Die 1970er Jahre waren wie kein anderes Jahrzehnt der Nachkriegszeit von einem innereuropäischen Terrorismus geprägt. In dieser Arbeit werden die bekanntesten Terrorvereinigungen aus Deutschland und Italien an den drei Merkmalen Ideologie, Internationalisierung und Staatsreaktion verglichen. Dabei werden zudem die jeweiligen Rahmenbedingungen in den Ländern erläutert und Parallelen sowie Unterschiede bei der Entstehung von RAF und Roten Brigaden aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungs- und Literaturüberblick
2. Gesellschaftsverhältnisse und Ideologie
2.1 Gesellschaft und Politiklandschaft in Italien
2.2 Die Ideologie der Roten Brigaden
2.3 Gesellschaft und Politiklandschaft in der BRD
2.4 Die Ideologie der Roten Armee Fraktion
2.5 Gemeinsamkeiten/Unterschiede zwischen den Ländern und Gruppierungen
3. Internationalisierung und Kooperation des Terrorismus
3.1 Anteil beider Gruppen am internationalen Terrorismus
3.2 Kooperation zwischen den beiden Gruppierungen
4. Die Reaktionen der Staaten auf den Terrorismus
4.1 Die Reaktion der Bundesrepublik Deutschland
4.2 Die Reaktion der italienischen Republik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die terroristischen Gruppierungen Rote Armee Fraktion (RAF) in der Bundesrepublik Deutschland und die Roten Brigaden (Brigate Rosse) in Italien vergleichend zu untersuchen. Im Zentrum steht dabei die Analyse, inwieweit unterschiedliche gesellschaftliche Nährböden, historische Kontexte und ideologische Ausrichtungen die Entstehung und Entwicklung dieser Gruppen beeinflussten und wie die jeweiligen Staaten auf die terroristische Bedrohung reagierten.
- Vergleich der Ideologien und der sozialen Hintergründe beider Gruppierungen.
- Einfluss des historischen Kontexts der Nachkriegszeit und faschistischer Altlasten.
- Untersuchung der Internationalisierung und möglicher Kooperationen zwischen RAF und den Roten Brigaden.
- Analyse der staatlichen Reaktionen, insbesondere des Spannungsfeldes zwischen Sicherheit und Bürgerrechten.
Auszug aus dem Buch
2.1 Gesellschaft und Politiklandschaft in Italien
Die Grundstruktur der Gesellschaft in Italien ist gekennzeichnet durch einen ausgeprägten Katholizismus und spezifischen Familiarismus, allerdings sind nützliche Daten zur Sozialstruktur selten, da erst seit knapp 30 Jahren seriöse Statistiken erhoben werden. „Die sechziger und siebziger Jahre waren in allen kapitalistischen Ländern eine Zeit[...] des Wandels lang eingeübter Beziehungs-, Familienbildungs- und Reproduktionsmuster.“ Umso gravierender muss die Aufweichung traditionsreicher Verhaltensnormen auf ein Land mit einem intensiven mediterranen Familiarismus gewirkt haben, und wahrscheinlich war ein intensiver Generationenkonflikt die Folge.
Eine der wenigen belegbaren Elemente der italienischen Sozialstruktur ist, dass der Anteil der Unterschichten im Gegensatz zu den meisten europäischen Gesellschaften in den Nachkriegsjahrzenten zu Lasten der Mittelschichten wuchs (1971 gehörten in Italien 47,1 % der Unterschicht an, in Norditalien sogar 51%). Der hohe Anteil der Unterschichten begründet wahrscheinlich die Tradition von Querelen zwischen der Arbeiterklasse und den „Marginalisierten“ in Italien in Form von Politischen- und Arbeitskonflikten.
Ein weiteres prägnantes Merkmal für die italienische Gesellschaft ist die massenhafte Abwanderung der Einwohner. Seit der Nationalstaatsgründung von 1871 bis 1973 verließen etwa 26 Mio. Menschen das Land. Möglicherweise ist dies bezeichnend für ein Land, in dem sich die Menschen überwiegend in einer krisenhaften Situation befanden und somit von stetigem Umbruch und Aufruhr bedroht fühlten. Die Reaktion auf solch eine Instabilität könnte die politische Radikalisierung sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Transformationsprozesse in den 1970er Jahren und die Fragestellung zur vergleichenden Analyse von RAF und Roten Brigaden.
2. Gesellschaftsverhältnisse und Ideologie: Untersuchung der soziopolitischen Rahmenbedingungen in Italien und der BRD sowie der ideologischen Grundlagen beider Terrororganisationen.
3. Internationalisierung und Kooperation des Terrorismus: Analyse des Einflusses internationaler Ereignisse und der umstrittenen Frage nach der Zusammenarbeit zwischen den beiden Gruppierungen.
4. Die Reaktionen der Staaten auf den Terrorismus: Darstellung und Vergleich der staatlichen Gegenmaßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland und der italienischen Republik.
5. Fazit: Zusammenfassende Gegenüberstellung der Ergebnisse hinsichtlich der Ursachen, der Ideologien und des Umgangs der Staaten mit der terroristischen Bedrohung.
Schlüsselwörter
Rote Armee Fraktion, RAF, Rote Brigaden, Brigate Rosse, Linksterrorismus, Ideologie, Staatliche Reaktion, 1970er Jahre, Gesellschaftswandel, Internationalisierung, BRD, Italien, Anti-Terrorismus-Politik, Generationenkonflikt, Klassenkampf.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht vergleichend die terroristischen Organisationen RAF in Deutschland und die Roten Brigaden in Italien im Kontext der 1970er Jahre.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die jeweilige Ideologie der Gruppen, ihre Entstehung auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Nährböden sowie die staatlichen Reaktionen darauf.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, wie Ideologien und historische Kontexte zur Radikalisierung führten und wie die Staaten mit der neuen Herausforderung des Terrorismus umgingen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende historische und politikwissenschaftliche Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung der Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen der Gesellschaftsverhältnisse, die Rolle des internationalen Terrorismus und die staatlichen Gegenmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind RAF, Rote Brigaden, Linksterrorismus, Ideologie und Anti-Terrorismus-Politik.
Wie unterscheidet sich die Ideologie der RAF von der der Roten Brigaden?
Während die Roten Brigaden stärker an einem theoretischen Denkmodell festhielten, nutzte die RAF Ideologiefragmente eher situativ zur Rechtfertigung ihrer Taten.
Gab es eine produktive Kooperation zwischen den Gruppen?
Die Forschungslage ist hier kontrovers; einige Quellen belegen Kontakte und Waffenlieferungen, während andere Historiker von feindlicher Konkurrenz sprechen.
Wie reagierten die Staaten unterschiedlich auf den Terror?
Die BRD setzte teils präventiv, teils repressiv auf staatliche Stärke, während Italien häufiger auf Attentate mit ad-hoc Gesetzen reagierte.
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- Daniel Kubitscheck (Author), 2011, Vergleich von RAF und Roten Brigaden hinsichtlich der Ideologien, Internationalisierung und Staatsreaktionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230966