MARLENE DIETRICH - Die 20er Jahre in Berlin und ihre frühen Filme


Hausarbeit, 2001
25 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Berlin der 20er Jahre
2.1. Das Theater
2.2. Der Film

3. Marlene Dietrich vor dem Blauen Engel
3.1. Kindheit und Jugend
3.2. Die 20er Jahre in Berlin

4. Die frühen Filme
4.1. Siebzehn Filme – alles "Einen-Moment-Auftritte"?
4.2. Ich küsse Ihre Hand, Madame
4.3. Die Frau, nach der man sich sehnt

5. Zusammenfassung

6. Anhang
6.1. Literaturverzeichnis
6.2. Filmographie
6.3. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Marlene Dietrich - eine oft als "Legende" betitelte Frau des 20. Jahrhunderts. Sie war eine weltweit bekannte Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin, Ehefrau und Mutter; zu Lebzeiten eine der umstrittensten und geheimnisvollsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der Zauber und die Rätselhaftigkeit ihrer Person dauerten auch über ihren Tod hinaus an und werden sicherlich noch Jahre bestehen bleiben.

Weltweiten Ruhm und Bekanntheitsgrad erlangte die Dietrich 1930, nachdem sie als Lola Lola in Sternbergs Der blaue Engel den Zuschauern beteuerte, sie sei „von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Dietrich bereits in siebzehn Filmen und zahlreichen Bühnenstücken mitgewirkt.[1]

Diese ersten Jahre ihrer Theater- und Filmkarriere wurden jedoch vielfach und zu Unrecht von Biographen und Filmwissenschaftlern abgewertet, was die Dietrich selbst zu Lebzeiten stets unterstützt und sogar gefordert hatte:

„Als ich anfing, dieses Buch zu schreiben, nahm ich mir vor, nur wichtige und möglichst interessante Ereignisse meines Lebens zu beschreiben. Wer also in den Büchern der Biographen die lange Liste der Filme liest, in denen ich angeblich ein Star war, der lasse sich bitte von mir sagen, daß ich erst nach dem Blauen Engel ein Filmstar wurde. Ich gehörte nicht einmal zu den Stars im Blauen Engel. Darüber kann es keinen Zweifel geben! Meine erste Hauptrolle spielte ich in dem Film Marocco, der in Hollywood gedreht wurde.“[2]

Die folgende Hausarbeit soll sich diesem Problem widmen. Ich werde dazu im ersten Teil näher auf Marlene Dietrichs kulturhistorisches Umfeld in Berlin in den 20er Jahren eingehen, um dann im zweiten Teil ihre Biographie und Filmographie dahingehend zu untersuchen, ob dieses Jahrzehnt wirklich eine so unbedeutende Rolle für ihre weitere Karriere spielte.

2. Das Berlin der 20er Jahre

So grau die politische Wirklichkeit der Weimarer Republik war, so glanzvoll war ihre Kultur, die in den 20er Jahren einen rasanten Aufschwung erlebte. Tendenzen, die sich bereits im Kaiserreich angekündigt hatten, konnten nun - durch die Aufhebung von Zensur und kaiserlichem Kunstdiktat - zur freien Entfaltung gelangen.

Mit den "Goldenen Zwanzigern“ wurde Berlin zur Vergnügungsmetropole. Etwa 35 Schauspielbühnen, mehrere Opernhäuser und über 20 Konzertsäle ließen die Stadt zu einem geistigen und kulturellen Zentrum von Weltgeltung werden. Sowohl maßgebende Vertreter der modernen Malerei wie Erich Heckel, Otto Nagel, Karl Hofer, Max Pechstein und George Grosz, als auch bedeutende Schriftsteller der Moderne wie Bertolt Brecht und Heinrich Mann lebten und arbeiteten in Berlin. Neben dem Berliner Rundfunk, der 1923 erstmals seine Sendungen ausstrahlte, hatte hier das größte deutsche Filmunternehmen, die UFA, seinen Sitz. Rund 150 Tages- und Wochenzeitungen wurden verlegt und gedruckt. Hotels, Cafés, Kaufhäuser, Gaststätten und eine ganze Vergnügungsindustrie breiteten sich über die Stadt aus.

2.1. Das Theater

Nachdem mit Max Reinhardts Einzug in die Berliner Theaterszene Anfang des 20. Jahrhunderts die Stadt zu einer der führenden Theatermetropolen Europas avancierte, entstand rund um die Friedrichsstraße ein Zentrum des Operetten-, Varieté- und Revuetheaters. Weder die politischen Wirren noch das wirtschaftliche Elend der frühen Weimarer Republik beeinträchtigten die Entwicklung einer blühenden, sich politisch und ästhetisch differenzierenden und polarisierenden Theaterkultur.

Junge kreative und radikal experimentell gesinnte Theaterregisseure nutzten den finanziell und persönlich motivierten temporären Rückzug Reinhardts Anfang der 20er Jahre und etablierten sich an kleinen, weltanschaulich und ästhetisch ambitionierten Bühnen. Neben Leopold Jessner, dem künstlerischen Direktor des Preußischen Staatstheaters am Gendarmenmarkt, prägten Regisseure wie Jürgen Fehling, Bertolt Viertel, Erich Engel, Karl Heinz Martin, Heinz Hilpert die Berliner Theaterlandschaft gemeinsam mit Schauspielern wie Agnes Straub, Heinrich George, Elisabeth Bergner oder Alexander Granach.

Trotz der sehr differenzierten, kaum noch stilisierten künstlerischen Handschriften, gab es so etwas wie einen Grundzug des Berliner Theaters in der Weimarer Republik: "ein Hang zu Sachlichkeit und offenen, urbanen Darstellungsformen, die sich der Schwesterkünste – Malerei, Musik, Film – bedienten und damit Experimentierlust bewiesen."[3]

Es war eine Zeit der harten Konkurrenzen zwischen Volksbühne, Gendarmenmarkt, den Reinhardt-Bühnen und dem Theater am Schiffbauerdamm - mit Ausnahme des Staatstheaters am Gendarmenmarkt allesamt private, nicht subventionierte Spielstätten.

Weder vorher noch nachher kam jemals wieder solch eine in Quantität und Qualität vergleichbare Heerschar von Kritikern zusammen: Alfred Kerr, Herbert Ihering, Siegfried Jacobson, Monty Jacobs, Emil Faktor u.v.a.

In diesem Jahrzehnt wurden Strukturen für das Theater geschaffen, die noch bis heute wirken, wie beispielsweise strukturelle Rahmenbedingungen und tarifrechtliche Besonderheiten. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und des an Bedeutung wachsenden Konkurrenzmediums Film konnte sich das Theater als Wegbereiter der Moderne behaupten.

2.2. Der Film

Nach dem 1. Weltkrieg erlebte der deutsche Film seine erste wirtschaftliche Blütezeit.

Die 1917 gegründete Universum Film AG (UFA) entwickelte sich in den 20er Jahren zum größten deutschen und neben den Studios in Hollywood weltweit bedeutendsten Filmimperium und vereinte Produktionsstätten, Verleihorganisationen und Lichtspielhäuser in einem Unternehmen. Bei der UFA entstanden zwischen 1920 und 1930 die Klassiker des deutschen Films wie Der letzte Mann (D 1924, Friedrich Wilhelm Murnau), Metropolis (D 1926, Fritz Lang) oder Der blaue Engel (D 1930, Josef von Sternberg). Beliebte Filmstars der 20er und 30er Jahre wie Zarah Leander, Lilian Harvey, Heinz Rühmann, Hans Albers, Heinrich George, Emil Jannings oder eben auch Marlene Dietrich standen ebenso bei der UFA unter Vertrag wie die legendären Filmregisseure Ernst Lubitsch, Friedrich Wilhelm Murnau, Fritz Lang und Josef von Sternberg.

Weitere große Produktionsstätten in Berlin waren Emelka, Phoebus, Erich Pommers Decla-Bioskop und Terra. Mit 474 zumeist in Berlin produzierten Filmen war Deutschland 1922 nach den USA der zweitgrößte Filmhersteller der Welt.

Die Filme der frühen 20er Jahre waren meist publikumswirksame Ausstattungsfilme und in ihrer Umsetzung stark vom Inszenierungsstil Max Reinhardts geprägt.[4] Der Reinhardt-Schüler Ernst Lubitsch war einer der größten Regisseure der frühen Jahre und drehte für die UFA Volkskomödien und Historienfilme, wie beispielsweise Madame Dubarry (D 1919) und Anne Boleyn (D 1920).

Weitere bedeutende Regisseure jener Zeit waren Friedrich Wilhelm Murnau und Fritz Lang. Murnau experimentierte 1922 in Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens mit Licht und Landschaft als Mittel des Horrors, Langs Werk Metropolis (D 1926) wurde zu einer der wichtigsten aber auch umstrittensten Arbeiten in der deutschen Filmgeschichte.

Als Murnau und Lang 1926 beziehungsweise 1933 der UFA den Rücken zukehrten und in die USA gingen, wurde es in den Berliner Studios langsam ruhiger. Die Neue Sachlichkeit war die nun dominierende, etwas zurückhaltende Stilrichtung, mit Georg Wilhelm Pabst als ihrem wichtigsten Vertreter, unter anderem mit Die freudlose Gasse (D 1925) und Die Büchse der Pandora (D 1929).

Obwohl die Tonfilm-Technik ihre Ursprünge in Berlin hatte - Anfang der 20er Jahre entwickelt von den drei Ingenieuren Hans Vogt, Joseph Massolle und Jo Engel - wurde die Bedeutung dieser Entwicklung keineswegs erkannt und der erste Tonfilm Das Mädchen mit den Schwefelhölzern fiel 1925 bei seiner Premiere durch. Erst Ende der 20er Jahre, als die Erfindung inzwischen an Hollywood verkauft war, eroberte der Tonfilm Berlin. Binnen zwei Jahren entstanden so bedeutende Werke wie Sternbergs Heinrich-Mann-Verfilmung Der Blaue Engel (D 1930), die Döblin-Verfilmung Berlin Alexanderplatz (D 1931, Piel Jutzi), G. W. Pabsts Dreigroschenoper (D 1931) nach Brecht und Weill, Fritz Langs M (D 1931) sowie der kommunistische Spielfilm Kuhle Wampe (D 1932, Slatan Dudow).

Dieser kurzen Blüte des Films in Berlin folgte 1933 die Bemächtigung der UFA durch die Nationalsozialisten.

Marlene Dietrich nahm die Tendenzen jener Jahre in sich auf und orientierte sich an ihnen. Sie ist in jenen 20er Jahren zu der Persönlichkeit gereift, die sie dann später war. In ihrem moralischen Lakonismus, dem burschikosen Verhalten, ihren Anschauungen und dem Verhältnis zu Liebe und Erotik ist sie geprägt durch Alltag und Kino jener Zeit.

[...]


[1] vollständige Filmographie der frühen Filme im Anhang abgedruckt

[2] Dietrich, Marlene: Nehmt nur mein Leben. C. Bertelsmann Verlag, München 1979, S.62-63.

[3] Prell; Ullrich: Berlinhandbuch. Das Lexikon der Bundeshauptstadt. FAB Verlag, Berlin 1992, S. 1232.

[4] ebd. S. 372.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
MARLENE DIETRICH - Die 20er Jahre in Berlin und ihre frühen Filme
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Film- und Fernsehwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
25
Katalognummer
V23107
ISBN (eBook)
9783638262958
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
MARLENE, DIETRICH, Jahre, Berlin, Filme
Arbeit zitieren
Anne Klotz (Autor), 2001, MARLENE DIETRICH - Die 20er Jahre in Berlin und ihre frühen Filme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/23107

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