Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erzieherinnen als Grundlage der Entwicklung und Förderung des Kindes, das ist es, was Erziehungspartnerschaft kennzeichnet und sie heute zum übergreifenden Ziel einer jeden Elternarbeit macht. Um eine themenspezifische Eingrenzung vorzunehmen, wird in dieser Arbeit von der Erziehungspartnerschaft im Elementarbereich ausgegangen, die schon rein begrifflich von der Elternarbeit abgegrenzt werden kann.
Diese Abgrenzung ergibt sich daraus, dass Elternarbeit häufig als umfassendes Synonym verwendet wird, das jegliche Beziehungen und Handlungen zwischen Eltern und Kindern meint. Dass dabei vom dem Begriff „Arbeit“, der meistens negativ konnotiert ist, gesprochen wird, lässt den Eindruck erwecken, die Erzieherinnen seien die Akteure, die die Eltern als passive Adressanten ihrer Arbeit haben. Dennoch wird sowohl in der Fachliteratur als auch im Volksmund nach wie vor von der Elternarbeit gesprochen, sodass dieser Begriff auch in den nachfolgenden Ausführungen seine Verwendung findet, wobei die Erziehungspartnerschaft als ein Aspekt und Ziel der Elternarbeit im Vordergrund steht.
Neben dieser begrifflichen Einschränkung sind der gesellschaftliche Wandel und das daraus resultierende veränderte Familienbild für die Umsetzung der Elternarbeit von Bedeutung. Die Gedanken darüber, wie heute eine „typische“ Familie aussieht, führen zu der Erkenntnis, dass zwar in der Politik der Begriff der Familie verwendet wird, sofern es um eine Lebensgemeinschaft geht, zu der Kinder gehören, aber im Prinzip jede Familienform gemeint sein könnte. Die Kernfamilie, bestehend aus zwei Elternteilen und ein bis zwei Kindern, die Einelternfamilie, die Patchworkfamilie oder andere Formen sind darunter zu verstehen, sodass ihre Erreichbarkeit, ihre Bedürfnisse und ihre Unterstützungsbedarfe im Einzelnen völlig unterschiedlich ausfallen können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Von der Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft
1.1 Definition von Elternarbeit
1.2 Historischer Hintergrund der Elternarbeit
1.3 Ziele der Elternarbeit
1.4 Ansätze zur Elternarbeit
1.4.1 Formen der Elternarbeit
1.4.2 Elternbildung und Elterntraining
1.5 Aktueller Forschungsstand
2. Theoretischer Hintergrund von Erziehungspartnerschaft
2.1 Definition von Erziehungspartnerschaft
2.2 Ziele der Erziehungspartnerschaft
2.3 Konsequenzen für die pädagogische Praxis
3. Erziehungspartnerschaft in Familienzentren
3.1 Hintergrund und Konzept der Familienzentren in NRW
3.2 Bedingungen für das Gütesiegel
3.3 Umsetzung der Erziehungspartnerschaft in Familienzentren
4. Empirische Pilotstudie zur Erziehungspartnerschaft in Kindertageseinrichtungen und Familienzentren
4.1 Forschungsfrage
4.2 Untersuchungsdesign
4.2.1 Erhebungsinstrument
4.2.2 Stichprobe
4.2.3 Untersuchungsdurchführung
4.3 Ergebnisse
4.4 Diskussion
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit sich die Erziehungspartnerschaft in Kindertageseinrichtungen und Familienzentren unterscheidet und welche Rolle das Gütesiegel „Familienzentrum“ dabei spielt, wobei der Fokus auf dem Verständnis und der Umsetzung durch pädagogische Fachkräfte liegt.
- Entwicklung von der klassischen Elternarbeit zur modernen Erziehungspartnerschaft
- Vergleich der konzeptionellen Ansätze und der Praxisumsetzung
- Analyse der Auswirkungen des Gütesiegels auf die Qualität der Zusammenarbeit
- Empirische Untersuchung der Einstellung pädagogischer Fachkräfte
- Identifikation von Gelingensbedingungen und Hemmnissen für die Kooperation
Auszug aus dem Buch
1.1 Definition von Elternarbeit
Versucht man den Begriff der Elternarbeit zu definieren, so fällt auf, dass der Aspekt, unter dem die Eltern von pädagogischen Fachkräften angesehen werden, von großer Bedeutung ist. Dies wird im Folgenden dargestellt, indem einzelne idealtypische Aspekte hinsichtlich der Sichtweise der Erzieherinnen auf die Eltern im Zusammenhang mit einer jeweiligen Definition aufgezeigt werden.
Der erste Aspekt beinhaltet die konstruktive, partnerschaftliche und dialogische Transaktion aktiver Eltern mit pädagogischen Fachkräften (vgl., zit. n. Bernitzke/Schlegel 2004, S.12). „Nach dieser Sichtweise nehmen die Eltern im Gesamtsystem der Institution Kindertageseinrichtung eine gleichberechtigte und aktive Stellung ein, die durch Partizipation und Integration gekennzeichnet ist“ (Wolf 2006, S.157). Eine Definition von Elternarbeit, die mit diesem Gesichtspunkt durchaus verknüpft werden kann, ist die von Stürmer (2001), in der die Elternarbeit die Gesamtheit der Angebote einer Kindertageseinrichtung umfasst. Außerdem wird sie als elementarer Bestandteil der pädagogischen Arbeit verstanden und kann als eine gemeinsame Arbeit beider Beteiligten begriffen werden, die eine wechselseitige Aktion bzw. Kooperation abverlangt (vgl. Wolf 2006, S.158). Diese Art der Arbeit ist verbunden mit der Entwicklung einer Erziehungspartnerschaft, welche im dritten Kapitel genauer konkretisiert und definiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Von der Elternarbeit zur Erziehungspartnerschaft: Dieses Kapitel definiert Elternarbeit, erläutert ihren historischen Hintergrund sowie ihre Ziele und beleuchtet verschiedene Ansätze und aktuelle Forschungsergebnisse.
2. Theoretischer Hintergrund von Erziehungspartnerschaft: Hier wird der Begriff der Erziehungspartnerschaft theoretisch fundiert, Ziele definiert und die notwendigen Konsequenzen für die tägliche pädagogische Praxis abgeleitet.
3. Erziehungspartnerschaft in Familienzentren: Dieses Kapitel konkretisiert das Konzept der Familienzentren in Nordrhein-Westfalen, die Kriterien für das zugehörige Gütesiegel und deren Bedeutung für die gelebte Erziehungspartnerschaft.
4. Empirische Pilotstudie zur Erziehungspartnerschaft in Kindertageseinrichtungen und Familienzentren: Der Hauptteil der Arbeit umfasst das Untersuchungsdesign, die methodische Vorgehensweise, die Darstellung der Ergebnisse sowie eine kritische Diskussion der Erkenntnisse.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit reflektiert die aus der Pilotstudie gewonnenen Erkenntnisse vor dem Hintergrund der theoretischen Ideale und zieht eine Bilanz für die zukünftige pädagogische Praxis.
Schlüsselwörter
Erziehungspartnerschaft, Elternarbeit, Familienzentrum, Kindertageseinrichtung, Elternbildung, Kooperation, Partizipation, pädagogische Fachkräfte, Gütesiegel, Elementarbereich, Elternberatung, Sprachförderung, Elternengagement, Pilotstudie, Familienorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen, mit einem besonderen Fokus auf den Vergleich zwischen klassischen Kitas und zertifizierten Familienzentren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Elternarbeit und Erziehungspartnerschaft, die konzeptionellen Besonderheiten von Familienzentren in NRW sowie die empirische Analyse der Einstellung und Praxis von Fachkräften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet: „Ist die Erziehungspartnerschaft in Kitas oder in Familienzentren ausgeprägter?“ Ziel ist es, herauszufinden, ob die institutionelle Bindung an Gütesiegelkriterien zu einer intensiveren partnerschaftlichen Zusammenarbeit führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die empirische Studie verwendet?
Es wurde eine quantitative Querschnittstudie mittels Fragebögen durchgeführt, an der insgesamt 36 pädagogische Fachkräfte aus 12 verschiedenen Einrichtungen teilgenommen haben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Erziehungspartnerschaft, die Konkretisierung des Familienzentrum-Konzepts sowie die detaillierte Darstellung, Auswertung und Diskussion der Pilotstudie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Erziehungspartnerschaft, Familienzentren, Elternarbeit, Partizipation und pädagogische Fachkräfte beschreiben.
Warum spielt das Gütesiegel für Familienzentren eine so zentrale Rolle?
Das Gütesiegel „Familienzentrum“ verpflichtet Einrichtungen zur Umsetzung spezifischer Qualitätsstandards in Bereichen wie Familienbildung und Beratung, was die Erziehungspartnerschaft zu einem festen, strukturellen Bestandteil macht.
Welches wichtige Ergebnis liefert die Pilotstudie hinsichtlich der Konflikte?
Die Studie zeigt, dass Konflikte zwischen Eltern und Erzieherinnen in beiden Institutionsformen selten auftreten, wobei in Kitas oft organisatorische oder verhaltensbezogene Aspekte als Auslöser genannt werden.
Wie unterscheidet sich die Erreichbarkeit der Familien zwischen den Einrichtungen?
Die Studie ergab, dass die Erreichbarkeit der Familien in Familienzentren aufgrund des stärkeren Sozialraumbezugs zwar konzeptionell besser verankert ist, in der Praxis jedoch von Erzieherinnen dennoch oft als herausforderndes Problem identifiziert wird.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Qualifizierung der Fachkräfte?
Der Autor schlussfolgert, dass neben der theoretischen Ausbildung eine stärkere praktische Vorbereitung und fortlaufende Fortbildung im Umgang mit Eltern essenziell ist, um Professionalität und Sicherheit in der Erziehungspartnerschaft zu gewinnen.
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- Corinna Jagnow (Author), 2010, Erziehungspartnerschaft aus der Perspektive von pädagogischen Fachkräften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/231031