Caesar als Schriftsteller

Seine Ziele und Absichten am Beispiel der Commentarii de Bello Gallico


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
24 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Caesars Schriften

3. Die Commentarii de Bello Gallico
3.1 Merkmale der Commentarii de Bello Gallico
3.2 Die Textsorte commentarius
3.3 Inhaltsübersicht
3.4 Ziele und Absichten Caesars
3.5 Die Abfassungszeit und Veröffentlichung
3.6 Historische Glaubwürdigkeit

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gaius Julius Caesar ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Geschichte. Seine zahlreichen militärischen Erfolge, das Ende der römischen Republik sowie die darauf folgende Umwandlung des Reiches in ein Kaisertum und nicht zuletzt sein gewaltsamer Tod gehören zum historischen Allgemeinwissen. Weniger bekannt sind dagegen Caesars schriftstellerische Aktivitäten. Da diese jedoch ebenfalls sehr interessant sind und zahlreiche Informationen über den Staatsmann und militärischen Befehlshaber Caesar preisgeben, lohnt sich eine Auseinandersetzung mit dessen literarischen Werken.

Caesar verfolgte mit dem Verfassen und Veröffentlichen von Texten bestimmte Ziele und Absichten. Diese werden hier am Beispiel seiner Commentarii de Bello Gallico eingehend analysiert und dargestellt.

Dafür erfolgt zunächst eine Übersicht über Caesars literarische Werke und anschließend die genauere Betrachtung der Commentarii de Bello Gallico. Dafür werden die besonderen Merkmale des Werkes dargestellt und anschließend die Textsorte commentarius erläutert. Eine überblicksartige Darstellung des Inhalts leitet zu der konkreten Auseinandersetzung mit den Commentarii de Bello Gallico über.

Den Ziele und Absichten, die Caesar mit dem Commentarii verfolgte, widmet sich ein umfangreiches Kapitel. Dafür werden die zahlreichen Ergebnissee der Forschung zusammengefasst, erweitert und in einer schlüssigen Darstellung erstmals systematisiert.

Da die Bewertung einiger Absichten Caesars vom Veröffentlichungszeitraum seiner Bücher abhängig ist, folgen Überlegungen über die mögliche Abfassungszeit des Werkes.

Ebenso interessant wie umstritten ist die historische Glaubwürdigkeit der Commentarii. Daher widmet sich ein weiteres Kapitel der Erörterung dieses Themas. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse schließt die Darstellung der Ziele und Absichten, die Caesar mit seinen Commentarii de Bello Gallico verfolgte, ab.

2. Caesars Schriften

Gaius Julius Caesar ist bekannt für seine militärischen Erfolge und die Zerstörung der römischen Republik. Darüber hinaus war er jedoch auch Autor zahlreicher Schriften. Die bekanntesten literarischen Werke Caesars sind die Commentarii de Bello Gallico und die Commentarii de Bello Civili. Allerdings verfasste er noch weitere Texte, die hier kurz dargestellt werden.

Die meisten Schriften Caesars wurden nicht oder nur teilweise überliefert, daher sind sie zu großen Teilen lediglich durch Erwähnungen anderer Autoren bekannt. So bezieht sich zum Beispiel Cicero in seinen Briefen wiederholt auf Werke Caesars. Auch die Biografen Plutarch und Sueton liefern Informationen über die literarische Aktivität des römischen Staatsmannes. Zudem können in den Historien von Appian und Cassius Dio sowie des zeitgenössischen Asinius Pollio Informationen zu Caesars literarischen Texten gefunden werden.[1]

So ist zu erfahren, dass Reden, die seine rhetorische Gewandtheit belegen, ein wichtiger Bestandteil des Werkes Caesars sind. Am bekanntesten ist dabei die Grabrede Laudatio Juliae amitae auf seine Tante Julia. Daneben existieren weitere Reden, bei denen jedoch teilweise nicht eindeutig belegt werden kann, ob sie tatsächlich Caesar zuzuordnen sind:

- Orationes in Cn. Cornelium Dolabellam
- Suasio Legis Plautiae
- Ad milites in Africa
- Apud milites de commodis eorum
- Pro Bithynis

Neben diesen fragmentarisch erhaltenen Reden verfasste Caesar auch umfangreichere Texte wie das Cicero gewidmete, jedoch nicht erhaltene sprachphilosophische Werk de analogia und die Schmähung Anticatones gegen seinen politischen Gegner Cato nach dessen Selbstmord.[2]

Darüber hinaus schrieb Caesar seit seiner Jugend zahlreiche Gedichte, wie das Reisegedicht iter, und die Tragödie Ödipus. Diese Werke wurden allerdings größtenteils vernichtet. Vermutlich geschah dies auf Befehl Octavians, der das Andenken Caesars besonders durch stilistisch weniger anspruchsvolle Liebesgedichte gefährdet sah. Neben den Reden, den Commentarii und der umfangreicheren Bücher ist bekannt, dass Caesar aufgrund einer umfangreichen Korrespondenz eine große Anzahl Briefe verfasste, von denen Cicero wiederholt berichtet.[3]

Trotz dieser zahlreichen weiteren Schriften bilden die Commentarii de Bello Gallico und die Commentarii de Bello Civili den wichtigsten Teil des literarischen Schaffens Caesars. Daher werden sie zum sogenannten corpus caesareanum zusammengefasst. Dazu zählen, obwohl sie nicht von Caesar, sondern von seinen Anhängern, wie dem General Hirtius, verfasst wurden sind, zudem die Bücher De Bello Alexandrino, De Bello Africo, De bello Hispaniensi.[4]

Gaius Julius Caesar besaß also ein großes schriftstellerisches Talent und hinterließ ein bedeutendes literarisches Werk. Er war „nicht zuletzt ein Redner und Schriftsteller von Rang.“[5]

3. Die Commentarii de Bello Gallico

3.1 Merkmale der Commentarii de Bello Gallico

Noch heute stellen die Commentarii de Bello Gallico eine der wichtigsten lateinischen Schriften dar und gehören zum Weltkanon der Literatur. Hier soll dargestellt werden, welche Merkmale dieses Werk Caesars aufweist, das Mommsen als „Schrift ersten Ranges.“[6] beschreibt. Zugleich wird damit deutlich, mit welchen literarischen Mittel Caesar seine Ziele und Absichten durchzusetzen versuchte.

Die Commentarii de Bello Gallico behandeln Caesars Zeit in Gallien von 58- 52 vor Christus. In sieben Büchern, für jedes Jahr eins, beschreibt der Proconsul seine Erlebnisse und kriegerischen Aktionen. Neben militärischen oder politischen Beschreibungen fügt er zudem auch heute noch interessante Exkurse zu den Lebensgewohnheiten und den Kulturen der in Gallien ansässigen Völker ein. Nach Caesars Tod schrieb sein Vertrauter Aulus Hirtius ein achtes Buch, das von den Ereignissen bis zum Bürgerkrieg berichtet.

Eines der wesentlichen Merkmale von Caesars Schrift stellt die „einfache und durchsichtige Sprache“[7] dar. Der Feldherr benutzt lediglich 1300 verschiedene Wörter, abgesehen von technischen Fachtermini. Dabei gelingt Caesar eine Literarizität, die Mommsen zu folgenden Beschreibungen veranlasst:

„Die Commentarii de Bello Gallico sind meisterlich und vollendet, die Darstellung immer knapp aber nie karg, immer schlicht aber nie nachlässig, immer von durchsichtiger Lebendigkeit und nie gespannt oder manieriert, dabei frei von Archaismen und Vulgarismen. Daher sei über die Schrift vom gallischen Krieg „eine helle Heiterkeit, eine einfache Anmut ausgegossen, welche nicht minder einzig in der Literatur dastehen wie Caesar in der Geschichte.“[8]

Unabhängig davon, ob man diese emphatische Begeisterung teilt, muss festgestellt werden, dass Caesars Werk tatsächlich einzigartig in der Literaturgeschichte ist. Aufgrund seiner einfachen und klaren Sprache ist es heute meist die erste Lektüre, der man bei dem Erlernen der lateinischen Sprache begegnet. Interessant ist zudem, dass auch Cicero, als einer der fähigsten Rhetoriker der Geschichte, von den Commentarii beeindruckt war. Obwohl er eigentlich einen anderen Stil bevorzugte, bezeichnete er Caesars Schrift als „schmucklos, geradeheraus und anmutig.“[9]

Dass Caesar diese einfache und klare Sprache ganz bewusst und nicht etwa aus einem Mangel an rhetorischen Fähigkeiten verwendete, wird offensichtlich, wenn man seine überlieferten Reden betrachtet. Hier wird deutlich, dass Caesar bei der Verwendung einer komplexen und kunstvollen Sprache ebenfalls hochbegabt war.[10]

Ein weiteres wesentliches Merkmal der C ommentarii besteht darin, dass sie vollständig in der dritten Person Singular geschrieben sind. Caesar spricht also nie in der ersten Person von sich, sondern beschreibt alle Ereignisse wie ein neutraler Beobachter. Er erweckt dadurch den Anschein vollständiger Objektivität. Dadurch wird einerseits der Wahrheitsanspruch erhöht, andererseits kann sich Caesar aus scheinbar neutraler Position umso mehr erhöhen. Caesar erscheint daher stets souverän, umsichtig, als guter Organisator, ist vorsichtig und gegen alles gewappnet und weiß stets Rat.[11] Falls dennoch Fehler passieren oder Unternehmungen misslingen, liegt die Schuld daran bei Caesars Offizieren.

Die Commentarii de Bello Gallico weisen also schriftstellerische Merkmale auf, die sie einzigartig in der Literaturgeschichte machen. Dass Caesar mit dem Verfassen des Werkes jedoch nicht nur das Ziel verfolgt, einen bedeutenden literarischen Text zu schreiben, sondern weit mehr Absichten damit verbindet, wird in den folgenden Kapiteln erläutert.

3.2 Die Textsorte commentarius

In der römischen Literatur gibt es mehrere Möglichkeiten einen Text zu verfassen. Die Wahl der Textsorte sagt dabei bereits viel über den Inhalt und die mit der Schrift intendierten Aussage aus. Caesars Wahl des commentarius erlaubt also schon einen Ausblick auf seine Ziele. Die folgende Erläuterung dieser Textsorte hilft daher beim Erkennen von Caesars Absichten.

Betrachtet man die Textsorte commentarius so fällt auf, dass verschiedene Deutungen möglich sind. Da Caesar vom gallischen Krieg berichtet, liegt die Annahme nahe, dass es sich dabei um einen Feldzugsbericht handelt. So schreibt Christian Meier, dass die Commentarii in der Tradition von Feldherrnberichten geschrieben sind, sich zugleich aber durch einen besonderen schriftstellerischen Stil auszeichnen, der höchsten literarischen Ansprüchen genügte.[12] Gerold Walser hingegen definiert die Commentarii als Berichte, in denen ein Feldherr und Beamter persönliche Notizen vermerkt.[13] Theodor Mommsen wiederum sieht in Caesars Texten eine Form der Geschichtsschreibung. Sie stellen demnach aber kein offizielles historisches Werk dar, da das Werk nicht aus der Sicht eines Historikers sondern eines Beamten verfasst worden sei.[14] Allen widersprechend argumentiert Ulrich Knoche, dass die Dienstberichte eines Feldherrn oder Beamten an den Senat als epistulae oder litterae bezeichnet wurden.[15] Ebenso unzutreffend ist demnach die Annahme, dass es sich bei Caesars Werk um eine Historie handelt, denn diese hätte den entsprechenden Titel historiae.[16] Daher erweisen sich ebenfalls die Auffassungen als falsch, die in den Commentarii lediglich vorläufige, unfertige Notizen für ein potentielles Geschichtswerk sehen. Ein Beispiel für die Vertreter dieser Lesart stellte Cicero dar.[17]

[...]


[1] Vgl. Gesche (1976), 3ff

[2] Vgl. Knoche (1967), 233ff

[3] Vgl. Gesche (1976), 3

[4] Vgl. Adcock (1955), 70ff

[5] Rasmussen (1967), VI

[6] Mommsen (1856), 119

[7] Walser (1998), 9

[8] Mommsen (1856), 119f

[9] Meier (1988), 310

[10] Vgl. Knoche (1967), 227

[11] Vgl. Meier (1988), 316

[12] Vgl. Meier (1988), 309

[13] Vgl. Walser (1998), 9

[14] Vgl. Mommsen (1856), 119

[15] Vgl. Knoche (1967), 224

[16] Ebd., 227

[17] Vgl. Gesche (1976), 71; Vgl. Knoche (1967), 226

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Caesar als Schriftsteller
Untertitel
Seine Ziele und Absichten am Beispiel der Commentarii de Bello Gallico
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Alte Geschichte: Caesar und das Ende der römischen Republik
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V230993
ISBN (eBook)
9783656469858
ISBN (Buch)
9783656470434
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
caesar, schriftsteller, seine, ziele, absichten, beispiel, commentarii, bello, gallico, gaius, julius, rom, römisch, republi, ende, schriften, textsorte, historisch, alter, altertum, antike, glaubwürdigkeit, veröffentlichung, abfassung, zeit, ziel, republik, geschichte
Arbeit zitieren
Sebastian Silkatz (Autor), 2011, Caesar als Schriftsteller, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/230993

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