Die Bedeutung von Charles de Gaulle und Philippe Pétain für den Verlauf des Zweiten Weltkrieges


Essay, 2013

14 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Frankreich vor dem Zweiten Weltkrieg mit Blick auf den Beziehungen zu Deutschland

3. Die Besetzung Frankreichs während des Zweiten Weltkrieges
3.1 Charles de Gaulle
3.2 Philippe Pétain

4. Die Bedeutung der beiden Akteure für den weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis
6.1 Quellen
6.2 Literatur
6.3 Internetquellen

1. Einleitung

Als das Deutsche Reich innerhalb von 70 Jahren zum dritten Mal mit Frankreich Krieg geführt hatte, lief alles anders als erwartet. 1870/1871 dauerte der Krieg weniger als ein Jahr, ehe Frankreich besiegt war, 1914 als der Erste Weltkrieg ausgebrochen ist, dauerte der Krieg zwischen Deutschland und Frankreich vier lange und verlustreiche Jahre. Nachdem Deutschland der Zorn der Sieger getroffen hatte und das Deutsche Reich im Versailler Vertrag für die Kriegsschuld als alleiniger Schuldiger bezahlen musste, wurden Teile Deutschlands unter Verwaltung des Völkerbundes gestellt und die Bevölkerung auseinander gerissen. Niemand ahnte, dass es einen weiteren Krieg geben würde und vor allem, welchen Verlauf der dritte deutsch-französische Krieg nehmen sollte. Innerhalb dieses Essay soll es um eben diesen dritten Krieg zwischen Deutschland und Frankreich gehen. Dazu wird im ersten Teil der Arbeit die deutsch-französische Beziehung vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges geschildert, ebenso wie die innenpolitische Entwicklung innerhalb Frankreichs, um die politischen Bedingungen des Zweiten Weltkrieges zu skizzieren. Im zweiten Teil wird der Kriegsverlauf zwischen Frankreich und Deutschland kurz skizziert, bevor die, retrospektiv gesehen, beiden wichtigsten politischen Personen Frankreichs zu dieser Zeit kurz vorgestellt werden: Charles de Gaulle und Philippe Pétain. Innerhalb des dritten Teiles der Arbeit soll es dann um die Frage nach der Bedeutung dieser beiden Personen für den weiteren Verlauf des Zweiten Weltkrieges gehen. Abschließend wird ein Fazit bezüglich dieser Fragestellung gezogen.

2. Frankreich vor dem Zweiten Weltkrieg mit Blick auf den Beziehungen zu Deutschland

Wie bereits erwähnt war die Beziehung zwischen Frankreich und Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert vor allem dadurch gekennzeichnet, dass es seit 1870 drei Kriege zwischen den beiden Parteien gab. Beginnend beim Ersten Weltkrieg kann für Frankreich konstatiert werden, dass sich Frankreich in einer innenpolitisch schwierigen Position befand. Diese war vor allem durch den Konflikt der Regierung mit der Arbeiterschaft und der sozialistischen Bewegung gekennzeichnet. Am Vorabend des ersten Weltkrieges sollten noch führende Arbeitervertreter verhaftet werden, was jedoch kurz vor dem Beginn abgesagt wurde. Auf Grund des Krieges folgte eine Loyalitätsbekundung zur französischen Nation durch die Sozialisten. Ein wichtiger Grund hierfür war vor allem der gefühlte Verrat der deutschen Sozialdemokraten, die zunächst pazifistisch agieren wollten, jedoch die Kriegsanleihen in Deutschland unterstützten. Die Union Sacrée, das französische Pendant zum „Burgfrieden“ in Deutschland, verband den größten Teil der verschiedenen politischen Richtungen hinter sich. Während des Krieges kam es jedoch zu ersten Rissen innerhalb der Allianz in der französischen Regierung. Deutschland stand tief im französischen Land und konnte erst spät gestoppt werden. Im Frühjahr 1917 kam es zu Meutereien innerhalb der französischen Armee, die von den Vorgängen an der Ostfront erfahren hatten und eine weitere, verlustreiche, allerdings nicht erfolgreiche Offensive miterlebt hatten. An diesen Meutereien beteiligten sich in etwa 40.000 Soldaten, während sich die Probleme in den beiden französischen Nordarmeen erst legten, als Philippe Pétains der Oberbefehl über die beiden Nordarmeen bekam. Pétain war zu dieser Zeit bereits bekannt als der „Held von Verdun“. Dennoch konnten Frankreich, England und die USA gewinnen; am 11. November 1918 unterzeichnete Deutschland den Vertrag. Der Krieg war vorbei.

In den 20er Jahren herrschte nach dem Ende des Krieges zunächst Ernüchterung: Etwa 10% der männlichen französischen Bevölkerung war gefallen, 1.3 Millionen Männer etwa, während eine weitere Million abhängig von der Veteranenrente war. Diese kamen als Schwerverletzte von der Front und konnten nicht arbeiten. Zusammen macht das etwas mehr als 20% der männlichen Bevölkerung in Frankreich, die, nüchtern betrachtet, aus dem wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen war, aber auch die Folgen für die Gesellschaft waren verheerend. Es mussten insgesamt in etwa fünf Millionen einstmals mobilisierte Männer in die Gesellschaft zurückgeführt werden, eine schwierige Aufgabe in einem verwüsteten Land. Denn die Gebiete im Norden Frankreichs, die besetzt waren, waren größtenteils zerstört. Zu allem Überfluss waren diese Gebiete besonders wichtig für die Kohle- und Erzförderung, während in logischer Konsequenz auch die Stahlproduktion in starke Mitleidenschaft gezogen wurde. Frankreich stand am Rande eines finanziellen Bankrotts, während die Industrieproduktion auf 57% des Vorkriegszustandes gefallen war. Im Angesicht dieses schrecklichen Zustandes Frankreichs und dem Wissen, dass der Krieg nur mit der Hilfe von den Alliierten gewonnen werden konnte, forderte Frankreich gegenüber Deutschland die vollständige Kompensation der Schäden: „L‘Allemagne payera“ war das Motto. Und auch die Arbeiterbewegung, die am Anfang des Ersten Weltkrieges in die Regierungsarbeiten integriert wurde, wurde in Folge des Krieges wieder desintegriert. Am Ende stand eine Radikalisierung dieser, was dazu führte, dass das bürgerliche Lager, von der liberalen Mitte bis zur konservativ-klerikalen Gruppe, enger zusammenrückte. Der gemeinsame Feind war der Bolschewismus.[1]

Was weiterhin wichtig in der Beziehung zu Deutschland ist, ist die Besetzung des Ruhrgebietes Ende 1922, um seine Forderungen gegenüber Deutschland durchzusetzen. Anfang 1924 erlebte Frankreich einen Währungsverfall, Hilfe erhielt Frankreich nur von Großbritannien und der USA, weil diese den Dawes-Plan unterzeichneten und die Ruhrbesetzung beendeten. In Zukunft sollte Frankreich ein solches Vorgehen unterlassen, der Wunsch Frankreichs nach einer hegemonialen Stellung in Europa war damit vorbei. Doch erreichte 1924 die Industrie wieder den Vorkriegsstand und wuchs mit beinahe 5% pro Jahr bis zum Ende des Jahrzehnts. Ein wirtschaftlicher Aufschwung war die Folge.

Gegen Ende des Jahrzehnts war vor allem die französisch-deutsche Konstellation um Aristide Briand (1862-1932) und Gustav Stresemann (1878-1929) wichtig: Beide bemühten sich um die Umsetzung von Ausgleichsplänen, bei denen Deutschland die Forderung nach Revision des Grenzverlaufs im Westen zurücknahm, die Grenzen akzeptierte und das linksrheinische Gebiet weiterhin entmilitarisiert zu lassen. Durch den Tod Stresemanns 1929 wurde diese Politik jedoch beendet und die Zeichen standen wieder auf Konfrontation.

Die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland standen somit zu Beginn des neuen Jahrzehnts unter keinem guten Stern. Frankreich fürchtete den (Wieder-)Aufstieg Deutschlands. Der Tiefpunkt in dieser Furcht war der Vertrag über die deutsch-österreichische Zoll- und Handelsunion, der als Vorstufe zu einer Vereinigung Deutschlands und Österreichs angesehen wurde, auch wenn dieser in letzter Konsequenz scheiterte.

Die beginnende Weltwirtschaftskrise 1929 hatte in Frankreich zunächst keine negativen Auswirkungen, eher im Gegenteil: Produktionsrekorde wurden erzielt, der Haushalt war positiv und die Goldreserven konnten erhöht werden. Erst Ende 1930 erreichte die Weltwirtschaftskrise Frankreich in Folge sinkender Exportzahlen; nicht auf Grund von Strukturproblemen. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise blieben in Frankreich im Vergleich zu anderen Staaten demnach vergleichsweise gemäßigt. Dennoch wirkte sich die Krise negativ auf das politische System aus; in der Zeit zwischen den beiden Kriegen herrschte eine Instabilität der Regierungen, allein die Zahl von über 40 Kabinetten innerhalb der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg deutet dies an. Auch wenn immer wieder die selben Personen innerhalb der Regierungen aktiv waren, war dies nur ein geringer Kontinuitätsfaktor. Letztendlich führte das häufige Wechseln der Regierungen zum Antiparlamentarismus in der Bevölkerung. Auch die faschistische Bewegung erlebte in dieser Zeit einen Aufschwung und wurde Anfang 1934 beispielsweise zu einer großen Gefahr für die französische Politik. Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, 1936, gewann vor allem der Kommunismus an Stimme hinzu. Léon Blum, seines Zeichens Sozialist, wurde neuer Ministerpräsident. Mit Ausbruch des Bürgerkrieges in Spanien geriet die linke Volksfrontregierung Frankreichs unter Druck. Léon Blum wollte der regierenden Volksfrontregierung in Spanien helfen. Daraufhin brach ein Proteststurm der Rechten in Frankreich los. Während Deutschland und Italien die Militärputschisten unterstützte, unterzeichnet Blum ein Abkommen, dass die Einmischung untersagte. Im Juni 1937 musste Léon Blum in Folge von Finanzproblemen zurücktreten und Camille Chautemps, ein Radikaler, nahm seine Position ein. Dieser folgte einem Sparplan, der die Streikaktivitäten innerhalb Frankreichs weiter förderte, die zu einer Krise führte: Am 14. März 1938 hatte Léon Blum abermals die Chance die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Dieser scheiterte jedoch ebenfalls. Die Volksfront wechselte daraufhin in die Opposition und Édouard Daladier wurde neuer Ministerpräsident.

[...]


[1] Vgl. Walther L. Bernecker: Europa zwischen den Kriegen 1914-1945, Stuttgart 2002, S. 151, im Folgenden zitiert als: Bernecker: Europa.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Charles de Gaulle und Philippe Pétain für den Verlauf des Zweiten Weltkrieges
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Europäische Geschichte)
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V231009
ISBN (eBook)
9783656473770
ISBN (Buch)
9783656477075
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, charles, gaulle, philippe, pétain, verlauf, zweiten, weltkrieges
Arbeit zitieren
Christoph Kohls (Autor), 2013, Die Bedeutung von Charles de Gaulle und Philippe Pétain für den Verlauf des Zweiten Weltkrieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231009

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