen sich natürlich keine allgemeingültigen Aussagen treffen lassen. Die Fähigkeiten dieser beiden Personen lassen aber zumindest eine These entstehen, nämlich die, dass Menschen unabhängig von ihren fachlichen Fähigkeiten auch allgemeingültige Charakteristika aufweisen, die sie erfolgreich machen.

Zielorientierung und Fokussierung sind hier sicher als einer der klassischen potentiellen Erfolgsfaktoren zu nennen.

2.1. Erfolgsfaktoren

Um sich im Rahmen der Arbeit um die Wichtigkeit verschiedener für die beiden Gruppen relevanter Erfolgsfaktoren widmen zu können, muss man zunächst diese herausarbeiten und beschreiben.

Sowohl im Sport als auch in der Wirtschaft, gibt es neben den rein fachlichen Leistungsvoraussetzungen wichtige Faktoren, die zwischen Erfolg und Misserfolg entscheiden.

Als Erfolgsfaktoren sind sicher eine Unmenge an verschiedenen Fähigkeiten und Fertigkeiten auszumachen, die hier in Frage kommen können.

Aus den verschiedensten Faktoren, die hier in Frage kommen, ergibt sich im Folgenden eine Liste, die unter 2.1.1. – 2.1.11. im Detail beschrieben und erläutert werden wird. Grundlage dieser Liste ist die Veröffentlichung von Alfred J. Kremer.

In der Veröffentlichung „Unternehmenstelemetrie“ vom Alfred J. Kremer[6] werden zehn Faktoren für den Erfolg aufgeführt. Gemeinsam mit Führungskräften, Coaches und Sportlern hat der Autor diese zehn Faktoren die seiner Meinung nach Siegertypen ausmachen, herausgefiltert.

Diese sollen als Grundlage für die anschließende Befragung als potentielle Erfolgsfaktoren dienen, ergänzt durch Kommunikation als weiteren wichtigen Faktor. Kommunikation gehört laut Voigt zu den 4 Erfolgsfaktoren jedes Unternehmens[7] und ist daher meiner Meinung nach auch eine wichtige Fähigkeit jeder erfolgreichen Führungskraft innerhalb des Unternehmens. Die sich so ergebenden 11 Fähigkeiten und Charaktereigenschaften (Motivation, Selbsteinschätzung, Zeitmanagement, Krisenmanagement, Initiative ergreifen, Organisation, Wichtiges von Unwichtigen unterscheiden, Geduld, Zielorientierung, Innere Einstellung und Kommunikation) sind damit als eine Art Auswahl an möglichen Erfolgsfaktoren zu sehen. Die Reihenfolge der einzelnen Erfolgsfaktoren ist rein zufällig gewählt und impliziert weder eine Wertung noch eine Rangfolge.

Der in dieser Arbeit an 11. Stelle beschriebene Erfolgsfaktor Zielorientierung fällt aus dieser Auflistung allerdings etwas heraus. Bei der genauen Recherche, aber auch bei der Beleuchtung der einführenden Beispiele von Lance Armstrong und Ernesto Bertarelli, kann man feststellen, dass Zielorientierung und Zielfixierung eine herausragende Stellung innerhalb der Liste der Erfolgsfaktoren zu haben scheint. Daraus ergab sich für mich die Fragestellung, ob Zielorientierung und zielorientiertes Arbeiten für Führungskräfte und für Leistungssportler eine besondere Bedeutung hat.

Im zweiten Teil des Fragebogens wird nach dieser Fähigkeit daher expliziter gefragt.

Im Folgenden sollen aber zunächst die 11 Erfolgsfaktoren, die sich aus der Literaturrecherche ergeben haben, kurz beschrieben und charakterisiert werden.

2.1.1. Motivation

Motivation wird grundsätzlich immer als wichtige Fähigkeit um erfolgreich zu sein angesehen. Interessant ist meiner Meinung nach aber zunächst sich kurz mit der Bedeutung des Begriffs Motivation und seiner Definition zu beschäftigen.

Der Begriff Motivation kommt vom lateinischen motus, was Bewegung bedeutet. „Motivation kann mit jeder Energie gleichgesetzt werden, die eine Person zur Verfügung hat, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.“[8]

Dieses Ziel kann sehr unterschiedlich sein. Bei der Betrachtung von Leistungssport und Wirtschaft könnte das für einen Sportler ein Saisonhöhepunkt (z.B. die Tour de France für Lance Armstrong) oder für eine Führungskraft ein wichtiges Meeting, oder ein wichtiger Vertragsabschluss sein.

In beiden Fällen ist Motivation Vorraussetzung für den Erfolg beim Wettkampf, oder um bei einem wichtigen Meeting optimal vorbereitet agieren zu können.

Wörz und Theiner beschreiben die Motivation eine besondere Leistung zu bringen so: „Die Energie (Motivation), die für ein bestimmtes Verhalten benötigt wird um ein gestecktes Ziel zu erreichen, wird angetrieben durch den Motor (Beweggrund). Dieser Motor wiederum wird entzündet durch ein Defizit.“[9]

Ausgangspunkt für das Erreichen einer Handlung, bzw. eines Erfolgs ist zunächst, dass die Fähigkeiten und Fertigkeiten, das Können verfügbar sein müssen und in einer Situation sich die Möglichkeit bieten muss, die entsprechende Verhaltensweise auch anzuwenden.

Mit dem Können alleine ist es allerdings nicht getan, auch wenn die notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten für ein erfolgreiches Handeln gegeben sind. Die Person muss bereit sein, ihre Fähigkeit auch einzusetzen. Die Prozesse, in denen diese Bereitschaft aktualisiert wird, werden unter dem Begriff Motivation zusammengefasst.[10]

Z.B. leidet ein Sportler unter dem Mangel an Anerkennung, weil ihm in seiner Disziplin der Erfolg fehlt. Der Motor, das Motiv „Hunger nach Erfolg“ wird somit entzündet und ermöglicht ein bestimmtes Verhalten, beispielsweise Training. Auf diesem Weg besteht bei optimalem Training die Möglichkeit, das Ziel Anerkennung zu erreichen.

Folgende Faktoren wirken sich auf das Energieniveau aus:

- Persönlichkeit
- Attraktivität des Ziels
- Erfolgserwartung

Die Persönlichkeit ist dabei die am wenigsten, bzw. gar nicht veränderbare Größe. Der Drang Leistung zu bringen ist angeboren.

Die Attraktivität des Ziels und die Erfolgserwartung hängen von der jeweiligen Situation ab.

„Gute Motivation von Führungskräften und Mitarbeitern kann Unternehmen zum Blühen bringen, schlechte Motivation kann es ruinieren“[11] schreibt Voigt.

Es reicht allerdings nicht aus motiviert zu sein. Die notwendigen Fähigkeiten müssen grundsätzlich auch gegeben sein. Wenn nur Motivation notwendig wäre, könnte eine Amateurmannschaft, die gegen eine Profimannschaft antritt, diese jederzeit schlagen. Dies passiert i.d.R allerdings sehr selten.

Das die hohe Motivation einer Mannschaft genauso wie auch eines Teams in einem Unternehmen dieses so weit nach vorne bringen kann, dass sie eine von ihren Fähigkeiten her bessere Mannschaft schlagen können, zeigt sich allerdings beispielsweise im Fußball doch mitunter. Beispielsweise kommt es nicht häufig, aber dennoch regelmäßig in DFB-Pokalspielen vor, dass die vermeidlich schwächere Mannschaften die hoch favorisierten Profiteams schlagen. Dies kann sicherlich durch eine erheblich höhere Motivation der vermeidlich schwächeren Mannschaft erklärt werden.

Eggert fasst Motivation aus phychologischer Sicht wie folgt zusammen:

„Motivation bezeichnet die in einer Handlung zum Ausdruck kommende hypothetischen aktivierenden und richtungsgebende Vorgänge, die das individuelle Verhalten auf ein Ziel hin bestimmen und regulieren.“[12]

Motivation ist damit alles, was eine Person dazu bewegt, zu agieren oder zu handeln. Um Erfolg zu haben ist genau das entscheidend. Erfolgreiche Menschen sind diejenigen, die etwas bewegen, die handeln während andere nicht handeln, oder sich nicht engagieren.

Dies ist klar ein Faktor, der unabhängig von dem Bewegungsbereich einer Person, dazu beiträgt, ob diese Person erfolgreich ist. Motivation ist also klar ein Erfolgsfaktor.

2.1.2. Selbsteinschätzung

Für Erfolg ist wichtig seine Fähigkeiten zu kennen und richtig einzuschätzen. Nur wer seine Fähigkeiten kennt, kann sie auch richtig nutzen. Entscheidend ist aber nicht, dass Menschen zu sehr von ihren Fähigkeiten überzeugt sind, sondern sie ihre Fähigkeiten realistisch beurteilen können.

Fragt man eine Person nach ihren Tätigkeitsvorlieben, Bedürfnissen und bevorzugten Zielen, so erhält man Daten zu dem motivationalen Selbstbild dieser Person (self attributed notices).

Solche Selbsteinschätzungen sind nach McClelled[13] kognitive Schemata, die bevorzugt dann aktiviert werden, wenn soziale Erwartungen wichtige Konsequenzen oder situative Vorgaben refexive Handlungsentscheidungen statt spontaner Tätigkeitsaufnahmen begünstigt.

Menschen versuchen dann in Übereinstimmung mit ihrem Selbstbild zu handeln.

Die Frage nach Selbsteinschätzung als Erfolgsfaktor im Zusammenhang mit Selbstwahrnehmung impliziert aber vor allen die Frage nach der Wahrnehmung der eigenen Person, des eigenen Selbst.

Die Wahrnehmung des eigenen Selbst verläuft grundsätzlich nach den gleichen Prinzipien wie die Wahrnehmung von anderen Personen. Es wird von verschiedenen Merkmalen, das können Körpermerkmale genauso sein wie Ausdrucksverhalten, auf die Persönlichkeits-merkmale einer Person geschlossen.

Der Unterschied zwischen der Personenwahrnehmung und der Wahrnehmung des eigenen Selbst, also der Selbsteinschätzung, besteht dann darin, dass der Wahrnehmende zusätzlich Kenntnis über die eigenen Körperprozesse, die eigenen positiven und negativen Verhaltensweisen, besitzt.

Die Selbstwahrnehmung und damit auch in Konsequenz die Selbsteinschätzung, unterliegt daher meist selbstwertschmeichelnden Verzerrungen. D.h. Menschen mit eher hohem Selbstwertgefühl bewerten sich meist positiver als dies Außenstehende tun würden. Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl tendieren dazu, ihre Leistungen und ihre Fähigkeiten als negativer zu empfinden als dies objektiv betrachtende Personen täten.[14]

Personen die sich selbst aber neutral und realistisch einschätzen und wahrnehmen, können besser beurteilen welche Fähigkeiten sie besitzen und welche Handlungen sie erfolgreich absolvieren können. Dies macht sie in dem Handeln, dass sie daraus folgend begehen, erfolgreicher als Menschen mit nicht realistischer Selbsteinschätzung. Daher ist die Frage nach der Selbsteinschätzung auch eine Frage nach einem Erfolgsfaktor.

[...]


[1] Porten, Mario 2006

[2] I.T.A.F.S. GmbH unter www.itasf.de

[3] Unternehmensphilosophie der I.T.A.S.F. GmbH

[4] nach Lance Armstrong – Tour des Lebens 2000

[5] Rudi Altig über Jan Ullrich und Lance Armstrong 2002

[6] Kremer, Alfred J. 2006

[7] Voigt, Jörn F. 1988

[8] Birkenbihl, Vera F. 1996

[9] Wörz, Thomas und Theiner, Egon 2001

[10] nach Lexikon der Psychologie 2001

[11] Voigt, Jörn F. 1988

[12] Backer-Carus, Christian 1999 in Psychologie Lexikon

[13] Mc Cellend, D.C. 1999

[14] nach Weibel, E.M. 1994 in Lexikon der Psychologie

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Erfolgsfaktoren aus Leistungssport und Wirtschaft
Untertitel
Selbstwahrnehmungen von Erfolgsfaktoren bei Leistungssportlern und Führungskräften in der Wirtschaft
Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
46
Katalognummer
V230944
ISBN (eBook)
9783656482505
ISBN (Buch)
9783656482574
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erfolgsfaktoren, leistungssport, wirtschaft, selbstwahrnehmungen, leistungssportlern, führungskräften
Arbeit zitieren
Christian Kache (Autor), 2010, Erfolgsfaktoren aus Leistungssport und Wirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230944

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Erfolgsfaktoren aus Leistungssport und Wirtschaft



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden